Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Spanien – Gepflegte Langeweile im Industriegebiet

Formel Eins: Analyse GP von Spanien – Gepflegte Langeweile im Industriegebiet

von DonDahlmann
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Wenig Abwechslung und Lando Norris war der Pechvogel des Rennens. Antonelli enteilt in der WM.

Nicht jedes Rennen kann ein Banger sein, der einen auf der Sitzkante fesselt. Aber schon der erste Anblick des Streckenlayouts in Madrid zeigte, dass es mit dem Überholen auf der Strecke schwierig werden würde. Das Rennen (und die Rahmenrennen) bestätigten den Eindruck leider. Die Geraden waren zu kurz, Sektor 2 und 3 zu eng, damit etwas passieren konnte. Der Overhead für ein Überholmanöver (also wie viel schneller man pro Runde gegenüber dem Vordermann sein musste) betrug 1,7 Sekunden. Das ist zu viel für die Top 10, denn die lagen in der Median-Racepace innerhalb von 1,7 Sekunden.

Einen Offset kann es dann nur geben, wenn man unterschiedliche Reifenstrategien hat, aber auch der Faktor fiel in Madrid aus, weil man nur einmal an die Box kam und das VSC in Runde 13 alle Strategien eliminierte. Einzig die Spätstopper Leclerc, Piastri und Lawson versuchten etwas anderes, dies aber mehr aus Verlegenheit, denn aus praktischen Überlegungen. Daraus resultierte dann eben ein langweiliges Rennen.

Antonelli war auch in Madrid nicht zu schlagen, aber weder hatte er das schnellste Auto, noch war er der schnellste Fahrer am Wochenende. Dieser Pokal ging an Lando Norris. Der hatte in der Quali eine Runde hingelegt, die er selbst als eine seiner besten Runden aller Zeiten bezeichnete. 11 Tausendstel betrug sein Vorsprung am Ende, aber es wären zwei oder drei Zehntel gewesen, hätte er in der letzten Kurve den Scheitelpunkt getroffen.

Die Pole kam etwas überraschend, schien McLaren in Madrid überraschenderweise nicht ganz auf der Höhe zu sein. Norris und Piastri bewegten sich um P5 herum, bis Norris halt diese Runde auspackte. Aber im Rennen war Norris der schnellste Mann, wie die Median-Zeiten zeigen. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass er die Zeiten im Feld fahren musste, nachdem er mit dem VSC Pech hatte.

In Runde 12 musste Stroll mal wieder seinen Aston Martin abstellen, was eine kurze VSC-Phase auslöste. Zu dieser Zeit hatte sich Norris vorn schon 4 Sekunden abgesetzt, aber das VSC wurde genau dann ausgerufen, als er gerade an der Boxenausfahrt vorbei war. Die Kollegen hinter ihm konnten rechtzeitig reagieren. Norris kam eine Runde später und zwar genau in dem Moment, in dem das VSC beendet wurde.

Die Frage ist natürlich: Hätte McLaren ein VSC antizipieren müssen? Immerhin stand das Auto so, dass Streckenposten kurz auf die Piste mussten, und das Feld war zu dem Zeitpunkt schon so weit auseinandergezogen, dass man das nicht ohne Verkehr erledigen konnte. Einerseits hätte man also Norris einfach an die Box holen sollen. Auf der anderen Seite bestand durchaus die Gefahr, dass die Rennleitung auf ein VSC verzichten würde, was die Strategie enorm beeinflusst hätte. Kurz: Es war Pech.

Die Führung übernahm dann Leclerc, der als einziger aus der Führungsgruppe nicht an die Box kam. Nachdem Ferrari Hamilton mit einem Bremsdefekt nach nur fünf Runden verloren hatte und die Ferrari am Wochenende hinter Mercedes, McLaren und Red Bull lagen, versuchte man es mit einer alternativen Strategie. Die Hoffnung, dass sich noch mal ein VSC oder SC ergeben würde, erfüllte sich aber nicht.

Der lange Stint lief zunächst besser, als gedacht. Die Verfolger benötigten einige Zeit, bis sie den Rückstand aufarbeiten konnten. Er kam dann zehn Runden vor dem Ende und am Ende fehlten ihm 29 Sekunden auf Antonelli. Rechnet man die 25 Sekunden raus, die ihn der Stopp gekostet hatte, bleibt ein Abstand von 4 Sekunden. Er hätte mit einer anderen Strategie durchaus eine Chance auf den zweiten oder dritten Platz gehabt. War die Strategie von Ferrari also ein Fehler? Nein – Ferrari setzte bei der Strategie alles auf Sieg und hatte dann nicht das nötige Glück.

Vorn zog dann Antonelli seine Kreise, dicht gefolgt von Max Verstappen. Der blieb in Lauerstellung, konnte aber auch nicht wirklich eingreifen, weil er gegen Ende des Rennens wieder Lando Norris im Genick hatte, der sich nach dem missglückten Stopp an Verstappen herangefahren hatte. Aber auch blieb auf der Strecke dann hinter Verstappen kleben.

P5 ging an George Russell, der am Wochenende klar langsamer als Antonelli war. Er war aber auch der einzige aus der Spitzengruppe, der eine Zwei-Stopp-Strategie versuchte. Er kam in Runde 13 wie alle anderen, dann aber noch mal in Runde 28, um die Medium loszuwerden, die er aufgezogen hatte. Der letzte Stint war dann richtig schnell, aber es war der einzige Moment am Wochenende, an dem Russell dies gelang.

Liam Lawson sah am Wochenende besser aus, als es das Ergebnis vermuten lässt. In der Quali fehlten ihm auf der durchaus komplexen Strecke nur drei Zehntel auf Verstappen. Aber das war dann auch der Unterschied zwischen P3 (Verstappen) und seinem achten Platz. Immerhin gelang es ihm, Piastri hinter sich zu lassen. Was auch das einzige Highlight in den Top 10 war.

Piastri hatte kein gutes Wochenende. Er verlor in der Quali deutlich gegen Norris und im Rennen entschied sich McLaren überraschenderweise, ihn nicht in der VSC‑Phase an die Box zu holen. Das brachte ihm zwar für einen Moment etwas nach vorn, doch am Ende kam die erhoffte zweite Unterbrechung halt nicht. Hätte man ihn reinholen sollen? Unbedingt, denn statt P8 hinter Colapinto wäre P6 drin gewesen. Mehr wäre auch nicht drin gewesen, wenn McLaren Glück mit einer weiteren SC-Phase gehabt hätte.

Colapinto lieferte nach seinem schwachen Rennen in Monza in Madrid ein gutes Wochenende ab. P7 ist das, was der Alpine kann. Dabei half, dass er sein Auto in der Quali auf P9 bringen konnte. Hinzu kam dann die richtige Entscheidung, in der VSC-Phase an die Box zu kommen. Er leistete sich danach keine Fehler und profitierte vom Ausfall Hamiltons und dem Strategiefehler von McLaren.

Lindblad holte P9 und das, nachdem er seinen RB im Training nachhaltig onduliert hatte. RB war am Wochenende aber nicht ganz so stark, wie man vorher vermutet hatte. Der Unfall hat sicher nicht geholfen, genügend Daten fürs Rennen zu sammeln, aber auch Tsunoda hat sich in Madrid schwer.

Der letzte Punkt ging an Hülkenberg. Die Audis haben nach der Sommerpause einen weiteren kleinen Sprung gemacht und sind jetzt näher an Alpine und RB dran. Vergleicht man die Median-Zeiten des letzten Stints zwischen Runde 13 und 57, sieht man Audi und RB praktisch gleichauf, während der Alpine zwei Zehntel schneller ist. Das sah zu Beginn des Jahres noch ganz anders aus.

Im Hinterfeld lohnt eigentlich nur der Blick auf Aston Martin. Die hatte ich in Madrid besser erwartet, aber offenbar gibt es weiterhin Probleme mit der Fahrbarkeit des Honda-Motors. Stroll und Alonso berichteten, dass die Leistungsentwicklung in jeder Runde anders sei, was natürlich nicht dabei hilft, das Auto am Limit zu fahren. Aber ein Blick auf die Median-Zeiten ist doch interessant, weil Alonso, trotz der Probleme, aus der Gruppe des Hinterfelds das schnellste Auto hatte. Tatsächlich wäre P15 möglich gewesen, wenn man nicht eine Zwei-Stopp-Strategie gewählt hätte.

Sicher ist aber, dass Honda dieses Jahr nichts mehr reißen wird. Als erste Reaktion hat man jetzt den langjährigen Chef der Motorentwicklung ausgetauscht. Das sei geplant gewesen, heißt es. Das Problem für Aston ist aber jetzt, dass man ohne verlässlichen Motor eine gewisse Unsicherheit bei den Chassis-Daten hat. Was nicht gut für 2027 ist und vermutlich auch ein Grund dafür ist, warum Alonso noch nichts dazu gesagt hat, ob er aufhört oder nicht.

Sollte Alonso tatsächlich seinen Abschied verkündigen, hätte Aston allerdings ein gewaltiges Problem. Nachdem Sainz bei Williams verlängert hat, gibt es keinen Fahrer mit Erfahrung, den man ins Team holen könnte. Und ganz offensichtlich benötigt man neben Stroll einen Piloten, der genug Erfahrung für die Entwicklung geben kann. Auf dem Markt ist aber keiner. Lawrence Stroll und Honda bleibt nichts anderes übrig, Alonso so lange mehr Geld anzubieten, bis er “Ok” sagt.

Das nächste Rennen ist in 14 Tagen in Baku. Da gibt es die Meldung, dass die F2 an dem Wochenende überraschenderweise ein weiteres Feature-Race in den Zeitplan gequetscht hat. Das dürfte ein Hinweis darauf sein, dass die F1 mit den beiden letzten Rennen in Katar und Abu Dhabi ein Problem hat. Die Lage am Golf und die Situation zwischen Saudi-Arabien und den Houthis in Jemen ist brenzlig.

Das Problem für die F1 sind nicht mal direkte Kampfhandlungen, das wäre eine klare Absage. Vielmehr sind es die Versicherungen, die hier wichtig werden. In der WRC haben Toyota und Hyundai ihre Teilnahme an der Rallye in Saudi-Arabien abgesagt. Die WEC hat die in der Region geplanten Rennen mit zwei Ersatzrennen in Barcelona und Monza getauscht.

In der F1 ist klar, dass Portimao als Ersatz für ein Rennen bereitsteht, bestätigt ist das aber nicht. Eine weitere Alternative, Ende November oder Anfang Dezember in Europa zu finden, ist aber nicht so einfach. Neben Portimão gäbe es noch die Strecke von Jerez in Südspanien, wo das Wetter in dieser Jahreszeit passen könnte und die die nötige Grade‑1-Klassifizierung der FIA hat. Aber dafür müsste man zeitnah eine Entscheidung treffen, damit man sich in Jerez vorbereiten kann. Wahrscheinlicher ist, dass man das Saisonfinale nach Portimão verlegt und ein Rennen ausfallen lässt.

Bilder: Pirelli

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