Nach dem Langstreckenklassiker am Nürburgring ist bekanntlich auch für viele in der GT3-Szene vor den 24 Stunden von Le Mans. Doch in den Wochen zwischen den großen Rennen wurde GT3-Sport auf unterschiedlichen Ebenen ausgetragen – und von einer Verschnaufpause kann keine Rede sein!
DTM
Nach dem Auftakt in Spielberg fuhr die DTM bereits am Pfingstwochenende ihr zweites Wochenende im niederländischen Zandvoort, womit schon das letzte Wochenende außerhalb Deutschlands stattgefunden hat. Bereits nach den Freitagstraining waren die Ferraris von Emil Frey Racing klar favorisiert, was sie in der ersten Qualifikation des Samstags mit Matteo Cairoli auf Pole und Thierry Vermeulen auf dem dritten Rang bestätigen konnten. Nur Lucas Auer im Landgraf Mercedes konnte die erwartete Ferrari-Dominanz in der ersten Startreihe brechen. Zugegebenermaßen sollte anschließend eines der ereignislosesten Rennen der letzten DTM-Jahre folgen und viel blieb einem vom Rennen nicht im Gedächtnis haften.
Die meiste Spannung war für Rennen 1 in der einzigen Boxenstoppphase des Rennens begründet, was sich
aufgrund der engen Boxengasse bemerkbar machte. Unter anderem gab es teilweise Unsafe-release-Aktionen und Thierry Vermeulen traf einen Reifen eines anderen Teams, jedoch ohne Strafen an der Spitze des Feldes. Matteo Cairoli konnte vor Lucas Auer und Thierry Vermeulen auch nach dem Stopp seine Führung behalten und fuhr damit im dritten DTM-Rennen seiner Karriere dem ersten Sieg entgegen. Das engste Duell lieferten sich Bastian Buus und Jules Gounon um den vierten Platz – zunächst! Analog zu Spielberg bekam Bastian Buus im einzigen Land Porsche den vierten Platz aberkannt, dieses Mal wegen einem leichten Untergewicht nach dem Rennen. Umso bitterer, weil er gegenüber dem Establishment von Manthey kaum schwächer wirkt.
Maro Engel konnte das Tempo seiner Marken- und Teamkollegen nicht ganz mitgehen und verlor die
Tabellenführung nach diesem Rennen an Lucas Auer. Die Mercedes wirken als Gesamtbild jedoch weiterhin sehr stark, trotz dem Erfolgsbalast der DTM. Zur großen Überraschung des Rennwochenendes wurden die brandneuen Lamborghini Temerario, die noch in Spielberg einen desaströsen Eindruck hinterließen. Doch mit ungewohnt vielen und erlaubten Anpassungen, die sonst innerhalb eines Modellzyklus in wenigen Wochen unüblich sind, konnten sie die Lücke schnell schließen, womit Luca Engstler schon das erste Top10 Resultat einfuhr.
Nachdem er am Samstag bereits nach einem Ölleck den zweiten Saisonausfall hinnehmen musste (und er damit nach Bastian Buus sowas wie der zweite Pechvogel der Saison ist), konnte Kelvin van der Linde die
Pole für das zweite Rennen rausfahren, was doch sehr starke Parallelen zum Saisonbeginn an Österreich hatte. Neben ihm konnte sich Thierry Vermeulen für sein Heimrennen einreihen und setzte das gute Ferrari-Wochenende nach dem Sieg seines Teamkollegen fort. Die großen Überraschungen wurden nach dem unerwarteten (und vielleicht für die Konkurrenz etwas fragwürdigen) Leistungsschub die beiden Temerario von Mirko Bortolotti und Luca Engstler in der zweiten Startreihe – also einmal Abt, einmal Grasser.
Das zweite Rennen sollte ein deutlich lebhafteres im Vergleich zum Vortag werden, was auch an einigen Fehleranfälligkeiten lag. Bastian Buus fiel bereits in der Startrunde mit einem vorderen Reifenschaden aus und setzte damit seine Saison unter dem Motto „Was wäre, wenn?“ fort. Größere Aufreger sollten erneut die
Stopps liefern, die sonntags bekanntlich zweimal stattfinden müssen. In der ersten Stoppphase verloren die beiden Meisterschaftsführenden Maro Engel und Lucas Auer mit Stopps von 15, bzw. zehn Sekunden einige Plätze. Bei Winward Racing (Engel/Gounon) funktionierten in beiden Fällen die Schlagschrauber nicht wie erwünscht, wodurch die Strategie zerstört wurde. Kelvin van der Linde nutzte den Vorteil der frischen Reifensätze, begründet durch seinen frühen Ausfall am Samstag, womit er sich zunächst absetzte. Hinter ihm konnten sich die Lamborghinis mit Engstler und Bortolotti gut auf Podestkurs gegen den Ferrari von Vermeulen und den Manthey Porsche von Thomas Preining halten.
Nach einer Safety-Car-Phase, verursacht durch eine zerstörte Werbebande durch Jules Gounon, hing der Sieg von Kelvin van der Linde am seidenen Faden, als er nach dem Restart die Führung an Thierry Vermeulen verlor und plötzlich keinen Speed mehr hatte.
Zwischendurch fragte man sich, ob gar der nächste Ausfall folgen könnte. Doch nachdem die Emil-Frey-Mannschaft beim Niederländer einen Fehler beim Stopp machte und den 296 zu früh auf den Boden lies, konnte van der Linde die Führung zurückerobern. Der Stint nach den letzten Stopps veränderte ohnehin sehr viel, was an Unterschieden durch gebrauchte, bzw. neue Reifensätze zustande kam. Profiteure waren somit Ben Dörr und Marco Wittmann, die noch in den Schlussminuten an Vermeulen vorbeigingen, der massiv an Boden verlor. Dieser verlor sogar noch den vierten Platz gegen Maro Engel, der bekanntlich beim ersten Stopp viel Zeit verlor. Engstler und Mapelli in den beiden Lamborghinis konnten mit den sechsten und siebten Plätzen auch dieses Mal überzeugen.
Selten waren die Unterschiede zwischen zwei gleichlangen Rennen bei identischen Wetterbedingungen so enorm wie an diesem Wochenende! An der Tabellenspitze konnten sich wie erwartet Maro Engel und Lucas Auer halten. Eine der Überraschungen ist sicherlich Ben Dörr auf dem sechsten Gesamtrang. Weiter geht es mit der DTM am Lausitzring am Wochenende zwischen den beiden 24 Stunden Rennen von Le Mans und Spa.
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ADAC GT Masters
Das ebenfalls zweite Wochenende in Zandvoort hatte das ADAC GT Masters. Mit dem Porsche von Pure Rxcing war erneut ein Gaststarter dabei, dieses Mal sogar ein ziemlich prominenter als ehemaliges Weltmeisterteam der WEC. Wie erwartet konnten sie das Feld mit Alexey Nesov und Aliaksandr Malykhin ziemlich aufmischen und stellten für Rennen 1 ihren Porsche neben dem Schubert BMW mit Sandro und Juliano Holzem in die erste Startreihe.
Mit den bereits beiden Genannten sowie dem HRT Mustang mit Niklas Kalus, dem tabellenführenden Finn Zulauf im Engstler Lamborghini und Simon Connor Primm im Seyffarth Audi befanden sich bis zur Stoppphase zwischendurch fünf Hersteller an der Spitze. Der Schubert BMW führte das Rennen bis zu einem
Safety-Car-Restart nach dem Fahrerwechsel an. Doch dann musste er die Führung nach einem schlechten Restart an den FK Performance BMW von Leyton Fourie abgeben. Auch der Pure Rxcing Porsche verlor Plätze und verpasste damit ein Podest beim Gaststart, der zunächst einmalig bleiben sollte, da Malykhin/Nesov am Sonntag nicht mehr starteten und die Erfahrung für die GT World Challenge mitnahmen.
FK Performance und Schubert machten am Ende den BMW-Doppelsieg vor dem bestplatzierten HRT Mustang und dem Lamborghini von Zulauf/Hirsiger perfekt. Wie schon in Spielberg konnte Felix Hirsiger einen Platz in der letzten Runde gewinnen – dieses Mal ging es um den vierten Platz statt um den Sieg.
Für das zweite Rennen konnte sich Kiano Blum im Mustang die Pole sichern und verteidigte zunächst die Führung vor den beiden FK BMW von Samstagssieger Leyton Fourie und Jan Duran. Auffällig war, dass die #2 von HRT auch heute auf den vorderen Plätzen zu finden war, während sich die beiden Teamkollegen zwischendurch auf dem neunten und gar nur 13. Platz wiederfanden. Auch das zweite Wochenende hat gezeigt, dass Haupt Racing nicht die Teamstärke des letzten Jahres hat. Vor den Stopps folgte eine Kollision zwischen Emil Gjerdrum im HRT Mustang #1 gegen den Schubert BMW der Holzem-Zwillinge, was durch Teile eine SC-Phase verursachte und viele durch das enge Feld damit zu frühen Stopps gezwungen waren. Die zunächst führende #2 von Blum/Kalus legte einen späteren Stopp ein und verlor durch den Overcut einige Plätze, bevor es zu einer roten Flagge nach einem Crash des Schwesterwagens mit Cuccarese/Valente
in der Hugenholtz-Bocht kam. Die Rennleitung entschied sich zur Unterbrechung deshalb, weil der Mustang durch ein rausgerissenes Rad nicht mehr rollfähig war.
Nach dem Restart passierte dann nicht mehr so viel wie zuvor, womit Finn Zulauf nach der errungenen Führung aufgrund des frühen Stopps nur noch den zweiten Saisonsieg nach Hause fahren musste. Die beiden BMW von FK Performance mit Tim Zimmermann und Fabio Rauer komplettierten das Podium und sorgten damit für vier von sechs möglichen BMW-Podien an diesem Wochenende, ganz zu schweigen vom erfolgreichen DTM-Sonntag für Schubert. Für die einst führenden Blum/Kalus reichte es nur zur sechsten Position, nachdem das Timing des Stopps nicht funktionierte. Durch den zweiten Saisonsieg führen Zulauf/Hirsiger nun schon 18 Punkte vor Fourie/Zimmermann nach dem ersten Drittel der Saison.
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GT World Challenge
In Monza trug die GT World Challenge das dritte Saisonwochenende mit dem zweiten Endurance-Rennen aus, dieses Mal mit der gewohnten dreistündigen Renndistanz. Es war somit das letzte Rennen vor dem Saisonhöhepunkt in Spa Ende Juni. Doch für viele Teams sollte es die Budget- und Arbeitsplanung für die nächsten Wochen erstmal über den Haufen geworfen haben.
Irgendwie hatte man schon nach der Qualifikation das Gefühl, dass ein besonderes Rennen in der Luft liegen könnte. Neben der Pole für den HRT-Mustang aus dem Pro Cup konnte auch der Attempto Audi aus dem Gold Cup mit der zweiten Position überraschen. Überhaupt sollte das Audi-Team aus Hannover eine ganz besondere Geschichte dieses chaotischen Rennens schreiben. Schon vorher stand fest: 57 Autos auf dem Weg
in die erste Schikane könnte herausfordernd werden, doch dieses Startchaos sollte auch große Teile außerhalb der Fachpresse erreichen. Nach einer Kollision, mutmaßlich ausgelöst durch den Getspeed Mercedes von Maxime Martin, schoss einer der McLaren mit der Heckseite durch die ersten Startreihen und räumte u.a. die beiden topplatzierten Ford Mustang aus dem Rennen. Alles in allem waren zehn Fahrzeuge direkt oder indirekt an der Kollision beteiligt, die anschließend ein riesiges Schlachtfeld hinterließ. Ein Autofriedhof, den man so im internationalen Motorsport lange nicht gesehen hat – zum Glück ohne nennenswerte Personenschäden!
Am besten lief es noch für jene Fahrzeuge, die hinter den ersten beiden Startreihen ins Rennen gingen, wodurch mit dem Getspeed Mercedes von Maxime Martin (der jedoch später für die Kollision eine Strafe von drei Minuten bekam!), den beiden Winward
Mercedes von Engel und Juncadella sowie dem Boutsen Porsche von Alessio Picariello vier namenhafte Autos aus der Pro-Kategorie durchkamen und das Rennen zunächst anführten. Nach rund 20 Minuten ging das Rennen ohne rote Flagge auch schon wieder weiter. Schon während der Safety-Car-Phase gingen mehrere Top-Autos zum ersten Stopp, womit das Feld in unterschiedliche Strategien geteilt wurde.
Nach der harten Strafe gegenüber Getspeed, was womöglich nur von einer Disqualifikation hätte getoppt werden können, sowie einem Ausfall des Red Bull gebrandeten Mercedes von Daniel Juncadella in Folge von diversen Beschädigungen, sah es nach der ersten Rennstunde gut für den Winward Mercedes von Luca Stolz und den Boutsen Porsche von Dorian Boccolacci aus. Der Walkenhorst Aston Martin von Jamie Day und Rowe
BMW von Augusto Farfus versuchten eine alternative Strategie und gingen zunächst auf Track Position nach einem frühen ersten Stopp während der SC-Phase. Winward fiel für den letzten Stint von Lucas Auer während einer späteren Neutralisation weit zurück, da sie ihren Stopp erst unter Safety-Car-Bedingungen, statt unter den deutlich langsameren Full-Course-Yellow-Bedingungen absolvierten. Durch die immer wiederkehrenden Zwischenfälle erinnerte das Rennen sehr an das zerfahrene Monza-Rennen von 2024, als ein BMW M4 aus dem Bronze Cup gewann. Hinter dem WRT BMW mit Jordan Pepper und Dorian Boccolacci kämpften plötzlich mit Gaspard Simon im Walkenhorst Aston Martin und Ben Dörr im RJN McLaren zwei aus dem Silver Cup ums Gesamtpodest, vielleicht sogar um den Sieg!
Der WRT BMW #32 kam bereits kurz nach der Zwei-Stunden-Marke zu seinem letzten Stopp, um an Kelvin van der Linde zu übergeben, wie auch der Boutsen
Porsche #2, den Morris Schuring übernahm. Beide hatten zunächst freie Fahrt, aber: In diesem zerfahrenen Rennen konnten diejenigen mit einer späteren Taktung des letzten Stopps, eine mögliche Neutralisation abwarten. Und es kam, wie es kommen musste: Nach dem Crash des Greystone McLaren und der anschließenden Full-Course-Yellow wurde die Reihenfolge völlig auf den Kopf gestellt. Marvin Dienst im Winward Mercedes aus dem Bronze Cup ging als Führender zum letzten Stopp, fiel jedoch hinter die beiden Audi von Ezequiel Perez Companc und Rocco Mazzola nach etwas mehr Standzeit zurück. Wer hätte gedacht, 2026 nochmal eine Audi-Doppelführung in einem internationalen GT-Rennen zu sehen? Perez Companc im Sainteloc Audi musste jedoch nochmal reinkommen, wodurch beim Restart Mazzola im Attempto Audi (Silver Cup), Marvin Dienst im Winward Mercedes (Bronze Cup), Ben Dörr im RJN McLaren (Silver Cup) vor Lucas Auer in die letzten Minuten gingen. Kannst du dir nicht ausdenken!
Das Rennen endete jedoch, wie es begann – mit einem Crash in der Variante Rettifilo! Der Porsche von Pure Rxcing schoss durchs Feld, ausgelöst durch eine Berührung vom WRT BMW mit Kelvin van der Linde. Unter anderem wurden der Mercedes von Marvin Dienst und der Rutronik Porsche um ein überraschend gutes Ergebnis gebracht. Dadurch war die Sensation perfekt: Ein Audi-Gesamtsieg für Attempto Racing mit Rocco Mazzola, Sebastian Øgaard und Ariel Levi aus dem Silver Cup. Vielleicht der letzte Audi-Sieg in einem starkbesetzten GT3-Rennen für sehr lange Zeit! Wie ein Sieg wird sich der zweite Platz für Winward Racing für Lucas Auer, Luca Stolz und Maro Engel anfühlen, die über die zweite Position beim Saisonstart in Le Castellet nach stundenlanger Führung noch sehr frustriert gewesen sein dürften. Nicht minder überraschend war der dritte Platz für Baptiste Moulin, Romain Andriolo und Lorens Lecertua im CSA McLaren.
Am Ende stehen neben einem überraschenden Ergebnis vor allem 23 Ausfälle. Bei dieser Ausfallquote in einem dreistündigen Rennen wird die Rennleitung vor Spa nochmal ein Extrameeting einlegen müssen, um eine weitere „Stockcar-Crash-Challenge“ zu verhindern. Wirklich Werbung für hochklassigen GT3-Sport war diese Veranstaltung nicht, auch wenn die Bilder sicherlich nach dem 24 Stunden Rennen am Nürburgring erneut den GT-Sport außerhalb der Fachmedien bekannt gemacht haben.
Nach den 24 Stunden von Le Mans geht es unmittelbar mit der DTM sowie NLS weiter, bevor die GT3-Elite entweder zu den 24 Stunden nach Spa oder zur IMSA nach Watkins Glen weiterreisen wird. Die Monate Mai/Juni werden gefühlt jedes Jahr intensiver!
Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery?filter_meeting_id=248&filter_race_id=1762)
