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IndyCar: Analyse Borchetta Bourbon Music City Grand Prix

von Rainer
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Die Saison endete mit einem Sieg von Josef Newgarden vor Alex Palou. Für Aufregung sorgten einige Reifenschäden.

Wie zu erwarten war, unterschied sich das Kräfteverhältnis in der Qualifikation von Nashville kaum von dem in Milwaukee. So ging David Malukas erneut von Startplatz 2 ins Rennen. Die Pole-Position hatte sich diesmal jedoch Pato O’Ward gesichert. Insgesamt war das Team McLaren sehr gut unterwegs. Christian Lundgaard qualifizierte sich für Startplatz drei und Nolan Siegel für sieben. Aufgrund einer Strafe für einen unerlaubten Motorenwechsel ging Siegel aber nur von Startplatz 16 ins Rennen. Chip Ganassi Racing bildete mit Alex Palou und Scott Dixon die dritte Startreihe. Auch der dritte Ganassi-Honda von Kyffin Simpson stand mit Platz acht weit vorne in der Startaufstellung. Dazwischen starteten die Penske-Chevrolets von Josef Newgarden und Scott McLaughlin. Von Andretti Global war wieder nicht viel zu sehen. Kyle Kirkwood, Colton Herta und Marcus Ericsson gingen nur von den Startplätzen 11, 13 und 15 ins Rennen. Milwaukee-Sieger Christian Rasmussen musste nach einer Strafe das Rennen von Startplatz 25 aufnehmen.

Für ihn war das Rennen dann auch schon nach wenigen Metern beendet. Er verlor in Kurve 2 seinen Wagen im dichten Getümmel und schlug in die Mauer ein. Beim Start hatte sich Pato O’Ward noch an der Spitze gehalten. Nach dem Restart setzte sich Alex Palou jedoch neben ihn und so fuhren sie einige Runden lang Seite an Seite um die Führung. O’Ward gewann den Zweikampf und setzte sich anschließend sukzessive von Palou ab. In Runde 40 betrug sein Vorsprung fast 4 Sekunden. Scott McLaughlin verbesserte sich auf Platz drei vor David Malukas. Scott Dixon behauptete den fünften Platz. Santino Ferrucci und Colton Herta konnten im ersten Stint jeweils sechs Plätze gutmachen und fuhren so auf die Plätze 6 und 7.

In der 52. Runde musste Alex Palou aufgrund eines Reifenschadens an der rechten Vorderachse unplanmäßig die Box ansteuern. Dabei wechselte er auf die weicheren Option-Reifen. In der Folge kamen auch alle anderen Piloten der Führungsgruppe an die Box. Die meisten von ihnen setzten im zweiten Stint ebenfalls auf Option-Reifen. Nur David Malukas blieb bei den Prime-Reifen. So bekamen wir und die Teams einen direkten Vergleich der Qualitäten der beiden Reifenarten. Malukas war direkt sehr schnell und konnte Scott McLaughlin überholen. Damit fuhr Malukas auf Platz 2 hinter Pato O’Ward, da Alex Palou aufgrund des Reifenschadens auf Platz 4 zurückgefallen war. In Runde 65 ging er an McLaughlin für Platz 3 vorbei.

In Runde 83 endete das Rennen von David Malukas in der Mauer von Kurve 2 – Louis Foster war der Verursacher. Beim Überrunden hatte Foster bereits eine Welle gefahren. Als Malukas dann vor ihm auf die untere Linie ziehen wollte, touchierte Foster ihn. Das waren mehr als dumme Aktionen. Zu Recht hat David Malukas ihn direkt nach dem Crash am Funk als „A**hole“ bezeichnet. Das restliche Feld nutzte die Caution für den zweiten Stopp. Bis auf Scott McLaughlin zogen alle Fahrer der Spitzengruppe wieder Option-Reifen auf. Die Teams hatten für das Wochenende vier Sätze der weicheren Reifen zur Verfügung. Im Rennen mussten zwei davon eingesetzt werden. Im zweiten Stint hatte David Malukas keinen Nachteil mit den Prime-Reifen.

 

Im dritten Stint tauchten erstmals neue Namen in der Spitzengruppe auf. Zunächst fuhr sich Colton Herta bis auf Platz 2 nach vorne. Etwas später musste er diese Position jedoch Will Power überlassen. Dieser hatte sich nicht nur an seinen beiden Teamkollegen, sondern auch an den beiden Chip-Ganassi-Hondas vorbeigearbeitet. Somit lagen zwischen den Plätzen 4 und 7 Alex Palou, Scott Dixon, Josef Newgarden und Scott McLaughlin. Dieser hatte mit seinen Prime-Reifen also einige Positionen verloren. In Runde 123 zog auch Scott Dixon vorbei. In Runde 127 versagte der nächste rechte Vorderreifen. Diesmal erwischte es den Führenden Pato O’Ward. Damit wurden die Karten komplett neu gemischt.

Probleme gab es bei Will Power an der Box. Er war zu schnell, verfehlte seine Box und katapultierte dabei das neue linke Vorderrad aus der Box. Zusätzlich starb der Motor aufgrund eines Wasserschadens ab. So verlor er die kurz zuvor geerbte Führung wieder und sogar eine Runde. Die Spitze übernahm Alexander Rossi, der nicht zum Stopp während der Caution kam. Dahinter hatten sich Josef Newgarden und Scott McLaughlin mit perfekten Stopps geschoben. Colton Herta verlor seinen Platz in der Spitzengruppe aufgrund einer Strafe für einen „unsafe release“. Die Plätze 4 bis 8 belegten nun Alex Palou, Marcus Armstrong, Kyle Kirkwood, Scott Dixon und Connor Daly. Mit seinen alten Reifen konnte Alexander Rossi die Führung nicht lange halten. In Runde 158 kam er schließlich zum Reifenwechsel an die Box. Josef Newgarden und Scott McLaughlin bildeten das neue Führungsduo. Dahinter folgten Marcus Armstrong, Connor Daly und Kyle Kirkwood.

Als erster Pilot ging Alex Palou in der 180. Runde zu seinem finalen Stopp an die Box. In den Runden 188 und 189 folgten die beiden Penske-Piloten. Mit dem Under-Cut ging Palou an beiden Penskes vorbei. Nun musste er seine Prime-Reifen aber für 45 Runden ins Ziel tragen. Die ganzen Reifenschäden hatte er dabei sicherlich im Hinterkopf. Dahinter folgte Scott McLaughlin mit 9 Runden neueren Option-Reifen. Mit nur einer Sekunde Rückstand auf Palou folgte Newgarden auf Platz drei, der ebenfalls Prime-Reifen nutzte. Conor Daly hatte mit fast sieben Sekunden Rückstand ohne eine weitere Caution keine Chance auf den Sieg.

In Runde 200 zog zunächst Scott McLaughlin an Palou vorbei. Um seine Chance auf den Sieg zu wahren, folgte ihm Josef Newgarden nur eine Runde später. Die beiden Penske-Chevrolets waren dann auch deutlich schneller als Alex Palou. In fünf Runden hatte Palou schon drei Sekunden verloren. Unter dem Druck von Newgarden kam McLaughlin in Kurve 2 zu weit nach außen und touchierte die Mauer. Die Rennleitung rief daraufhin sehr schnell die Caution aus, obwohl McLaughlin das Rennen auf Platz zwei fortsetzen konnte. Für die letzten 18 Runden nahmen Colton Herta, Alexander Rossi, Scott Dixon und Callum Ilott noch einmal frische Reifen.

Den Restart für den Sprint über elf Runden ins Ziel gewann Josef Newgarden. Alex Palou schnappte sich Scott McLaughlin und blieb an Newgarden dran. Am Ende konnte Josef Newgarden sein Heimrennen gewinnen. Damit beendet er doch eine sehr enttäuschende Saison mit einem Highlight. Um Platz drei kämpften Kyffin Simpson und Scott McLaughlin über mehrere Runden hinweg Seite an Seite. Simpson war von Startplatz 8 ins Rennen gegangen. Über weite Teile des Rennens fuhr er um Platz 12 herum. Durch die vielen Ausfälle in der Spitzengruppe und einen frühen letzten Stopp verbesserte er sich vor der Caution auf Platz 6. In der letzten Runde setzte sich jedoch Scott McLaughlin durch. Abgesehen von Will Powers Rennen war es ein versöhnlicher Saisonabschluss für Team Penske. Conor Daly bewies mit Platz fünf, dass er zu den besseren Ovalpiloten gehört. Es war sein bestes Saisonergebnis. Zuvor fuhr er beim Indy 500, im Gateway Park und in Iowa auf die Plätze 8, 6 und 7. Kyle Kirkwood rettete mit Platz 6 ein wenig die Ehre von Andretti Global. Immerhin ist es wieder einmal gelungen, das Rennen von Colton Herta zu ruinieren. Im Ziel blieb ihm nur Platz 11.

Felix Rosenqvist und Santino Ferrucci profitierten von den Ausfällen der Spitzengruppe und wurden auf die Plätze 7 und 8 nach vorne gespült. Zur Rennhälfte waren sie noch in der Region der Plätze 15 bis 20 zu finden. Die neuen Reifen konnten sich bei der letzten Caution nicht mehr richtig auszahlen. Die Fahrer, die gestoppt hatten, belegten geschlossen die Plätze 9 bis 12. Platz 9 für Callum Ilott bedeutete die vierte Top-10-Platzierung in den letzten fünf Saisonrennen. Das gelang nur zwei anderen Piloten: Alex Palou und Scott McLaughlin.

Das komplette Ergebnis ist auf der Homepage der IndyCar-Serie (pdf) nachzulesen.

Am Ende gewann Alex Palou (711 Punkte) die Meisterschaft mit 196 Punkten Vorsprung auf Pato O’Ward (515 Punkte). Das war eine Saison der Superlative für Palou. Er gewann acht von 17 Saisonrennen und schaffte es nur dreimal nicht unter die Top 5, wobei der einzige Ausfall durch David Malukas in Detroit verursacht wurde. Insgesamt sind mir nur zwei Fahrfehler, beide in Mid-Ohio, in Erinnerung geblieben. Insgesamt fuhr er in einer eigenen Liga. Er hatte mehr Vorsprung auf O’Ward als dieser auf Scott McLaughlin (Platz 10).

Mit drei Saisonsiegen schaffte es Kyle Kirkwood (433 Punkte) auf Platz 4, direkt hinter Scott Dixon (452 Punkte). Christian Lundgaard (431 Punkte) beendete seine erste Saison bei McLaren auf Platz 5. Das Meyer-Shank-Duo Felix Rosenqvist (372 Punkte) und Marcus Armstrong (364 Punkte) rahmte Colton Herta (ebenfalls 372 Punkte) ein. Bester Pilot von Team Penske war Will Power (357 Punkte) knapp vor Scott McLaughlin (356 Punkte) auf Platz 9. David Malukas (318 Punkte) schlug seinen Teamkollegen Santino Ferrucci (293 Punkte) deutlich. Louis Foster (213 Punkte) kürte sich mit zwei Punkten Vorsprung auf Robert Shwartzman (211 Punkte) zum „Rookie of the Year”.

Auf dem Fahrermarkt gibt es derzeit zwei große Gerüchte. Zum einen wird seit einem Jahr spekuliert, dass David Malukas Will Power bei Team Penske ablöst. Das wäre vielleicht das frische Blut, das dem Team guttut. Andererseits verlässt Colton Herta möglicherweise Andretti und wechselt zu Prema. Allerdings nicht für die IndyCar-Series, sondern für die Formel 2, was ein Schritt in Richtung Formel 1 bei Cadillac im Jahr 2027 sein soll. Für den sicherlich nicht besten Fahrer der IndyCar-Series wäre die Formel 1 ein sehr großer Schritt. Dafür muss er erst einmal genug Superlizenzpunkte in der Formel 2 sammeln und sich dann gegen Valtteri Bottas oder Sergio Perez durchsetzen. Hertas Platz bei Andretti Global könnte an Will Power gehen.

Zwischenzeitlich wurde das IndyCar-Projekt von Prema von den Eigentümern infrage gestellt. Das ist für mich absolut unverständlich. Im ersten Jahr hat man durch Robert Shwartzman die Pole-Position beim Indy 500 und durch Callum Ilott vier Top-10-Platzierungen zum Saisonende hin geholt. Zum Vergleich: Rahal Letterman Lanigan Racing kam in dieser Saison ebenfalls auf vier Top-10-Platzierungen. Darunter war aber auch Platz 9 von Takuma Sato beim Indy 500. Ilott landete in der Gesamtwertung auf Platz 21 hinter Graham Rahal und Marcus Ericsson. Unter Berücksichtigung der Erwartungen kann man aber argumentieren, dass Ilott die bessere Saison gefahren ist.

Der Kalender für 2026 ist noch nicht veröffentlicht. Fest steht jedoch bereits, dass der Thermal Club nicht mehr dabei ist und durch einen Stadtkurs in Arlington ersetzt wird. Dabei werden unter anderem die Parkplätze rund um das AT&T Stadium genutzt. Auch der Iowa Speedway wird wohl erst einmal Geschichte sein. Hier sucht man aber noch ein anderes Oval als Ersatz. Der Saisonauftakt wird ziemlich sicher Anfang März in den Straßen von St. Petersburg stattfinden. Kurz nach dem Superbowl lesen wir uns dann hier wieder.

Lebanon, TN - 2025 BORCHETTA BOURBON MUSIC CITY GRAND PRIX Presented by WILLSCOT (Photo by Travis Hinkle | IMS Photo)
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