Lando Norris kann am Wochenende Weltmeister werden. Dafür muss er nur vor Piastri und Verstappen landen.
Das Rennen am Wochenende dürfte allein wegen Pirelli interessant werden. Die haben schon vor einigen Wochen verkündet, dass die Teams die Reifen im Rennen nicht länger als 25 Runden auf dem Auto lassen dürfen. Die Folge werden zwei Zwangsstopps sein, die man im Grand Prix einlegen muss. Diese Regel wird die Strategie am Wochenende bestimmen, ist aber kein Garant für ein spannendes Rennen. Zur Erinnerung: Auch in Monaco waren zwei Stopps vorgeschrieben, um etwas mehr Spannung ins Rennen zu bringen. Gebracht hat es nur wenig.
Der Grund für die Vorsicht bei Pirelli ist die anspruchsvolle Strecke in Katar. Die Abfolge von sehr schnellen Kurven und die damit verbundenen lateralen Kräfte, die auf die Reifen wirken, sind zu viel für die momentane Generation der Reifen. Deren Schwäche liegt hier aber nicht bei den Laufflächen, sondern in der Konstruktion der Seitenwände. Die halten die Belastungen schlichtweg nicht aus. Keine neue Erkenntnis bei Pirelli, die mit den Seitenwänden schon immer Probleme hatten.
Pirelli steht seit längerer Zeit in der Kritik und die Zwangsstopps werden da nicht helfen. Allerdings ist die Entwicklung für Pirelli auch nicht einfach. Einerseits verlangen Fans und Veranstalter mehr Spannung durch Reifen, die höhere Verschleißwerte haben, andererseits wollen Teams und Fahrer Reifen, die wenig Überraschungen bieten und möglichst konstante Abriebwerte liefern. Eine echte Lösung dafür wird schwer zu finden sein.
Das gilt auch für das kommende Jahr. Pirelli hatte in den letzten Monaten viel getestet und wird in Abu Dhabi noch einen weiteren Test einlegen. Aber arbeitet praktisch blind, weil man kein Chassis für 2026 hat. Als Grundlage für die Entwicklung dienen Daten, die die Teams aus ihren Simulatoren zur Verfügung stellen. Wie sicher diese Daten sind, ist dann wieder eine andere Frage. Diese Woche verkündeten die Italiener, dass man für 2026 auf die C6 Reifen verzichten wird. Grund dafür: Die Mischung liege zu eng an den C5 und würde keine signifikante Änderung bringen. Gleichzeitig versucht man, die Spreizung zwischen den Mischungen zu erhöhen.
Katar ist eine Strecke, die auf dem Papier den McLaren liegen müsste. Das Chassis funktioniert besonders gut auf Strecken, die hohe Kurvengeschwindigkeiten verlangen und eine Abfolge von mittelschnellen Kurven haben. Fragezeichen hinterlässt allerdings die doppelte Disqualifikation aus Las Vegas. Offensichtlich hatte das Team die Mischung aus Bodenabstand und aerodynamischer Last auf den langen Geraden falsch eingeschätzt. Genau diese Last wird aber auch in Katar auftreten. Allerdings ohne die Bodenwellen, der Asphalt in Katar ist flach und hat nur wenig Wellen.
Lando Norris kann in Katar Weltmeister werden. Dafür muss er im Sprint und im Rennen nur vor Piastri und Verstappen landen. 24 Punkte beträgt sein Vorsprung, was auch bedeutet, dass er die verbleibenden Rennen nicht mal gewinnen muss, um seinen Traum vom WM-Titel zu erfüllen. Hinzu kommt, dass McLaren angesichts des WM-Standes die „Papaya-Rules“ vermutlich anpassen wird. Die Chancen von Piastri sind in den vergangenen Wochen immer kleiner geworden, zudem scheint er mit dem im Sommer überarbeiteten McLaren nicht so gut zurechtzukommen. Wer Verstappen an der Verteidigung seines Titels abhalten will, muss dafür was tun. Wobei McLaren hoffen wird, dass Norris auf der McLaren-Strecke das Ding allein entscheidet.
Viel geredet wurde die Woche auch über die Bemerkung von Lewis Hamilton, dass er sich nicht sonderlich auf die neue Saison freut. Nach dem desaströsen Auftreten in Las Vegas und einer extrem schwierigen Saison bei Ferrari, interpretierten die Medien die Äußerungen so, dass der Brite über einen Abschied aus der F1 nachdenkt.
Ganz überraschend wäre das nicht und mit Ollie Bearman hätte Ferrari auch fahrerisch einen vermutlich guten Ersatz. Aber ich gehe nicht davon aus, dass Hamilton 2026 nicht mehr am Start sein wird. Zum einen dürften die Autos der Generation 2026 dem Briten wieder besser liegen, da der Ground-Effect wegfällt. Das bedeutet, dass die Autos sich mehr bewegen werden, was dem Fahrstil von Hamilton entgegenkommen sollte. Zum anderen ist Hamilton einer, der Niederlagen einfach akzeptiert. Sicher ist aber, dass er dringend eine längere Pause benötigt.
Katar könnte aber ein Rennen sein, in dem er sein angeknackstes Selbstvertrauen wieder etwas aufbauen kann. Teile der Strecke sind dem ersten Sektor aus Austin ähnlich, und der Ferrari ging gar nicht schlecht. Immerhin erreichten die Italiener P3 und P4 in den USA. Helfen würde Hamilton auch, wenn er zur Abwechslung mal vor Leclerc landen würde.
Neben McLaren und Ferrari dürfte aber vor allem Red Bull in Katar stark sein. Verstappen gewann in den USA und das relativ deutlich. Allerdings – eine Woche später sah es in Mexiko wieder völlig anders aus. Dort ging der McLaren besser und Norris gewann das Rennen mit Leichtigkeit. Und wie man weiß, hängt bei Red Bull alles daran, ob man den Sweet Spot in der Abstimmung findet. Da es ein Sprintwochenende ist, hat man nur wenig Zeit, dieses Abstimmungsfenster zu finden.
Mercedes erwarte ich in Katar nicht in den Top 3, aber das diesjährige Auto ist eine Wundertüte, die immer mal wieder überrascht. In Las Vegas hatte sie auch schwächer eingeschätzt, aber Russell hätte durchaus die Pole erreichen können, was den Rennverlauf deutlich verändert hätte. Ebenso erstaunlich war die Pace von Antonelli im Rennen. Auch wenn er stark von der Entscheidung begünstigt wurde, schon nach drei Runden auf die harte Mischung zu setzen, war die Pace des Mercedes auch gegen Ende des Rennens überraschend gut.
Eng wird es hingegen dann wieder hinter den Top 4. Williams, Haas und mit ein paar Abstrichen RB werden sich um die letzten Punkte streiten. Aston und Alpine sehe ich hingegen eher schwach.
Strategie:
Wenig überraschend gibt es C1, C2 und C3 von Pirelli, und die C1 und C2 werden die Reifen für das Rennen werden. Wie oben schon erwähnt, ist die Stintlänge auf 25 Runden beschränkt. Zwei Stopps sind also vorgeschrieben, die Frage ist, wann man sie einlegt. Da 57 Runden zu fahren sind, muss der letzte Stopp in Runde 37 erfolgen. Vermutlich wird das Fenster für den ersten Stopp zwischen Runde 15 und 22 liegen. Da der Undercut in Katar vermutlich sehr stark sein wird, dürfte dies vor allem beim ersten Stopp eine Rolle spielen. Den zweiten Stopp will man dann eher später im Rennen, damit man am Ende noch relativ gute Reifen hat.
Da sich das Feld in Katar relativ schnell auseinanderziehen wird, wird ein früher Undercut möglich. Die Gefahr besteht dann allerdings, dass man hinter einem langsameren Konkurrenten feststeckt und viel Zeit verliert. Überholen in Katar ist zudem so eine Sache. Mit frischen Reifen sollte es in den ersten zwei Runden nach einem Stopp relativ gut gehen, weil die Strecke unterschiedliche Rennlinien erlaubt. Danach wird es dann schwer. Ein Undercut zum Beispiel in Runde 10 oder 12 birgt also hohe Risiken.



