Lando Norris hat es in der Hand am Wochenende Weltmeister zu werden. Wenn McLaren sich nicht wieder ein Bein stellt.
Die Meldung der Woche kommt von Red Bull, die ihr Line-Up für 2026 vorgestellt haben. Wie erwartet wird Isaac Hadjar neuer Teamkollege von Max Verstappen, während der 18-jährige F1-Rookie Arvid Lindblad den Platz von Hadjar bei RB einnehmen wird. Lawson darf bleiben, Tsunoda bekommt die Rolle eines Test- und Ersatzfahrers. Soweit, so erwartbar. Dass Tsunoda bei Red Bull verbleibt, liegt wohl daran, dass es kein anderes Cockpit in der F1 gibt. Ob das eine gute Entscheidung für seine Motorsportkarriere sein wird, ist dann eine andere Frage.
Tsunoda konnte im Red Bull zu keiner Zeit überzeugen. Allerdings muss man auch sagen, dass er die meiste Zeit des Jahres nicht mit identischem Material unterwegs war. Das änderte sich zwar im Herbst etwas, aber geholfen hat das weder ihm noch seinen Ergebnissen. Die Entscheidung, ihn zu ersetzen, ist daher nachvollziehbar.
Nach Perez, Lawson und Tsunoda ist Hadjar damit der vierte Fahrer innerhalb von 15 Monaten, der im zweiten Cockpit von Red Bull Platz nehmen darf. Gesund ist das nicht, weder für die Fahrer, noch für das Team. Zudem darf man auch nicht vergessen, dass Tsunoda schon im letzten Jahr als aussichtsreicher Kandidat für Red Bull galt, auch wenn seine Ergebnisse nicht konstant waren. Wenn er allerdings schnell war, dann war er richtig schnell. Und Lawson war schneller weg, als Helmut Marko unüberlegte Bemerkungen machen kann.
Schaut man sich das Duell Lawson gegen Hadjar aus diesem Jahr an, ist die Lage eindeutig. Hadjar hat 51 Punkte, Lawson 38. In der Quali steht es 15:6 für Hadjar, im Rennen 13:7. Lawson war nach seinem Zwangswechsel zurück zu RB allerdings mental etliche Rennen auch enorm angeknackst und benötigte viel Zeit, um sich wieder auf Vordermann zu bringen. Im Herbst sahen seine Leistungen besser und konstanter aus. Aber tatsächlich machte Hadjar den besseren Eindruck.
Arvid Lindblad kommt mit nicht so vielen Vorschusslorbeeren, was bei Red Bull ja meist eher von Vorteil ist, weil die Erwartungen dann auch geringer sind. Mit 18 Jahren ist er auch sehr jung. Seine Rookie-Saison in der F2 verlief gemischt. Immerhin bei Campos untergebracht, reichte es am Ende immerhin zu P6 in der WM. Allerdings lagen mit Alex Dunne, Luc Browning und mit dem diesjährigen F2-Meister Fornaroli einige Rookies vor ihm.
Aber irgendwann wird Red Bull sicher das ganze Chaos mal in den Griff bekommen.
Das Hauptaugenmerk an diesem Wochenende liegt logischerweise bei der WM-Entscheidung. Lando Norris muss “nur” aufs Podium fahren und der WM-Titel ist ihm sicher, egal was Max Verstappen oder Oscar Piastri machen. Verstappen wird Weltmeister, wenn er gewinnt und Norris nicht mehr als P4 erreicht. Piastri wiederum gewinnt den Titel, wenn er gewinnt und Norris nur P6 oder schlechter erreicht. Verstappen kann dann nicht den Titel holen, auch wenn er auf P2 ins Ziel kommt.
Dass Norris in die Top 3 kommt, sollte eigentlich möglich sein, aber die letzten beiden Wochenenden haben gezeigt, dass auch schnell was schiefgehen kann. Dabei lag in beiden Rennen der Fehler aber nicht bei Norris, sondern beim Team.
Aber es gibt natürlich auch immer wieder Überraschungen. Mercedes oder Ferrari könnten vorn mitmischen. Die schwankenden Leistungen von Ferrari in den letzten Rennen machen das eher unwahrscheinlich, aber Mercedes könnte eine Rolle spielen. Im letzten Jahr dominierten die McLaren aber das Rennen. Norris gewann die Pole relativ deutlich und im Rennen war es nur Carlos Sainz im Ferrari, der einigermaßen dranbleiben konnte.
Die Strecke liegt Norris eher als Piastri, wenn man die bisherigen Ergebnisse anschaut. Eventuell ist der ganze Hype um die WM-Entscheidung auch schnell vorbei. Norris sollte sich leicht in den Top 3 in der Quali positionieren können und das Rennen kann er gelassen angehen, wenn er sich nach dem Start dort auch halten kann. Aus seiner Sicht wäre natürlich die Pole am Besten, was ihm die Kontrolle über das Rennen geben würde.
Im Mittelfeld gibt es noch eine Entscheidung um die Plätze 6 bis 9. So sieht es vor dem Rennen aus:
- RB 92 Punkte
- Aston 80 Punkte
- Haas 73 Punkte
- Sauber 68 Punkte
Damit sich an der Reihenfolge noch etwas ändert, müsste allerdings viel passieren. Wenn man davon ausgeht, dass die Plätze 1 bis 6 durch die Top Teams belegt sind, bleiben nicht mehr viele Punkte übrig, die man noch holen kann. RB sollte sicher. Theoretisch könnte Haas acht Punkte holen, aber dafür müsste Stroll mal wieder aufwachen. Zudem wird Alonso vermutlich einen der letzten Punkteplätze belegen können. Auch dass Sauber noch Haas abfängt, ist eher unwahrscheinlich.
Zu Haas gibt es noch die Meldung, dass sich der Hauptsponsor Moneygram verabschiedet. Stattdessen übernimmt Toyota Gazoo Racing den Platz und übernimmt auch den Namen. Das Team heißt im nächsten Jahr Toyota Gazoo Racing Haas. Das löst natürlich die Frage aus, ob Toyota selbst schleichend wieder in die Formel Eins zurückkommt. Die Strategie von Toyota könnte sein, dass man sukzessive das Team übernimmt und sich Zeit nimmt, die Organisation aufzubauen. In ein oder zwei Jahren könnte dann eine komplette Übernahme erfolgen, so die Theorie. Das Problem mit dieser Theorie ist aber, dass Toyota dann auch einen eigenen Motor benötigen würde. Und der ist nicht in Sicht. Es scheint wahrscheinlicher, dass Toyota die Kooperation mit Haas nutzt, um Ingenieure auszubilden und um eventuell in Zukunft einen eigenen Fahrer in der F1 unterzubringen. Zudem hat Toyota ja noch ein WEC-Team und ich glaube nicht, dass man beides gleichzeitig stemmen kann.
Dies gesagt: Toyota ist seit einiger Zeit unzufrieden mit der BoP der WEC. Damit steht man nicht allein, der Rückzug von Porsche, wenn auch finanziell bestimmt, hat auch mit der BoP zu tun. Durch die vertiefte Zusammenarbeit mit Haas eröffnet man sich zumindest eine Alternative, sollte man die WEC fallen lassen. Für Gene Haas ist die Zusammenarbeit perfekt. Als eines der letzten echten Privatteams der Serie hat er die Unterstützung eines Herstellers, ohne die Kontrolle abgeben zu müssen.
Strategie:
C3, C4 und C5 gibt es zum Abschluss der Saison und damit bringt Pirelli wieder die gleichen Mischungen wie im letzten Jahr. Das macht die Strategie relativ einfach: Man startet auf den Medium, stoppt einmal und nimmt dann die C3. Das war es auch schon. Der Stopp wird zur Halbzeit des Rennens stattfinden, wobei man allerdings einen gewissen Handlungsspielraum hat, da der C3 bekanntermaßen eine hohe Spannbreite in seiner Laufzeit hat. Die einzige Sorge ist Graining, was vor allem dann passiert, wenn man die Reifen thermisch zu früh zu hoch belastet.
Der Undercut ist also die einzige strategische Option, abgesehen von einem Safety Car, was natürlich möglich ist (siehe 2021). Ein spätes SC würde dann die Frage aufwerfen, ob man an die Box kommt, oder die Position auf der Strecke halten will. Eine solche Situation könnte im letzten Drittel des Rennens dann für einige Verschiebungen sorgen, da die meisten dann vermutlich leicht gebrauchte Soft aufziehen würden.
Das Überholen in Abu Dhabi ist nicht leicht, aber machbar. Die beiden langen Geraden mit den DRS-Zonen eignen sich gut, bieten allerdings auch die Möglichkeit eines Konters, wie man aus den letzten Jahren weiß. Andere Überholmöglichkeiten gibt es nicht wirklich, sei denn der Gegner macht einen Fehler oder man selbst hat einen großen Unterschied bei den Reifen.
Kurz in eigener Sache: Ich sitze am Sonntag zum Rennen leider im Zug und erst am Donnerstag zurück. Die Analyse kommt daher dann erst am Dienstag.



