Das Rennen war geprägt von unterschiedlichen Strategien. Aber das alles störte Antonelli an der Spitze nicht.
Die Rennen auf dem COTA gehören ja meist nicht zu den spannenden Veranstaltungen im Kalender. Und auch in diesem Jahr war es eher ein Slow-Burner. Aber am Ende, als die unterschiedlichen Strategien dann zusammenliefen, wurde es noch mal spannend. Und wie es sich für einen zukünftigen Weltmeister gehört, hatte der auch das nötige Glück.
Dass man zweimal an die Box kommen würde, war gar nicht so klar. Die Freitagssessions deuteten noch auf eine Ein-Stopp-Strategie hin, aber das änderte sich spätestens am Samstag, als einige Teams auch damit anfingen, Reifen zu sparen. Man wollte dann doch einen Satz mehr Soft oder Medium für das Rennen haben. Für alle Fälle. Es sollte sich als die dominante Strategie herausstellen. Ob es für alle die richtige war, sei aber mal dahin gestellt.
Interessant ist ein Blick auf die Median-Zeiten pro Stint. Denn hier lassen sich einige interessante Details erkennen.
Auffallend ist, dass die schnellste Median Pace von den Ein-Stoppern kommt. Es zeigt sich aber auch, dass man zwar über die Distanz die schnelleren Zeiten haben kann, das Ergebnis aber dennoch anders ausfallen kann, wenn die Verschiebungen in der Reifen-Performance am Ende bei einigen mehr Pace zulassen können. Das prominenteste Beispiel ist dabei Lando Norris.
Der McLaren hatte die Pace für ein Podium, aber Norris musste am Ende Leclerc, Verstappen und Hamilton passieren lassen, weil die am Ende die besseren Reifen hatten. Hier ist dann die Frage, ob McLaren mit seinem frühen Stopp in Runde 15 nicht einfach zu nervös gehandelt hat. Die Idee dahinter war, die nach einer schlechten Quali (P7 Piastri, P8 Norris) weiter hinten platzierten McLaren mittels eines Undercuts nach vorn zu bringen. Was auch funktionierte, am Ende aber dann Zeit kostete. Immerhin gewann Norris mit seiner außergewöhnlichen Strategie drei Plätze. Wäre er von P5 und weiter vorn gestartet, wäre auch mehr drin gewesen.
Die Strategie des Siegers, Kimi Antonelli, war dagegen ziemlich simpel. Er kam kurz vor der Hälfte der Distanz an die Box und wechselte von Medium auf die Hard. Dabei hatte Mercedes den Luxus, dass man die sich früh auf zwei Stopps festgelegten Teams beobachten musste. Praktischerweise waren das die nächsten Verfolger, Red Bull und Ferrari.
Nach einer sehenswerten Startrunde gelang es Verstappen, Leclerc niederzuringen, und er platzierte sich hinter Antonelli, den er nicht aus den Augen ließ. Aber er kam auch nicht an den Italiener ran, der vorne scheinbar relativ gelassen die Pace kontrollierte und die Reifen so weit schonte, wie es die Pace zuließ. Die Frage an der Stelle wäre aber: Wie wäre das Rennen gelaufen, wenn Leclerc den zweiten Platz nicht verloren hätte? Denn tatsächlich hatte man den Eindruck, dass er hinter Verstappen vor allem in den ersten Runden etwas Zeit verlor.
Nachdem Verstappen aber in Runde 12 an die Box kam und erneut frische Soft nahm, war klar, dass er ein weiteres Mal an die Box kommen musste. Ferrari konterte eine Runde später erst mit Hamilton und dann eine weitere Runde später mit Leclerc. Der frühe Stopp von Ferrari kam nicht überraschend, der von Verstappen schon eher. Aber Red Bull versuchte, Druck auf Mercedes auszuüben.
Das hätte auch geklappt, wenn der zweite Stint von Verstappen nicht so schlecht gewesen wäre. Seine Pace war im Schnitt acht Zehntel langsamer als auf den Medium. Zieht man rund 3-4 Zehntel für das höhere Gewicht ab, bleiben immer noch vier Zehntel, die er pro Runde verlor. Was ungefähr 8-10 Sekunden für den Stint ausmacht und sich am Ende des letzten Stints, als Verstappen 16 Sekunden Abstand hatte, auch genauso so zeigte. Verstappen, aber auch Leclerc, verloren das Rennen also beide im mittleren Stint.
Komplett aus dem Rennen war da schon Hamilton, der aber auch das gesamte Wochenende nicht ganz die Pace von Leclerc hatte. In der Quali hätte er vor seinem Teamkollegen gelegen, hätte er am Ausgang der letzten Kurve nicht massiv übersteuert. Aber im Rennen war die Sache klar. Gegen Ende seines ersten Stints verlor er zunehmend Zeit, was vielleicht auch die Entscheidung von Ferrari erklärt, den Briten vor Leclerc reinzuholen.
Der zweite Stint von Hamilton war dann auch zu langsam (siehe Grafik oben). Auffallend war, dass sein Ferrari deutlich nervöser lag, als das Auto von Leclerc. Das resultierte in einem höheren Reifenverschleiß und weiteren Zeitverlusten im zweiten Stint. Was dann wieder dazu führte, dass sein Abstand auf P3 am Ende zu groß war. Beim letzten Stopp ließ er den Frontflügel steiler stellen, was deutlich half. Sein letzter Stint war gut und am Ende fehlten ihm eine Sekunde auf P3, nachdem er schon sieben Sekunden hinter Verstappen gelegen hatte.
Es war ein etwas komisches Rennwochenende von Ferrari. In der Quali fehlte die Pace, im Rennen lief es besser, aber auch erst nach der Hälfte des Rennens. Hätte Leclerc mit einer Ein-Stopp-Strategie eine Chance auf den Sieg gehabt? Schwer zu sagen, zumal der Ferrari mit den Medium, die er für den ersten Stint benötigt hätte, keine guten Zeiten zeigte. Ich glaube zudem, dass Antonelli vorne auch noch Reserven hatte. P2 für Leclerc war das Maximum, P3 für Hamilton wäre drin gewesen.
Hinter Norris landete Isaac Hadjar. Der hatte in die Quali überrascht, weil er nur ein Zehntel hinter Verstappen lag und P3 erreichen konnte. Doch die Sache ging schon beim Start schief. Er kam schlecht weg und in der ersten Runde stimmte sein Motorsetting nicht, was ihn weitere Plätze kostete. Red Bull setzte ihn auf eine Ein-Stopp-Strategie, aber die Pace war damit nicht vorhanden. Er steckte zu dem im Kampf mit den McLarens und George Russell, was seinen Rundenzeiten nicht half. P6 fühlte sich aber enttäuschend an.
Piastri landete nach einem für ihn auch eher langweiligen Rennen auf P7. Mehr war da auch nicht drin. Der Australier kommt in diesem Jahr mit dem Auto nicht zurecht und Norris ist deutlich schneller. Weswegen das Team den noch amtierenden Weltmeister schon früh im Rennen an seinem Teamkollegen vorbeilotst, obwohl beide auf der gleichen Strategie unterwegs waren.
P8 ging an George Russell, der ein Wochenende zum Vergessen hatte. In der Quali lief nichts zusammen (es fehlten vier Zehntel auf Antonelli), im Rennen handelte er sich dann eine etwas umstrittene 5-Sekunden-Strafe ein, nachdem er Gasly unsanft behandelt hatte. Damit verlor er dann bei seinem einzigen Stopp wertvolle Zeit, was ihn hinter Piastri und Hadjar warf. Er erweckte aber auch zu keiner Zeit den Eindruck, dass er im Rennen die Pace von Antonelli hatte.
Lawson und Gasly belegten die letzten beiden Punkteplätze. Wobei Lawson ein relativ einsames Rennen mit einer Ein-Stopp-Strategie fuhr, während Gasly vor allem in den ersten Runden alle Hände voll mit Russell und Bearman zu tun hatte. Am Ende lag er aber deutlich vor Hülkenberg, der mal wieder auf P11 ins Ziel kam.
Das Rennen von Hülkenberg ist aber eine extra Erwähnung wert. Er startete von P11, aber beim Start kickte der “Anti-Stall” ein und er lag am Ende der ersten Runde auf P17. Sein erster Stint war dementsprechend langsam, aber immer noch besser als alle anderen im Mittel- und Hinterfeld. Sein zweiter Stint auf den Medium war richtig gut und schneller als der von Piastri, Russell, Lawson und Gasly. Audi wurde also deutlich unter Wert geschlagen, was auch das Rennen von Bortoletto zeigte.
Der Rest lieferte das ab, was man erwarten konnte. Das galt für die Aston, die aber zumindest mal wieder ein kleines Lebenszeichen zeigten, nachdem Alonso das Auto in Q2 gequetscht hatte. Aber mehr sah man dann auch nicht mehr vom Team.
Nächste Woche geht es in Mexiko weiter. Und da wird sich Antonelli zum Weltmeister küren. Er ist ja praktisch schon, denn er muss in Mexiko nur P9 erreichen, egal was die anderen machen. Russell und Hamilton haben also nur noch mathematische Chancen, Verstappen ist schon raus aus dem WM‑Rennen. Wer allerdings den Vize-Titel bekommt, ist nur unklar. Russell und Hamilton trennt nur ein Punkt, weitere fünf Punkte dahinter liegt Verstappen.
In der Team-WM führt Mercedes bequem mit 607 Punkten vor Ferrari, die 474 Punkte haben. Red Bull und McLaren liegen punktgleich mit 355 Punkten auf P3. Der Rest hat sich auseinandergezogen. Audi hätte aber noch die Chance auf P7, da sie nur sieben Punkte hinter den Haas liegen.
Bilder: Pirelli



































