Ein ungefährdeter Doppelsieg für McLaren und ein Rennen mit vielen Zwischenfällen. Die Spannung fand aber nur im Mittelfeld statt.
Oscar Piastri stand am Ende wieder einmal ganz oben auf dem Treppchen, aber gewonnen hatte er das Rennen schon am Samstag. 0,012 Sekunden entschieden am Ende die Pole und nach einem guten Start des Australiers auch das Rennen. Lando Norris versuchte zwar immer wieder, an seinen Teamkollegen heranzukommen, war am Ende aber chancenlos, da Piastri vorn keine Fehler machte. Da man in Zandvoort nur mit der Brechstange überholen kann, war der Ausgang des Rennens also klar.
Doch in Runde 65 könnte sich die Weltmeisterschaft in diesem Jahr entschieden haben. Denn in dieser Runde verabschiedete sich der Mercedes-Motor von Lando Norris. Der Ausfall erinnerte an den Motorschaden, den Lewis Hamilton 2016 in Malaysia ereilte und am Ende die WM zugunsten von Nico Rosberg entschied.
Sicher, es sind noch neun Rennen zu fahren. Doch Norris dürfte auch klar sein, dass er nur noch eine Chance hat, wenn Piastri in den verbleibenden Rennen ein ähnliches Schicksal ereilt. Die Chance ist natürlich da, aber es bedeutet eben auch, dass die 34 Punkte Rückstand nur auf diesem Weg wettzumachen sind.
Denn die McLaren scheinen sich endgültig vom Rest des Feldes so weit abgesetzt zu haben, dass Siege anderer Teams scheinbar nicht infrage kommen. Und selbst wenn McLaren nicht alle restlichen Rennen gewinnt, bedeutet dies dann auch, dass Norris nicht die maximalen Punkte holen kann.
Am McLaren Sieg konnte auch Max Verstappen nichts ändern, obwohl dieser es mit unterschiedlichen Reifenstrategien versuchte. Am Start gelang es ihm zwar auf den Soft Norris zu überholen, doch der Brite stellte die Reihenfolge aus der Qualifikation schnell wieder her. Danach hielt der Weltmeister locker den dritten Platz und erbte dann am Schluss P2 durch den Ausfall von Norris.
Des einen Leid, des anderen Freud. Etwas überraschend war, dass Isaac Hadjar den dritten Platz erreichen konnte. Der Franzose hatte schon in der Quali verblüfft, da er den Racing Bull noch vor Russell und beide Ferrari auf den vierten Platz bugsiert hatte. Noch erstaunlicher war, dass er den RB während des gesamten, von vielen Unterbrechungen geprägten, Rennens den vierten Platz halten konnte.
Erst biss sich Charles Leclerc die Zähne an ihm aus, später dann George Russell. Hadjar konnte alle Angriffe abwehren und es war auch nicht die Strategie, die ihn vorne hielt. RB konzentrierte sich darauf, was die Leader machten und kopierte dann nur die Stopps, die fehlerlos abliefen. Für RB ist es das beste Ergebnis seit dem Sieg von Pierre Gasly vor etlichen Jahren in Monza. Ein schöner Erfolg für RB aber vor allem für Isaac Hadjar, der seinen Ruf als bester Rookie des Jahres damit zementiert hat. Die Frage, ob er im nächsten Jahr dann zu Red Bull befördert wird, dürfte sich damit auch beantwortet haben.
Mercedes und Ferrari blieben in Zandvoort weit unter den eigenen Erwartungen. Das Rennen der Ferrari ist schnell beschrieben. Hamilton, der ein gutes Wochenende hatte und in der Quali nur um wenige Hundertstel von Leclerc geschlagen wurde, crashte im leichten Regen in Runde 23 aus dem Rennen. Ein vermeidbarer Fehler, der seine Saison aber gut beschreibt. Leclerc verunfallte in Runde 53, als ein sehr motivierter Antonelli sein Talent und den Abtrieb des Mercedes in Turn 3 unterschätzte. Die Folge: Beide Ferrari waren damit aus dem Rennen.
Für Mercedes war das Wochenende aber auch nicht gerade rosig. Russell schaffte in der Quali nur P5. Für Antonelli lief es noch schlechter, er erreicht nur P11. Während Russell um P5 feststeckte arbeitete sich Antonelli langsam durchs Feld. Dabei halfen ihm zwei SC-Unterbrechungen und die Entscheidung von Mercedes, den Italiener zwischenzeitlich auf die Soft zu setzen. Damit schaffte er es sogar noch kurzzeitig, Russell zu überholen. Doch dann zerfiel sein Rennen in Runde 53 durch den Unfall mit Leclerc.
Man kann ihn für diesen Unfall kritisieren, denn er warf ihn aus den Punkten und zerstörte das Rennen von Leclerc. Aber auf der anderen Seite war das zumindest ein Manöver, das man von einem so hochgelobten Rookie erwartet. Schöner wäre es gewesen, wenn der Unfall nicht passiert wäre, aber immerhin hatte man mal das Gefühl, dass Antonelli sich nicht zurückhielt. Am Ende will auch Mercedes lieber einen Fahrer, der mutig Lücken sucht, anstatt einen weiteren Bottas, der sich traut. Antonelli bezahlte das Manöver mit einer 10-Sekunden-Strafe und packte noch weitere 5 Sekunden drauf, weil er beim danach nötigen Stopp zu schnell in der Boxengasse war. Am Ende wurde er deswegen Letzter.
Der Ausfall von Norris beiden Ferraris und die Strafe gegen Antonelli sorgten dann dafür, dass andere Teams in die Top 10 rutschten. Alex Albon sicherte sich hinter Russell den fünften Platz. Der Williams-Pilot hatte in der Quali geschwächelt, revanchierte sich aber mit einem tadellosen Rennen. Nach einem guten Start profitierte er von Speed seines Williams und dem Ausfall von Hamilton. Als dann noch sein Teamkollege Sainz und Liam Lawson kollidierten, brachte ihm das zwei weitere Plätze. Von da an hielt er sich hinter Leclerc und Russell. Ein für Williams wichtiges Ergebnis, auch weil man seitens der Boxencrew und in der Strategie keine Fehler machte.
Die größte Überraschung neben Isaac Hadjar war allerdings der sechste Platz von Olli Bearman. Haas hatte eine fürchterliche Qualifikation und verlor beide Autos schon in Q1. Bearman startete sogar aus der Boxengasse? Wie schaffte er es dann auf P6?
Die Antwort lag in einem langen ersten Stint. Bearman war wie Teamkollege Ocon auf den harten Reifen gestartet. Da Regen erwartet wurde und ein SC in Zandvoort nie unwahrscheinlich ist, hatte Haas auf die „Wir fahren so lange bis wir in den Punkten sind“ Karte gesetzt. Bearman blieb auch draußen, nachdem das SC in Runde 23 auf der Strecke war. Das beförderte ihn in die Punkte, doch er fiel dann wieder zurück, als er seinen nötigen Stopp absolvierte.
Als das SC in Runde 53 erneut kam, konnte er dann allerdings wieder draußen bleiben. Da das Feld zu dem Zeitpunkt weiter eng zusammenhing, gewann er dadurch viele Plätze und wurde auf P7 nach vorn gespült. Den sechsten Platz erbte er dann durch die Strafe gegen Antonelli. Es war das beste Ergebnis in der Karriere von Bearman. Gute Arbeit von ihm, gute Arbeit aber auch vom Team, das mit seiner Gegen-Strategie erfolgreich war.
P7 und P8 gingen an die Aston Martin, wobei Stroll mal vor Alonso lag. Einfach war das Rennen aber für die Aston nicht. Stroll zerstörte am Wochenende ein Chassis und hatte in Q1 einen weiteren Unfall. Alonso schaffte es immerhin nach Q3, doch das Rennen lief dann zwischenzeitlich nicht nach seinen Wünschen. Er beschwerte sich mehrfach über die Strategie seines Teams, die ihn den DRS-Train im Hinterfeld stranden ließ.
Aston rettete das Rennen von beiden dann mit zwei Entscheidungen. Stroll setzte man auf die gleiche Strategie wie die Haas, was Stroll in die Punkte brachte. Der etwas frühere Stopp von Alonso vor dem SC in Runde 53 stellte sich dann ebenfalls als richtige Entscheidung heraus. Da die Konkurrenz an die Box ging, wurde der Spanier nach vorn gespült. Und auch auf den etwas älteren Reifen war Alonso immer noch schnell genug, um sich Yuki Tsunoda vom Leib zu halten.
Der Japaner konnte endlich mal wieder zwei Punkte mit P9 holen. Wobei das Wochenende von ihm nicht gerade überzeugend war. Er schaffte es nicht in Q3, im Rennen lief es auch nur zäh. Red Bull setzte ihn allerdings auch nicht auf eine gute Strategie, sodass er wenig Chancen hatte, sich aus dem engen Mittelfeld zu befreien. Die Punkte holte er, weil so viele vor ihm ausfielen, was seine momentane Leistung gut beschreibt. Den letzten Punkt sicherte sich dann Ocon, der auf der gleichen Strategie wie sein Teamkollege war.
Von Alpine und Sauber war im Rennen wenig zu sehen. Gasly tauchte kurzzeitig im Rennen in den Punkten auf, fiel dann aber aufgrund der schlechteren Strategie von Alpine wieder zurück. Colapinto blieb wie immer unauffällig. Das galt auch für beide Sauber, die am Wochenende einfach zu langsam waren. Wobei Bortoletto mal wieder der schnellere Fahrer bei Sauber war.
Nächste Woche geht es in Monza weiter. Die jährliche Highspeed-Orgie dürfte allerdings ein etwas anderes Ergebnis bringen. Ob McLaren hier wieder so deutlich vorn sein kann oder ob die Verfolger hier mehr Chancen haben, wird man schon am Freitag sehen.
Bilder: Pirelli





















