Sowohl die paneuropäische GT3-Serie im Sprint Cup als auch die Nürburgring Langstreckenserie hatten im September ihr jeweils vorletztes Saisonwochenende und geizten dabei nicht mit gutem GT3-Rennsport.
NLS 8/9
Nachdem die NLS von der Idee eines 12 Stunden Rennens mit sechs Rennstunden in zwei Teilen nach Vorbild vieler Creventic-Rennen abgewichen ist, scheint sich der Double Header mit zwei je vierstündigen Rennen als Saisonhighlight zunehmend zu etablieren, was auch am Rennkalender fürs nächste Jahr zu sehen ist. Trotz der DTM-Überschneidung mit dem Sachsenring kam ein qualitativ und quantitativ gutes GT3-Feld zusammen, was in beiden Rennen nicht enttäuschte.
Nach einer reinen ersten Startreihe für BMW sah das erste Rennen packende Startrunden im knapp 130 Auto starken Feld mit Jordan Pepper im Schubert BMW, David Jahn im immer wieder überzeugenden Gamota BMW, Benjamin Leuchter im Audi R8 von Max Kruse Racing aus der AT-Klasse sowie Christian Krognes im
Walkenhorst Aston Martin im Frank Stippler im Haupt Mustang an der Gesamtspitze. Nachdem Schubert einen frühen ersten Stopp einlegte und die Reihenfolge damit zunächst aufgrund der unterschiedlichen Mindeststandzeiten kein klares Bild offenbarte, waren der M4 von Jordan Pepper und der Falken Porsche von Tim Heinemann als Duett an der Spitze mit einem recht großen Abstand auf den Rest des Feldes. Der Vorsprung wuchs aufgrund einer langen Code60-Phase im Bereich Hohenrain-Schikane bis zu Start/Ziel auf zwischendurch rund 90 Sekunden an, womit das Duett an der Gesamtspitze nur noch schwer einzuholen war. Unter den Favoriten fiel der Haupt Mustang mit Frank Stippler weit zurück, nachdem dieser auf einer Betriebsmittelspur in der Mercedes-Arena dem Black Falcon Porsche aus der AM-Klasse ins Heck fuhr und lange repariert werden musste.
Das Rennen blieb in der Folge recht zerfahren, was gegen Rennhalbzeit teils zu Rundenzeiten über zehn Minuten führte. Dadurch war das bereinigte Bild auf der Strecke lange unklar, da ein Zug an Fahrzeugen eine Code 60 erwischen konnte, genau wie der nächste Pulk an Autos noch gerade so an der Code 60 vorbeifahren konnte. Jedoch täuschte das Bild nie darüber hinweg, dass der Falken Porsche und Schubert BMW gegenseitig wie eine Klette hintereinander blieben und eingangs der letzten Rennstunde ihren letzten Stopp zum gleichen Zeitpunkt machten, was für ein enges Finish der beiden sprach. Morris Schuring, der zuvor von Tim Heinemann übernahm, blieb am Steuer, während BMW-Routinier Jens Klingmann den M4 Evo übernahm. Dahinter ergab sich zwischen dem Max Kruse R8, Winward Racing und dem Dunlop-Porsche (das quasi Schwesterauto des Falken Porsche) ein enges Duell um den dritten Rang.
Knapp eine halbe Stunde vor Schluss schaffte Jens Klingmann das entscheidende Manöver für den Sieg. Er bekam auf der Döttinger Höhe einen doppelten Windschatten des Falken Porsche und des Walkenhorst Aston Martin, der aufgrund eines späteren Stopps zwischendurch nach vorne gespült wurde. Obwohl es anschließend bis in die letzte Rennrunde mehrfach sehr eng wurde, insbesondere bei haarigen Überrundungsmanövern, konnte er die Führung bis zum Schluss verteidigen und sich im Ziel rund eine Wagenlänge vorne halten, für eines der engsten NLS-Finishes der letzten Jahrzehnte!
Im Kampf um den dritten Rang profitierte Max Kruse Racing im Audi von einem späten letzten Stopp, was sie am Ende vor den Winward Mercedes von Fabian Schiller und Jaymo Härtling sowie den Dunlop Porsche brachte. Damit gab es das erste Podest für einen GT3-Wagen innerhalb der AT-Klasse mit E20-Benzin für Benjamin Leuchter und den beiden Fugel-Brüdern im Team des frischgebackenen Weltmeisters im Kleinfeldfußball!
Für Schubert war es ein Samstag zum Feiern, da hunderte Kilometer weiter östlich Marco Wittmann kurz zuvor den DTM-Lauf gewinnen konnte.
Für das zweite Rennen am Sonntag konnte Tim Heinemann mit einer fast komplett freien Runde, ein Gedenk des kleineren Starterfeldes am Sonntag, die erste Pole seiner NLS-Karriere im Falken Porsche einfahren. Die Startphase für das Rennen sah zunächst eine vierfache Porsche-Führung mit Morris Schuring, der sich im Polesetter leicht absetzte sowie den beiden Black Falkon Porsche, wohlgemerkt aus der Pro-AM- und AM-Klasse sowie dem Dunlop Porsche als Schwesterauto unter Schnabel Engineering. Die Stärksten des Samstags wie z.B. der Schubert BMW oder Winward steckten nach einer schwachen Qualifikation und Startphase im Verkehr fest, zumal die Wetterbedingungen dieses Mal typisch Eifel sehr unsicher waren und der Regen immer stärker wurde. Am Ende des ersten Stints nahmen die Tropfen zu, jedoch zunächst ohne Notwendigkeit der Regenpneus. Das Rennen war in der Startphase etwas ruhiger als noch am Samstag, vor
allem durch das kleinere Feld.
Bereits nach den ersten Stopps gerieten jedoch die geplanten Stintlängen aus dem Takt und alle Teams mussten die Regenreifen aufziehen. Einer der „Zocker“ auf Slicks war Tobi Müller im Black Falcon Porsche, der zusammen mit seinen Teamkollegen Dylan Pereira und Patrick Assenheimer dieses Jahr ein Abo auf die Siege der Pro-AM-Klasse hat. Nach einer Drive Through seines Teamkollegen im ersten Stint übernahm er die Führung, jedoch mit einem deutlichen Zeitverlust durch einen Dreher ohne Anschlag im Bereich Mutkurve. Nach seinem Wechsel auf Regenreifen musste er sich dann hinter Morris und Flint Schuring im Falken- und Dunlop Porsche einreihen. Für den jüngeren Spross der Schuring-Familie war es obendrein ein
GT3-Debüt, was schwieriger kaum hätte sein können, was er mit Bravour meisterte! Nur der Walkenhorst Aston Martin konnte halbwegs im Kampf um die Podestplätze mit der Porsche-Flotte mithalten.
Tim Heinemann baute den Vorsprung anschließend aus, womit eingangs der letzten Rennstunde unter beginnendem Starkregen der Falken-Sieg nicht mehr zu nehmen war, zumal der Zeitpunkt des letzten Stopps identisch mit dem Dunlop-Wagen gewesen ist. Damit ging kein Weg mehr am Doppelsieg für die Butzbacher Mannschaft vorbei. Für Black Falcon reichte es locker für einen dritten Gesamtrang, vor allem, nachdem der Walkenhorst Aston Martin nach einem starken Stint von Dennis Fetzer in der Starkregen-Phase mit Christian Krognes weiter zurückfiel. Gamota Racing konnte hinter Walkenhorst am Ende den fünften Rang
einfahren, was die gute Entwicklung dieses Projekts unter Leitung von Antal Zsigo erneut aufzeigt. Für Haupt Racing blieb an diesem Wochenende mit dem einzigen eingesetzten Mustang nur der sechste Gesamtrang als bestes Ergebnis.
Es waren zwei Rennen, die für die Ausgeglichenheit der SP9-Klasse innerhalb der NLS sprechen, wenn man bedenkt, dass am Samstag mit einer reinen Pro-Besatzung der betagte Audi R8 von Kruse Racing beste Chancen auf den Gesamtsieg gehabt hätte. Am Sonntag hätte wiederum der Sieg ohne den Dreher mit großem Zeitverlust und die Drive Through Strafe durchaus an den Pro-AM Porsche von Black Falcon gehen können. Einziger Wehrmutstropfen: Der Porsche-Überhang in der Klasse erinnert doch ein wenig an die Übergangszeit zwischen GT2 und GT3 Ende der 00er Jahre, als übrigens aufgrund der Porsche-Dominanz die Abläufe mit Mindeststandzeiten in Relation zu Stintlängen eingeführt wurden, um ein ausgeglicheneres Kräfteverhältnis herzustellen. Bei den aktuellen Einsatzteams wäre es nicht überraschend, wenn zum 24 Stunden Rennen 2027 eine übermäßig hohe Anzahl an Porsche 911 GT3 gegenüber anderen Modellen am Start wäre.
Bildquelle: Archivbilder Felix Töllich
GTWC Sprint Cup in Zandvoort
Wie üblich wurde durch die Prozedur mit Quali 1A und 1B die Startreihenfolge für das erste Rennen nach Klassen ordentlich durchgewirbelt. Lediglich der Boutsen VDS Porsche mit Morris Schuring zeigte in der Pro-Klasse keine Blöße und qualifizierte sich vor dem McLaren von Thomas Fleming, dem AF Corse Ferrari von Tommaso Mosca (beide Gold Cup) sowie einigen Wagen aus dem Bronze Cup mit Eddie Cheever für Sky Tempesta Racing und Augusto Farfus im Paradine BMW.
Den Start für Rennen 1 konnte Thomas Fleming im Garage59 McLaren gegen Schuring vor sich entscheiden und übernahm die Führung. Trotz 45 Autos auf der schmalen Dünen-Achterbahn ließ die erste SC-Phase mehrere Runden auf sich warten nach einer Kollision zwischen Amaury Cordeel im WRT BMW und einem
der AF Corse Ferrari. Nach dem Restart folgte der in Zandvoort so übliche Rennverlauf mit einem eng zusammenliegenden Feld, jedoch ohne nennenswerte Überholmanöver.
Garage59 konnte mit Louis Prette die Führung behalten, trotz eines zwei Sekunden längeren Stopps im Vergleich zum Boutsen VDS Porsche, der nun von Dorian Boccolacci pilotiert wurde. Ein mögliches unsafe release des McLaren blieb ungeahndet seitens der Rennleitung. Durch die Mindeststandzeiten des Bronze Cups ergab sich nun hinter den beiden Führenden ein klareres Bild mit Simon Birch im dänischen Ferrari, Ricardo Feller im Lionspeed Porsche, Ben Green im Emil Frey Ferrari und zwei weiteren Ferrari mit Arthur Leclerc und Matthias Zagazeta, beide für AF Corse. Unmittelbar nach dem Stoppfenster folgte die nächste
Neutralisation ohne anschließende SC-Phase nach einem Ausfall des WRT BMW mit Kelvin van der Linde, der die Meisterschaftschancen schwinden ließ.
Die Schlussminuten sorgten für einen sehr turbulenten Kampf um die dritte Position. Ben Green konnte in der Tarzan-Bocht an Birch und Feller außen herum im leichten Banking vorbeigehen, in Verbindung mit einem Überrundungsmanöver, womit er den Grundstein für den dritten Platz legte. Der Lionspeed Porsche mit Ricardo Feller kam auf dem vierten Rang ins Ziel, jedoch schlussendlich ohne Punkte durch eine anschließende 20 Sekunden Strafe, da der Gurt vor dem Fahrerwechsel seitens Bastian Buus zu früh gelockert wurde, was mit den Inboard-Kameras seitens der Rennleitung entdeckt wurde. Ein Rennen, wie es
ein wenig zur Saison von Lionspeed, aber auch anderer Meisterschaftsfavoriten passt: Ein Auf und Ab! Der Gold-Wagen von Garage59 gewann das Rennen vor Boutsen VDS.
Auch für das zweite Rennen waren die Ferrari mit Konsta Lappalainen im 296 von Emil Frey, seinem Teamkollegen Ben Green und Matthias Zagazeta im AF Corse Ferrari auf den Plätzen eins, drei und fünf weitgehend tonangebend. Nur erneut Louis Prette mit dem zweiten Rang im zuvor siegreichen McLaren und Max Hesse im WRT BMW auf dem vierten Rang, konnten die Ferrari-Dominanz brechen.
Das Rennen ging nach einer Kollision zwischen einem der Comtoyou Aston Martin und Christopher Haase im
Eastalent Audi sowie dem im Kies stehenden Lionspeed Porsche aus dem Bronze Cup mit zwei Neutralisationen etwas holprig los. Doch der zweite Restart sorgte unter den Emil Frey Ferraris für einen internen Führungswechsel, da Konsta Lappalainen schlecht beim Restart reagierte und Ben Green vorbeizog. Hinter den beiden ging es mit Louis Prette, Ricardo Feller und dem AF Corse Ferrari von Zagazeta zu den Stopps.
Gewinner der Stopps war (dieses Mal straffrei) der Lionspeed Porsche mit Bastian Buus, dessen Undercut sich gegenüber des Ferrari von Matteo Cairoli auszahlte und hinter Thierry Vermeulen die zweite Position übernahm. Insgesamt bildeten sich größere Lücken im Feld im Vergleich zum ersten Rennen, was den Effekt
deutlich aufzeigt, wenn in der Qualifikation der Pro- und Gold Cup die nominell besseren Streckenbedingungen in Q1B bekommt und obendrein im Bronze Cup die Gentleman-Driver und AM-Piloten die Quali in Verbindung mit dem ersten Stint fahren.
Die Ferrari waren in der Schlussphase arg überlegen, womit Vermeulen seinem Heimsieg entgegenfuhr und auch Cairoli mächtig Druck auf seinen DTM-Konkurrenten Ricardo Feller ausüben konnte. Für die siegreiche McLaren-Truppe des Samstags war es durch eine Zehn-Sekunden-Strafe in Folge einer Kollision am Rennbeginn ein enttäuschendes Ende des Wochenendes. Vermeulen ist damit der erste niederländische Rennsieger in Zandvoort seit Jeroen Bleekemolen in der Rennserie, bzw. den Vorgängern unter anderen
Namenssponsoren.
Feller/Buus gehen nach dem zweiten Rang damit als Tabellenführer zum Finale nach Barcelona, auch wenn sie von einer fehlerlosen Saison im Vergleich zur immensen Konstanz von Winward im Endurance Cup weit entfernt sind. Wohlgemerkt: Der Sieg bei den 24 Stunden von Spa hat natürlich keinen Einfluss auf den Sprint Cup. Doch auch das Duo Leclerc/Neubauer; Daniel Juncadella trotz eines schwachen Zandvoort-Wochenendes und Van der Linde/Weerts trotz eines weiteren Ausfalls haben noch Chancen für das Finale im Sprint Cup am ersten Oktoberwochenende – in einer Saison, die man im Sprint Cup nicht so richtig greifen kann!
Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=253)
