Der Formula 1 Gulf Air Bahrain Grand Prix in Malaysia 2026 hat nicht nur einen langen Namen, sondern auch eine große Vergangenheit.
Warum ist das Rennen in Sepang eigentlich aus dem Kalender verschwunden? Fans, Teams und Fahrer mochten die Strecke und das kaum vorhersehbare Wetter sorgte immer wieder für spannende Rennen. Zudem ist der Kurs eine echte Herausforderung für die Technik, die Aerodynamik und die Fahrer. Aber wie immer liegt die Antwort beim Geld. Malaysia und der damalige Hauptsponsor Petronas hatten einfach keine Lust, die weiter steigenden Gebühren zu zahlen, die die Formel Eins von ihnen verlangt hatte. Und so verschwand das Rennen nach 2017 aus dem Programm.
Dass wir jetzt zumindest mal wieder ein Rennen in Sepang bekommen, liegt an Bahrain. Die haben die Austragung ihres im Frühjahr abgesagten Grand Prix kurzerhand nach Malaysia verlegt. So bekommt das Land nicht nur einen Grand Prix, sondern auch noch Geld für die Austragung. Bahrain hat sogar extra 500 Streckenposten und Helfer an die Strecke geflogen. Offenbar mangelt es nicht an Geld. Daher wird das Rennen unter der Flagge Bahrains laufen, inklusive Nationalhymne und dem ganzen Brimborium drumherum.
Der Formel Eins ist es egal, wer die Fassade bezahlt, so lange sie halt anständig bezahlt wird. Und so haben wir dann halt diese merkwürdige Kombination. Am Ende steht aber ein Rennen auf einer der interessanteren Strecken der Welt.
Die Favoriten zu benennen ist nicht so leicht. Mercedes steht natürlich an erster Stelle. Zudem bringt das Team ein, nach eigenen Worten, signifikantes Upgrade mit, das letzte in diesem Jahr. Nun weiß man natürlich nicht, ob das Upgrade auch die Werte auf der Strecke zeigt, die man sich erhofft, aber die bisherigen Updates, bis auf eins am Frontflügel, haben dieses Jahr gepasst. Insofern ist für die Konkurrenz zu befürchten, dass Mercedes noch einen weiteren Schritt nach vorn gemacht hat.
Dahinter würde ich die McLaren erwarten. Die Medium/High Downforce Strecke mit vielen lang gezogenen Kurven sollte dem McLaren entgegenkommen, der ja eher darunter leidet, etwas zu viel mechanischen Abtrieb zu produzieren. Der ist aber hier erwünscht, von daher könnte McLaren eine Überraschung gelingen.
Ferrari sollte man auch nicht vergessen. Die litten in den letzten Rennen und unter dem Leistungsnachteil ihres Motors, was in Sepang nicht so sehr zum Tragen kommen sollte. Es gibt zwar zwei längere Geraden, aber der Zeitverlust sollte sich für Ferrari in Grenzen halten. Da das Auto auf Strecken wie Silverstone und Barcelona sehr gut funktionierte und Hamilton zuletzt in Zandvoort im Rennen zeitweise das schnellste Auto hatte, würde ich die Chancen der Italiener nicht unterschätzen.
Red Bull ist dagegen schwer einzuschätzen. Das Auto war in Monza und Baku schnell, aber das spricht eher für den Motor, nicht für das Chassis. Auffallend ist eine gewisse Schwäche in der Quali. Das kann darauf hindeuten, dass man bei der Abstimmung einen Kompromiss eingehen muss. Aber abschreiben darf man Red Bull natürlich auch in Sepang nicht.
Im Mittelfeld gibt es keine klaren Favoriten. Alpine, RB und Audi werden eng zusammenliegen. In Sepang wird sich aber auch zeigen, ob das sehr umfangreiche Update von Audi, das in Baku vorgestellt wurde, am Ende auch die Erwartungen erfüllt. Sepang ist ein Kurs, auf dem die Balance zwischen mechanischem und aerodynamischem Grip eine herausragende Rolle spielt. Ob Audi mit dem Update der große Wurf gelungen ist, wird sich zeigen.
Immerhin gibt es gute Nachrichten aus Hinwill. Audi hat sich dazu entschlossen, dem mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommenen Campus ein Update zu verpassen. Das Areal von Sauber wird um- bzw. neu gebaut. Entstehen soll ein integriertes Produktionszentrum, inklusive Windkanal. Fertigstellung: 2030. Produktion des Motors bleibt aber in Deutschland.
Eine Rolle im Kampf um die Punkte könnte auch Haas spielen. Deren letztes Update (Zandvoort) war sicher ein Schritt nach vorne, aber es fällt schwer, die Performance genau einzuschätzen. Auch hier wird Sepang ein guter Gradmesser für die restliche Saison.
Das gilt auch für Williams, die mit dem Baku-Update sicher besser geworden sind. Dass Carlos Sainz den Williams in die Punkte bringen konnte, ist ein deutliches Zeichen. Offenbar hat man das Chassis um mehr als 20 Kilo abgespeckt, was sich auf der Strecke in Sepang zeigen sollte. Ich rechne damit, dass beide Autos es bis Q2 schaffen.
Was die Lage am Schluss des Feldes verschärft. Aston Martin hatte auf den letzten beiden Strecken einen zu schwachen Motor. Aber auch das Rennen in Zandvoort, wo die Motorleistung jetzt nicht eine so große Rolle spielt, lief jetzt nicht gerade gut. In der Woche sind Gerüchte aufgetaucht, dass dem Honda-Motor rund 70 PS fehlen sollen. Sollte das stimmen, bekommt das Gerücht, dass die FIA gerade versucht, hinter den Kulissen die anderen Hersteller dazu zu bewegen, Honda mehr Budget und Freiheiten zu geben, eine solide Grundlage.
Immerhin hat man Alonso dazu bewegen können, dass er noch mal ein Jahr bei Aston dranhängt. Grundlage für seine Entscheidung sei das Rennen in Ungarn gewesen, sagte der Spanier. Ein weiteres Argument dürfte wohl auch sein Gehalt gewesen sein. Ebenfalls verlängert wurde Lance Stroll.
Strategie:
Pirelli bringt C2, C3 und C4 mit nach Sepang. Das ist die etwas weniger konservative Variante, aber die Reifen sind dieses Jahr insgesamt sehr haltbar, sodass ich keine großen Probleme erwarte. Wobei die Hitze natürlich eine Rolle spielen wird. Aber selbst bei extrem hohen Asphalttemperaturen wie in Monza zeigten sich die Pirelli als standhaft. Was sich im nächsten Jahr allerdings ändern soll. Pirelli hat angekündigt, dass man die Laufleitung der Mischungen etwas reduzieren will, um mehr strategische Möglichkeiten zu eröffnen.
Ich gehe davon aus, dass das Feld mehrheitlich auf den Medium starten wird, um dann nur einen Stopp einzulegen. Allerdings könnte die Ein-Stopp-Strategie eng werden, sollte Graining auftauchen. Das war aber vor allem bei den C2 ein Problem, weniger bei den C3. Der Freitag wird dann entscheiden, ob man nicht doch auf zwei Stopps gehen muss. Bei einem Verlust von 22 Sekunden pro Runde wird man die Ein-Stopp-Variante vorziehen.
Aber im hinteren Mittelfeld könnte man einige sehen, die die Hard zum Start wählen. Hintergrund ist hier das Wetter. Bekanntermaßen gibt es in Malaysia gegen Nachmittag immer wieder heftige Regenschauer. Man könnte also versuchen, mit den Hard möglichst lange zu fahren, um einen Schauer abzufangen und sich so einen Stopp zu sparen.



