Am Sonntag holte Christian Lundgaard seinen zweiten Saisonsieg. Lange Zeit dominierten jedoch andere Fahrer das Rennen.
Alex Palou sicherte sich am Samstag die fünfte Pole-Position in Folge. Er schlug David Malukas in den Fast-6 um 3 Zehntelsekunden. Stark präsentierte sich Meyer-Shank-Racing mit Marcus Armstrong und Felix Rosenqvist auf den Startplätzen drei und vier, während Marcus Ericsson und Scott McLaughlin die Fast-6 komplettierten. Die nächsten beiden Startreihen bildeten A. J. Foyt Enterprises und Arrow McLaren in folgender Reihenfolge: Santino Ferrucci, Nolan Siegel, Caio Collet und Pato O’Ward. Christian Lundgaard ging als schlechtester der drei McLaren von Startplatz 12 ins Rennen. Es sollte aber noch schlimmer für ihn werden. Im engen Getümmel des Mittelfeldes in Kurve 1 beschädigte er seinen Frontflügel und musste zur Reparatur in die Box. Somit fiel er ans Ende des Feldes zurück und hatte bereits einen Rückstand von einer Minute auf Sting Ray Robb auf dem vorletzten Platz.
Die Spitze kam sauber durch die ersten Kurven, und Alex Palou erreichte früh einen Sicherheitsabstand zu Marcus Armstrong, der in Kurve 1 David Malukas überholen konnte. Felix Rosenqvist, der als einziger Fahrer der Spitzengruppe auf Prime-Reifen gestartet war, hielt sich auf Platz 4. Nach zehn Runden hatten diese Vorteile gegenüber den Option-Reifen, sodass Rosenqvist Druck auf Malukas ausüben konnte. Beide kennen sich noch gut aus den letzten Runden des Indy 500. In Runde 12 hatte Rosenqvist Malukas dann in Kurve 1 überholt. Unter denselben Voraussetzungen kämpfte Caio Collet gegen Scott McLaughlan um Platz 6, während die ersten Piloten zum regulären Stopp an die Box kamen. In Runde 13 stoppten gleichzeitig Alex Palou, Marcus Armstrong und David Malukas. Alle drei wechselten auf Prime-Reifen, die für die meisten Teams die bevorzugte Reifenwahl für das Rennen waren.
Bei seinem Stopp wurde eines der Hinterräder an Romain Grosjeans Wagen nicht richtig festgezogen, was die erste Caution des Tages zur Folge hatte. Felix Rosenqvist konnte kurz vor dem Schließen der Boxengasse noch hineinfahren und seinen Stopp größtenteils unter Gelb absolvieren. Bei der Ausfahrt überholte er Alex Palou und übernahm die Führung. Dieselben Umstände brachten Marcus Ericsson auf Platz drei sowie Pato O’Ward und Nolan Siegel auf die Plätze fünf und sechs. Auch ihr Teamkollege Christian Lundgaard profitierte stark von der Caution. Er lag zwar noch im Hinterfeld, sein Rückstand auf Rosenqvist betrug aber keine zehn Sekunden mehr. In den nächsten zehn Runden fuhr er sich von Platz 18 auf Platz 12 nach vorne.
In Runde 28 absolvierte Alex Palou seinen zweiten Boxenstopp. Dabei unterlief dem Meister einer seiner wenigen Fehler und er war zu schnell unterwegs. Die folgende Drive-Through-Penalty beförderte ihn auf Platz 22, doch viele Fahrer vor ihm mussten noch ihren zweiten regulären Stopp absolvieren. In Runde 30 kam der Wagen von Christian Rasmussen auf der Start- und Zielgeraden zum Stehen. Die Folge war die zweite Caution des Tages. Fahrer, die ihren zweiten Stopp noch nicht absolviert hatten, verloren durch den Stopp unter Gelb ihre Positionen. Darunter waren Felix Rosenqvist und Marcus Ericsson, die von den Plätzen 1 und 2 auf die Plätze 11 und 12 zurückfielen. Am meisten profitierten Marcus Armstrong, David Malukas, Alexander Rossi und Will Power von der Gelbphase. Sie bildeten die neue Spitzengruppe. Auch Alex Palou wurde wieder auf Platz 8 in Führungsnähe gespült. Christian Lundgaard lag zum Restart auf Platz 14.
Der Restart und die erste Runde unter Renntempo waren turbulent. Marcus Ericsson und Felix Rosenqvist wollten schnell Plätze gutmachen. Dabei übertrieben sie es jedoch, mussten teilweise durch den Dreck fahren und verloren so weitere Plätze. So erreichte Christian Lundgaard in Runde 34 zum ersten Mal die Top 10.
Es folgte eine weitere Caution, um die Carbonreste der ganzen Scharmützel aufzusammeln. Über den gesamten Stint hinweg waren Alex Palou und Christian Lundgaard die aggressivsten Fahrer der Top 10 und machten jeweils zwei Plätze gut. In Runde 41 kamen Alexander Rossi, Kyffin Simpson und Alex Palou aus den Top 6 zu ihrem letzten Stopp an die Box. Alle drei setzten für den letzten Stint auf Prime-Reifen. Dabei schlugen die Crews von Chip Ganassi Racing die von Ed Carpenter Racing. Sowohl Kyffin Simpson als auch Alex Palou kamen so an Alexander Rossi vorbei.
Christian Lundgaard übernahm in Runde 43 durch die Stopps der anderen Fahrer die Führung. Er war auf seinen gebrauchten Prime-Reifen immer noch sehr schnell und konnte den finalen Stopp so bis Runde 45 herauszögern. Im Gegensatz zu allen anderen zog man bei McLaren für den Schlussspurt neue Option-Reifen auf. Er kam knapp vor David Malukas wieder auf die Strecke. Diese Position konnte er mit kalten Reifen jedoch nicht verteidigen. Halb auf dem Gras zog Malukas vorbei. Damit lag Lundgaard aber sicher auf dem virtuellen dritten Platz. Marcus Armstrong fuhr dabei drei Sekunden vor ihnen. Drei Sekunden hinter Malukas und Lundgaard folgten Graham Rahal und Will Power. Alex Palou konnte das Tempo von Kyffin Simpson überraschend nicht ganz halten und verlor auf Platz sieben etwas Zeit auf seinen Teamkollegen.
Sieben Runden vor dem Ende spitzte sich der Kampf um das Podium zu. Christian Lundgaard hatte die besseren Reifen und zog an David Malukas vorbei. In Runde 52 wurde Marcus Armstrong plötzlich langsamer, sodass Christian Lundgaard die Lücke zum Führenden schließen konnte. Zunächst hatte Armstrongs Motor Aussetzer, dann verabschiedete sich auf der Start- und Zielgeraden komplett. So übernahm Christian Lundgaard die Führung. Mit dem gestrandeten Meyer-Shank-Honda löste die Rennleitung eine weitere Caution aus. Zum Restart der finalen Runde führte Christian Lundgaard vor David Malukas, Graham Rahal, Will Power, Kyffin Simpson und Alex Palou.
In Kurve 1 überholte Will Power Graham Rahal und machte nun Jagd auf sein altes Auto, das nun von David Malukas pilotiert wird. In Kurve 6 kam Power jedoch etwas zu weit nach außen, sodass Rahal wieder vorbeikam. Auf der langen Geraden in Richtung Kurve 12 saugte sich Power im Windschatten an und wollte zum Überholmanöver ansetzen. Rahal blockte jedoch hart und beide kollidierten. Für Rahal war das Rennen damit drei Kurven vor der Ziellinie beendet. Die Rennleitung musste eine letzte Caution ausrufen und so endete das Rennen unter Gelb. Christian Lundgaard gewann in einem furiosen Rennen seinen zweiten Grand Prix in diesem Jahr. David Malukas wurde erneut Zweiter und Will Power eroberte zum ersten Mal für Andretti Global das Podium. Alex Palou wurde schließlich auf Platz 5 hinter Kyffin Simpson gewertet. Nach der Drive-Through-Penalty war das ein sehr gutes Ergebnis.
Alexander Rossi hielt sich vor Scott McLaughlin. Felix Rosenqvist erreichte den achten Platz. Die zweite Caution warf ihn weit zurück. Dazu kam sein Fehler nach dem Restart. Für beide Piloten von Meyer Shank Racing wäre heute der Sieg möglich gewesen. Auf den weiteren Plätzen folgten Santino Ferrucci, Kyle Kirkwood, Scott Dixon und Pato O’Ward. Gerade von den drei Letztgenannten war es ein enttäuschendes Wochenende.
Das gesamte Ergebnis kann auf der Homepage der IndyCar Series (PDF) nachgelesen werden.
In der Meisterschaftswertung konnte David Malukas (314 Punkte) seinen Rückstand auf den Führenden Alex Palou (374 Punkte) leicht verringern. Es folgen Kyle Kirkwood (313 Punkte) und der Sieger Christian Lundgaard (297 Punkte). Er liegt damit weiterhin vor seinem Teamkollegen Pato O’Ward (257 Punkte).
Als nächstes Rennen steht das „Honda Indy 200 at Mid-Ohio” am 5. Juli auf dem Programm der IndyCar Series.










