Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Katar – Wie McLaren sich selbst im Weg steht

Formel Eins: Analyse GP von Katar – Wie McLaren sich selbst im Weg steht

von DonDahlmann
0 Kommentare 8 minutes read

Verstappen hat die Chance, am nächsten Wochenende erneut Weltmeister zu werden. Das primär wegen einer fatalen Fehlentscheidung von McLaren.

McLaren hat seinen Fahrern und vor allem Lando Norris am Wochenende keinen guten Dienst erwiesen. Eine fatale Fehlentscheidung der McLaren Box im Hauptrennen hat dafür gesorgt, dass in Abu Dhabi beide McLaren Piloten und Max Verstappen noch die Chance auf den WM-Titel haben. Dabei sah es zu Beginn des Wochenendes noch so aus, als würde McLaren die Chance haben, Max Verstappen aus dem WM-Rennen zu kicken. Denn die Autos waren klar schneller, als der Red Bull.

Das Sprintrennen ging klar an Oscar Piastri, der an diesem Wochenende endlich mal wieder zu seiner üblichen Form finden konnte. Er war nicht deutlich schneller als Norris, aber doch genug, um in beiden Qualifikationen vor seinem Teamkollegen zu liegen. In der wichtigen Qualifikation sah es ähnlich aus, aber Norris lag auf P2. Er verlor dann allerdings auf der schmutzigen Seite des Startgrids gegen Verstappen. Das konnte ihm allerdings auch recht sein, denn beim Stand der WM zu diesem Zeitpunkt benötigte er nur einen dritten Platz in Katar und Abu Dhabi, um den WM-Titel zu gewinnen.

Problem für alle Teams am Wochenende war aber, dass Pirelli die maximale Nutzungsdauer der Reifen auf 25 Runden beschränkt hatte. Das ließ von Anfang an nicht viel Spielraum für die Strategie. Die einzige Variable war dann ein Safety Car.

In Runde sechs kollidierten dann Nico Hülkenberg und Pierre Gasly was das SC dann auf die Strecke brachte. Ein Stopp würde dann in Runde 7 erfolgen, was die Fahrer dann zu zwei Stints über 25 zwang. Auf der anderen Seite war der Stopp natürlich ein Geschenk, weil der Stopp während der SC-Phase deutlich kürzer war. Die Entscheidung, in der Runde zu stoppen, hatte aber das Risiko, dass die Reifen am Ende der beiden Stints dann anfällig für Schäden sein könnten.

Aber im Grunde war es ein “no brainer” hineinzukommen, da die Möglichkeit eines weiteren SC im nach Runde 32 ja durchaus gegeben war. Dementsprechend kamen auch alle Teams an die Box – außer McLaren, die beide Fahrer auf der Strecke ließen. Eine fatale Fehlentscheidung, die den Kampf um die WM auf den Kopf stellte.

Eine Frage ist, ob McLaren den Stopp nicht erledigte, weil man weiterhin auf den “Papaya Rules”, also der Gleichbehandlung beider Fahrer, besteht. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Hätte man gestoppt, hätte man einen doppelten Stopp benötigt. Piastri hätte zwar die Führung behalten, Norris hätte man allerdings in den Boxenverkehr entlassen müssen, was ihn vermutlich einige Plätze gekostet hätte. Da die Strategie dann auch nicht mehr zu verändern gewesen wäre, hätte es am Ende bedeuten können, dass Norris irgendwo zwischen P5 und P10 herausgekommen wäre.

Die McLaren versuchten mit schnellen Runden zu reagieren, aber mehr als sieben Sekunden auf Verstappen schaffte man nicht. Hinter den Top 3 lagen Sainz und Antonelli, die ebenfalls innerhalb des Boxenstoppfensters von McLaren lagen. 26 Sekunden kostet der Stopp in Katar, aber sowohl der Mercedes, als auch der Williams hatten weniger Abstand.

Bedanken konnte sich McLaren in der Phase dann bei Fernando Alonso. Der hatte den Aston mal wieder in Q3 geprügelt, war dann aber der Korken in der Flasche, der auf P6 praktisch das gesamte Feld hinter sich hatte und einen riesigen DRS-Zug anführte. Der Aston hat nicht Pace, sodass der Abstand sich schnell auf die benötigten 26 Sekunden ausbaute.

Piastri kam in Runde 24, Norris eine Runde später. Verstappen hatte weiter die Führung, war aber nun an die Strategie gebunden, in Runde 32 zu kommen. Nach diesem Stopp lag er aber nur acht Sekunden hinter beiden McLaren. Denen war es nach ihrem Stopp nicht gelungen, ein größeres Polster aufzubauen, obwohl sie ja durchaus mit der Strategie hätten spielen konnten. Aber der McLaren hatte im zweiten Stint offenbar nicht die Pace, die es gebraucht hätte, den Abstand zu vergrößern.

Tatsächlich würde es sogar eng um P2 und P3 zu erreichen. Piastri kam in Runde 43 und nahm wie der Rest des Feldes die harten Reifen. Er schaffte es gerade so vor Sainz und Antonelli auf die Strecke zu kommen. Für Norris sah die Sache aber nicht so gut so. Er hatte in seinem Stint mit Untersteuern zu kämpfen und hätte das Auto in einer Situation fast verloren. Weder schaffte er es in der Phase des Rennens, näher an Piastri zu kommen, noch konnte er den Abstand auf Verstappen halten, der langsam aber sicher näher rückte.

Als Norris in Runde 45 an die Box kam, war der Abstand zu Sainz und Antonelli zu gering und er musste sich hinter beiden einordnen. Schlechter hätte es für den WM-Führenden nicht laufen können. Zwar hatte er klar frischere Reifen, aber auf der Strecke in Katar kann man bekanntermaßen nicht überholen. Norris fuhr die Lücke dann zwar zu, kam aber nur an Antonelli vorbei, als dieser in der vorletzten Runde einen Fehler machte. Der McLaren schloss dann zwar noch zum Williams auf, aber es fehlte ihm dann eine weitere Runde, um den dritten Platz zu erreichen.

Nach der Disqualifikation beider McLaren im letzten Rennen in Las Vegas ein weiterer Tiefpunkt in der Saison des Teams. Und gegen Red Bull kann man es sich nicht erlauben, Punkte wie Konfetti zu verschenken. Strategie-Entscheidungen sind oft schwierig und im Nachhinein ist man dann immer klüger. Aber wie McLaren eine Situation so schlecht einschätzen kann, während alle anderen Teams es richtig machen, ist nicht zu entschuldigen. Das hat schon Ferrari-Qualitäten.

Die Situation für Norris sieht nun so aus: Er hat 12 Punkte Vorsprung auf Verstappen und 16 Punkte vor Piastri. Für Lando bedeutet dies, dass er mindestens P3 erreichen muss. Das sollte möglich sein, zumal dem McLaren die Strecke liegen sollte. Aber Unabwägbarkeiten gibt es viele. Alle Motorbauteile erreichen das Maximum ihrer Lebenszeit bei McLaren (Verstappen hatte in São Paulo einen fünften neuen Motor bekommen) und Mercedes war auf der Strecke auch immer stark unterwegs. Eventuell verhageln diese dann McLaren das Wochenende. Wobei sie auch gut damit leben könnten, wenn Mercedes einen Doppelsieg einfährt, was Norris helfen würde.

Während Red Bull den Rennsieg in den Schoß gelegt bekam, musste Carlos Sainz im Williams sich etwas mehr anstrengen, um einen erstaunlichen dritten Platz zu erobern. Der Spanier hatte in der Quali immerhin schon P7 eingefahren und profitierte am Start davon, dass George Russell einige Plätze verlor. Er lag dann erst hinter Hadjar und Antonelli, überholte diese aber durch einen schnelleren Boxenstopp in Runde 7. Danach hielt er sich durchaus in der Nähe der Spitze auf und konnte Antonelli hinter ihm in Schach halten.

Williams hat sich mit dem dritten Platz von Sainz (sein zweites Podium nach Baku) den fünften Platz in der Konstrukteurs-WM gesichert. Was man zu Beginn der Saison nicht erwarten konnte. Zwar hatte man auf eine Steigerung gehofft, aber P5 ist dann auch das Maximum, was man erreichen konnte. Die Entscheidung von Williams, mit einem nur leicht überarbeiteten Auto an den Start zu gehen und die Updates eng an die Erkenntnisse zu binden, die man durch die Setup-Änderungen erlangt hatte, hat sich als richtig erwiesen. James Vowles hat das Team offenbar in die richtige Richtung getrieben.

Mercedes hatte eines ihrer in diesem Jahr üblichen Wochenenden. Nicht schlecht, nicht gut. Russell war knapp schneller als Antonelli, der zum Ende der Saison offensichtlich seinen Rhythmus gefunden hat. P5 für den Italiener war dann aber auch alles, was Mercedes an diesem Wochenende leisten konnte. Vielleicht wäre mehr drin gewesen (siehe Sainz), wenn man bei den Stopps in Runde 7 nicht Pech gehabt hätte. Dass Russell am Ende auf P6 lag, auch daran, dass Alonso im Rennen einen fulminanten Dreher hinlegte und Hadjar in den letzten zwei Runden einen Reifenschaden beklagen musste.

Das Pech von Hadjar brachte Alonso dann auf P7. Und damit erreichte man wieder ein besseres Ergebnis, als das Auto eigentlich liefern kann. Es ist schon erstaunlich, wie viel Alonso in seinem Alter noch aus dem Auto herausholen kann. Während von Stroll nur in Ausnahmefällen etwas zu sehen ist, liefert der Spanier an fast jedem Wochenende ab. So auch in Katar. Die Strecke liegt dem Aston zwar auch besser, aber eigentlich sollten andere Autos vor ihnen stehen.

P8 ging an Charles Leclerc. Und das war auch das Maximum, was Ferrari erreichen konnte. Leclerc hatte nicht mal Pech, denn die Quali beendete er nur auf P10. Das war immer noch deutlich besser als Hamilton, der nicht mal aus Q1 herauskam. Und das in beiden Qualifikationen. Die Leistung des Briten muss man daher als unterirdisch werten. Wenn Leclerc es irgendwie in Q3 schafft und Alonso den Aston ebenfalls dorthin bugsiert, muss mehr drin sein, als Q1. Wäre er in P12 ausgeschieden, hätte man noch mit den Achseln gezuckt. Aber Q1? In beiden Qualifikationen? Der Abstand zu Leclerc ist einfach zu groß, um alles nur auf ein “schwieriges Auto” abzuschieben.

Liam Lawson schaffte es in einem eher unauffälligen Rennen auf P9. Was daran lag, dass er das gesamte Rennen hinter Alonso feststeckte und nicht überholen konnte. Aber ein sauberes Rennen für ihn, der ja immer noch um seine Zukunft kämpft. Entschieden ist da offenbar auch noch nichts.

Was an diesem Wochenende auch an Tsunoda lag. Der lag in der Sprint-Quali zur Überraschung aller mal vor Verstappen, nur um dann aber in Quali fürs Rennen wieder in Q1 hängen zu bleiben. Immerhin lief das Rennen für ihn besser. Als einer der wenigen Fahrer gelangen ihm ein paar Überholmanöver. Der späte Reifenschaden von Hadjar spülte ihn dann auf P10 nach vorn.

Die WM entscheidet sich also dann doch am nächsten Wochenende. Die besten Chancen hat weiterhin Lando Norris, der in der WM vorn liegt. Er kann sich, wenn es normal läuft, etwas zurückhalten und muss keine Risiken eingehen. Er muss nur P3 erreichen und der Titel gehört ihm. Aber der Druck ist natürlich hoch, die Nervosität wird nicht geringer sein. Unter normalen Umständen würde ich sagen, dass McLaren in Abu Dhabi das bessere Auto haben sollte. Aber wir haben in Abu Dhabi ja schon einiges gesehen.

Bilder: Pirelli

Das könnte Dir auch gefallen

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.