Home Formel EinsF1Formel Eins: GP von Abu Dhabi – Lando Norris hat es verdient

Formel Eins: GP von Abu Dhabi – Lando Norris hat es verdient

von DonDahlmann
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In einem relativ ereignislosen Rennen machte Lando Norris immer genau das, was er tun musste. Der Titel geht zurecht an ihn.

Es gibt Weltmeister, denen man den Titel gönnt, weil sie in einem Jahr einfach besser waren, aber die man nicht zwingend sympathisch findet. Schumacher war so einer, Alonso Mitte der 2000er ebenfalls. Und dann gibt es die Fahrer, die man persönlich auch mag. Kimi Räikkönen oder Jenson Button als Beispiel. Lando Norris gehört für viele Fans wohl zur zweiten Kategorie. Ein freundlicher, sich selbst gegenüber oft kritischer Fahrer, der seine Fehler eingesteht, der in seinen Fehlern menschlich wirkt und der dabei nichts von seinem Talent verliert.

Aufgefallen ist mir Norris vor vielen Jahren in der F3 und dann später in der F2. Den Titel dort verlor er im übrigen gegen George Russell. Dass McLaren ihn dennoch ins Team holte und er dort von Anfang an reüssierte, spricht für McLaren. Dass er über die Jahre kontinierlich wachsen konnte, ebenfalls. Norris hat sich diesen WM-Titel hart erkämpfen müssen. Sein Teamkollege lag fast während der gesamten Saison vor ihm und der Tiefpunkt seines Jahres war sicherlich die Kollision mit Piastri in Kanada.

Auch wenn man die gesamte Saison benötigt, um Weltmeister zu werden, gerettet hat er seinen Titel in der zweiten Hälfte der Saison, in der er brilliant unterwegs war, während Piastri zum ersten Mal im Jahr Nerven zeigte. Norris ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als Red Bull und Verstappen plötzlich auf der Bühne auftauchten und die WM noch mal spannend machten.

Am Ende war es knapp, sehr knapp. Drei Punkte fehlten Verstappen um seinen fünften Weltmeistertitel zu holen. Das letzte Mal war die WM so knapp im Jahr 2016, als Rosberg den Titel gewann. Das es so eng wurde, hatte sich McLaren allerdings selbst zuzuschreiben. Die doppelte Disqualifikation in Las Vegas brachte Verstappen überhaupt erst wieder richtig ins WM-Rennen. Die völlig verkorkste Strategie in Katar vor einer Woche war ebenfalls nicht hilfreich.

Aber die Ausgangsposition für Lando Norris für das letzte Rennen war dann so schlecht nicht. Er musste nur aufs Podium kommen, während seine Konkurrenten um den WM-Titel unbedingt gewinnen mussten. Das erleichterte auch die Strategie für Norris, der es sich leisten konnte, eher auf Sicherheit zu gehen.

Die Pole holte sich Verstappen erstaunlich deutlich mit zwei Zehntel Abstand. Norris startete neben dem Niederländer, dahinter dann Piastri und Russell. Der Start verlief für alle problemlos, nur Russell fiel zurück und musste Leclerc passieren lassen. Interessanterweise hatte McLaren die Strategie aufgeteilt. Norris startete, wie der Rest der Top 10, auf den Medium, Piastri aber auf den harten Reifen.

Da es nicht ganz klar war, ob man mit einem Stopp durchs das Rennen kommen würde, war das eine interessante Entscheidung. McLaren setzte Piastri mittels eine risikoreichen Strategie auf Sieg und die gesplittete Strategie bedeutete auch, dass man Verstappen ein wenig in Klemme nahm. Es bedeutete aber auch, dass man Piastri alle Chancen geben wollte, dass er trotz seines Rückstands von 16 Punkten noch nach dem WM-Titel greifen konnte. Eine durchaus faire Entscheidung des Teams.

Eine Voraussetzung dieser Strategie war aber, dass Piastri hinter Verstappen liegen würde. Der Australier erledigte dies gleich in der ersten Runde, als er mittels eines sehr sehenswerten Manöver an Norris vorbeiging. Der wehrte sich allerdings auch nicht sonderlich. Somit war dann auch klar: Norris würde sich nach hinten orientieren, ohne die Spitze dabei aus den Augen zu lassen.

Das Problem hinter Norris hieß Leclerc, der in den ersten Runden im DRS-Fenster des McLaren bleiben konnte. Eine echte Überholmöglichkeit ergab sich war nicht, aber der Ferrari war zunächst so unangenehm nah an Norris dran, dass dies die strategischen Möglichkeiten einschränkte und vor allem die Boxencrew bei den Stopps unter Druck setzte.

Die Frage im Rennen war, wie oft man stoppen würde. Als Lewis Hamilton, der mal wieder in Q1 ausgeschieden war, schon in Runde 8 an die Box kam um die harten Reifen zu nehmen, lag die Vermutung nahe, dass Ferrari den Briten auf einen langen Overcut mit einem zweitem, späterern Stopp setzten würde. Interessant für die anderen war dabei die Pace des Ferrari, der auf den harten Reifen recht gut unterwegs war, bis er im üblichen DRS-Zug im Mittelfeld stecken blieb.

Auch Oscar Piastri zeigte vorne auf den harten Reifen, dass er an Verstappen dran bleiben konnte. Die Reifen zeigten aber auch ihre Grenzen, weil sie vor allem auf der Vorderachse zum Grainung neigten. Es stellte sich dann aber raus, dass man durchaus mit eimem Stopp das Rennen beenden konnte.

In Runde 16 kam es dann zu einem überraschenden Doppelstopp von Norris und Leclerc. Die Briten hatten antizipiert. dass Ferrari einen Undercut versuchen würde und reagierten ihrerseits mit einem frühen Stopp. Die Entscheidung, so früh zu wechseln, hatte allerdings den gewaltigen Nachteil, dass sowohl als auch Norris einige Plätze zurückfielen. Entscheidend war dabei für Norris, dass er danach noch vor Russell lag, der zwei Runden vorher gestoppt hatte.

Zwischen Runde 17 und 23 zeigte Norris dann aber die Stärke, die ihn vor allem in der zweiten Saisonhälfte ausgezeichnet hat. Auf seinen frischen, harten Reifen verlor er keine Zeit um an Stroll, Lawson und dann später Tsunoda vorbeizugehen, die sich an einer Ein-Stopp-Strategie versuchten. In der Zeit verlor Leclerc rund 5 Sekunden auf Norris, die der Monegasse dann auch nicht mehr aufholen konnte.

Vorne lag Verstappen nur knapp vor Piastri und kam in Runde 23 rein um die harte Mischung zu nehmen. Der zweite McLaren lag damit allein in Front, aber Piastri machte keine Anstalten an die Box zu kommen. Sein einziger Stopp erfolgte dann in Runde 41, da hatte Verstappen ihn aber schon wieder überholt. Er kam dann 28 Sekunden hinter dem Red Bull raus, hatte aber nur noch 17 Runden zu fahren.

Knapp vor ihm waren Leclerc und Norris an die Box gekommen. Norris hatte sich einen kleinen Puffer herausgefahren und McLaren konnte relativ gelassen eine Runde später auf den Stopp des Ferrari in Runde 40 reagieren.

Die Top 4 waren damit gesetzt und es sollte sich daran auch nichts mehr ändern. Leclerc fehlten die Mittel, um Norris unter Druck zu setzen. Beide McLaren waren zu diesem Zeitpunkt schneller als der Red Bull, da Verstappen auf der Ein-Stopp-Strategie unterwegs war. Aber Piastri war nicht schnell genug, um den Niederländer unter Druck zu setzten.

Am Ende verlief das Rennen so, wie man es angesichts der Startaufstellung erwarten konnte. Verstappen gewann, Piastri war schneller als Norris, der wiederum keine Risiken einging und kühl sein Podium absicherte. Mehr musste er auch nicht machen.

Angesichts des Medienhypes war das Rennen dann eher wie immer in Abu Dhabi: langweilig.

Es war dann auch letzte Mal, dass wir diese Autos und Motoren sehen, bzw. hören konnten. Große Tränen wird dem Chassis kaum einer nachweinen. Schon gar nicht Hamilton, der mit den Ground-Effect-Autos so gar nicht klar kam. Und ich bin auch froh, dass sie weg sind.

Zu groß, zu schwer – das reicht dann schon als Gründe. Und wirklich schön oder aerodynamisch faszinierend waren sie auch nicht. Zudem erfüllten sie nur 2022 mal für ein paar Monate ihr eigentliches Ziel. Sie sollten das Überholen einfacher machen, weil hinter den Autos weniger “dirty air” entstand. Das war nach nicht mal einen Jahr wieder hinfällig. Es blieben die riesigen Autos, die keiner so richtig mochte. Ob das nächstes Jahr besser wird, weiß aber auch noch keiner.

Den Rest des Rennens fasse ich kurz zusammen:

P5 Russell: Es überraschte mich nicht, dass die Mercedes in Abu Dhabi nicht funktionierten. Russell fehlten in einem für ihn eher langweiligen Rennen am Ende 48 Sekunden auf Verstappen, 32 waren es noch auf Norris und immerhin 25 Sekunden auf den Ferrari von Leclerc. Mercedes wird auch froh sein, dass die Saison vorbei ist.

P6 Alonso: Aston war das gesamte Wochenende nicht schlecht unterwegs, aber am Ende reichte es dann doch nicht um Racing Bull noch von P6 zu verdrängen. Alonso lag das gesamte Rennen um P6 herum, konnte sich aber nicht nach vorne orientieren. Aber der Aston war schnell genug, um den Haas von Ocon in Schach zu halten.

P7 Ocon: Der Franzose war an diesem Wochenende ausnahmsweise mal schneller als Bearman und zeigte ein gutes Rennen. Er hielt in einem sehenswerten Zweikampf Lewis Hamilton hinter sich und sicherte Haas noch ein paar Punkte.

P8 Hamilton: Mal wieder ein völlig verkorkstes Wochenende des Briten, der in Q1 ausschied. Allerdings lag das weniger am Ferrari, denn mehr an Hamilton selbst, der schlicht zu langsam war. In Q1 fehlten ihm zwar nur zwei Zehntel auf Leclerc, da das Feld aber so eng zusammen lang (sieben Fahrer in einer Zehntel), reichte das dann schon. Sein Rennen lief etwas besser, aber das am Ende auf etwas frischeren Reifen nicht an Ocon vorbeikam, ist dann auch ungewöhnlich. Hamilton sprach am Wochenende darüber, dass er den Winter nutzen möchte einiges zu verändern. Bei sich, aber vor allem bei Ferrari. Ihm scheint weder die Arbeitsweise zu passen noch scheint er mit einigen wichtigen Ingenieuren in seinem Umfeld zu harmonieren. Ob er sich da bei Ferrari nach der Saison mit durchsetzen kann? Ich habe so meine Zweifel. Die ersten sehen ihn schon 2027 bei Aston Martin.

P9 Bearman: Der Brite kam erneut in die Punkte und musste dafür hart kämpfen. Vor allem die beiden Sauber machten ihm das Leben schwer, aber am Ende setzte er sich durch. Bearman ist einer derjenigen, auf die ich 2026 sehr gespannt bin.

P10 Hülkenberg: Im letzten Rennen unter dem Namen “Sauber” schaffte es Hülkenberg dem Team noch einen Punkt in der WM zu schenken. Das war gar nicht so einfach, denn der Deutsche startete nur von P18. Sauber hatte ihn auf analog zu Hamilton auf eine frühe Zwei-Stopp-Strategie gesetzt, was sich am Ende auszahlte. Er hatte in den letzten Runden die besseren Reifen und nachdem ihn sein Teamkollege auf P11 durchließ, schaffte er es noch Lance Stoll abzufangen.

Lando Norris ist dann also Weltmeister und das verdient. Er wird vor allem in seinem Heimatland damit für den Rest seines Lebens Kultstatus haben. Neben Mike Hawthorne, John Surtees, Graham Hill, James Hunt, Damon Hill, Lewis Hamilton und Jenson Button wird sein Name den britischen Motorsport bereichern. Ich gönne es ihm und auch dem Team, dass dass in den letzten fünf Jahren einen erstaunlichen Wandel erlebt hat.

Norris hat zudem etwas geschafft, was seit 2009 keinen anderen Fahrer geglückt ist. Er ist Weltmeister geworden, ohne dafür in einem Red Bull oder Mercedes sitzen zu müssen. Dass allein zeigt, wie groß die Aufgabe war und welche Leistung er und McLaren hier vollbracht haben.

Bilder: Pirelli

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