Es war kein besonders gutes Rennen, aber eins, das die WM weiter offenhält. Mercedes hatte erneut das beste Auto im Feld.
Die letzten Wochen waren nicht leicht für George Russell. Der Motorschaden in Kanada, dazu Probleme mit dem Pace und ein Teamkollege, der ihn scheinbar mühelos schlagen kann. Aber wer den Briten abschreibt, sollte lieber etwas warten. Russell zeigte in Österreich eine gute Leistung und war zum ersten Mal seit langer Zeit wieder der klar bessere Mercedes-Fahrer.
Ausschlaggebend für seinen Sieg war die Pole Position im Qualifying, die allerdings unter etwas umstrittenen Umständen zustande kam. Vor ihm hatte Verstappen seinen Red Bull in T9 in die Reifenstapel versenkt und als Russell die Unfallstelle passierte, saß Verstappen auch noch im Auto. Für einen Moment zeigte die Rennleitung doppelt Gelb, reduzierte aber die Warnung wieder auf nur “Gelb”. Die Telemetrie bestätigt, dass Russell deutlich vom Gas ging. Eingangs T9 ging er rund 70 Meter vorher vom Gas und seine Geschwindigkeit am Kurveneingang lag 20 km/h unter der von Leclerc. Der Brite hatte aber auf seiner Runde schon vorher so viel Zeit gewonnen, dass das verlorene Zehntel in T9 am Ende nichts mehr ausmachte.
Nun kann man darüber diskutieren, ob eine Reduktion von 300 km/h auf 280 km/h für eine solche Situation angemessen ist. Immerhin ist der Eingang der Kurve blind, Russell konnte also nicht wissen, was ihn erwartet. Er machte aber auch nichts falsch, sondern nur das, was Ewigkeiten in der F1 die Regel ist. Eine einzelne Warnflagge wird als Vorschlag verstanden, nicht als deutliche Handlungsanweisung. Dass das so ist, hat die F1 selbst verursacht.
Die Kernvorschrift lautet sinngemäß: Bei einer gelben Flagge muss der Fahrer deutlich verlangsamen, in der Lage sein anzuhalten, und darf nicht überholen. Der Begriff „deutlich“ („reduce speed significantly“) ist dabei bewusst vage gehalten – eine exakte Prozentangabe existiert nicht im Basisregelwerk. Das Regelwerk entstammt aber noch aus Zeiten, in denen es keine Mini-Sektoren gab. Hier sollte man vielleicht mal nacharbeiten. Auch wenn in diesem Fall das Auto von Verstappen weit ab der Strecke gestrandet war – es ist auch nicht richtig, wenn man dann mit 280 km/h an einem Warnsignal vorbeibrettert.
Im Rennen machte Russell nichts falsch, profitierte aber vor allem im ersten Stint davon, dass zunächst die Ferrari untereinander kämpften und gegen Ende des Stints Hamilton die Reifen ausgingen. Zwar rückte ihm Verstappen zwischendrin etwas näher, aber Red Bull leistete sich den Fehler, den Niederländer zu lange auf der Strecke zu lassen. Russell kam in Runde 45 zu seinem zweiten Stopp, Verstappen erst fünf Runden später. Vor dem Stopp hatte er rund 2 Sekunden Rückstand auf Russell, nach seinem Stopp in Runde 50 waren es dann 10 Sekunden. Er konnte die Lücke zwar zufahren, aber am Ende reichte die Zeit dann nicht mehr.
Kimi Antonelli hatte ein etwas schwieriges Wochenende. Er kämpfte mehr mit dem Auto als Russell und versemmelte seine letzte Runde in der Q3, sodass er nur von P4 starten konnte. Seine erste Runde war dann ebenfalls nicht gut und er fiel auf P5 hinter Verstappen, was ihm vor allem im ersten Stint dann viel Zeit gekostet hat. Sein zweiter war deutlich besser, vor allem in der Schlussphase. Er fuhr die Lücke zu Verstappen und Russell zu und war klar der schnellste Mann auf der Strecke. Sein Wochenende passt dann also nur in den letzten 50 Runden, was in so einer engen WM zu wenig ist.
McLaren, die eigentlich traditionell in Spielberg immer stark sind, fiel am Wochenende nicht weiter auf. Der vierte Platz von Piastri war dann auch alles, was man erreichen konnte. Und selbst das kam etwas überraschend und lag mehr daran, dass die Ferrari in Österreich nicht gut unterwegs waren. Piastri war auch besser unterwegs als Norris, der sich nie so richtig zufrieden mit seinem Auto zeigt. Er profitierte von einem besseren Start und einer guten Strategie, die ihn vor die Ferrari brachten.
Ferrari sah das gesamte Wochenende nicht besonders gut aus. Zwar hatte man ein Motor-Update mitgebracht, aber das schien nichts gebracht zu haben. Beim Topspeed waren die Ferrari klar unterlegen, hinzu kam ein überraschend hoher Reifenverschleiß auf den Long Runs. Was eine Woche zuvor in Barcelona noch genau die Stärke des Ferrari war. Meine Vermutung ist: Der Ferrari kommt nicht mit großen Temperaturdelta der Reifentemperaturen klar. In Spanien werden die Reifen mehr gefordert, kühlen also nicht so schnell ab, wie auf den langen Geraden in Österreich. Das größere Temperaturdelta führt beim Ferrari dazu, dass man die Reifen nur schwer im richtigen Fenster halten kann, was dann zu einem erhöhten Verschleiß führt.
Hamilton musste sich in der Quali zwar knapp seinem Teamkollegen geschlagen geben, war im Rennen aber deutlich besser unterwegs. Er kassierte Leclerc in einem sehenswerten Manöver und zog dann auch problemlos weg. Nach 13 Runden waren die Reifen aber hinüber und Hamilton zog für einen kurzen Stint gebrauchte Soft auf, die aber auch nichts brachten. Am Ende hing er hinter Piastri, der ihn dann auch noch distanzierte.
P6 ging an Hadjar, der von P8 gestartet war. Was sein Rennen dann auch schon zusammenfasst. Die Abstände, vor allem in Österreich, sind so eng, dass die Startposition alles entscheidet, und es ist halt schwer, an der gleichschnellen Konkurrenz vorbeizukommen. Es bleibt halt dabei, dass er den Speed von Verstappen in der Quali nicht halten kann.
Der amtierende Weltmeister landete nur P7, was angesichts des vierten Platzes von Piastri etwas überraschend war. Aber Norris verlor den Start gegen seinen Teamkollegen und hatte dann im gesamten Rennen nicht die Pace. Ich würde sein Rennen als “unglücklich” bezeichnen, aber auch als ein wenig lustlos.
Leclerc, von P2 gestartet, landete am Ende auf P8. Ferrari machte bei seiner Strategie nicht viel falsch, allerdings kann man kritisieren, dass sie ihn 30 Runden vor Schluss zum letzten Stopp holten. Aber was sollte man machen? Der Undercut hätte unter Umständen auf der Strecke Positionen gut machen können, was dann aber nicht passierte. Norris kassierte den Ferrari am Ende leicht.
Die letzten beiden Punkteplätze gingen an RB und dies auch zurecht. Sie waren ganz klar “best of the rest”, was man auch erwartet hatte. Dennoch wird vor allem Audi enttäuscht sein. Die hatten für Österreich ein weiteres Update auf dem Auto, waren aber vor allem in die Qualifikation viel zu langsam. Das Rennen lief besser (P11 für Bortoletti, P12 für Hülkenberg), aber das war dann doch insgesamt zu wenig. Zumal Bortoletti am Ende knapp 12 Sekunden hinter Lindblad lag.
Alpine, Haas und vor allem Williams waren deutlich zu langsam. Die Williams sogar massiv. Albon erreichte das Ziel auf P17 und wurde am Ende sogar von beiden RB überrundet. Das ist schon sehr bitter. Bei Sainz lief es etwas besser, allerdings fiel er dann mit einem Motorproblem aus.
Ebenfalls enttäuscht war man bei Cadillac. Dort hatte man ein sehr großes Update am Auto installiert, und wenn das Auto mal lief, waren die Zeiten auch nicht schlecht. Aber das Auto lief halt kaum. Im Rennen war für Bottas nach zwei Runden Schluss, Perez stellte das Auto in Runde 4 ab.
Bilder: Pirelli




















