Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Monaco – Antonelli und ein Eimer voll Strafen

Formel Eins: Analyse GP von Monaco – Antonelli und ein Eimer voll Strafen

von DonDahlmann
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Es war ein interessantes Wochenende in Monaco, aber auch eins, das vor allem von Strafen im Rennen dominiert wurde.

Alle hatten auf Ferrari getippt, aber dann kam Kimi Antonelli. Der Italiener dominierte den Samstag und dann auch den Sonntag, der am Ende für den Mercedes-Fahrer noch kompliziert wurde. Dass Antonelli großes Talent besitzt, ist klar. Aber das, was er am Wochenende in Monaco gezeigt hat, war schon bemerkenswert. Sicher, Mercedes hat gegenwärtig das beste Auto. Aber das muss nicht heißen, dass man das Potenzial auch nutzen kann. Wie man bei George Russell sehen konnte, dessen Wochenende überhaupt nicht lief. Ein gutes Auto ist in Monaco also nur eine Sache, eine andere, wie man damit umgeht. Das, was der 19-Jährige am Wochenende zeigte, hatte schon was von einer Reifeprüfung.

Dabei war Mercedes am Freitag ziemlich unsortiert und landete in den Trainings nur weiter hinten, während die Ferrari klar dominierten. Es fiel auf, dass Hamilton erneut schneller war als sein Teamkollege Leclerc, der sich wie in Kanada über mangelndes Bremsgefühl beklagte. Ferrari, so der allgemeine Tenor, hatte alle Chancen auf den Sieg im Fürstentum.

Am Samstag sah die Sache dann aber anders aus. Mercedes in Person von Kimi Antonelli setzte die schnellste Zeit in FP3, ging mit Zuversicht in die Qualifikation und setzte dort eine Bestzeit nach der anderen. Das Erstaunliche war, dass die Ferraris dem nichts entgegenzusetzen hatten. Für die Italiener kam es noch schlimmer, denn Max Verstappen wuchtete den Red Bull auf P2. Hamilton gewann das Team-interne Duell und damit war für das Rennen klar, dass der Sieger nur aus den ersten beiden Reihen kommen würde.

Das Rennen in Monaco wird am Samstag und in der ersten Runde gewonnen. Das Rennen für Antonelli wurde schon am Start erheblich einfacher, da er neben sich plötzlich keinen Konkurrenten hatte. Verstappen war beim Start einfach stehen geblieben und die nachfolgenden Fahrzeuge verpassten den Red Bull mit viel Glück. Damit lagen dann aber beide Ferrari hinter dem Mercedes.

Doch Antonelli setzte sich schon nach einer Runde ab und distanzierte Hamilton auf P2 schnell. Rund fünf Sekunden betrug der Rückstand des Briten auf das Auto seines Ex-Arbeitgebers nach sechs RundRunden, der Ferrari sah zu keiner Sekunde so aus, als könne er Druck ausüben. Das galt auch für den dahinter liegenden Leclerc, der wiederum nicht mit Hamilton mithalten konnte.

Hinter den Top 3 bildete sich schnell eine große Lücke. Hadjar rettete die Red-Bull-Ehre und war zu Beginn des Rennens auf P4, war aber eigentlich langsamer als der hinter ihm liegende George Russell, der an diesem Wochenende nicht mit dem Mercedes klarkam und von Antonelli klar geschlagen wurde. Hadjar kämpfte mit einem schwer zu fahrenden Auto und einer zickigen Batterie, die immer wieder nicht volle Leistung freigeben wollte. Dennoch gelang es ihm, sich vor dem Mercedes zu halten.

Das Erstaunliche an dem Zweikampf war nicht, dass Russell nicht an Hadjar vorbeikam, sondern dass der dahinterliegende Piastri den beiden nicht auf die Pelle rücken konnte. Der Red Bull war teilweise drei Sekunden langsamer als die Spitze unterwegs, der McLaren konnte trotzdem nicht in den Kampf vor ihm eingreifen.

Überhaupt war McLaren schlecht aufgelegt. Nur P7 und P8 in der Quali, im Rennen ging nichts nach vorn. Piastri war zu langsam und Norris hing hinter Pierre Gasly fest, der sich dementsprechend breit machte. Zur Mitte des Rennens musste Norris sein Auto zudem abstellen.

Das Rennen ging dann, wie üblich, in eine Phase, in der nichts passierte. Ein paar Fahrer aus dem Hinterfeld hatten schon in den ersten 10 Runden die Reifen gewechselt und dann bis zum Ende durchzufahren, aber das war dann auch schon alles.

Aber mit den ersten Stopps in Runde 30 hagelte es plötzlich Strafen für die Fahrer. Insgesamt fünf Piloten kassierten Strafen für eine Geschwindigkeitsüberschreitung in der Boxengasse: Hamilton, Russell, Colapinto, Piastri und Gasly, der gleich zweimal erwischt wurde. Einmal bei seinem Boxenstopp, das andere Mal, als er hinter dem SC (!) durch die Box fuhr.

Da stellt sich die Frage: Wie kann das sein? Dass ein Team oder ein Fahrer mal einen Fehler macht, ist nachvollziehbar. Aber fünf Teams? The Race versuchte zu erklären, dass die Timing Loops Schuld daran waren. Die messen die Zeit, die ein Auto zwischen den Loops benötigt, und daraus wird dann eine Geschwindigkeit berechnet. Das Problem: Keines der Autos hatte die Geschwindigkeit tatsächlich überschritten.

Laut “The Race” hatte man Änderungen am Ausgang der Boxengasse vorgenommen, was dazu führte, dass man den Boxenausgang (vor der Ampel) etwas abkürzen konnte. Die mögliche, komplett legale, Abkürzung hatte die FIA beim Verlegen der Timingloops nicht bedacht. Wenn man aber einen oder einen halben Meter abkürzt, verkürzt sich auch die Zeit, die man zwischen den Loops benötigt. Man ist damit “zu schnell” obwohl man es nicht war. Warum die FIA überhaupt noch auf so ein System setzt liegt daran, dass es tatsächlich normalerweise sehr sicher ist. Die Sensoren für die Loops sind in den Reifen verbaut, also nicht Teil der Software des Autos. Es ist somit ein unbestechliches und sicheres System. Wenn man die Loops korrekt verlegt.

Angeblich hatte die FIA zumindest die Teams auf das Problem hingewiesen, allerdings findet sich davon nichts in den offiziellen Dokumenten. Es wirft dann schon Fragen auf, wenn Fahrer und Teams nichts falsch gemacht haben, es aber Strafen gibt, weil die Timingloops nicht stimmen. Das Problem für die FIA ist aber nun, dass bis auf Gasly alle Fahrer ihre Strafe abgesessen hatten. Man kann sie nicht einfach revidieren.

Die Strafen beeinflussten das Rennen an der Spitze zunächst nicht. Einzig Leclerc rückte Hamilton nach den Stopps auf die Pelle und lag rund drei Sekunden hinter dem Briten. Doch dann wurde es doch noch hektisch, denn Lance Stroll rutschte in der letzten Kurve in die Reifenstapel und konnte nicht weiterfahren. Das SC musste kommen.

Die Entscheidung der Teams war klar: Man kam an die Box. Für Hamilton, Piastri und Colapinto war es die beste Gelegenheit, die 5-Sekunden-Strafe ohne Verluste abzusitzen. Das wäre auch für George Russell der Fall gewesen, aber beim Doppelwechsel war man offensichtlich so in Schwung, dass man die Strafe ignorierte. Was dann eine Durchfahrtsstrafe nach sich zog.

Gasly hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Strafe aus seinem Boxenstopp in Runde 46, aber Alpine ließ den Franzosen draußen. Als alle anderen an der Box waren, rutschte der Franzose damit auf den vierten Platz vor.

Nach dem Restart wurde daraus ein dritter Platz, denn Charles Leclerc versenkte seinen Ferrari genau an der gleichen Stelle wie Stroll zuvor in den Reifen. Die Unfälle ähnelten sich schon sehr und ein Stück Asphalt geriet unter Verdacht. Die FIA stoppte das Rennen, damit sie den fraglichen Abschnitt untersuchen konnte. Ironischerweise nutzten Stroll und Leclerc die Pause für ihre Pressearbeit und berichteten, dass der bröselnde Asphalt nichts mit ihren Unfällen zu tun hatte. Bei Stroll war es eine seit Beginn der Saison nicht sauber arbeitende Motorbremse, bei Leclerc waren es die vorderen Bremsen.

Nach einer Unterbrechung wurde das mittlerweile sehr ausgedünnte Feld mit einem weiteren stehenden Start wieder in Bewegung gesetzt. Antonelli meisterte auch diesen Restart und distanzierte Hamilton sehr schnell und sehr deutlich. Der Ferrari seinerseits distanzierte Gasly, der den über das gesamte Rennen über seinen Motor schimpfenden Hadjar hinter sich halten konnte. Durch die Strafe gegen Gasly erbte Hadjar dann, nicht unverdient, den dritten Platz.

Alpine wird gegen die Strafe mit dem “Right of Review” vorgehen, aber die Chancen stehen schlecht. Zwar hat die FIA vermutlich Mist gebaut, aber das wussten die Stewards nicht. Die fällen dann eine Tatsachenentscheidung und mir ist kein Fall bekannt, in dem sie jemals revidiert wurden. Zumal die Schwierigkeit besteht, dass außer Gasly ja ihre Strafen schon absolviert hatten. Würde man die Strafe gegen Alpine zurücknehmen, müsste das auch für die anderen Fahrer passieren, was nicht mehr möglich ist. Aber Aloine will die FIA dazu bringen, entweder ein neues oder ein weiteres System zur Geschwindigkeitsmessung einzusetzen.

Der Restart veränderte nichts an der Reihenfolge im Rennen. Hinter Hadjar rettete Piastri einen vierten Platz. P5 ging nach der Strafe gegen Gasly an Liam Lawson, der ein fabelhaftes und fehlerfreies Wochenende hatte. Der Neuseeländer war schon in Kanada gut unterwegs und scheint im Moment seinen Platz bei RB auch im nächsten Jahr zu sichern.

P6 ging an seinen Teamkollegen Lindbladt und fuhr fast unbemerkt ein gutes Rennen. Der zweite RB Pilot lag nach der ersten Runde auf P15. Er war der einzige, der zwei Überholmanöver hin bekam. Eins gegen Ocon in der zweiten Runde, ein weiteres gegen Albon in Runde 50. Dass er aber so weit vorne gespült wurde, lag an der Unterbrechung des Rennens. RB hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Reifen von Lindbladt nicht gewechselt und während der roten Flagge schraubte man erlaubterweise die Soft auf sein Auto. Er ist damit quasi ohne Boxenstopp durchgefahren.

Ich habe schon mehrfach die Regel kritisiert, dass man während eines Rennabbruchs am Auto arbeiten und die Reifen wechseln darf. Wer einen Reifenschaden hat, darf den einen beschädigten Reifen wechseln, aber das sollte es gewesen sein. Das Rennen ist bei einer roten Flagge nur unterbrochen, es geht also im Grunde weiter, auch wenn nicht gefahren wird. Also sollte ein praktisch freier Boxenstopp nicht möglich sein.

Hinter den beiden RB wurde dann Gasly auf P7 gewertet. Dahinter fand sich dann Alex Albon. Die Williams taten sich wie erwartet schwer in Monaco und profitierten stark von den vielen Ausfällen und Strafen. Normalerweise wären Verstappen, Norris und Leclerc vor den Williams gelandet. Ebenso Russell, der aufgrund der Durchfahrtsstrafe am Ende des Rennens auf P14 landete.

Albon lieferte aber nicht nur eine gute Performance, er half zwischendurch auch noch seinem Team. Nach seinem Stopp hielt er das gesamte Mittelfeld hinter sich auf, damit sein Teamkollege Sainz genug Zeit für einen Stopp herausfahren konnte. Das gelang dann auch, aber beim Restart wurde der Spanier von Hülkenberg in der Haarnadel unglücklich abgeschossen.

Audi sah am Wochenende, trotz eines größeren Updates, nur am Freitag gut aus, als man locker in die Top 10 fuhr. In der Quali brach die Performance dann aber ein und Hülkenberg erreichte nicht mal den sonst üblichen elften Platz. Im Rennen biss er sich durch, profitierte von den Ausfällen und kam auf P9 ins Ziel. Doch die Kommissare sahen in dem Vorfall mit Sainz eine Strafe. Kann man so sehen, man kann das aber auch als Rennunfall betrachten.

So ging P9 dann an den das ganze Wochenende unauffälligen Esteban Ocon, der im ganzen Chaos den zurzeit eher langsamen Haas zwei Punkte verschaffte. Und dann gab es weiteres Drama um den letzten Platz.

Den sicherte sich beim Zieldurchlauf der starke Sergio Pérez im Cadillac. Der Mexikaner hatte ein sehr starkes Wochenende. Die Schwächen des Cadillac waren in Monaco aufgrund der Streckencharakteristik nicht so stark ausgeprägt, und Pérez schwamm das ganze Rennen um P14 herum. Die Ausfälle halfen natürlich, P10 zu erreichen, aber die Freude währte bei Cadillac nicht sehr lange.

Kurz nach der Zieldurchfahrt vermeldete die Rennleitung eine Untersuchung wegen eines Vergehens beim Start. Perez war, bevor die Ampel auf Grün schaltete, ein Stück nach vorne gerollt und stand mit einem Vorderreifen knapp außerhalb seiner Startbox. Die Folge: 10 Sekunden Strafe.

Und damit rutschte, vermutlich sehr zu seiner eigenen Überraschung, Fernando Alonso auf P10 und ergatterte den ersten Punkt für Aston Martin in diesem Jahr. Tatsächlich wirkte der Aston in Monaco nicht ganz so schlecht wie sonst. Mal abgesehen von den Problemen beim Herunterschalten, lief das Auto. Alonso lag nicht umsonst vor Bortoletto und Colapinto.

Es war aufgrund der Unterbrechung kein gewöhnlicher Grand Prix in Monaco, aber auch keiner, über den man lange nachdenken muss. Antonelli lieferte vielleicht nicht sein Meisterstück ab, aber eine sehr, sehr bemerkenswerte Leistung für einen Fahrer, der im Sommer gerade mal 20 Jahre alt wird. Dass er wie Verstappen ein Generationentalent ist, muss sich erst noch zeigen. Aber dass er die Anlagen dafür hat, sieht man mehr als deutlich.

Nächstes Wochenende geht es schon weiter, dann mit dem Rennen in Barcelona. Die FIA hat das Rennen ausgerechnet auf das Le Mans- Wochenende gelegt. Jetzt hätte man ja wenigstens den Start des F1-Rennens am Sonntag auf 16.15 Uhr legen können, aber auch das kam nicht in Frage. Mit anderen Worten: Wenn die F1 startet, geht Le Mans in die letzte Stunde. Ich weiß daher jetzt schon, was ich schauen werde (ich habe eh Tickerdienst für Le Mans).

Bilder: Pirelli

 

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