Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Singapure – Red Bull kommt in Schwung

Formel Eins: Analyse GP von Singapure – Red Bull kommt in Schwung

von DonDahlmann
0 Kommentare 8 minutes read

Max Verstappen gewann den Sprint und das Hauptrennen. Und das auf einer Strecke, die dem Team in der Vergangenheit nie gelegen hat.

Das Rennen in Singapur war erneut keins, das in die Geschichte eingehen wird. Wie üblich diktierte die Startaufstellung und die erste Runde, wie das Rennen ausgehen würde. Doch immerhin kann man eine leichte Machtverschiebung in den Top 4 beobachten. Denn wenn Red Bull innerhalb einer Woche auf einem sehr schnellen und dann auf einem eher langsamen Kurs mit relativer Leichtigkeit gewinnen kann, dann hat sich etwas verändert.

Dabei war Red Bull nicht unantastbar. Ferrari war auf der Strecke gut aufgestellt und scheiterte in beiden Qualis denkbar knapp an der Pole. Und ein Blick auf die Rennpace verrät auch, dass Ferrari gute Chancen hatte. Sicherlich ist die Pace von Verstappen etwas verzerrt, weil er an der Spitze aufgrund seines Vorsprungs nicht so pushen musste, wie Leclerc dahinter. Aber es zeigt auch, dass das Rennen anders hätte ausgehen können, wäre Leclerc am Start der Sprung an die Spitze gelungen.

Was genau Red Bull am Auto in den letzten Wochen gefunden hat, ist nicht klar. Aber eventuell könnte es auch eine Mischung aus Verbesserungen und dem Umstand sein, dass Mercedes mit dem letzten Update aus Baku noch nicht zurechtkommt. Das Team bestätigte aber, dass man wohl dem Grund, warum das Update nicht den Vorteil erbrachte, den man sich erhoffte, auf der Spur ist. Ob man die Lösung dann in den nächsten zwei Wochen finden wird, ist dann wieder eine andere Frage.

Tatsache ist aber auch, dass Red Bull, wie im letzten Jahr, einen enormen Schlussspurt hinlegt. Für die WM wird es zu spät sein, denn Antonelli fehlen nur wenige Punkte, um Weltmeister zu werden. Aber eine alte Regel könnte wieder eine Anwendung finden: Wer in den letzten Rennen einer ausgehenden Saison stark ist, steht auch im Folgejahr vorn.

Während das Sprintrennen aufgrund der gemischten Asphaltbedingungen noch abwechslungsreich war (und weil Lando Norris in der letzten Runde Piastri abschoss), tat sich im Hauptrennen nichts. Der einzige Grund, warum sich die Positionen noch verschoben, lag bei Hamilton.

Ferrari hatte die Strategie gesplittet. Leclerc startete von P2 auf Soft, Hamilton hatte die Medium aufgezogen. Man versprach sich davon, dass man je nach Verlauf des Rennens die Strategie anpassen konnte, um Verstappen unter Druck zu setzen. Ferrari stand mit der Entscheidung, auf die Medium zu setzen, in den Top Ten aber ziemlich alleine. Nur Gasly und weiter hinten Hülkenberg im Audi schlossen sich der Idee an.

Falsch war die Entscheidung nicht, aber es stellte sich heraus, dass der Medium der deutlich schwächere Reifen war. Hamilton verlor in der Anfangsphase schnell den Kontakt zu Verstappen und dem dahinter liegenden Leclerc und konnte sich auch nicht von Antonelli und den beiden McLaren dahinter absetzen.

Damit war klar, dass Hamilton im Kampf um den Sieg nicht würde eingreifen können. Warum sich Ferrari aber dazu entschloss, den Briten dann schon in Runde 18 an die Box zu holen, war nicht klar. Er kam weit vor allen anderen und weit vor dem Fenster, in dem er die Medium hätte wechseln müssen. Ein weiteres Problem war, dass er durch den Stopp hinter beide McLaren, Antonelli und sogar Lawson auf P7 zurückfiel.

Das bedeutete auch, dass Hamilton seine Reifen stärker beanspruchen musste, was denen nicht gut tat. Man spekulierte offenbar auf eine Zwei-Stopp-Strategie, deren Wirksamkeit aber schon im ersten Drittel des Rennens mehr als fraglich war. Wann genau wollte man Hamilton an die Box holen? Die Antwort darauf kam dann leider nicht, weil ein passendes VSC eigentlich die Lösung brachte.

In Runde 39 musste Stroll mal wieder seinen Aston abstellen, was eine VSC-Phase auslöste. Die gesamte Spitzengruppe nutzte dies zu einem Boxenstopp, auch wenn die meisten in Runde 25 und 33 an der Box waren. Aber Stopp war vor allem für diejenigen willkommen, die beim Stopp auf die Medium wechseln mussten und nun die Chance hatten, wieder die besseren Soft-Reifen zu nehmen.

Ferrari bereitete einen Doppel-Stopp vor, aber Hamilton entschied sich, auf P3 liegend, den Wechsel nicht vorzunehmen. Die Idee dahinter war nachvollziehbar. Ein Stopp hätte seine Position nicht verändert und überholen ist in Singapur halt schwierig. Aber es musste ihm auch klar sein, dass der Call dann darauf hinauslaufen würde, dass er auf eine weitere Unterbrechung angewiesen war. Die dann nicht kam. Auf abgenagten Reifen verlor er dann P2 und musste Leclerc, Antonelli und beide McLaren passieren lassen.

Warum sich Hamilton gegen den Stopp entschied, ist unverständlich. Normalerweise liegt er mit seinen Calls ja richtig. In diesem Fall musste ihm klar sein, dass er auf 21 Runden alten Soft keine Chance gegen neue Konkurrenz hatte, die auf neuen Soft unterwegs waren. Der Stopp hätte ihn nicht mal P3 gekostet, da er genug Abstand nach hinten hatte. Nun ist es immer leicht, im Nachhinein zu argumentieren, aber mir fällt wirklich kein einziger Grund ein, der für seine Entscheidung sprechen würde.

Die Konkurrenz freute sich über den Fehler. Besonders profitierte Kimi Antonelli, der ein eher unauffälliges Rennen hatte. Da Mercedes nicht ganz auf der Höhe war, bewegte er sein Auto zunächst auf P4. Er kam ebenfalls relativ früh, in Runde 24, an die Box, was ihn auf P6 zurückwarf. Nach den Stopps der Konkurrenz lag er wieder auf P4, verlor aber einen Platz an Lando Norris.

Für den Italiener war es aber ein Rennen, das man braucht, wenn man Weltmeister werden will. Sein ärgster WM-Konkurrent startete aus der vorletzten Reihe, vor ihm wurden Fehler gemacht und dann hatte er im richtigen Moment den Instinkt, den man benötigt. In der Schlussphase bemühte sich Norris, an Hamilton vorbeizugehen, und beide leisteten sich einen Fehler in T1, den Antonelli dann ausnutzte, um sich P3 zu schnappen. Genau so ein Rennen benötigt man, wenn man Weltmeister werden will. Und mit 102 Punkten Vorsprung bei noch sechs Rennen, sollte der Titel relativ sicher sein.

McLaren landete auf P4 und P5, was exakt deren Leistungsniveau entspricht. Nach einem kurzen Hoch ist das Team wieder da, wo man zu Beginn der Saison war. Man ist das viertbeste Team, auch wenn der Abstand nach vorne nicht ganz so groß ist, wie am Anfang. Zufrieden ist man damit sicher nicht und es wären mehr Punkte am Wochenende drin gewesen, hätte Norris im Sprintrennen nicht mal wieder einen seiner Aussetzer gehabt, als er Piastri abschoss. Als es um P4 ging, wohlgemerkt.

Ein sehr starkes Rennen lieferte erneut Liam Lawson ab, der den RB auf P7 brachte. Lawson hatte den Sprung nach Q3 geschafft, was die Grundlage für sein gutes Rennen darstellte. Im Rennen selbst hatte er wenig zu tun. Er war zu langsam für die Spitze, aber auch zu schnell für den Rest hinter ihm. Er kam in Runde 32 zu seinem einzigen Stopp und verzichtete auf einen weiteren Stopp in Runde 39, was sich in seinem Fall als richtige Entscheidung herausstellen sollte.

Ein ebenfalls gutes Rennen hatte Nico Hülkenberg. Nach zwei eher sehr schwachen Auftritten, passte es in Singapur mal wieder den Deutschen. Er scheiterte zwar an Q3 mal wieder um ein paar Tausendstel, aber da Russell zurückversetzt wurde, startete er dennoch auf P10. Am Start holte er zwei Plätze und konnte P8 dann bis ins Ziel halten. Dabei hatte er in den letzten Runden enormen Druck durch George Russell, der gerne vorbeigekommen wäre. Aber Hülkenberg ist erfahren genug, um zu wissen, wie man ein schnelleres Auto auf so einer Strecke hinter sich hält. Eine Klasse Leistung.

Russell hatte wie erwähnt einen Motorwechsel zu verkraften, dazu tauschte man dann noch andere Teile, also startete er aus der vorletzten Reihe. Selbst mit einem guten Auto wie dem Mercedes pflügt man in Singapur aber nicht in ein paar Runden durchs Feld. In Runde 29 lag er auf P11 und profitierte dann von den Stopps der vor ihm liegenden Autos. Er musste allerdings auch dringend zum Stopp, was er dann in der VSC-Phase in Runde 39 tat. Danach steckte er dann erst hinter Gasly und dann hinter dem Audi fest.

Den letzten Punkt holte Hadjar, der ebenfalls aufgrund des Wechsels verschiedener Teile von hinten starten musste. Er startete auf dem Medium, die er dann in Runde 35 gegen frische Soft eintauschte. Fünf Runden vor Schluss schaffte er es dann, an Gasly vorbeizugehen und sicherte sich so P10. Nur sechs Sekunden hinter Russell, was zeigt, wie gut Hadjar unterwegs war.

Zum Rest lässt sich nur wenig sagen. Alpine verpasste einen Punkt knapp und ich hätte sie in Singapur stärker eingeschätzt. Die Haas zeigten nur kurz eine ansprechende Leistung, lieferten dafür aber den spannendsten Zweikampf des gesamten Rennens, als Bearman und Ocon praktisch eine Runde lang nebeneinander fuhren. Williams war chancenlos, ebenso Aston Martin. Bei letzterem war der Abstand zum vorderen Mittelfeld erwartbar, bei Williams nicht so.

Es gibt nun zwei Wochen Pause, bevor mit COTA, Mexiko und Brasilien der nächste Triple-Header ansteht. Danach würden dann Las Vegas, Katar und Abu Dhabi folgen, aber angesichts der Lage am Golf sind die letzten beiden Rennen noch sehr unsicher. Noch hat die F1 Zeit, das Finale dann entweder nach Imola oder Portimão zu verlegen.

Bilder: Pirelli

Das könnte Dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Wenn Du einen Kommentar abgibst, werden einige Deiner Daten gespeichert. Mehr Infos im Impressum.

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.