Home MotorsportGT3-Report: NLS10/GT World Challenge Endurance

GT3-Report: NLS10/GT World Challenge Endurance

von Nils Otterbein
0 Kommentare 11 minutes read

Die letzte Ausgabe des diesjährigen GT3-Reports schließt nach den Entscheidungen der DTM und des ADAC GT Masters nun die Finals auf der Langstrecke ab. Neben dem zehnten und letzten Rennen der Nürburgring Langstreckenserie wurde auch die GT World Challenge mit dem Endurance-Lauf und einem Nachtanteil am Rennende in Portimao abgeschlossen.

NLS10

Mit den Porsche von Falken und Dunlop, dem Walkenhorst Aston Martin, dem Haupt Racing Ford Mustang sowie dem Schubert BMW sind für den letzten Saisonlauf die üblichen Verdächtigen mit einer SP9-Pro-Besatzung an den Start gegangen. Über die gesamte Saison hat sich der Trend manifestiert, dass sich das zahlenmäßige Verhältnis aufgrund immer wiederkehrender Überschneidungen mit anderen GT- und Langstreckenevents klar in Richtung der SP9-Pro-Am-Kategorie verschiebt gegenüber den reinen Pro-Besatzungen. Für die nächsten Jahre bleibt abzuwarten, ob nicht sogar früher oder später gänzlich eine gemischte Fahrerkategorisierung vorgeschrieben wird, wie es beispielsweise in der LMGT3-Klasse der FIA WEC praktiziert wird. Vor allem für die Organisation des 24 Stunden Rennens könnte das ein Thema werden, wenn auch im kommenden Jahr locker 40, vielleicht sogar in Richtung 50 GT3-Boliden an den Start gehen. Möchte man weiterhin ein erlesenes Feld an möglichen Gesamtsiegern haben, insbesondere jene Teams, die im gesamten Jahr an der NLS teilnehmen, oder möchte man vielleicht den Kreis an Siegfavoriten durch eine solche Regelung massiv vergrößern? Ich bin mal gespannt!

Aber bleiben wir beim tagesaktuellen Saisonfinale. Gamota Racing, das Team des slowenischen Sojabohnenhändlers Antal Zsigo kann auf eine erstaunlich gute Debütsaison zurückblicken und brachte für den finalen Saisonlauf erstmals zwei M4 Evo an den Start, was sie direkt für eine Doppelpole nutzten. Einen Wagen wie üblich für Jahn/Kranz/Zsigo und erstmals einen für Zsigo/Csaba Walter und Dennis Fetzer, den man hauptsächlich von Haupt Racing kennt. Sollte Gamota Racing im nächsten Jahr eine reine Pro-Besatzung, möglicherweise sogar mit BMW-Vertragsfahrern an den Start bringen, dürften sich die etablierten Teams über einen weiteren Gegner im Gesamtsiege freuen!

David Jahn kam als Führender aus der ersten Runde vor Benjamin Leuchter im ebenfalls immer stärker werdenden Max Kruse Racing Audi R8 aus der AT Klasse, Sven Müller im Falken Porsche, Nico Menzel im Dunlop Porsche sowie Frank Stippler im HRT Mustang. Auch nach mehreren Runden war das Feld nur wenige Sekunden getrennt, was auch ein Gedenk des mit 118 Anmeldungen etwas kleineren Starterfeldes und wenigen Zwischenfällen war. Für Haupt Racing endete das Rennen um die vorderen Platzierungen mal wieder durch einen Crash mit anschließender Reparatur. Nicht zum ersten Mal von Frank Stippler in diesem Jahr, dessen Fehlerquote ungewöhnlich hoch gewesen ist. Ohnehin war dieses Jahr festzustellen, dass der Mustang trotz der Evo-Version seine Gesamtperformance nicht wirklich steigern konnte. Möglicherweise durch den stetigen Umstieg von Yokohama-Pneus in der NLS einerseits, und den Pirelli bereiften Rennserien wie DTM, GT Masters und GT World Challenge andererseits.

Neben den Genannten konnten auch der nach längerer Pause zurückgekommene Konrad Lamborghini mit Pavel Lefterov und PROsport Mercedes von Adam Christodoulou in die Spitzengruppe vorfahren. Beide fielen jedoch anschließend zurück. Der Mercedes nach einer Kollision mit dem Schubert BMW und der Lamborghini, da der Huracan als zu laut aufgefallen ist. In der Folge war die Reihenfolge aufgrund der unterschiedlichen Stintlängen zunächst unklar. Gamota Racing behielt die Führung auch nach dem Wechsel von David Jahn auf Moritz Kranz. Unter Vorbehalt des letzten Stints von Teamchef und Bronzefahrer Antal Zsigo, der zwangsläufig einige Sekunden pro Runde verliert, kristallisierten sich die beiden Porsche von Schnabl Engineering mal wieder als Favoriten heraus. Interessanterweise setzte das Team nur drei Fahrer ein. Das Duo Heinemann/Müller im Falken Wagen und Menzel/Müller im Dunlop-Wagen. Sven Müller hat damit bis auf einzelne Rennrunden fast das komplette Rennen absolviert. Zwischen dem Schubert BMW, Max Kruse Racing und dem Gamota BMW wurde lange Zeit mit sehr knappen Abständen um den dritten Platz gekämpft.

Für den letzten Stint ergab sich durch den späteren letzten Stopp die recht komfortable Führung für den Dunlop Porsche mit Müller/Menzel vor Tim Heinemann, die er schlussendlich nicht mehr abgab. Dahinter ergab sich das gewohnte Bild, dass Antal Zsigo in seinem Stint zurückfiel und die Verfolger des Max Kruse Audi sowie Schubert BMW vorbeiziehen lassen musste. Jordan Pepper konnte schließlich das Podium komplettieren und den Audi auf den vierten Rang verdrängen. Black Falcon behielt das „Dauerabo“ auf den Gewinn der Pro-Am-Wertung und schaffte es mit Tobias Müller, Dylan Pereira und Patrick Assenheimer erneut mit dem fünften Rang weit nach vorne in der Gesamtwertung.

Um dem Breitensportcharakter gerecht zu werden, kam der Meister mal wieder aus einer der „kleinen“ Klassen. Erneut konnte Adrenalin Motorsport zum achten Mal in der neunten Saison den Meister stellen, dieses Mal aus der BMW M240 Klasse mit Sven Markert, Edoardo Bugane und Yannick Fübrich.

Bildquelle: Felix Töllich (Archivbilder)

Zum Ende noch eine Meldung, die in den letzten Monaten die Szene des Nürburgrings sehr beschäftigt hat: Nach zwei Jahren der Ruhe und einigen Verbesserungen innerhalb der NLS gab es mal wieder Streitigkeiten auf Seiten der Verbände. Da der ADAC Nordrhein fürchtet, in den kommenden Jahren das Anrecht für das 24 Stunden Rennen zu verlieren, gab es zunächst die Planung einer „24 Stunden Nürburgring Serie“, die über das Jahr verteilt neben den 24 Stunden Qualifiers und dem 24 Stunden Rennen drei weitere Rennen über die klassische VLN-Distanz von vier Stunden geplant hatte. Die Rennserie hätte sich am Reglement sehr nah am 24 Stunden Rennen orientiert und hätte wohl vor allem jene Teams angesprochen, für die eine ganzjährige NLS-Saison eher uninteressant ist und den Fokus klar in Richtung des Saisonhighlights richten.

Für die NLS mit der VLN als Veranstaltergemeinschaft wäre es damit nach den Planungen der einstigen „NES“ Ende 2023 seitens des AvD erneut zu einer existenzbedrohlichen Situation gekommen, da selbst bei wenigen abgewanderten Startern kein Gewinn mithilfe der Nenngelder mehr erzielt werden kann. Im Zuge dessen gab es ein Gerichtsurteil, was allen Playern am Nürburgring einen fairen Wettbewerb ermöglichen soll. Heißt also, dass der ADAC Nordrhein ab einem gewissen Zeitpunkt für mögliche andere Veranstalter des 24 Stunden Rennens Platz machen müsste, falls Interesse bestünde.

Doch nach einer Gerichtsverhandlung wurde der Streit glücklicherweise beigelegt. Der Kompromiss: Die beiden ADAC 24h Qualifiers zählen nun nicht mehr zur NLS und werden wieder komplett vom ADAC Nordrhein mit der gewohnten Struktur des 24 Stunden Rennens veranstaltet. Die Anzahl der NLS-Rennen sinkt damit wieder von zehn auf acht, verteilt auf insgesamt sieben Wochenenden wegen eines erneuten Double Headers. Zumindest für ein Jahr herrscht nun wieder Ruhe, bevor im nächsten Jahr wieder neu verhandelt werden könnte.

 

GT World Challenge Endurance in Portimao

Das fünfte und letzte Saisonrennen der Endurance-Kategorie der GT World Challenge wurde an der Algarve ausgetragen. Nach dem Finale von Jeddah Ende 2024 war es erneut ein Endurance-Finale, was aus den sonstigen Kalenderplanungen der GTWC etwas herausragt und zumindest für das kommende Jahr nicht wieder angedacht ist. Da es parallel den Qualifikationstag der WEC an Barcelona gab, kam es zu einzelnen Fahrerrochaden. Manche, wie z.B. die McLaren-Truppe von Thomas Fleming und Marvin Kirchhöfer oder Darren Leung mieden den Reisestress allerdings nicht und nahmen an beiden Rennserien teil. Durch den Ausfall von Fahrern wie Daniel Juncadella oder Jules Gounon im Falle des Mercedes von Verstappen Racing kam es dadurch zum Debüt von Max Verstappen himself, der im letzten Stint wie erwartet viel Aufmerksamkeit erregte. Er teilte sich das Steuer mit seinem Sim-Racing-Kumpel Chris Lulham und Ben Barnicoat, den er aus gemeinsamen Gokart-Zeiten kennt.

Doch die Qualifikation lief am Freitagabend nicht nach Plan, als sie nur den 15. Platz und nach ein paar anschließenden Strafen den 13. Platz für den Start erreichten. Der Boutsen VDS Porsche mit Schuring/Boccolacci/Picariello fuhr auf Pole vor dem Getspeed Mercedes mit Aron/Götz/Schiller und den 24-Stunden-Spa-Siegern des Lionspeed Porsche mit Buus/Feller/Preining.

Nach dem Start ins dreistündige Rennen folgte mit Picariello vor Preining zunächst eine Porsche-Doppelführung, ehe Maximilian Götz im Getspeed Mercedes Druck auf den Lionspeed Porsche ausüben konnte. Dahinter folgte auf einem sehr starken vierten Platz liegend Lilou Wadoux im AF Corse Ferrari, bevor sie von Jordan Pepper im WRT BMW umgedreht wurde und viele Plätze verlor. Der M4-Pilot handelte sich dadurch eine Drive Through Strafe ein.

Die Führung wechselte zugunsten des Getspeed Mercedes nach dem Wechsel von Maxi Götz auf Ralf Aron, nachdem die beiden Porsche eine Runde getrennt zum Stopp kamen und anschließend in einen harten Zweikampf verstrickt waren. In der Folge konnte der Mercedes die Pace des Rennens bestimmen und kristallisierte sich als Favorit auf den Rennsieg heraus. Hinter dem Mercedes und der beiden Porsche wurde die Lücke auf den Haupt Racing Mustang von Thomas Drouet oder den Garage59 McLaren von Joseph Loake immer größer, was ein wenig an die dominante Pace von Porsche und Mercedes im letzten DTM-Lauf eine Woche zuvor erinnerte. Der letzte Stint des Rennens wurde nach einem zunächst ruhigen Rennverlauf durch eine Safety-Car-Phase im Anschluss an eine Kollision zwischen den Porsche von Dinamic und Pure Rxcing eingeläutet.

Lucas Auer in der bereits als Meister festgestandenen „Mamba“ wurde vom Verstappen Mercedes mit Ben Barnicoat umgedreht, woraufhin klar war, dass Max Verstappen einen Stint aus dem Mittelfeld nach einer Durchfahrtsstrafe in Angriff nehmen musste. Spätestens nach dem Restart war schnell ersichtlich, dass der Getspeed-Mercedes wohl nicht zu schlagen war, nachdem auch Fabian Schiller nach dem Fahrerwechsel klar in Führung liegend übernehmen konnte. Die Porsche verloren in Folge etwas an Speed, womit Dorian Boccolacci erst seinen Platz gegen Ricardo Feller und anschließend gegen Joseph Loake im McLaren aufgeben musste. Doch ein loser Heckdiffusor im McLaren brachte ihm das Podium erstmal wieder zurück, nachdem Jack Hawksworth zwangsläufig an Pace verlor.

Zum Schluss wurde das Feld nochmal zusammengeführt, nachdem der Rutronik Lamborghini und WRT BMW #46 an verschiedenen Stellen im Kies strandeten, wodurch für die letzten 23 Minuten unter inzwischen vollends dunklen Bedingungen ein Sprint ins Ziel anstand, was ein wenig an die legendären Schlussminuten beim Petit Le Mans erinnerte. Während Getspeed der Sieg nicht mehr zu nehmen war, tobte dahinter mit engen Abständen noch der Kampf ums Podium. Beide McLaren fielen zurück, einerseits wegen des losen Heckdiffusors bei Jack Hawksworth, andererseits wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe gegen Thomas Fleming. Hinzu kamen einige überrundete Wagen dazwischen, die in der GT World Challenge keinen Pass-Around erhalten. Dies half den beiden Porsche, die hinter Getspeed das Podium komplettieren konnten, was dem Rennverlauf angemessen war!

Im Mittelpunkt der späten Rennphase stand natürlich Max Verstappen, den die SRO wie jeder andere Veranstalter zwangsläufig medial enorm pusht. Vielleicht war das schon ein Vorgeschmack auf seinen erwarteten Start bei den 24 Stunden von Spa im kommenden Jahr. Er begann seinen Stint im Anschluss an die Drive-Through von P24 und kam noch bis auf den neunten Platz nach vorne, wohlgemerkt mit Platzgewinnen auf der Strecke ohne irgendwelchen Stopptaktiken! Die Onboard-Bilder, die permanent in einem Split eingeblendet wurden, waren nicht von schlechten Eltern!

Neben Auer/Engel/Stolz in der Gesamtwertung gingen die weiteren Klassentitel im Gold Cup an De Wilde/Klingmann/Tramnitz für Rowe BMW, im Silver Cup für Montenegro/Cordeel/Lismont im WRT BMW, die in Portimao übrigens Fünfte der Gesamtwertung wurden, während der Bronze Cup, inklusive des begehrten Le-Mans-Startplatzes an Kessel Racing mit Dennis Marschall und Dustin Blattner ging.

Hiermit endet unsere erste Saison, in dem wir nach einigen Jahren den GT3-Report als kompaktes Round-Up der wichtigsten GT3-Rennserien zurückgebracht haben. Wir hoffen, es hat euch gefallen und planen auch im nächsten Jahr daran festzuhalten, möglicherweise mit der Möglichkeit auch auf Kurzmeldungen der GT3-Szene einzugehen. Es steht zwar noch der Macau GP im November an: Da es hier traditionell mit der Verfügbarkeit an öffentlich zugänglichen Bildern schwierig ist, werden wir hier jedoch von einer Berichterstattung Abstand nehmen. Die Hersteller werden mit 18 Wagen von folgenden Piloten vertreten:  Porsche: Thomas Preining, Alessio Picariello, Dorian Boccolacci, Laurin Heinrich; Mercedes: Lucas Auer, Maro Engel, Adderly Fong; BMW: Kelvin van der Linde, Raffaele Marciello, Augusto Farfus; Ferrari: Alessio Rovera, Yifei Ye; Audi: Earl Bamber, Joel Eriksson; Aston Martin: Marco Sörensen, Jamie Day; McLaren: Benjamin Goethe; Lamborghini: Luca Engstler.

Wir melden uns voraussichtlich mit den Saisonvorschauen im März/April 2027 mit der Reihe zurück. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf Toyota als neuen Hersteller liegen, die den Lexus RCF durch den Toyota GR GT3 ersetzen werden. Nach einigen Testeinsätzen, unter anderem auf der Nordschleife, haben sie sich mit ersten Renneinsätzen bisher zurückgehalten. Interessant wird auch die Wandlung des GT3-Programms von Lamborghini, in dem man nun flächendeckend auf den neuen Temerario setzen wird. Interessant wird natürlich auch, wie viele Audi R8 in der GT3-Welt weiter eingesetzt werden und wohin die entsprechenden Teams möglicherweise wechseln, sowie das beginnende Testprogramm für den 2028 geplanten neuen Mercedes AMG.

Bis dahin eine erholsame und gesunde Winterpause, die es ja bekanntlich im Motorsport ohnehin kaum noch gibt!

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=255=

Das könnte Dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Wenn Du einen Kommentar abgibst, werden einige Deiner Daten gespeichert. Mehr Infos im Impressum.

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.