Home Formel EinsF1Formel Eins: GP von Kanada – Mercedes triumphiert, Norris deprimiert

Formel Eins: GP von Kanada – Mercedes triumphiert, Norris deprimiert

von DonDahlmann
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Eigentlich war ein relativ normales Rennen in Montreal. Bis Lando Norris eine Lücke sah, wo wirklich keine war.

Wenn man fragt, wo der große fahrerische Unterschied zwischen Lando Norris und Oscar Piastri liegt, dann wird die Antwort schwerfallen. Beide sind extrem schnell, sowohl auf einer Runde als auch innerhalb des Rennens. Beide können ihre Rennpace intelligent anpassen, beide haben ein sehr gutes Reifenmanagement, wobei hier vielleicht minimale Vorteile bei Norris liegen, der einfach mehr Rennerfahrung hat. Fragt man aber, wie beide mit Druck umgehen, ist die Antwort meist „Piastri ist besser“.

Es sind meist Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob man die Chance auf den WM-Titel hat. Aber eine der wenig großen Dinge, auf die die Fahrer direkten Einfluss haben, ist die mentale Verfassung. Die Fähigkeit, auch unter hohem Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zu wissen, wann man lieber auf Platzierung fährt, oder wann man besser pusht und noch ein oder zwei Punkte mehr holt. Es geht auch um die Frage, wie selbstsicher man ist und vor allem, wie man mit den eigenen Fehlern umgeht.

Und hier liegt der große Schwachpunkt von Norris. Er macht zu viele Fehler. In der Quali und auch im Rennen. Grandiose Rennen werden von Rennen abgelöst, in denen er plötzlich Anfängerfehler begeht. So auch in Montreal, als er vier Runden vor Schluss in eine Lücke hinter Piastri erspähte, die einfach nie da war. Das Resultat: statt 10 WM-Punkte bekam er keinen und zusätzlich demolierte er sein in diesem Jahr ohnehin angeknackstes Selbstbewusstsein weiter.

Norris hat die fahrerischen Qualitäten, Weltmeister zu werden. Er hat auch die Konstanz dafür. Wenn nicht diese merkwürdigen Aussetzer wären, die ihn immer wieder befallen. Das war in Montreal in der Quali der Fall, als er seine erste Runde in Q3 versemmelte und sich mit einer Sicherheitsrunde zufriedengeben musste, die ihn nur auf P7 brachte. Der Unfall im Rennen zerstörte dann eine eigentlich hervorragende Vorstellung, die ihn in Reichweite seines Teamkollegen und Hauptkonkurrenten in der WM gebracht hatte.

Es war auch nicht das Wochenende der McLaren, die in Kanada mit der Performance und den Reifen kämpften. Pirelli hatte angesichts des sanften Asphalts C4, C5 und C6 mitgebracht. Was den Teams vor die Frage stellte, ob man im Rennen mehr die harte oder die Medium-Mischung nutzen sollte. Denn das war dann auch die Entscheidung zwischen einer Ein-Stopp oder Zwei-Stopp-Strategie.

Die besten Karten hatte am Wochenende Mercedes, die traditionell in Kanada sehr schnell sind. Dabei sprachen die Außentemperaturen eigentlich nicht für das Team. Das Chassis mag keine hohen Streckentemperaturen und die am Wochenende gemessenen 50 Grad auf dem Asphalt wären in jedem anderen Rennen zu viel für die Mercedes gewesen. Aber zwei Umstände sorgten in Montreal dafür, dass die Mercedes damit keine Probleme hatten.

Der glatte Asphalt fordert die Reifen nicht so sehr, wie auf anderen Strecken bei diesen Temperaturen. Man muss zwar aufpassen, dass man vor allem am Beginn eines Stints die Reifen nicht allzu sehr fordert, weil sie sonst zum Graining neigen, aber gelingt das, kann man die Pirelli recht leicht im optimalen Fenster halten. Hinzu kam eine neue Hinterradaufhängung. Die hatte man schon in Imola ausprobiert, war aber zunächst nicht überzeugt. In Kanada schien die neue Aufhängung, auf deren Einsatz man in Monaco und Spanien verzichtet hatte, aber besser zu funktionieren.

George Russell dominierte das Wochenende. Quali Pole, schnellste Runde und Rennsieg. Besser kann es nicht laufen. Auch Kimi Antonelli zeigte sich mal wieder an der Spitze, konnte Russell aber vor allem in der Quali nicht so ganz folgen. Nur Max Verstappen schien erneut die größte Gefahr zu sein. In der Quali erlangte er P2, im Rennen blieb er Russell auf den Fersen, ohne allerdings eine echte Chance auf ein Manöver zu haben. Erst danach folgten die McLaren.

Im Rennen bewegte sich dann auch wenig. Russell kontrollierte das Rennen von der Spitze und hatte so viel Pace, dass Mercedes sich erlauben konnte, nur auf die Stopps der Konkurrenz zu reagieren. Verstappen hielt sich Antonelli vom Hals, der gegen Ende des Rennens einen drängelnden Piastri im Rückspiegel erdulden musste. Aber der Youngster verteidigte sich gut und konnte seinen dritten Platz ins Ziel bringen.

Zu Antonelli hatte es in den vergangenen Wochen erste Bemerkungen gegeben, die die Frage aufwarfen, ob der Italiener wirklich das Supertalent der Zukunft ist. Tatsächlich hat er bisher nur wenig Highlights setzen können. Eine Pole im Sprint Race von Miami, ein dritter Platz. In der WM hat Russell 136 Punkte, Antonelli nur 63. Wenig ist zu spüren von der explosionsartigen Geschwindigkeit, die er bei seinem ersten Einsatz im letzten Jahr in Monza zeigte.

Dafür dürfte es mehrere Gründe geben. Zum einen wird Mercedes seinem Piloten eingetrichtert haben, dass es besser ist, ein paar Zehntel liegenzulassen, dafür aber ins Ziel zu kommen. Man spürt manchmal, dass der 18-Jährige vorsichtig unterwegs ist und mehr darüber nachdenkt, das Auto sicher durch die Sessions zu bekommen. Und dann sind da die sehr komplexen Formel Eins, deren Ground-Effekt die Setup-Arbeit schwer macht. Antonelli ist nicht der einzige Rookie, der damit Probleme hat. Hinzu kommt der Mercedes, dessen Formschwankungen Antonelli das Leben auch nicht gerade leicht machen. Das Podium wird ihm sicher helfen, mehr Selbstbewusstsein zu finden.

Und Ferrari? Die Autos waren am Wochenende mal wieder weit von der Konkurrenz entfernt. Leclerc verhaute die Quali, Hamilton war durchaus auf Augenhöhe mit seinem Teamkollegen und leistete sich keinen Fehler. Doch das Rennen lief dann mal wieder gegen den Briten. Die ersten Runden liefen gut, die Pace war vergleichbar mit dem von Piastri. Aber dann traf der Ferrari auf die örtliche Fauna in Form eines einheimischen, aber in diesem Moment sehr unglücklichen Murmeltier, das den Aufprall mit dem Unterboden des Ferraris leider nicht überlebte.

Der Unterboden des Ferrari aber auch nicht. Ferrari vermeldete einen Verlust von 20 Abtriebspunkten, was ungefähr 0,5 Sekunden pro Runde entsprach. Hamilton verlor den Anschluss an die Spitze und fiel zurück. Soweit, dass auch sein ebenfalls nicht gerade flott fahrende Teamkollege Leclerc nach seinem Stopp vorbeizog.

Ferrari war aber auch ein klares Beispiel für die Unterschiede in der Strategie, die das Feld spalteten. Hamilton war auf den Medium gestartet, was ihn von Anfang an zu einer Zwei-Stopp-Strategie zwang. Leclerc hatte, von P7 kommenden, die harten Reifen gewählt. Damit konnte man, wie das Rennen zeigte, recht lange unterwegs sein. Gasly schaffte über 50 Runden mit den C4.

Den Medium ging im ersten Stint schon nach rund 15 Runden die Puste aus. Wobei man auch erwähnen muss, dass man gar nicht so früh hätte stoppen müssen. Doch Red Bull versuchte sich in einem Undercut und holte Verstappen in Runde 12 rein, was dann eine Kaskade von Stopps nach sich zog, da niemand dem Undercut der Konkurrenz zum Opfer fallen wollte.

Gute Chancen also für Leclerc mit einem langen Overcut, dachte man sich. Dessen Rundenzeiten waren in Ordnung, auch wenn ab Runde 22 George Russell dem dann führenden Leclerc auf die Pelle rückte. Aber es war auch nicht so, dass der Mercedes im ICE-Tempo auf den Ferrari aufholte. Ferrari hatte daraufhin dann mal wieder eine ihrer merkwürdigen Calls und holte Leclerc in Runde 28 rein. Gegen den Willen des Monegassen.

Warum man so entschied, ist nicht so ganz klar. Runde 28 war zu früh für die Medium, weswegen man auch die Hard nahm und Leclerc so wieder auf eine Zwei-Stopp-Strategie setzte. Die brachte dann aber nichts mehr, weil man bis Runde 28 durch den langen Stint zu viel Zeit verloren hatte. Leclerc kam dann vor Hamilton raus, aber weit hinter dem McLaren-Duo vor ihm. Beide Ferrari fuhren dann ein eigenes Rennen, ohne Chancen, weiter nach vorn zu kommen.

Hinter Hamilton sicherte sich Alonso erneut Punkte. Der siebte Platz war das Ergebnis einer sehr guten Fahrt des Spaniers, der nach seinem ersten Stopp fast im Verkehr des Mittelfelds stecken geblieben wäre und sich nur mit Mühe befreien konnte. Aber der seit Spanien verbesserte Aston Martin zeigte sich besser in Form und in der Lage, auch mal angreifen zu können. Es ist das erste Lebenszeichen von Aston seit langer Zeit.

Freuen durfte sich auch erneut Nico Hülkenberg. Der hatte den ebenfalls verbesserten Sauber in der Quali auf P13 gefahren. Doch weil Tsunoda und Hadjar mit Strafen belegt waren, rutschte er auf P11 vor. Ein guter Start brachte ihn direkt in die Punkteränge, wo er sich lange bewegte. Er setzte auf eine konservative Strategie, die ihn am Ende auf P8 brachte. Erneut Punkte für Sauber, die man auch dringend braucht. Aber wie bei Aston ist es eher wichtiger, dass man endlich mal ein Upgrade entwickelt hat, das auch auf der Strecke funktioniert.

Die letzten beiden Plätze belegten Esteban Ocon und Carlos Sainz. Die Haas waren in Kanada nicht gut aufgelegt, aber Ocon hatte eines seiner besseren Wochenenden. Von P13 gestartet, arbeitete er sich an Hadjar, Colapinto und Bearman vorbei und sicherte dem Team wichtige Punkte.

Williams hatte dagegen ein gutes Wochenende. Eigentlich hatte man sich einiges vom Rennen erwartet, aber die Sache lief schon am Samstag nicht gut. Albon qualifizierte sich zwar auf P9, aber damit auch hinter dem Aston Martin von Alonso. Sainz blieb überraschenderweise in Q1 hängen. Das war teilweise sein Fehler, da er seinen ersten Versuch nicht richtig umgesetzt hatte. Bei seinem letzten Versuch, aus Q1 zu kommen, stellte sich dann Hadjar in seinen Weg. Der bekam dafür zwar eine Strafe, was Sainz aber nicht half. Immerhin lief es im Rennen dann besser, und Sainz rettete Williams einen WM-Punkt.

Die F1 macht jetzt zwei Wochen Pause,

bevor es in Österreich auf einen Kurs geht, der McLaren, Red Bull und Mercedes gleichermaßen liegt. Da die Strecke wie in Kanada sehr schnell und kurz ist, dürften die Abstände sehr gering sein. Es wird spannend werden.

Bilder: Pirelli

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