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GT3-Report: DTM Oschersleben / GTWC Magny-Cours / NLS7

von Nils Otterbein
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Auch Ende Juli und Anfang August ging es in der Welt des GT-Sports ordentlich rund! Während einige Weltmeisterschaften gerade Sommerpause machen, kann hiervon im GT3-Bereich keine Rede sein, egal ob in Deutschland oder im europäischen Ausland.

DTM Oschersleben

Nach dem „clean sweap“ von Nicki Thiim am Norisring war der Däne mit seinem Aston Martin für das gesamte Wochenende chancenlos, was ein 18. Platz in der Quali für das erste Rennen eindrucksvoll zeigte. Thomas Preining konnte sich für das erste Rennen nach viel öffentlicher Kritik an der DTM die Pole sichern und das mit einer vorherigen Bestzeit in beiden Trainingssessions. Erstmals stand mit Luca Engstler der neue Lamborghini in der ersten Startreihe, vor den beiden sehr konstanten Maro Engel und Lucas Auer.

Thomas Preining legte schon früh den Grundstein für seinen zweiten Saisonsieg und setzte sich vom Feld zunehmend ab. Ein wenig erinnerte es an die Porsche-Machtdemonstration von Oschersleben 2023, als es damals mit noch weiteren Porsche-Teams einen Vierfach-Sieg, angeführt von Tim Heinemann gegeben hat. Die Verfolger waren die beiden Mercedes von Engel und Auer sowie die beiden immer stärker werdenden Lamborghini von Engstler und Bortolotti. Marko Wittmann schied beim Heimrennen vom Team Schubert bereits vor dem Stoppfenster mit einem Reifenschaden aus, was wohl das Ende der Titelambitionen für ihn bedeuten könnte.

Maro Engel verlor beim Stopp den zweiten Platz gegen Luca Engstler, während Auer und Bortolotti dahinter eng zusammenblieben. Was zunehmend bei den Samstagsrennen auffällt: Offenbar ist es aufgrund der Reifenreglementierungen zu lukrativ geworden, das Samstagsrennen bei einem aussichtslosen Platz frühzeitig zu beenden, weshalb nur 14 Autos ins Ziel kamen. Sicherlich waren es teilweise berechtigte Ausfälle, aber ein wenig bekommt man das Gefühl, dass die Rennen bewusst für eine Vorteilnahme des Sonntags aufgegeben werden. Vielleicht sollte das Reglement hier nochmal ansetzen.

Thomas Preining gewann vor den bereits genannten Piloten das Rennen und wie so oft wurde es ein Oschersleben-Rennen ohne nennenswerte Überholmanöver. Der Kommentar von Lucas Auer „war langweilig“ nach dem Rennen trifft es recht gut auf den Punkt. Das sollte sich am Sonntag wie so oft im Format mit zwei Stopps ändern!

Thomas Preining konnte sich auch für das zweite Rennen die Pole sichern und hatte damit die Chance, analog zu Nicki Thiim in Nürnberg, ein perfektes 56 Punkte Wochenende zu schaffen, womit von der zuvor oft geäußerten Kritik an der Porsche-Einstufung auf einen Schlag nichts mehr zu hören war. Jedoch gab es zu bedenken: Die 20 Kilo Zusatzgewicht merkt man in Oschersleben für gewöhnlich deutlich stärker als am Norisring – und so sollte es auch kommen. Wie schon am Samstag gesellte sich Luca Engstler zu ihm in die erste Reihe.

Die Spitzengruppe um Preining, Engstler, Maini sowie den beiden Schubert BMW von Wittmann und van der Linde sollte bis zur ersten Stoppphase zunächst unverändert Bestand haben. Durch die Bewölkung im Vergleich zum ersten Rennen waren die Reifen nach den Stopps jedoch deutlich schwieriger auf Temperatur zu bringen, was das Timing des Stopps noch wichtiger werden ließ.

Die große Überraschung war nach dem ersten Stoppfenster Mirko Bortolotti, der durch einen frühestmöglichen Stopp, sprich einen extremen Undercut, bis auf die zweite Position nach vorne kam und auf einen Schlag Engel, Engstler, Mainu und Wittmann überholte. Thomas Preining blieb zunächst klar in Führung, womit es nach dem absolut perfekten Wochenende für den Grello aussah. Doch im Stint wurde sein Vorsprung bei leicht einsetzenden Regen deutlich geringer und der hinter ihm fahrende Pulk kam immer näher ran.

Beim zweiten Stopp verlor Preining unmittelbar zwei Plätze gegen Bortolotti und Engel, da die komplette Spitzengruppe in der gleichen Runde zum Stopp ging, in diesem ohnehin mit sechs Minuten sehr kurzen Fenster. Marko Wittmann legte einen starken Schlussstint in seinem Schubert M4 hin, da er durch den frühen Ausfall im ersten Rennen, die neuesten Pneus für die Schlussphase hatte. Doch Thomas Preining war trotz 20 Kilo zusätzlichem Erfolgsgewicht und aufgrund der wenigen Überholmöglichkeiten nicht mehr zu einzuholen, womit es für ihn der vierte Platz wurde, was angesichts einer heftigen Magen-Darm-Grippe ein gutes Ergebnis war.

Mirko Bortolotti konnte damit vor Maro Engel den ersten Temerario-Sieg in der DTM einfahren. Damit nach dem Aston Martin Vantage vom Norisring ein weiterer Debütsieg einer Marke, bzw. in diesem Fall eines Modells. Der große Gewinner des Wochenendes wurde, auch ohne eigenen Sieg, Maro Engel: Dieser führt nun mit über 20 Punkten vor Nicki Thiim, Lucas Auer und Thomas Preining, die gewohnt eng zusammenliegen. Fakt ist: Bei der Konstanz von Winward Racing und Maro Engel in allen möglichen Rennserien werden diese 21 Punkte bereits schwer aufzuholen sein.

Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2614,2617,3557,3724) Hinweis: Wie schon vom Norisring müssen wir mit Bildern leider geizen, das das Problem auf der Mediaseite des ADAC fortwährend besteht.

 

GT World Challenge Magny-Cours

Der Sprint Cup der GT World Challenge nimmt nun richtig Fahrt auf. Zwei Wochen nach dem Aufschlag in Misano ging es nun in die französische Provinz nach Magny-Cours, wo erst wenige Tage zuvor eine Etappe der Tour de France gestartet wurde.

Die Pole für das erste Rennen ging erneut an Jules Gounon als Ersatzfahrer, der auch in Frankreich Chris Lulham nach dessen Blinddarm-OP ersetzte. Dahinter waren meist jene Leistungsträger zu finden, die auch das Wochenende in Misano bestimmten, mit dem WRT BMW von Max Hesse, dem Winward Mercedes von Lucas Auer, dem Comtoyou Aston Martin von Kobe Pauwels sowie dem besten AF Corse Ferrari von Thomas Neubauer. Für die Misano-Doppelsieger Weerts/Van der Linde wurde es nur der zehnte Platz und das erwartet schwierige Wochenende für BMW. Die beiden Mercedes aus dem Bronze Cup, die noch in der zweiten Gruppe der Qualifikation in die Top5 fuhren, überspringe ich mal, weil diese wie üblich aufgrund der Mindeststandzeiten beim Boxenstopp keine Rolle für den Rennverlauf spielten.

Max Hesse wurde der Verlierer der Startrunde und verlor die Plätze gegen Lucas Auer, Fabian Schiller und Thomas Neubauer, kurze Zeit später noch gegen Kobe Pauwels im Aston Martin. Es sollte ein Rennen werden, in dem die Mercedes AMG mannschaftlich enorm stark auftraten und bis zum Stopp mit Jules Gounon, Ethan Jewiss, Lucas Auer und Fabian Schiller eine Vierfach-Führung innehatten. Eine der Enttäuschungen des Rennens war mal wieder der Lionspeed Porsche von Bastian Buus, der nach einer schwachen Quali und einer noch schwächeren Startphase zwischendurch außerhalb der Top20 lag.

Doch im Stoppfenster wurde die Mercedes-Dominanz stark relativiert, eben wegen den Mindeststandzeiten im Bronze Cup. Dazu legte Winward wie in Misano einen recht langsamen Stopp von Lucas Auer auf Maro Engel hin, womit Nicki Thiim im Aston Martin hinter Daniel Juncadella und Arthur Leclerc den zweiten Stint begann. Aufgrund eines Unfalls des Eastalent Audis als Folge einer Kettenreaktion mit mehreren Beteiligten, wurde das Rennen nach dem Stoppfenster für über zehn Minuten unter FCY gelassen. Etwas ungewohnt in der GTWC: Anschließend ohne eine zusammenführende Safety-Car-Phase.

Wer weiß, ob es mit einer kürzeren FCY-Phase, überhaupt zu einem Mercedes-Sieg gereicht hätte. Jedenfalls kamen die dicht zusammenliegenden Leclerc und Thiim in der Schlussphase näher an den Verstappen-Mercedes, eingesetzt von 2Seas Motorsport heran, jedoch ohne direkte Schlagdistanz. Dahinter tat sich ebenfalls nicht mehr viel. Wie üblich sorgt das Nachtrennen in Magny-Cours für tolle Bilder, aber für ein Starterfeld mit 44 Autos war doch erstaunlich wenig los. Am Sonntag sollte das Extrem am anderen Ende der Skala erreicht werden!

Eigentlich sprach auch vor Rennen 2 wenig für BMW, doch Kelvin van der Linde konnte sich (zunächst) die Pole sichern, bevor anschließend wegen zu viel Turboleistung im Motor des M4 Evo eine Disqualifikation folgte, womit das Wochenende für die angereisten Tabellenführer im Sprint Cup endgültig erledigt war. Die Mercedes litten ein wenig unter den Anpassungen für den Sonntag und mussten sich mit dem achten Platz für Juncadella und dem elften Platz für Engel zufriedengeben. Auch Arthur Leclerc musste sich zunächst hinter den Podestplätzen einreihen.

Nicki Thiim erbte die Pole, schmiss diese aber leichtfertig weg, indem er am Start nicht wie gefordert durch die markierte Startbox fuhr. Das Ergebnis war eine zehnsekündige Zeitstrafe. Insofern erbte Marvin Kirchhöfer im Garage59 McLaren zunächst die „bereinigte“ Führung vor dem Audi von Christopher Haase. Im Rennen folgte eine weitaus härtere Gangart als noch am Samstag mit jeder Menge Berührungen, Raufereien und Vergehen im Mittelfeld, unter dem Motto: „Track Limits: Egal!“ Opfer einer Kollision wurde auch Kelvin van der Linde, der knapp zur Rennhalbzeit seinen WRT BMW bis in die Top20 fahren konnte, dann aber das Rennen beenden musste. Kurz vor dem Stoppfenster wurde sogar das Rennen für rund 30 Minuten unterbrochen, da nach dem Abflug des Kessel Ferraris von Dustin Blattner die Leitplanke repariert werden musste.

Das etwas verspätete Stoppfenster brachte einiges im komplett zusammengeführten Starterfeld nach dem Restart durcheinander. Nicht nur, weil Thiim die Strafe absitzen musste, sondern weil auch Garage59 durch einen völlig verkorksten Stopp die Chance auf den Rennsieg aufgeben musste. Letztlich ging Bastian Buus im Lionspeed Porsche in Führung, der noch am Samstag unter ferner Liefen unterwegs war! WRT bekam doch noch die Möglichkeit, ein schwieriges Wochenendes erfreulich abzuschließen, indem ausgerechnet Baptiste Lismont aus dem Silver Cup auf die zweite Position kam.

Nach den Stopps bildete sich hinter dem klar führenden Lionspeed Porsche ein Duell um die Plätze zwei bis vier, in den hinter dem BMW aus dem Silver Cup noch der AF Corse Ferrari von Thomas Neubauer sowie der Rutronik Lamborghini von Luca Engstler involviert waren. Engstler überholte den Ferrari und nutze die Chance für das erste Lamborghini-Podest in der GT World Challenge für den Temerario. Ergebnisse, die noch vor drei Monaten absolut unrealistisch schienen. Wenig zu holen gab es dieses Mal für Leute wie Jules Gounon im 2Seas Mercedes, Max Hesse im WRT BMW oder Lucas Auer in der „Mamba.“

Weiter geht es mit der GT World Challenge Ende des Monats am Nürburgring, dann mit dem ersten Endurance-Rennen seit den 24 Stunden von Spa.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=251)

 

 

NLS7: 6 Stunden Rennen

Am gleichen Wochenende wie die GTWC in Magny-Cours, erlebte die Nürburgring Langstreckenserie mit dem 6 Stunden Rennen das Saisonhighlight, da das 24 Stunden Rennen ja bekanntlich nicht zur Rennserie zählt. Mit 135 Startern und über 20 GT3 wurde ein sehr ordentliches Feld geliefert, womöglich dem besten für den Rest der Saison. Doch aufgrund der Überschneidung mit der GTWC, aber auch mit dem 6 Stunden Rennen der IMSA in Road America, war das Feld mit fünf Pro-Autos in der SP9-Klasse an der Spitze nicht allzu umkämpft, was sich im Rennverlauf bemerkbar machte. Mit Joos Sportwagentechnik (Porsche), Era Motorsport (Mercedes), Up2Race (Porsche) und FK Performance (BMW) waren erneut ein paar neue GT3-Teams dabei, die auf eine noch größere SP9-Klasse beim 24 Stunden Rennen 2027 hoffen lassen.

Ralf Aron wurde nicht ohne Grund am Ende zum Fahrer des Tages gewählt: Mit einer 7:51 fuhr er nicht nur die schnellste Runde der aktuellen Saison, sondern seinen ersten Einsatz seit seinem heftigen Crash im Februar bei den 12 Stunden von Bathurst, den er direkt von der Pole Position beginnen konnte.

In der Startrunde setzten sich Ralf Aron im Winward Mercedes, Frank Stippler im HRT Ford und Adam Christodolou im Era Mercedes bereits leicht vom Feld ab, während dahinter Moritz Kranz im Gamota BMW, Tim Tramnitz bei seinem NLS-GT3-Debüt im Schubert BMW und Nico Menzel im Car Collection Porsche um die weiteren Positionen kämpften. Dieses Duell wurde entzerrt, nachdem der Gamota BMW wegen eines inaktiven Feuerlöschers an die Box geordert wurde. Das ohnehin kleine Feld der Pro-Autos wurde um den Aston Martin von Walkenhorst Motorsport nach einem Achsbruch bereits etwas ärmer, wohl als Spätfolge eines Unfalls in der Qualifikation.

Kurz vor Ende des 1. Stints wurde bereits der Grundstein für den Gesamtsieg des Winward Mercedes gelegt, nachdem Frank Stippler am Ende der GP-Strecke wegen einer Code60 verlangsamte, diese aber Adam Christodolou im verfolgenden Mercedes nicht entdeckte und es zu einem Auffahrunfall kam, was für Era Motorsport einen Ausfall und für Haupt Racing eine lange Reparatur zur Folge hatte. Damit war klar, dass realistische Siegchancen nur noch bei Winward, Schubert und dem Black Falcon Porsche lagen, die einmal mehr klar bestes Pro-Am-Auto wurden.

Danach wurde die Reihenfolge wie üblich durch verschiedene Stintlängen und damit verbundenen unterschiedlichen Stoppzeiten etwas durcheinandergebracht. Ein starkes GT3-Debüt erlebte FK Performance, die mit der #1 aufgrund ihres letztjährigen Meistertitels fahren konnten. Immer wieder befanden sie sich in Podestnähe, Dan Harper konnte sogar kurzzeitig durch verschiedene Taktiken Führungsrunden innehaben, bevor es am Ende der fünfte Gesamtrang wurde.

Luca Stolz im führenden Mercedes bekam eingangs des letzten Renndrittels ordentlich Druck von Jens Klingmann im Schubert BMW, behielt jedoch strategisch durch den späteren letzten Stopp die Führung, die sie nicht mehr abgeben sollten. Am Ende landeten sie mit 39 Sekunden Vorsprung vor dem Schubert BMW mit Klingmann/Tramnitz/de Wilde. Aufgrund der Ausfälle, bzw. Reparaturen bei anderen Pro-Autos, reichte es für den SP9-Pro-Am-Sieger von Black Falcon mit Assenheimer/T. Müller/Pereira zum dritten Gesamtrang. Kleiner Funfact zu Pereira: Dieser reiste danach über 6 Stunden per privatem PKW nach Magny-Cours, um abends den zweiten Stint im Attempto Audi nach Alex Aka zu fahren. Dort wurden sie zunächst zweite im Gold Cup, wurden dann aber noch nach hinten gestuft.

Weiter geht es im September mit NLS8 und NLS9 als Double-Header.

Bildquelle: Felix Töllich (Archibilder)

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