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Formel Eins: Force India verkauft – Wer steckt hinter dem Stroll Konsortium?

von DonDahlmann
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Überraschend schnell hat sich ein neuer Inhaber für Force India gefunden. Doch wer steckt hinter dem Konsortium, das Lawrance Stroll zusammen getrommelt hat?

Das war schnell. Nur zehn Tage, nachdem Force India in die kontrollierte Insolvenz geschickt wurde, hat sich schon ein neuer Käufer gefunden. Den Zuschlag vom Insolvenzverwalter FRP Advisory hat ein Bieter-Konsortium um den kanarischen Milliardär Lawrance Stroll bekommen. Die Details müssen nun noch geklärt werden, man hofft, dass der Prozess bis zum Rennen in Spa abgeschlossen ist. Die Bieter haben zum einen den Gläubigern versichert, dass alle ausstehenden Summen ohne Abschlag beglichen werden und sie konnten dem Insolvenzerwalter zum anderen nachweisen, dass die Finanzierung des Teams auch darüber hinaus gesichert ist. Doch wer sind denn nun die Käufer, die Teil des Konsortiums sind?

Lawrance Stroll
Der Vater von Lance Stroll hat sein Geld im Modegeschäft verdient. Er hat Modemarken wie Pierre Cardin in Lizenz nach Kanada gebracht und dafür gesorgt, dass die Marke Ralph Lauren in Europa groß wurde. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Silas Chou gründete er die Sportswear Holding und investierte 1989 in die Marke Tommy Hilfinger. Den erworbenen Mehrheitsanteil verkaufte man mit großem Gewinn 2001. Das aus dem Verkauf erlangte Geld investierte er teilweise (100 Millionen Dollar) umgehend in die Marke Michael Kors. 2011 brachte er die Marke an Börse. 2015 verkaufte er alle Anteile. Die Marke Kors war zu diesem Zeitpunkt rund 15 Milliarden Dollar an der Börse wert. Sein Vermögen wird auf 2.2 Milliarden Euro geschätzt. Seitdem hat sich Stroll aus dem Modegeschäft zurück gezogen. Die Holding hat seit dem Verkauf der Aktien keine weiteren Geschäfte getätigt.

Silas Chou
Der Hongkong-Chinese ist seit 1989 Geschäftspartner von Stroll. Er kommt aus einer Familie, die eine lange Tradition in der Modebranche hat. Seinen Unternehmen ist der Aufstieg der diverser Modemarken deswegen zu verdanken, weil er in 80er und 90er Jahren über billige Produktionsstätten in China verfügte. Während Stroll sich aus der Modebranche zurück gezogen hat, ist Chou hier weiter aktiv. Sein Vermögen dürfte noch über dem liegen, was Stroll hat.

John Idol
Idol gehört ebenfalls zu den Geschäftspartnern von Stroll. Zunächst war in leitenden Funktionen bei der Marke Ralph Lauren angestellt. Seit 2003, also parallel zum Einstieg der Sportswear Holding, ist er CEO der Marke Michael Kors. Idol ist nicht wie seine Geschäftspartner ausgestiegen, hat aber 2015 Anteile im Wert von rund 400 Millionen Dollar verkauft. Sein Vermögen wird auf etwas knapp unter 1 Milliarde Dollar geschätzt.

John McCaw Jr.
Der Amerikaner gründete mit seinem Bruder Craig 1974 die Firma McCaw Cellular, ein Mobilfunk Unternehmen, das sie 1994 für 11.5 Milliarden Dollar an den US-Telefon Giganten AT&T verkauften. Danach mühte er sich mäßig erfolgreich als Besitzer der Vancouver Canucks (Eishockey) und Vancouver Grizzlies (NBA). Sein NBA Engagement lief holprig, er stieß die Grizzilies wieder ab. Seinen Anteil an den Canucks verkaufte er 2006. Seit dem lassen sich keine weiteren größeren Investments durch ihn oder seine Investment Firmen finden. Die Beteiligung an Force India ist also sein erstes großes Investment im Sportbereich seit den 90er Jahren.

Michael de Picciotto
Dies ist der Neffe von Edgar de Picciotto, der eine der größten Privatbanken der Schweiz, die Union Bancaire Privée, gegründet hat. Michael de Picciotto war bis 2016 Senior Director der Bank, legte diesen Posten aber nieder. Er wechselte in den Aufsichtsrat der deutschen Immobilien und Makler Engels & Völkers, die mit 15 Milliarden Euro Umsatz zu den größten in der Branche gehört.

André Desmarais
Der Familie Desmarais gehört seit 1970 einer der ältesten Finanzinvestment Firmen, die Power Cooperation. Diese verwaltet Anlagen in Höhe von rund 750 Milliarden Dollar. Desmarais bekleidete verschiedene Positionen innerhalb des Unternehmens. Er selber ist noch Aufsichtsrat Mitglied beim Finanzdienstleister IMG. Er soll zu den 30 reichsten Kanadiern gehören.

Jonathan Dudman
Über Dudman findet sich am wenigsten. Er war Financial Director von IMG in Monaco, im Moment gehört ihm das Unternehmen Monaco Sports and Management, deren Homepage so aussieht, als sei sie 2004 das letzte Mal auf den neusten Stand gebracht worden. Das Unternehmen gehört der Catella Group, was wiederum der Finanzarm von IKEA ist. Offensichtlich verwaltet das Unternehmen die Vermögen etlicher Familien aus Monaco.

Wie hoch der Kaufpreis lag und welchen finanziellen Rahmen die Bieter für die Zukunft in Aussicht gestellt haben, ist nicht bekannt. Ursprünglich wollte Vijay Mallya mal etwas mehr als 250 Millionen Euro für das Team haben. Durch die Insolvenz dürfte sich der Kaufpreis erheblich reduziert haben. Ob die Vorbesitzer, Vijay Mallya, Subrata Roy Sahara und die Mol-Familie finanziell entschädigt wurden, ist auch nicht bekannt. Mallya hatte geltend gemacht, dass die bisherige Holding von Force India, die Orange India Holding, dem Team über 158 Millionen Dollar geliehen haben soll. Da der Insolvenzverwalter aber die Kontrolle über die Holding hat, scheint die Summe keine Rolle bei der Übernahme gespielt zu haben. Alles in allem sollen die Verbindlichkeiten von Force India rund 50 Millionen Dollar betragen haben.

Das ein derartig diverses Konsortium einen Rennstall übernimmt, ist zumindest in der Formel Eins eine neue Entwicklung. Abgesehen von Sauber, die im letzten Winter einen Wechsel der Holding erlebten, sind die Besitzverhältnisse der anderen Teams klar. Ungewöhnlich ist es aber nicht, dass sich mehrere Bieter zusammenschließen um ein Unternehmen zu erwerben. In diesem Fall ist allerdings nicht klar, wer eigentlich die Führung im Unternehmen hat, wer also der neue CEO von Force India wird und wie das neue Unternehmen heißt. Diese Details werden vermutlich in den nächsten Wochen ans Licht kommen.

Ein leicht merkwürdigen Beigeschmack hat der Verkauf allerdings schon, wenn man sich die Zeitlinie anschaut. So ein Konsortium stellt man nicht eben nebenbei mit ein paar Telefonaten zusammen. Das Stroll, Chou und Idol sich auf Grund der gemeinsame geschäftlichen Vergangenheit schnell zusammenfinden, mag nachvollziehbar sein, nicht aber bei den anderen Teilhabern. Allein die zu Grunde liegenden Vereinbarungen dürften einige Wochen an Vorbereitungszeit benötigt haben. Das lässt die Vermutung aufkommen, dass die Übernahme von Force India schon seit längerer Zeit vorbereitet wurde.

Dazu passt auch, dass Toto Wolff schon am Tag der Insolvenz gegenüber Medienvertretern sagte, bei den möglichen Bietern würde es sich um Unternehmen mit „sehr tiefer Tasche“ handeln. Sergio Perez betonte ebenfalls, dass das Unternehmen durch seinen Insolvenz-Antrag nun endlich in sicheren Händen sei. Erstaunlich ist auch, wie schnell der Verkaufsprozess abgeschlossen war. Das Bieterverfahren lief bis gestern Nachmittag, am gleichen Tag bekamen Stroll & Co den Zuschlag. Man würde normalerweise vermuten, dass ein Insolvenzverwalter ein paar Tage benötigt, um alle Unterlangen der Bieter zu überprüfen.

Der Verdacht liegt nahe, dass der gesamte Verkauf hinter den Kulissen unter Beteiligung von Mercedes, BWT und Liberty Media seit Wochen oder Monaten eingefädelt wurde. Der Insolvenzantrag von Perez an einem Freitagnachmittag des letzten Rennwochenendes vor der Sommerpause war sicher auch kein Zufall. Da man die Kontrolle über die Insolvenz für den Verkauf benötigte, musste der Antrag von jemanden kommen, der in die Sache eingeweiht war. Der Rest war dann richtiges Timing um das Team weiter an den Rennen teilnehmen lassen zu können.

Liberty Media und die FIA dürften ein sehr großes Interesse daran gehabt haben, dass der Verkauf von Force India a) klappt und b) wenig Aufmerksamkeit erzeugt. Denn Teams, die in Schwierigkeiten geraten, sind keine gute Werbung für die Serie und vor allem für Liberty Media, die die F1 gerade umkrempeln.

In wie weit es intern nun Umbesetzungen bei Force India geben wird, ist ebenfalls nicht klar. In den bisherigen Statements meldete sich nur der Chief Operating Officer, Otmar Szafnauer. Der bisherige de-facto Teamchef Bob Fernlay wurde nicht zitiert. Man kann getrost davon ausgehen, dass Lawrence Stroll selber nicht Teamchef werden wird. Die Rolle könnte dann jetzt an Szafnauer fallen. Ansonsten dürfte beim Management alles so bleiben, wie es ist.

Während klar zu sein scheint, dass Lance Stroll dann ab 2019 im Team seines Vaters antreten wird, ist nicht geklärt, welchen Namen das Team in Zukunft haben wird. Ein Namenswechsel in der laufenden Saison ist nicht möglich.

Bilder: Force India, Williams F1

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