Nach der bitteren Pleite von Kansas hat Chase Briscoe in Las Vegas eiskalt zurückgeschlagen und die Hitzeschlacht dominiert – Ein Mauerkontakt von Kyle Larson in der letzten Kurve sicherte dem Joe-Gibbs-Piloten endgültig die Erlösung
Chase Briscoe hat am Sonntagnachmittag bei sengender Hitze das South Point 400 auf dem Las Vegas Motor Speedway gewonnen und sich seinen zweiten Saisonsieg in der NASCAR Cup Series 2026 gesichert. Der 31-jährige Pilot von Joe Gibbs Racing dominierte das 267 Runden lange Rennen im Bundesstaat Nevada bei Temperaturen von über 35 Grad Celsius, räumte beide Stage-Siege ab und führte insgesamt 175 Runden an. Am Ende überquerte der Mann aus Indiana die Ziellinie mit einem Vorsprung von 1,376 Sekunden vor Tabellenführer Kyle Larson, womit er sich im Chase-Klassement fünf Rennen vor Schluss um zwei Positionen nach vorne schob.
Für Briscoe war der Triumph im Toyota Camry mit der Startnummer 19 pure Genugtuung, nachdem er erst eine Woche zuvor auf dem Kansas Speedway im finalen Umlauf an Larson gescheitert war. „Ich glaube nicht, dass ich überhaupt in den Teamflieger hätte steigen dürfen, wenn ich das hier nicht gewonnen hätte“, scherzte Briscoe mit breitem Grinsen über die ersehnte Revanche.
Zugleich zeigte sich der JGR-Pilot erleichtert über den Befreiungsschlag: „Ich bin einfach so dankbar, diesen Toyota wieder in die Victory Lane gebracht zu haben. Es war kein direkt schlechtes Jahr, aber die Resultate waren einfach nicht die, die wir uns unbedingt vorgestellt haben. Es ist großartig, all unsere Partner wieder ganz oben zu sehen.“
Der finale Vorsprung spiegelte das Drama der Schlussphase allerdings nur bedingt wider. Larson und Tyler Reddick im 23XI-Toyota hatten den Führenden Briscoe auf den letzten Runden regelrecht niedergehetzt und den Rückstand eingangs der Schlussrunde auf unter vier Zehntelsekunden eingedampft. Beim finalen Angriff in der letzten Kurve verlor Larson jedoch die Kontrolle über seinen Chevrolet und touchierte die Mauer.
Reddick traf daraufhin das Heck von Larsons Wagen, rutschte quer über das Infield-Gras auf die Boxengasse ab, bändigte seinen Boliden jedoch bravourös und rettete Rang drei. Auch Larson hielt sein havariertes Auto auf Kurs und schleppte sich als Zweiter ins Ziel.
„Es war ein echter Fight“, bilanzierte ein lächelnder Larson, der seinen Vorsprung im Klassement dennoch von 26 auf 40 Punkte gegenüber Denny Hamlin ausbaute. „Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie weit wir im ersten Stint des Rennens weg waren. Mein Auto wurde zwar immer besser, aber die Track Position war extrem wichtig und wir haben uns das ganze Rennen über mühsam nach vorne gearbeitet.“
Larson schilderte den dramatischen Showdown im Detail: „Ich habe versucht, geduldig zu bleiben, aber meine Reifen waren im Grunde völlig verbrannt, als ich an Briscoe dran war. Ich habe einfach alles versucht, um zu gewinnen. Ich hatte das Gefühl, zur richtigen Zeit nach oben zu ziehen, und habe alles gegeben, um Schwung aus Turn 3 und 4 mitzunehmen. Dann wurde das Heck extrem lose, ich habe überkorrigiert und stand in der Wand. Zum Glück konnte ich das Ding nach Hause humpeln und Reddick ist noch Dritter geworden – das war verdammt aufregend.“
Emotional war das Wochenende für Larson ohnehin, da er mit einer besonderen Lackierung an den im Mai verstorbenen, zweimaligen NASCAR-Champion Kyle Busch erinnerte: „Ich wünschte wirklich, wir hätten mit diesem Design zu Ehren von Kyle in dessen Heimatstadt gewinnen können.“
Hinter dem Podiumsquartett komplettierten die beiden Penske-Ford-Piloten Austin Cindric und Ryan Blaney die Top 5. Dahinter reihten sich William Byron und Chase Elliott vor Bubba Wallace, Trackhouse-Gaststarter Shane Van Gisbergen und Joey Logano ein. Van Gisbergen war dabei der einzige Fahrer in den Top 10, der nicht um die Meisterschaft kämpft.
Einen gebrauchten Tag erlebte hingegen Hamlin, der zuvor zwei Rennen in Folge in Las Vegas gewonnen hatte und von der Pole-Position gestartet war. Nach einem Dreher zur Rennmitte reichte es nur zu Rang 16. „Ich habe einfach versucht, die verlorene Track Position gutzumachen, bin oben in den Dreck geraten und habe mich weggedreht“, konstatierte Hamlin frustriert. „Dabei wurde der Wagen beschädigt und fuhr sich überhaupt nicht mehr wie zuvor. Wir müssen den Blick nach vorne richten und sehen, dass wir wieder gewinnen. Charlotte sollte uns liegen, aber heute sind wir definitiv hinter den Erwartungen geblieben.“
Auch die übrigen Gibbs-Teams hatten zu kämpfen. Geburtstagskind Ty Gibbs wurde nach einer frühen Boxenstopp-Strafe Siebzehnter, während Christopher Bell nach Problemen mit der Servolenkung nur auf Platz 23 ins Ziel kam. Bell liegt in der Tabelle nun 55 Zähler hinter Spitzenreiter Larson, gefolgt von Logano und Blaney.
Die Entscheidung um den Titel 2026 spitzt sich damit weiter zu. Am Wochenende steht das Bank of America 400 auf dem Charlotte Motor Speedway auf dem Programm – erstmals seit der Saison 2017 gastiert der Cup im Herbst wieder auf dem klassischen 1,5-Meilen-Oval und kehrt dem Roval den Rücken.
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images
