Alex Palou hat am Montag den Grand Prix in Nashville gewonnen. Das war jedoch die langweiligste Geschichte des Wochenendes.
Wie befürchtet fand das Rennen auf dem Nashville Superspeedway nicht pünktlich statt. Die Spanier brauchten 120 Minuten, um die Argentinier zu besiegen. Das war jedoch nur der unbedeutendere Grund der Verzögerung. Ausschlaggebender war das Wetter. Zunächst verzögerten am Sonntagabend Gewitter in der Nähe den Start, dann zog Regen über die Rennstrecke. Deshalb wurde das Rennen auf den Montag verschoben und aufgrund der hohen Temperaturen auf 225 Runden verkürzt. Eine Startzeit abseits der Höchsttemperaturen am Mittag, Start war 14:00 Uhr Ortszeit, war wohl nicht möglich. Insgesamt war das schon ein GAU für FOX und die IndyCar-Series. Der Start direkt im Anschluss an das WM-Finale hätte deutlich mehr Zuschauer gebracht. Von den wenigen Zuschauern vor Ort am Montag ganz zu schweigen.
Am Samstag war der Zeitplan noch ungestört. Im ersten Training verlor David Malukas die Kontrolle über seinen Wagen und schlug in einem typischen Ovalunfall hart in die Mauer ein. Malukas musste zur Untersuchung ins Krankenhaus und sein Wagen war schwer beschädigt. Beides verhinderte seinen Start zur Qualifikation. Beim letzten Training am Samstagabend war Malukas jedoch wieder dabei, absolvierte die Bestzeit und schaffte es trotz leichter Verletzungen am Knie und eines neu aufgebauten Wagens. In der Qualifikation davor war jedoch Kyle Kirkwood der Schnellste und holte sich seine erste Pole-Position der Saison. Dahinter folgten Malukas‘ Teamkollegen Josef Newgarden und Scott McLaughlin. Alex Palou, Scott Dixon, Alexander Rossi, Christian Rasmussen und Marcus Armstrong komplettierten die ersten vier Startreihen.
In den ersten fünf Runden lieferten sich Kyle Kirkwood und Josef Newgarden ein Duell um die Führung. Auf der äußeren Linie gelang es Newgarden jedoch nicht, an Kirkwood vorbeizukommen. Durch den Zweikampf konnte Alex Palou auf Platz drei den Kontakt zum Führungsduo halten. Sobald sich Newgarden hinter Kirkwood zurückfallen ließ, setzten sich beide kontinuierlich von Palou ab. Nach Runde 15 betrug der Rückstand bereits mehr als zwei Sekunden. David Malukas war gerade erst an Graham Rahal und Christian Lundgaard vorbeigekommen, als Caio Collett in der 19. Runde seinen Wagen in die Mauer setzte. Die Caution nutzten fast alle Teams für den ersten Boxenstopp. Dabei ging Scott McLaughlin an Kyle Kirkwood, Alex Palou und Josef Newgarden vorbei. Die Führung übernahmen jedoch Louis Foster, David Malukas und Christian Lundgaard, die nicht an der Box waren.
Während Louis Foster und Christian Lundgaard mit ihren alten Reifen wie Steine durch das Feld fielen, hielt sich David Malukas an der Spitze. Und nicht nur das: Er konnte sich sogar langsam von Scott McLaughlin absetzen. Die Geschwindigkeit des Penske-Chevrolets auf alten Prime-Reifen war beeindruckend. Er war zu diesem Zeitpunkt mit Abstand der schnellste Wagen und in Runde 50 holte er Graham Rahal zur Überrundung ein. In dessen Windschatten konnte er Benzin sparen, verlor aber auch Zeit auf McLaughlin. In Runde 61 kam David Malukas zum Stopp an die Box. Er musste nun hoffen, dass keine Caution sein Rennen zerstörte. Theoretisch musste er mit etwas Benzinsparen nur noch zweimal an die Box, das restliche Feld hingegen noch dreimal.
Dank Graham Rahal hatte Scott McLaughlin nun ebenfalls keine Clean Air und konnte die maximale Geschwindigkeit seines Wagens nicht ausschöpfen. Entsprechend hatte er nach seinem Stopp keine Chance, vor David Malukas zu kommen. Er hatte fast fünf Sekunden Rückstand, den er aber schnell aufholen konnte, da auch Malukas nun im Verkehr steckte. Rinus VeeKay war bereits in der 79. Runde an der Box und zeigte nun den Vorteil des Under-Cuts. Er kam so an Alex Palou und Josef Newgarden vorbei und fuhr in Runde 90, nach den Stopps des restlichen Feldes, auf Platz vier hinter Kyle Kirkwood.
In Runde 119 kam David Malukas zu seinem zweiten Stopp an die Box. Er musste wieder hoffen, dass auch das restliche Feld unter Grün stoppen musste. In Runde 123 wurde Alexander Rossi jedoch plötzlich langsam und Scott Dixon fuhr auf. Laut Rossi wollte er in die Boxengasse. Dafür fuhr er aber deutlich zu nah an der Ideallinie, um langsamer zu werden. Sofort wurde die Caution ausgerufen. Doch bevor die Boxengasse geschlossen wurde, kam Alex Palou zum Stopp herein. Durch die Stopps des restlichen Feldes unter Gelb übernahm er die Führung. David Malukas fand sich auf Platz 13 wieder. Er fuhr sich aber schnell wieder in die Top 10.
Alex Palou konnte sich an der Spitze nicht von Scott McLaughlin absetzen. Auch Kyle Kirkwood hielt zum Führungsduo Kontakt. Erst Josef Newgarden musste abreißen lassen. Er konnte sich jedoch gegen die Angriffe von Rinus VeeKay verteidigen. In Runde 178 eröffnete Scott McLaughlin die finale Runde der Boxenstopps der Spitzengruppe. Kyle Kirkwood folgte zwei Runden später. Während des Stopps von Kirkwood verlor Dennis Hauger in Kurve 3 die Kontrolle über seinen Wagen, sodass die nächste Caution nötig wurde. Alex Palou hatte wieder etwas Glück mit der Caution, da er mit Scott McLaughlin und Kyle Kirkwood zwei seiner engsten Verfolger verloren hatte. Diese waren nun mit dem Wave-Around am Ende des Feldes zu finden. Allerdings hatte Palou nun Josef Newgarden direkt hinter sich und David Malukas lag hinter Felix Rosenqvist auch nur noch einen Platz weiter zurück.
Für den letzten Stint hatte Alex Palou härtere Prime-Reifen am Wagen. Seine Verfolger setzten hingegen auf die weicheren Option-Reifen. Das galt auch für Marcus Ericsson auf Platz 5, der sich beim Restart direkt auf Platz 3 vorfuhr. Diese Position konnte er aber nur für wenige Runden vor David Malukas verteidigen. Auch der dritte Penske-Chevrolet mit Scott McLaughlin machte Plätze gut und in Runde 200 lag er auf Platz 8. Dort hatte er ein schönes Duell mit Mick Schumacher um Platz 7. Für McLaughlin ging es aber weiter nach vorne und in Runde 206 überholte er Felix Rosenqvist für Platz 4. Die drei Penske-Chevrolets flogen. Nur Alex Palou stand noch im Weg – und dabei blieb es auch.
So gewann Alex Palou sein fünftes Rennen dieser Saison. Er hatte das Glück, seinen dritten Stopp schon unter Gelb absolvieren zu können. Nur so kam er an die Spitze des Feldes. Dort konnte er dank der sauberen Luft und des mangelnden Grips abseits der Ideallinie seine Position halten. Deutlich spektakulärer war das Rennen von David Malukas. Die 3-Stopp-Strategie war riskant. Nach Startplatz 25 hatte Malukas aber auch nicht mehr viel zu verlieren. Vor allem nach der ersten Caution war sein Speed beeindruckend. Ähnlich spektakulär war die Fahrt von Scott McLaughlin nach der letzten Caution. Er fuhr von Platz 12 innerhalb von 14 Runden auf Platz 4 nach vorne – und das, obwohl das Überholen für die meisten anderen Fahrer im Feld fast unmöglich war.
Eines von McLaughlins Opfern war Mick Schumacher. Er hatte trotzdem ein sehr gutes Rennen, das ihm am Ende den achten Platz bescherte. Das ist seine mit Abstand beste Saisonplatzierung. Direkt vor ihm kamen Felix Rosenqvist, Marcus Ericsson und Pato O’Ward ins Ziel – zwei Indy-500-Sieger und der amtierende Vizemeister. Von denen geschlagen zu werden, ist keine Schande. Das war eine Leistung, auf die er aufbauen kann. Interessant ist, dass Schumacher seine beiden Ausrufezeichen der Saison ausgerechnet auf kleinen Ovalen gesetzt hat: Startplatz 4 in Phoenix und nun Platz 8 in Nashville.
Das gesamte Ergebnis kann auf der Homepage der IndyCar Series nachgelesen werden.
Alex Palou (457 Punkte) führt mit 83 Punkten vor David Malukas die Meisterschaftswertung an. Bei noch sechs ausstehenden Rennen kann er so langsam den Champagner kaltstellen. Kyle Kirkwood (370 Punkte) und Christian Lundgaard (353 Punkte) haben deutlich an Boden verloren.
Vor dem Endspurt gönnt sich die IndyCar-Series eine kleine Sommerpause. Erst am 09. August steht mit dem Grand Prix of Portland das nächste Rennen auf dem Programm.









