Im Juli wurden in den unterschiedlichen GT3-Sprintserien eine Vielzahl an Rennen ausgetragen. In diesem Report soll es ein Roundup rund um die DTM am Norisring, dem ADAC GT Masters am Nürburgring und um das Rekordstarterfeld im Sprint Cup der GT World Challenge aus Misano geben.
DTM Norisring
Auch in der modernen GT3-DTM ist und bleibt der Norisring das Kultwochenende der DTM schlechthin!
Nicki Thiim sicherte sich die Pole für Rennen 1 und bekam damit die Chance auf seinen mittlerweile überfälligen ersten Saisonsieg, nachdem er bereits 2024 im Lamborghini von SSR Performance in Nürnberg seinen einzigen DTM-Sieg einfahren konnte. Neben dem Tabellenführer Maro Engel und vor dem Mustang von Arjun Maini setzte er sich am Start durch. Insgesamt wurde das Wochenende sehr von Aston Martin, Mercedes und Ford dominiert, was die dahinter platzierten Jules Gounon und Lucas Auer zeigten.
Trotz dessen, dass eine Safetycar-Phase das Feld noch vor dem Stoppfenster zusammenschob, konnte Thiim mit einem schnellen Stopp einen klaren Vorsprung vor Engel, Maini und Auer herausfahren. Doch durch einen schweren Unfall, den wohl heftigsten der letzten Jahre, musste das Rennen lange unterbrochen wurde. Maximilian Paul verlor seinen Lamborghini am Ende der langen Geraden und krachte fast ungebremst in den BMW von Kelvin van der Linde. Für beide war das Wochenende damit vorbei, während für Paul aufgrund von Brüchen im Unterschenkelbereich derzeit eine längere Verletzungspause ansteht.
Im Mittelpunkt nach der Unterbrechung stand Thomas Preining, der nach dem Restart im völlig unterlegenen Manthey Porsche weit ins Mittelfeld zurückfiel und einige Plätze verlor. Nicki Thiim fuhr den ersten DTM-Sieg für Aston Martin überhaupt vor Maro Engel ein. Arjun Maini fuhr sein erstes Podest seit etwa zwei Jahren ein und damit den ersten Podestplatz im Ford Mustang.
Im zweiten Rennen hatte Thiim nun die großen Chancen für einen „clean sweap“, sprich ein 56 Punkte Wochenende mit zwei Rennsiegen und zwei Pole Position. Erneut konnte er sich am Start dem Ford Mustang erwehren, dieses Mal mit Finn Wiebelhaus und Arjun Maini sogar beiden Haupt Racing Ford. Dahinter konnte sich Ben Dörr zunächst vor den beiden Mercedes von Lucas Auer und Jules Gounon halten.
Doch einsetzender Regen hatte Potenzial, das Rennen ordentlich durcheinanderzuwirbeln. Doch durch eine weitere Rennunterbrechung eben nur das Potenzial. Nach einer Kollision zwischen Marco Mapelli und Matteo Cairoli in der Grundig-Kehre musste das Rennen unterbrochen werden. Durch die Pause konnten alle auf Regenreifen wechseln und das schon vor dem ersten der beiden Stoppfenster. Deswegen konnten alle bei den beiden Pflichtstopps auf gegebenenfalls weitere Wetteränderungen reagieren.
Nicki Thiim konnte nach dem ersten Pflichtstopp zurück auf die Slicks auf abtrocknender Strecke trotz seines späten Stopps die Führung knapp vor Finn Wiebelhaus halten. Beim zweiten Pflichstopp schaffte er wieder Tatsachen und baute die Führung dank eines schnelleren Stopps und besserem Timing wieder aus. Mit Lucas Auer, Arjun Maini und Jules Gounon konnten Mercedes und Ford dahinter erneut das Rennen bestimmen. Für Thiim war es also der „clean sweap“, womit der „Wikinger“ langsam zum „Mr. Norisring“ wird. Alle drei DTM-Siege seiner Karriere fanden damit in Nürnberg statt.
Das nächste Wochenende fand danach Ende des Monats in Oschersleben statt. Hierauf komme ich nächste Woche im GT3-Report mit der NLS und dem GT World Challenge aus Magny-Cours zu sprechen!
Hinweis: Leider konnten aufgrund eines technischen Problems auf der Website der üblichen Bildquelle keine weiteren Bilder eingefügt werden.
ADAC GT Masters Nürburgring
Seit der Neustrukturierung des ADAC GT Masters 2023 ist es mittlerweile zur Tradition geworden, dass im Rahmen des populären Truck GP am Nürburgring das größte Starterfeld der Saison aufgestellt wird. Die Verstärkung konnte sich mit ProSport, Schnitzelalm und Grasser durchaus prominent sehen lassen. Zu erwähnen ist jedoch auch, dass Haupt Racing seit dem Lausitzring nur noch zwei statt drei Ford Mustang einsetzt und das Duo Valente/Cucharese nicht mehr dabei ist. Außerdem gab es eine unfreiwillige Änderung bei Razoon more than racing: Der aus dem Carrera- und Supercup bekannte Alexander Tauscher ersetzte Collin Jamie Bönighausen aufgrund eines Bruchs am Oberschenkel.
Das erste Rennen nahmen mit Felix Hirsiger im Engstler Lamborghini und Leyton Fourie im FK
Performance BMW die beiden Meisterschaftskontrahenten von vorne in Angriff. Dahinter konnten sich eines der FK-Schwesterautos und die beiden HRT Mustang einreihen. Hirsiger konnte am Start die Führung verteidigen, während Fourie zunächst hinter die beiden Mustang von Niklas Kalus und Emil Gjerdrum zurückfiel. Es bildete sich ein BMW-Paket hinter den Podestplätzen, was nur von einem der beiden Razoon-Porsche getrennt wurde. Insgesamt bildeten sich im ersten Stint einige Lücken, die durch den einen Pflichtstopp eventuell nicht mehr hätten geschlossen werden können, während sich Hirsiger und Kalus vorne absetzen konnten.
Aufmerksamkeit erzeugte noch das Renncomeback von Gottfried Grasser in seinem vom eigenen Team
eingesetzten Lamborghini Huracan, den er sich mit seinem langjährigen Fahrer Gerhard Tweraser teilte. Nach über einem Jahrzehnt ohne Renneinsatz konnte er sich immerhin vor Jonas Karklys, Tim Hütter in den beiden Engstler Lamborghini sowie Baudouin Detout im Comtoyou Aston Martin halten.
Nach den Stopps konnte Finn Zulauf die Führung von Felix Hirsiger halten. Die Ford Mustang verloren durch ihren späten Stopp einiges an Boden, wodurch überraschend Kiano Blum im Razoon-Porsche den zweiten Platz vor den beiden BMW von Tim Zimmermann und Sandro Holzem übernahm. Diese vier Topplatzierten waren nach den Stopps weitgehend manifestiert, woran auch eine Full-Course-Yellow vor den Schlussminuten nichts mehr veränderte. Für GT3-Verhältnisse waren mit rund 30 Sekunden Differenz unter
den Top5 am Ende des Rennens, die Abstände durchaus üppig. Für die Ford Mustang ging nach dem starken ersten Stint nicht mehr viel, zumal Max Reis bis auf den 14. Platz durch einen dreifachen Longlap-Penalty zurückfiel. Tweraser/Grasser wurden die Überraschung des Rennens mit einem starken neunten Platz, der auch durch die zehn Sekunden kürzere Stoppzeit als Pro-Am-Duo zustande kam.
Im zweiten Rennen sollten die erfolgreichen „Deutschland-Wochen“ für das belgische Comtoyou-Team überraschend weitergehen. Im Grunde spielte das Duo Jamie Day/Baudouin Detout in der bisherigen Saison gar keine Rolle. Doch für den zweiten Lauf konnte Jamie Day die Pole einfahren, während die beiden Meisterschaftsführenden mit der jeweils vierten Startreihe einen kleinen Rückschlag erlebten. Day konnte
am Start die Führung gegen Kiano Blum und Jay Mo Härtling als besten Gaststarter im Schnitzelalm Mercedes und Alexander Tauscher verteidigen. Die Top3 waren für den gesamten ersten Stint bezogen, während die sonst erfolgsverwöhnten Finn Zulauf und Tim Zimmermann von ihren Plätzen im Mittelfeld nicht davonkamen, auch wenn die Kurzanbindung der GP-Strecke eine ideale Überholmöglichkeit bietet.
Felix Hirsiger handelte sich nach dem Fahrerwechsel eine Penalty Lap ein, da er am Ende der Box zu langsam fuhr, um die Mindestaufenthaltszeit einzuhalten, womit er den Platz gegen einen der beiden HRT Mustang und den Meisterschaftsgegnern von FK Performance verlor. Comtoyou Racing konnte trotz eines kurzen Abwürgens nach den Stopp die Führung für Baudouin Detout behalten und damit einen überraschenden
Start-Ziel-Sieg herausfahren. Auch zwischen Kalus, Förderer und Pichler änderte sich dahinter nichts mehr. Fourie/Zimmermann holten mit dem fünfen Rang damit das Maximum raus, bevor eine riesige Lücke auf den Rest des Feldes folgte. Gottfried Grasser konnte am Sonntag nochmal einen draufsetzen und vor der versammelten Konkurrenz den sechsten Platz bis zum Schluss halten. In diesen riesigen Pulk war auch Felix Hirsiger involviert, der am Ende nicht über den neunten Platz hinauskam.
Weiter geht es mit dem GT Masters Anfang September am Salzburgring, bevor im Oktober das Finale in Hockenheim folgt. Wie erwartet läuft es nun klar auf dem Zweikampf zwischen FK Performance und Engstler Motorsport hinaus.
Bildquelle: adac-motorsport.de (https://www.adac-motorsport.de/adac-gt-masters/media/2026-gtm-nbr/)
GT World Challenge Misano
Mit 44 Autos wurde ein neues Rekordfeld für den Sprint Cup aufgestellt. Kein Wunder also, dass nun gesplittete Qualifyings nur Normalität im Sprint Cup geworden sind. Waren es viele Jahre immer rund die Hälfte des Endurance Feldes, sind es mittlerweile gut ¾ der Stammteilnehmer der Langstreckenrennen.
Valentino Rossi hat bisher alle seine GT3-Siege in Misano eingefahren, mal von Klassensiegen in seiner WEC-Zeit abgesehen. Nach drei Siegen in Folge und der Pole für Rennen 1 gab es gute Chancen, die Serie fortzusetzen. Doch ein Startcrash, der bereits vor dem Bremspunkt zur ersten Schikane passierte, machte die Chancen zunichte. Durch einen Frühstart Rossis und in die Mitte ziehen von Ricardo Feller im Siegerauto der 24 Stunden von Spa, folgte eine Kettenreaktion mit dem Attempto Audi von Andrea Frassineti und dem
Verstappen Mercedes von Daniel Juncadella, die beide raus waren. Rossi konnte mit wenig Beschädigung weiterfahren, bekam aber wegen dem Frühstart eine Zehn Sekunden Zeitstrafe.
Als das Rennen startete, führte erneut ein WRT BMW, dieses Mal jener von Charles Weerts vor zwei Mercedes aus dem Bronze Cup mit Marvin Dienst und Fabian Schiller, die hiermit für ihre Teamkollegen den Grundstein für den Klassensieg legten. Rossi konnte das Rennen vor Lucas Auer im Winward Mercedes und Ricardo Feller wiederaufnehmen, allerdings noch ohne die Hypothek von zehn Sekunden beim nächsten Stopp.
Nachdem Charles Weerts den ersten Stint dominierte, übernahm Kelvin van der Linde die #32 und musste damit nur noch den Vorsprung verteidigen. Die
Gewinner der Stopps wurden Bastian Buus im Lionspeed Porsche und Mari Engel im Mercedes sowie die beiden Ferrari von Ben Green und Matthias Zagazeta für Emil Frey, bzw. AF Corse. Die #46, die nun Max Hesse übernahm, verlor durch den Stopp sechs Plätze. Am Ende reichte es immerhin noch für den sechsten Rang hinter Van der Linde, Buus, Engel, Green und Aka als Sieger des Gold Cups.
Ein paar beeindruckende Zahlen von WRT: Es war der 55. Sieg im Sprint Cup für das Team und der 19. Sieg allein für Charles Weerts, der somit als Rekordhalter mit Dries Vanthoor gleichzieht. Damit schien es für den Sonntag möglich, einen neuen Rekord im Sprint Cup einzufahren.
Jules Gounon konnte im Verstappen Mercedes für das zweite Rennen die Pole als Ersatzfahrer für den erkrankten Chris Lulham einfahren. Doch die BMW waren
auch am Sonntag stark dabei und Van der Linde sowie Hesse wurden nur durch den Comtoyou Aston Martin von Kobe Pauwels getrennt. Nach einer Schweigeminute des wenige Tage zuvor verstorbenen Marc van der Straaten, dem aktuellen Großsponsor von Boutsen VDS Racing, waren die BMW die Gewinner des Starts, nicht nur mit van der Linde und Hesse hinter Jules Gounon, sondern auch mit Jordan Pepper, der im dritten WRT BMW Plätze hinter Pauwels, Engel und Ben Green gewinnen konnte. Die Enttäuschung der Qualifikation war der Lionspeed Porsche von Bastian Buus, der nicht über den 13. Platz hinauskam und in den Startminuten noch mit Patrick Niederhauser im Rutronik Lamborghini kollidierte.
Nachdem sich Gounon und van der Linde vom Rest absetzen konnten, sollte WRT mal wieder eines seiner zu
diesem Zeitpunkt 55 Rennen an der Box gewinnen! Mit einer Boxenzeit von 65 Sekunden übernahm Charles Weerts die Führung gegenüber 68 Sekunden Boxenzeit für den Verstappen Mercedes, der nun von Daniel Juncadella übernommen wurde. Auch um den dritten Platz gab es den Wechsel, dass der Mercedes von Auer gegen WRT BMW von Rossi den Podest verlor. „Best of the rest“ wurden erneut zwei Ferrari von Emil Frey und AF Corse, nachdem zuvor der gut platzierte Aston Martin ausgefallen war.
Für WRT war es damit der 56. Sieg in einem Sprintrennen der GT World Challenge und der 20. Sieg für Charles Weerts, der damit alleiniger Rekordhalter ist. Damit führen Van der Linde/Weerts selbstverständlich die Tabelle nach zwei von fünf Sprintwochenenden an. Weiter geht es bereits am kommenden ersten
Augustwochenende in Magny-Course.
Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=250)
