Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Bahrain (Sepang) – Softwarebugs und eine Premiere

Formel Eins: Analyse GP von Bahrain (Sepang) – Softwarebugs und eine Premiere

von DonDahlmann
0 Kommentare 8 minutes read

Die Formel Eins und Regen – das war in den letzten Jahren schon immer so eine Sache. Das Rennen in Sepang setzte noch einen darauf.

Startverschiebung, Startabbruch, Chaos in der Startaufstellung – Bis es in Sepang überhaupt losging, war schon eine Menge los. Denn kaum war das Rennen nach einer Verschiebung von knapp 40 Minuten zumindest in einer Formationsrunde gestartet, wurde es noch chaotischer. Lawson fuhr gar nicht erst los, Pole-Mann Verstappen hatte zwischenzeitlich keine Reaktion vom Gaspedal und Hamilton rollte irgendwann nur noch am Ende des Feldes.

Das Problem: die komplexe, teils von der FIA gesteuerte Software der Autos, hatte im Regen verrücktgespielt und war in eine Art “Notzustand” Modus gegangen. Die Kombination aus langsamer Einführungsrunde und einer speziellen Kappung der erlaubten Energiemenge in bestimmten Kurven im Nassen, sorgte dann für die stehenden Autos. Betroffen waren aber interessanterweise nur Ferrari, Red Bull und Mercedes und das auch nicht bei allen Autos.

Die Rennleitung brach das Startprozedere ab, was zu mehr Chaos führte. Denn welche Startaufstellung galt jetzt? Die originale Aufstellung? Oder galt die Reihenfolge, in der man nach dem Abbruch in die Boxengasse fuhr? Die FIA entschied sich nach einer langen Pause, in der man per OTA die Software der Motoren umstellte, dann für die Originalaufstellung, auch wenn eine andere Regel etwas anderes sagte.

Das ist natürlich a) peinlich und sagt b) eine Menge über die Motoren aus. Sicherlich wird das nicht noch mal passieren und im nächsten Jahr verschiebt sich die Balance zwischen Verbrenner und Akku stärker. Aber es zeigt sich eben auch, dass diese Motoren zu komplex und zu sehr von der Software abhängen, die sie steuert. 2030 mit den simplifizierten V8 kann nicht schnell genug kommen.

Die Frage war dann: Welche Reifen sollte man nehmen? Man war sich uneinig. Die eine Hälfte startete auf den Intermediates, die andere auf Slicks. Schnell stellte sich aber heraus, dass die Intermediates die bessere Wahl waren. Beide Ferraris hatten die Slicks gewählt, ebenso beide McLarens. Um dann in den ersten Runden wie ein Stein durchs Feld zu fallen. Hamilton verlor in drei Runden 54 Sekunden, blieb aber standhaft bei seiner Reifenwahl. Leclerc wechselte nach einer Runde auf die Intermediates und fiel noch weiter zurück.

Dafür bildete sich eine interessante Top‑10 heraus. Es führten beide Mercedes vor Verstappen und Hadjar, dahinter Ocon, beide Williams und die RB. Sollte es also das Rennen der Teams aus dem Mittelfeld werden? Lange sah es so aus. Vorn rückte Verstappen nach wenigen Runden die Reihenfolge wieder zurecht und schnappte sich beide Mercedes. Der Red Bull war an diesem Wochenende tatsächlich unschlagbar. In der Quali war Verstappen drei Zehntel schneller, die Longruns zeigten ein ähnliches Bild.

Mercedes war chancenlos, was das Team selbst überraschte. Das in Sepang vorgestellte Upgrade hätte eigentlich laut Simulation drei Zehntel bringen sollen. Tatsächlich verlor man aber drei Zehntel. Wobei das so ganz auch nicht stimmt. Zwar war Hamilton im Ferrari schneller als Antonelli, aber die Italiener hatte man in Sepang stark erwartet. Es scheint mir eher so zu sein, dass das Upgrade keine Performance gebracht hat (zumindest in Sepang), Red Bull aber einen Sprung nach vorn gemacht hat. Dafür spricht auch, dass Hadjar in der Quali auf P3 landete.

Schaut man auf die Race-Pace, bestätigt sich das Bild.

Nach rund zehn Runden waren die noch auf den Slicks fahrenden Piloten endlich in der Position, die Rundenzeiten an der Spitze zu fahren. Aber da lag Norris auf P15, Hamilton dahinter und Leclerc auf P20. Die Lage veränderte sich aber eine Runde später, als Bottas seinen Cadillac ins Kiesbett feuerte und die Rennleitung das Safety Car auf die Strecke schickte. Das nutzte die gesamte Spitze (P1 bis P13) für einen Wechsel auf die Slicks. Der Rest, der auf den Slicks gestartet war, nahm ebenfalls noch mal frische Reifen, abgesehen von Hamilton, was sich als richtige Entscheidung herausstellen sollte.

Nach dem Neustart bewegte sich dann wenig Feld. Verstappen lag vor beiden Mercedes, Hadjar, Lawson, Ocon, Lindblad, Sainz und Bortoletto. Von hinten drängten also die schnellen Ferraris, die McLarens und mittendrin Fernando Alonso.

Abgesehen von den sehr überlegenen Red Bull war der Aston Martin vielleicht die größte Überraschung im Feld. Nach zwei desaströsen Rennen, zeigte sich der Aston von seiner stärkeren Seite. Schon in der Quali überraschte Alonso mit einem guten zwölften Platz und es fehlten am Ende vier Zehntel, um Q3 zu erreichen. Ein solcher Abstand ist auf einer Strecke wie Sepang nicht viel. Da der Motor in einer Woche nicht besser geworden sein kann, dürfte das Chassis die tragende Rolle gespielt haben.

Wie schon in Ungarn zu sehen war, scheint das Chassis tatsächlich, wie Adrian Newey mal behauptet hat, eines der vier besten Chassis in der Saison zu sein. Interessant wird es dann am kommenden Wochenende, wenn das Rennen Singapur ansteht. Da die Strecke Ungarn recht nahe kommt, könnte man die Aston auch hier gut im Mittelfeld sehen.

Von einer Performance, wie sie Ferrari am Sonntag zeigte, ist man allerdings noch weit entfernt. Dass Hamilton die Plätze drei und vier belegte, kam etwas überraschend. Geholfen haben dabei sicher beide SC-Phasen, die den anfänglichen Rückstand eliminierten. Aber auch die sehr gute Performance beider Ferraris, die zeitweise das schnellste Auto auf der Strecke stellten. Sowohl Hamilton als auch Leclerc arbeiteten sich durch das Feld, hatten allerdings auch die richtige Strategie.

Als das Rennen im Fluss war, kam Leclerc in Runde 29, Hamilton folgte in Runde 32. Man bediente sich eines Undercuts, der vor allem Leclerc einige Plätze brachte. Der Stopp von Leclerc eröffnete eine Reihe von Stopps zwischen Runde 29 und Runde 35, da mit den Medium das Rennen von dieser Runde aus zu Ende gefahren werden konnte.

Doch was war eigentlich mit Ocon und beiden Williams, die am Anfang in den Punkten lagen? Bei Ocon konnte ich keinen Fehler finden. Er stoppte mit allen anderen in Runde 10 und war auch einer der ersten, der in Runde 29 hereinkam. Da lag er noch in den Punkten, aber der Haas hatte in Malaysia nichts zu melden. Beide Autos waren in der Quali schon in Q1 ausgeschieden und die mangelnde Pace setzte sich im Rennen fort.

Anders war es bei Williams. Zwar fehlte hier auch die Pace, aber es kam Pech dazu. Sainz wurde beim Restart nach dem ersten Safety Car im Getümmel gedreht, Albon verlor schnell an Boden, nachdem alle anderen an der Box waren. Albon fiel in Runde 41 aus, Sainz konnte sich nach dem Dreher nicht aus dem Hinterfeld befreien.

Nachdem sich das Feld dann sortiert hatte, war alles wieder beim alten. Die Top-Teams hatten ihre Positionen bezogen, auf den hinteren Punkterängen zeigten sie die RB sehr stark und Alonso lag sicher in den Punkten.

Die Audi hätten da eigentlich auch sein müssen, hatten aber Pech. Bortoletto kam in Runde 16 und zog die harten Reifen auf. Offenbar ein Versuch, das Rennen mit nur einem Stopp zu fahren. Aber der Brasilianer hatte am Anfang des Rennens Leclerc den Frontflügel abgefahren, was ihm eine 10-Sekunden-Strafe einbrachte. Damit war er, trotz eines weiteren SC, dann aus dem Rennen. Hülkenberg lag zwischenzeitlich in den Punkten. Aber er hatte kein gutes Wochenende. In der Quali war in Q1 schon raus und er kämpfte auch im Rennen mit dem Audi. Ohne Pace fiel er hinter die RB und Alonso zurück und beendete das Rennen nur auf P11. Das ist für Audi und in so einem Rennen deutlich zu wenig.

Nichts zu melden, zumindest wenn es um den Sieg ging, hatten am Wochenende die McLaren, was mich einigermaßen überraschte. Weder in der Quali noch im Rennen hatten die Briten den Hauch einer Chance. Piastri landete am Ende nur auf einem sechsten Platz, Norris, nach einem Fehler hinter dem SC, wurde nur neunter.

Der größte Verlierer des Wochenendes war aber George Russell. Nicht nur, dass er mal wieder langsamer als Antonelli war, in Runde 44 verabschiedete sich dann auch noch sein Motor. Er verlor damit den dritten Platz und vermutlich auch die WM. Er liegt jetzt 84 Punkte hinter Antonelli. Sicher, es sind noch sieben Rennen plus ein Sprintrennen nächste Woche in Singapur.

Aber Antonelli müsste schon zwei Ausfälle haben, während Russell gewinnt, damit das noch mal richtig spannend wird. Zudem ist Antonelli meist schneller als Russell. Der Italiener kann es sich erlauben, von jetzt ab sehr strategisch zu fahren. Weitere Siege sind willkommen, aber nicht nötig. Zweite und dritte Plätze reichen ihm aus, vor allem wenn die Red Bull ihre gute Form aus Singapur in weitere Siege ummünzen kann. Mit Mexiko, São Paulo und Abu Dhabi kommen noch mindestens drei Strecken, auf denen die Red Bull immer schnell waren.

Eine Vorentscheidung könnte daher schon in Singapur am kommenden Wochenende fallen. Sollte Antonelli hier seinen Vorsprung weiter ausbauen können, dürfte es das für Russell gewesen sein. Der muss nach seinem Ausfall sogar noch aufpassen, dass ihn Lewis Hamilton nicht einholt. Der siebenfache Weltmeister liegt nur noch 22 Punkte hinter Russell.

In der Konstrukteurs-WM ist Mercedes so gut wie durch. Man führt mit 151 Punkten vor Ferrari, die wiederum 89 Punkte vor McLaren liegen. Dahinter wird es eng, denn Red Bull hat nur noch 18 Punkte Rückstand auf McLaren. “Best of the rest” ist RB mit 90 Punkten, Alpine hat 68 Punkte. Für die Franzosen gibt es noch eine Chance, aber 22 Punkte sind im Mittelfeld nur schwer aufzuholen. Haas hat dank eines guten Starts in die Saison 27 Punkte, Audi 17, Williams 12 und Aston Martin jetzt sieben Zähler. Ohne Punkte bleibt Cadillac.

In einer Woche geht es in Singapur weiter.

Bilder: Pirelli

Das könnte Dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Wenn Du einen Kommentar abgibst, werden einige Deiner Daten gespeichert. Mehr Infos im Impressum.

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.