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Formel Eins: Analyse GP Kanada

von DonDahlmann
3 Kommentare 6 minutes read
Paul di Resta (GBR) Sahara Force India VJM06.

Recht geruhsam cruiste Sebastian Vettel zu seinem ersten Sieg im Kanada. Das Rennen wurde jedoch vom tragischen Unfall eines Streckenposten überschattet.

Podium Formel Eins Kanada Vettel Alonso HamiltonEin bisher noch nicht namentlich bekannter Streckenposten kam am Rande des Grand Prix ums Leben, als man den Wagen von Esteban Guiterrez wegräumte, der in T2 zum Stehen gekommen war. Offenbar hielt sich der Mann hinter dem Truck auf, der den Sauber abtransportierte. Laut autosport.com wurde der Mann überrollt, als er sich außerhalb des Blickfeldes hinter dem Kranwagen befand. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden. Dass die Veranstalter und die FIA den Unfall erst am Folgetag kommunizierten ist allerdings etwas fragwürdig, auch wenn die näheren Umstände bisher nicht bekannt sind.

Das Rennen selbst gehörte nicht zu den besten in diesem Jahr, warf aber einige Fragen auf.

Vettel setzte seine Pole in einen ungefährdeten Start/Ziel-Sieg um. Der Red Bull kam auf dem Kurs in Montreal mit den Verhältnissen sehr gut zurecht und war klar das stärkste Auto am Wochenende. Nur zweimal musste Christian Horner um den Sieg bangen. Einmal berührte Vettel leicht die Mauer, ein anderes Mal fuhr er in Kurve 1 geradeaus, weil er den Bremspunkt verpasst hatte, wie der Weltmeister nach dem Rennen freiwillig zugab. Ansonsten lief alles für Vettel. Er konservierte nach der Hälfte des Rennens seinen Vorsprung, der ansonsten noch deutlich größer ausgefallen wäre.

Sein stärkster Konkurrent war am Ende Fernando Alonso, der vor allem im letzten Stint mit konstant schnellen Zeiten auf sich aufmerksam machte. Doch Ferrari hatte die Chance auf dem Sieg schon in der verregneten Qualifikation zunichte gemacht, als man nur auf P6 fahren konnte. Im Nachhinein rätselte Ferrari über die schwache Performance, zumal Alonso die Bedingungen ja durchaus lagen. Aber die Probleme in der Quali sind für Ferrari in diesem Jahr nichts Neues, offenbar bekommt man die Reifen erst sehr spät auf Temperatur, was gerade bei Mischbedingungen die Sache schwer macht. So konnten sich zunächst beide Mercedes vor Alonso halten, der das gesamte Rennen benötigte, um sich von P6 auf P2 vorfahren zu können.

Für Mercedes war es auch eher ein zähes Rennen. Hamilton konnte seine gute Startposition immerhin in ein Podium ummünzen, für Rosberg lief es allerdings nicht so gut. Das lag aber weniger an ihm, als an der Reifenstrategie, die Mercedes für ihn gewählt hatte. Statt wie fast alle Top-Teams beim ersten Stopp auf die „Medium“ zu wechseln, entschied man sich für die „Supersoft“. Die hatten eigentlich im ersten Stint einen guten Eindruck hinterlassen, doch im zweiten Stint passten sie nicht. Rosberg konnte trotz großartigem, manchmal etwas hart geführtem Kampf gegen Mark Webber und Alonso seinen dritten Platz nicht halten. Ähnlich erging es Massa, der nach einem sehr guten ersten Stint ebenfalls mit den „Supersoft“ im Feld stecken blieb. Immerhin konnte der Brasilianer noch P8 sichern, was angesichts seines Unfalls in der Quali noch ein gutes Ergebnis war.

Mark Webber hatte ein schwieriges Rennen. Von P5 gestartet hing er erst hinter Bottas, dann lange hinter Rosberg fest. Schließlich musste er sich gegen Fernando Alonso wehren, was ihn ebenfalls Zeit kostete. Dazu kam ein kurioser Zwischenfall mit Guido van der Garde, der dem Australier in der Haarnadel erst die Tür aufmachte, um sie dann zuzuwerfen. Das kostete Webber Teile des Frontflügels, was sich scheinbar aber nicht auf das Fahrverhalten des RB9 auswirkte. Der Niederländer darf dann im nächsten Rennen fünf Plätze weiter hinten starten.

Der Überraschungsmann der Quali, Valeri Bottas, konnte sich nur kurz in der Spitzengruppe halten. Schon beim Start verlor er einige Plätze, danach wurde der Williams immer weiter nach hinten durchgereicht. Bottas landete am Ende nur auf P14, was auch zeigt, wie schlecht der Williams des Jahres 2013 ist.

Force India, die in Kanada ihren 100sten GP fuhren, bekamen immerhin beide Autos in die Punkte. Dabei lief das Rennen für die Fahrer sehr unterschiedlich. Paul di Resta, der in Q1 wegen einer falschen Taktik seines Teams hängen geblieben war, demonstrierte, dass man mit den Pirelli durchaus lange fahren kann. 57 Runden behielt er die „Medium“-Schlappen auf seinem Wagen, seine Rundenzeiten blieben dabei immer konstant. Als er schließlich an die Box kam, waren seine Reifen laut Force India derartig runtergeschrubbt, dass von der Lauffläche kaum noch was übrig war. Durch den langen ersten Stint wurde di Resta auf P7 vorgespült. Adrian Sutil kam auf Platz 10 in die Punkte, allerdings hätte er auch weiter vorne landen können. Als Webber und Alonso hinter ihm heranstürmten, machte er nicht schnell genug Platz. Da er drei Mal blaue Flaggen ignorierte, brummte ihm die Rennleitung eine Durchfahrtsstrafe auf.

Und Lotus? Die waren zwar nicht die Favoriten, aber so schlecht hatte man sie auch nicht erwartet. Eric Boullier gab zu Protokoll, dass man die Reifen einfach nicht auf Temperatur bekommen habe. Tatsächlich kämpfte Kimi Räikkönen im gesamten Rennen mit Graining, weil die Streckentemperatur nicht hoch genug war. Auf der anderen Seite verwundert das schlechte Abschneiden schon, hatte der Finne doch das Auftaktrennen, das auf einer ganz ähnlichen Strecke stattgefunden hat, gewonnen. Und in Australien lag die Streckentemperatur um 10 Grad niedriger als in Kanada. Ein wenig rätselhaft ist das schon. Mal sehen, wie das Team in Silverstone zurechtkommt.

Und sonst so?

Jean Eric Vergne fuhr ein fabelhaftes Rennen und landete am Ende auf P6. Er blieb fehlerlos, obwohl er in teilweise heftigen Zweikämpfen steckte.

Beide McLaren waren vor allem eins: langsam. Dabei setzte man bei Button auf eine Ein-Stopp-Strategie, die im Gegensatz zu di Resta aber nichts brachte. Der McLaren ist weiterhin zu lahm und muss sich hinter Lotus und Force India anstellen.

Die FIA hat in Sachen Reifentest von Mercedes doch das „International Tribunal“ einberufen. Für Mercedes ist das unangenehm, wird man doch jetzt offiziell „angeklagt“. Das Team beharrt weiterhin darauf, dass man die Genehmigung eines FIA-Rechtsanwaltes hatte. Ob der nun für die FIA sprechen kann, ist dann wieder eine andere Frage, die vor dem Gericht geklärt werden muss. Die Verhandlung findet am 20. Juni in Paris statt.

Die FIA hat zusammen mit den Teams beschlossen, dass es im nächsten Jahr auch in der Saison Testtage geben wird. An vier Wochenenden wird man nach einem GP in Europa für zwei Tage an der Strecke bleiben können. Pro Team darf nur ein Auto eingesetzt werden. Mit Barcelona und Silverstone stehen schon zwei Teststrecken fest, die beiden anderen könnten Ungarn und Monza sein. Dafür kappen die Teams im Bereich der Entwicklung. So wird die Zeit im Windkanal von 40 auf 30 Stunden reduziert. Es fallen auch die 100-km-Tests für die Aerodynamik auf gerader Strecke weg. Damit ergibt sich dann auch die Möglichkeit, dass ein Reifenhersteller seine Mischungen besser testen kann.

In der WM sieht es mal wieder nach einem Durchmarsch von Vettel aus. Er hat 132 Punkte und damit 36 Punkte Vorsprung vor Alonso, der auf 96 Zähler kommt. Räikkönen hat 88 Punkte, dahinter liegt Hamilton mit 77 Punkten. 12 Rennen sind noch zu fahren und der Vorsprung ist nicht so groß, wie er im ersten Moment scheint. Die Frage wird sein, wie konstant der Red Bull nun auf allen Strecken sein kann und was die neuen Reifen, die ab Silverstone eingesetzt werden, an Verschiebungen verursachen.

Alonso Hamilton Canada 2013Massa Canada 2013Lewis Hamilton Canada 2013Paul di Resta (GBR) Sahara Force India VJM06.Adrian Sutil (GER) Sahara Force India VJM06.Sergio Perez Canada 2013Jenson Button PitstopToro Rosso Kanada 2013Lotus Kanada 2013Lotus Räikkönen Kanasa 2013Jules Bianchi (FRA) Marussia F1 Team MR02Jules Bianchi (FRA) Marussia F1 Team MR02.Bottas Alonso Kanada 2013Bottas Williams Kanada 2013Podium Formel Eins Kanada Vettel Alonso Hamilton

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3 Kommentare

nona 10 Juni, 2013 - 17:19

Re: Giedo van der Garde, der könnte sich bei diesem Rennen um seine F1-Zukunft gebracht haben. Nicht nur dass er dauernd im Weg stand und dumme Aktionen ablieferte (mit Webber z.B.). Er war über weite Strecken auch unfassbar lahm unterwegs, teilweise rund drei Sekunden langsamer als der Rest des Feldes. Da muss in Zukunft deutlich mehr kommen, um den Eindruck dieses Wochenendes wieder wett zu machen wenn es an die Vertragsverlängerungsdiskussionen geht.

Re: Mercedes, ich will ja nicht unken, aber es ist schon „irgendwie“ auffällig dass der Wagen sich vom Reifenfresser, der im Rennen nach hinten durchgereicht wird, zum normalen Rennauto entwickelt hat, der seinem Leistungspotential entsprechend mindestens mal mitfahren kann. Honi soit qui mal y pense.

Re: Streckenposten, mir sind noch immer die letztjährigen Bild aus Montreal vor Augen, als Posten auf der Strecke wie blind rumstolperten, um beim Teileaufsammeln fast von den Rennwagen überfahren zu werden. Das war zwar unter gelb und die heranrasenden Autos waren auch etwas zu schnell unterwegs. Trotzdem könnte man behaupten, dass die Veranstalter mal eine Schulung durchführen möchten was Übersicht vs. Übereifer angeht.

xeniC 10 Juni, 2013 - 20:01

Das mit dem Streckenposten stand gestern Abend bereits bei JA im Blog. Wurde also nicht’s von der FIA deswegen kommuniziert?

RIP and all Prayers to his family.

Paytv h3 13 Juni, 2013 - 14:01

@nona:
Ok, man mag meinen, dass ausgerechnet nach dem ominösen Mercedes Test, das Auto plötzlich nicht schon nach 3 Runden einbricht. Man darf hierbei aber nicht vergessen, dass vor allem Monaco so gut wie überhaupt nicht auf die Reifen geht. In Kanada gab es zwar schon Grand Prix, wo das Graining auch zu Bridgestone extrem hoch war, aber in diesem Jahr war auch hier der Verschleiß nicht wirklich hoch.
Einen entscheidenden Vergleich wird man dann aber in Silverstone sehen. Wenn die Temperaturen einigermaßen durchschnittlich für diese Jahreszeit sein sollten und es trocken bleibt, werden wir erst dort sehen können ob der Test wirklich entscheidende Vorteile gebracht hat.

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