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GT3-Report: GT World Challenge Barcelona

von Nils Otterbein
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GT3-Report: GT World Challenge Barcelona

In dieser Folge unserer GT3-Reihe soll es einzig und allein um das Finale im Sprint Cup der GT World Challenge gehen. Da am bevorstehenden Wochenende diverse Finals im deutschen Motorsport mit der DTM, dem ADAC GT Masters in Hockenheim und der NLS anstehen, soll die kommende Folge nicht zu aufgebläht werden, weshalb es hier einzig und allein um das vergangene Wochenende aus Barcelona gehen soll.

Für das erste Rennen konnte Bastian Buus im Lionspeed Porsche bereits eine vorzeitige Entscheidung in der Meisterschaft einläuten, indem er mit über einer halben Sekunde Vorsprung die Pole herausfahren konnte. Hinter ihm waren aufgrund des mittlerweile gewohnten Prozederes mit Q1A und Q1B einige Autos aus dem Silver- und Bronze Cup, da im Falle des Bronze Cups die Platin-Piloten am Steuer waren und obendrein die nominell besseren Streckenkonditionen hatten.

Das Rennen wurde aufgrund Regen zunächst hinter dem Safety-Car gestartet, wurde aber bereits nach zwei Formation Laps in Double File Formation mit viel Gischt freigegeben. Bastian Buus verlor mehrere Plätze gegen Kontrahenten außerhalb seiner Klasse mit Kiern Jewiss im 2Seas Mercedes, Felix Hirsiger im AF Corse Ferrari, Augusto Farfus im Paradine BMW und Dennis Marschall im Kessel Ferrari. Damit wurde der Führungskampf weitgehend unter dem Bronze Cup ausgetragen, was aufgrund der späteren Mindeststandzeiten zunächst ein Muster ohne Wert war. Die Bandagen waren dennoch ruppig, als sich unter anderem Jewiss die Heckschürze an Marschall abfuhr. Der in der Meisterschaft führende Lionspeed Porsche von Bastian Buus fand aufgrund der Regenabstimmung nicht so wirklich zurecht und verlor auch noch Plätze gegen Sven Müller im Boutsen VDS Porsche, der Morris Schuring aufgrund dessen Auftritts beim Petit Le Mans ersetzte, sowie Lucas Auer, der nach schwacher Qualifikation im Winward Mercedes viele Plätze aufholte.

Nach einer Kollision zwischen Thomas Neubauer im AF Corse Ferrari und einem der Attempto Audi wurde das Feld vor dem Stoppfenster neutralisiert und zusammengeführt. Sven Müller ging als Gesamtdritter bereinigt als Führender in die üblichen zehn Minuten zwischen der 25. und 35. Minute. Jedoch handelte sich Boutsen VDS eine Strafe ein wegen einer Kollision gegen einen der beiden Emil Frey Ferrari ein, die erst am Rennende ausgesprochen wurde. Danach folgte eine Situation, die im Sprint Cup höchst selten zustande kommt. Aufgrund mehrerer Abflüge in Folge von Starkregen wurde das Rennen mit roter Flagge unterbrochen, womit das Feld zwischen dem ersten und 13. Platz sowie dem Rest gesplittet wurde. Die ersten 13 konnten ihren Stopp damit „kostenlos“ ohne Zeitverlust während der Red Flag durchführen. Da es sich bevorzugt um Autos aus dem Bronze Cup handelte, wurden diese im Verhältnis zur Mindeststandzeit eingereiht.

Damit führten beim Restart für die letzten etwa 20 Minuten drei Wagen aus dem Bronze Cup mit Constantin Dressler als Ersatz für Dustin Blattner im Kessel Ferrari, Charles Dawson im 2Seas Mercedes und Darren Leung im Paradine BMW. Da diese wie erwartet schnell zurückfielen, ergab sich nun ein klareres Bild mit Dorian Boccolacci, der das Feld vor Alex Aka, Ricardo Feller und Luca Engstler anführte. Nach einer weiteren Full Course Yellow wurde in den Schlussminuten der Titel bereits vorzeitig entschieden, nachdem Boccolacci seine Drive Through Strafe in Folge der Boxengassen-Kollision absitzen musste und obendrein Chris Lulham im Verstappen Mercedes nach einem Ausritt einige Plätze verlor. Auch Maro Engel im weiteren Mercedes fiel zurück, was einen sehr unsauberen Stint der Mercedes verdeutlichte. Für Attempto Racing wurde es der zweite Saisonsieg nach dem mindestens genauso verrückten Endurance Rennen in Monza, erstmals mit dem Duo Alex Aka und Dylan Pereira, der sein starkes Jahr in verschiedenen Rennserien fortsetzen kann.

Die großen Jubelarien bei Lionspeed GP blieben zunächst aus, da noch die Disqualifikation von Winward Racing aus Monza verhandelt wird und der Titel unter gewissen Umständen noch gegen Daniel Juncadella im Verstappen Mercedes hätte verloren gehen können. Was der DMSB bei der DTM kann, ist international eben schon lange möglich! Ich darf es jedoch vorwegnehmen: Es war der Titel für Feller/Buus!

Die Startreihenfolge für Rennen 2 war ebenfalls arg zerrupft, weil es dieses Mal gar keine Qualifikation gab. Aufgrund starken Unwetters gab es behördliche Anordnungen, die eine Veranstaltung bis 14 Uhr nicht möglich machten, weshalb die zweite Quali abgesagt wurde. Ungeahnt der Umstände war es ein trockener und sonniger Renntag, der ein letztes Rennen im Sprint Cup unter abendlicher Endurance-Atmosphäre erlebte. Nach Grundlage der Trainingszeiten war es Ben Green mit der Pole im Emil Frey Ferrari, vor Maro Engel und Ricardo Feller.

Nach der langen Wartezeit folgte ein sehr turbulenter Start mit anschließendem Safety-Car nach einem Crash des Pure Rxcing Porsche sowie einer separaten Kollision zwischen Ricardo Feller und Arthur Rougier im CSA McLaren. Der Porsche fiel daraufhin aus den Top30 raus und konnte nur mit dem Verlust einer Runde das Rennen wiederaufnehmen. Es war damit der bereits fünfte Ausfall, bzw. Nuller der Saison! Allein dieser Wert zeigt, dass im Sprint Cup niemand der Favoriten den Ansatz von konstanten Ergebnissen hinbekam, worauf es im BOP-Geregelten GT-Sport sonst allzu oft ankommt.

Nach der Wiederaufnahme des Rennens ging es für Ben Green und Chris Lulham im Red Bull gebrandeten Ferrari, bzw. Mercedes in die Stoppphase. Lulham konnte am Start jede Menge Plätze gewinnen und kam trotz des Verdachts des Abkürzens ohne Strafe der Rennleitung davon. Doch nach der Übergabe an Daniel Juncadella verloren sie durch einen Stopp von fast einer Minute viele Plätze, rund zehn Sekunden außerhalb der Norm, und fielen damit aus der Entscheidung raus. Insofern ergab sich eine Ferrari-Doppelführung mit Thierry Vermeulen vor Thomas Neubauer. Ein erneut starkes Rennen hatte Attempto Racing, die im vielleicht letzten Sprintevent mit dem Audi R8 LMS erneut aufs Podium fuhren, dieses Mal mit dem Wagen rund im Ariel Levi und Andrea Frassineti aus dem Silver Cup, jenes Auto, was den Endurance Lauf in Monza gewann. Nach einem weiteren Restart in Folge einer FCY aufgrund des stehengebliebenen Boutsen Porsches ging es so nach einem ruhigen Schlussstint ins Ziel. Eine weitere Szene in der Schlussphase, die die Saison des Sprint Cups nicht besser zusammenfassen könnte: Valentino Rossi musste im WRT BMW das Rennen wegen einer herausgerissenen Tür aufgeben. Emil Frey Racing gewann damit nach Zandvoort erneut das Sonntagsrennen.

Neben dem Gesamttitel für Feller/Buus im Lionspeed Porsche ging der Gold-Titel an den AF Corse Ferrari von Tommaso Mosca und Matias Zagazeta, der Silber-Titel an Ignacio Montenegro und Matisse Lismont im WRT BMW und der Bronze-Titel an Eddie Cheever und Peter Dempsey (nein, nicht Patrick Dempsey!) im Ziggo Sport Tempesta Ferrari.

Es war der erste Titel im Sprint Cup überhaupt für einen Porsche und nach 2019 und 2023 eines der wenigen Jahre, in dem nicht WRT den Titel im Sprint Cup gewinnen konnte. Hinter Leclerc/Neubauer, Juncadella (einzeln, da Lulham Rennen verpasste und von Jules Gounon ersetzt wurde) und Green/Vermeulen wurden van der Linde/Weerts lediglich die Fünften im Championat.

Nächste Woche folgt das Endurance-Finale in Portimao. Aufgrund der WEC-Überschneidung mit Barcelona haben es sich einige Teams umso leichter gemacht, andere Fahrerteams aufzustellen, was unter anderem zum GT World Challenge Debüt von Max Verstappen führt!

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=254)

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