Wo sonst würde ein DTM-Finale besser hinpassen als nach Hockenheim? 112.000 Zuschauer sahen über das gesamte Wochenende in allen Klassen durchaus spannende Saisonfinals, die alle erst im letzten Rennen entschieden wurden.
DTM
Nachdem Thomas Preining mit einem stattlichen Vorsprung von mehr als 20 Punkten nach Hockenheim reiste, wurde schon vor dem ersten Rennen der Grundstein für eine Vorentscheidung gelegt. Bei abtrocknenden Bedingungen war die Qualifikation ein Reifen-Gamble, in dem Marco Wittmann und Maro Engel als die einzigen realistischen Gegner verpatzten und nur auf dem siebten und elften Platz landeten. Für Thomas Preining wurde es der dritte Rang hinter Luca Engstler mit der ersten Lamborghini-Pole im Temerario sowie Lucas Auer, der nach dem schwachen Sachsenring-Wochenende keine reellen Chancen mehr hatte.
Doch der Rennstart lief für beide Manthey Porsche alles andere als nach Plan. Ricardo Feller fuhr sich den
Frontsplitter ab und Preining verlor durch einen Ausritt nach der Nordkurve in der Wiese einige Plätze. Der Führungskampf zwischen Lucas Auer und Luca Engstler führte anschließend in Folge einer Kollision zu einer roten Flagge nach einem recht heftigen Einschlag des Abt Lamborghini, der das Ende des Wochenendes bedeutete. Der anschließende Restart hätte für Engel und Wittmann nicht besser laufen können, indem sie einige Plätze gewannen und Engel obendrein in Führung liegend noch von Markenkollegen Lucas Auer abgeschirmt werden konnte. Thomas Preining kam nur langsam aus dem Mittelfeld heraus, nachdem er am Start wichtige Plätze verlor.
Doch die Stoppphase beendete möglicherweise die Titelchancen für Maro Engel, indem das hintere rechte
Rad zunächst nicht draufging und er einen 16 Sekunden-Stopp einlegen musste. Auer, Bortolotti und Wittmann waren damit vor ihm. Engel befand sich damit auf dem vierten Rang, immerhin noch vor Marco Mapelli und Thomas Preining, der damit weniger Punkte als gedacht auf seine Gegner verlieren sollte. Nach den Stopps war es noch ein recht turbulentes Rennen im Mittelfeld, weniger aber um die Meisterschaft entscheidenden Positionen. Obendrein musste Maro Engel nach einem etwas zu harten Manöver gegen Marco Wittmann seinen dritten Rang wieder zurückgeben, während dahinter Thomas Preining gegen Maro Mapelli und Kelvin van der Linde den fünften Platz retten konnte, was ihm für das 16. und letzte Saisonrennen eine klare Tabellenführung einbrachte. Für Lucas Auer war es vor Mirko Bortolotti der erste Sieg, der jedoch nach den drei vorrangegangenen Rennen (Nürburgring Rennen 2 und beiden Sachsenring-
Rennen) nichts mehr für die Titelambitionen brachte.
Für Rennen 2 bedeutete es für Maro Engel und Marco Wittmann eine „Must-Win-Situation“, wie man in den Nascar-Playoffs sagen würde. Obendrein gab es in der Qualifikation ein Frontrow-Lockout für Porsche mit Bastian Buus vor Ricardo Feller. Maro Engel holte immerhin noch einen Punkt für den dritten Rang, während Marco Wittmann mit dem 16. Platz seine realistischen Titelchancen bereits schon am Sonntagmorgen verlor. Für Preining war der siebte Rang mit seinem Teamkollegen vor ihm eine komfortable Situation.
Das Rennen startete am späten Sonntagnachmittag, um die DTM als Schlusspunkt zu haben, mit der
Möglichkeit, eine Track-Invasion der Fans mit Feuerwerk und dergleichen durchführen zu können, wie es zu Class1-Zeiten der DTM üblich war (selbst oft genug erlebt!). Maro Engel verlor in der Startrunde seinen Markenkollegen Jules Gounon, nachdem dieser in der Mamba wie so oft in eine Kollision verwickelt wurde, indem er von Thierry Vermeulen im Emil Frey Ferrari im Heckbereich getroffen wurde. Im Gegensatz zum Samstag hatte Preining eine immens gute Startrunde, indem er hinter Bastian Buus und Maro Engel auf den dritten Rang kam, nachdem er von Feller in der Sachs-Kurve bereits vorbeigelassen wurde, um einen Geleitschutz für das Rennen zu bewirken. Dadurch war die Situation recht unaufgeregt gelöst, was das Rennen trotz der zwei Pflichtstopps zu einem der ereignisloseren der Saison werden ließ.
Bis zu den Stopps konnte sich dieses Paket aus den drei Porsche und dem verbliebenen Winward Mercedes vom Feld absetzen. Klar war: Jede Lücke ließ den
Titel für den „Grello“ noch weiter absichern. Buus fiel vor den ersten Stopps etwas zurück, nachdem Maro Engel die Führung übernahm, was ihn letztlich auch hinter seine beiden Markenkollegen warf. Im Mittelfeld fuhr Marco Wittmann ein starkes Rennen und brachte seinen Schubert BMW von weit hinten auf den siebten Platz, konnte jedoch die große Lücke auf die vorderen Plätze ebenso nicht mehr schließen.
Auch nach den zweiten Stopps waren die Plätze weitestgehend unverändert. Etwas Unsicherheit kam auf, da möglicher Regen drohte und auch leichte Tropfen auf den Scheiben zu sehen waren. Da jedoch von oben nichts mehr herunterkam, außer der Champagner nach dem Rennen, erlebte Maro Engel am Ende einen ähnlichen „Pyros-Sieg“ wie Lucas Auer tags zuvor, der ihm einen sicheren zweiten Gesamtrang vor Wittmann einbrachte, nicht aber den Titel gegen Preining, der als Dankeschön seinen zweiten Rang noch gegen Ricardo Feller tauschte.
Für Manthey ist es damit der dritte Titel im vierten DTM-Jahr, wohlgemerkt für ein Team, dessen Betätigungsfelder klassischerweise von der Langstrecke kommen. Mit sieben Podien in den letzten acht Saisonrennen half auch die Mercedes-Konstanz nicht, die ab dem zweiten Renntag des Nürburgrings sowie über das darauffolgende Wochenende am Sachsenring verloren ging. Trotzdem muss man sagen. Mit einem bereits feststehenden Titel im Endurance Cup der GT World Challenge, den einzelnen Rennsiegen bei den 12 Stunden von Bathurst sowie den 24 Stunden am Nürburgring und einer starken DTM-Saison braucht sich Maro Engel nach dieser GT3-Saison keinesfalls zu verstecken. Ohnehin muss man zusammenfassend bei den Spitzen-GT3-Serien dieses Jahr feststellen: Porsche und Mercedes hatten bei den großen Entscheidungen
den Hut auf, auch wenn natürlich die einzelnen Rennserien nie eines zu eins vergleichbar sind. Dahinter waren es Piloten wie Matteo Cairoli mit dem fünften Gesamtrang, Nicki Thiim im immer noch neuen Comtoyou Team auf dem sechsten Gesamtrang sowie Ben Dörr mit Platz sieben, die für ihre Verhältnisse auf eine ebenfalls starke Saison zurückblicken können.
Ein mögliches Problem für 2027 ist sicherlich der Rennkalender, der nicht nur Überschneidungen mit der WEC vorsieht, sondern auch mit zwei der wichtigsten IMSA-Rennen in Road America und vor allem dem Petit Le Mans. Marco Wittmann äußerte sich deshalb nach dem Rennen mit viel Unsicherheit zu seiner Zukunft in der Rennserie, der mit seinem Sponsor Schaeffler eng mit der Serie verbandelt ist. Auch für
Manthey als Einsatzteam und Jules Gounon, der einen Alpin-Vertrag neben seiner Mercedes-Tätigkeit hat, sind das durchaus Probleme in der Saisonvorbereitung. Gut möglich, dass einzelne Termine noch geschoben werden. Hauptpriorität hat für den ADAC der Terminkalender der GT World Challenge, auch wenn WEC und IMSA ihre Kalender bereits sehr früh im Jahr präsentiert haben.
Wie eingangs erwähnt kann der ADAC auch nach dieser Saison stattliche Zuschauerzahlen vorweisen. Nicht nur die 112.000 Fans am Hockenheimring, auch über 600.000 Fans über die gesamte Saison als Vor-Ort-Besucher machen deutlich, dass die DTM-Plattform einen neuen Peak der Fanbegeisterung erreicht hat, den es wohl seit dem Ende der „alten DTM“ nicht mehr gab. Machen wir uns nichts vor: Ein komplett volles
Motodrom, inklusive der kaum noch geöffneten Nordtribüne, wird es nie wieder geben.
Für Tickets im Bereich zwischen 50 bis 80 Euro, einem Konzept nahe am Fan und für die gesamte Familie funktioniert das Konzept des ADAC besser denn je. Auch wenn es immer noch genug Nörgler gibt, die das Alleinstellungsmerkmal der DTM seit der GT3-Wandlung vermissen, gibt ihnen der Erfolg absolut recht! Ich kann nur raten: Wer ein modernes DTM-Wochenende vor Ort noch nicht gesehen hat, sollte es sich für 2027 mal auf die Fahnen schreiben, obgleich das Rahmenprogramm abseits des Porsche Carrera Cup in Sachen Starterzahlen mittlerweile arg schwächelt. Das Paket soll auch im nächsten Jahr vorwiegend aus GT Masters, GT4, BMW M2 Cup, Porsche Carrera Cup und der neuen F4 Germany bestehen.
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2614,2617,3557,3794)
ADAC GT Masters
Die regennasse Qualifikation für das erste Rennen sorgte für eine Doppelpole für Razoon more than racing, die auch für 2027 eine Zusage für zwei Autos in der Rennserie gegeben haben. Erneut stark unter schwierigen Bedingungen war der Audi R8 von Seyffarth Motorsport mit Simon Connr Primm. Im Titelkampf
sah es erneut nach einem Wechsel an der Tabellenspitze zwischen dem Engstler Lamborghini mit Finn Zulauf/Felix Hirsiger und dem erneut sehr regenschwachen BMW von Tim Zimmermann/Leyton Fourie aus. Ohnehin waren die vier BMW geschlossen auf den hinteren Plätzen.
Im trockenen Rennen konnte Primm im Audi am Start in Führung gegen die beiden Porsche gehen. Mark Kastelic verlor einige Plätze, auch gegenüber seinem Teamkollegen Leo Pichler im zunächst besser platzierten Razoon Porsche, der in den Startrunden jedoch auch Plätze gegen die beiden Ford Mustang von Kiano Blum und Fabian Dybionka verlor. Felix Hirsiger konnte sich bis zum Stoppfenster auf dem vierten
Rang halten, mit Kurs die Tabellenführung vor dem anschließend letzten Saisonrennen zu holen. Obendrein gewann er noch einen weiteren Platz und war damit hinter Robin Rogalski im Audi und Niklas Kalus im Mustang. Dahinter tauchte als Gaststarter nach längerer Zeit mal wieder ein Pro-Am-Wagen mit entsprechend 15 Sekunden weniger Standzeit auf, pilotiert von Gerhard Tweraser und Petr Fulín im Audi für Fullinrace Academy.
Nach einem Abflug von Colin Jamie Bönighausen im Razoon Porsche folgte eine Full-Course-Yellow, ohne jedoch die Abstände danach durch ein Safety-Car zu eliminieren. Kalus und Zulauf konnten dennoch in der Schlussphase an Robin Rogalski im Audi vorbeigehen, der über die gesamte Saison nicht den Speed seines
Teamkollegen Simon Connor Primm hatte und nur den dritten Rang erzielen konnte. Für den FK BMW von Zimmermann/Fourie reichte es immerhin noch hinter dem zweiten HRT Mustang und dem Razoon Porsche von Kastelic/Lefterov für den sechsten Rang. Damit waren Engstler Motorsport und FK Performance fünf Punkte getrennt vor dem letzten Rennen, mit dem Vorteil für Zulauf/Hirsiger.
Zulauf holte am Sonntagmorgen die Pole für Rennen 2, Leyton Fourie musste erneut Plätze aufholen. Der Lamborghini-Pilot setzte sich im womöglich letzten Rennen des Huracan gegen Jamie Day im Aston Martin und Niklas Kalus durch. Nachdem Day vom Schubert BMW von Juliano Holzem in der Haarnadel umgedreht wurde, wurde er mit Kalus und Emil Gjerdrum von beiden HRT Mustang verfolgt. Sie schirmten Leyton Fourie
ab, der im FK Performance BMW einen Sieg brauchte, während der Engstler Lamborghini nicht über den dritten Platz hinauskommen durfte. Es folgte eine ähnlich ruhige Startphase wie in der DTM mit sich bildenden Abständen, was den Tabellenführern natürlich entgegenkam. Der Mustang von Niklas Kalus fiel offensichtlich mit einem Bremsdefekt aus, was zu einer anschließenden Full Course Yellow führte, jedoch zum Leitwesen von FK Performance ohne Safety-Car.
In der Folge des Rennens waren die Zweikämpfe zwischen den beiden Audi sowie das Duell um den letzten Platz zwischen dem Engstler Lamborghini von Ethan Brown/Tim Hütter und dem zurückgefallenen Aston Martin zwischen Jamie Day/Romain Detout interessant zu beobachten, da sie praktisch das gesamte Rennen
ausgefochten wurden. Vorne passierte herzlich wenig.
Nach den Stopps konnte Tim Zimmermann einen Platz gewinnen, dennoch weiterhin mit einem gewissen Abstand auf Felix Hirsiger, der dem Titel entgegenfuhr. Kastelic konnte sich im Razoon Porsche gegen Fabian Dybionka durch das Timing des Stopps durchsetzen. Unter dem Jubel der vielen Zuschauer brachte die österreichische Porsche-Truppe kurz vor Rennende auch noch den zweiten Wagen mit Collin Jamie Bönighausen auf die Strecke, nachdem sie über Nacht eine neue Rohkarosse aufbauen mussten. Sicher eine der Geschichten des Wochenendes!
Relativ unaufgeregt ging es auf den vorderen Plätzen unverändert in Richtung Zieleinlauf, was mit dem Sieg für Zulauf/Hirsiger auch den ersten Titel für
Engstler Motorsport im GT Masters bedeutete. Der dritte Titel für einen Lamborghini nach Christopher Haase als ersten Meister überhaupt 2007 für Reiter Engineering sowie Albert von Thurn und Taxis mit Peter Kox 2010. Der Titel ist gleichbedeutend mit dem Gewinn der Road-to-DTM-Wertung für Finn Zulauf, der damit nach Tom Kalender und Finn Wiebelhaus der dritte Pilot wird, der einen Zuschuss für ein mögliches DTM-Cockpit bekommt. Dieses Konzept soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden, um einen Anreiz für die Rennserie zu schaffen.
Bleibt weiterhin zu hoffen, dass die Starterzahlen etwas besser werden und wieder näher an die 20er Marke rücken. Neu ist im kommenden Jahr, dass ein Reifenwechsel bei allen Rennen, nicht nur im Endurance-
Format, verpflichtet stattfinden muss. Damit sollen die Fahrer gezielt auf die Aufwärm-Thematik der DTM vorbereitet werden. Ein Stand-alone-Wochenende ohne die DTM wird es wie schon die letzten Jahre am Nürburgring im Rahmen des Truck Grand Prix geben. Am Salzburgring wird hingegen nicht mehr gefahren, was durch den Sachsenring im Rahmen der DTM ersetzt wird.
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,3562,3798)
Nächste Woche schließen wir den diesjährigen GT3-Report mit dem letzten Langstreckenrennen der NLS und dem Finale der GT World Challenge im Endurance Cup in Portimao ab!
