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GT World Challenge Europe Endurance Cup: Analyse Nürburgring

von Nils Otterbein
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Nach der Sommerpause wurde das vorletzte Endurance-Rennen wurde auf der langen Version der GP-Strecke des Nürburgrings ausgetragen. Mit 61 Autos und weitgehend stabilen Wetterkonditionen wurden die Weichen für die Finalwochenenden gestellt, die in der Sprint- und Endurance-Variante beide in Spanien über die Bühne gehen.

Qualifying

Nachdem die samstägliche Pre-Quali wegen einer Beschädigung der Randsteine nach nur 30 Minuten abgebrochen wurde, ging es mit weniger als der geplanten Trainingszeit in die Qualifikation bei leicht nasser Fahrbahn. Nachdem Steller Motorsport mit einer Corvette zurückkam und UNX Racing nun mit einem Porsche fulltime im Endurance Cup startet, waren 61 Autos am Start, womit die Streckenkapazität für ein 3h Rennen fast komplett ausgelastet wurde.

Nachdem der Rundenzeitenschnitt durch leicht feuchte Bedingungen im zweiten Segment beeinflusst wurde, holten WRT und Rowe zunächst eine BMW-Doppelpole. Jedoch wurde die #32 von WRT um fünf Plätze wegen einer Kollision mit dem Getspeed Mercedes von Jule Gounon strafversetzt. Das bedeutete für den Mercedes einen Start aus der Box. Ebenfalls hinten musste der AF Corse Ferrari #50 starten nach einer Kollision mit einem der Sainteloc Audi. Rowe Racing brachte sich damit in die ideale Ausgangsposition, erstmals einen SRO-Lauf in Deutschland zu gewinnen.

Rennen (Stint 1)

Der Mann des Starts wurde Ayhancan Güven, der sich im Schumacher CLRT mit Berührungen in der Mercedes-Arena, bzw. Haug-Haken hinter Augusto Farfus auf die zweite Position setzte. Nicki Thiim im Comtoyou Aston Martin konnte sogar fast nach dem Start in Führung gehen und reihte sich nach der Startrunde hinter Alessio Rovera auf dem vierten Rang ein. Nach etwa zehn Minuten wurde das Rennen erstmals neutralisiert, als nach den letzten Sprint-Rennen erneut der Paradine BMW #991 rund um Darren Leung in einen Zwischenfall verwickelt war – dieses Mal unverschuldet nach einem Abschuss von einem Attempto Audi.  Die Full-Course-Yellow wurde dieses Mal in eine reguläre SC-Phase umgewandelt, was aufgrund der kühlen Asphalttemperaturen wohl für das gesamte Feld die beste Lösung war. Dies führte dazu, dass die Stintzeit auf 69 Minuten verlängert wurde, was dem oberen Ende der üblichen Stintvorgaben entsprach. In Monza und Spa war es aufgrund des höheren Spritverbrauchs bei jeweils unter der Stundenmarke.

Das Überholen war auf der langen Version der GP-Strecke ohne das Befahren der Kurzanbindung wie üblich sehr schwer. Mann des Stints wurde eigentlich der aus der Box gestartete Getspeed Mercedes von Luca Stolz, der sich im ersten Stint bis in die Top30 kämpfte und mal eben die Hälfte des Felds überholte, inklusive des umkämpften Bronze Cups. Farfus zeigte vorne, dass der BMW schwer zu schlagen sein sollte und fuhr kontrolliert einen sicheren Vorsprung von vier bis fünf Sekunden heraus. Da das Überholen von Klassenkonkurrenten wie erwartet kaum möglich war, gab es bei den Stintlängen große Unterschiede durch versuchte Undercuts. Interessant wurde jener Undercut vom Comtoyou Aston Martin #7 mit Nicki Thiim, der bereits nach knapp 50 Minuten reinkam. Der bis dahin führende Rowe BMW kam zehn Minuten später und verlor nach dem Wechsel an Jesse Krohn die Führung an Mattia Drudi, der nun den Aston Martin übernahm. Hinter den beiden reihten sich Klaus Bachler im Schumacher CLRT Porsche, Vincent Abril im AF Corse Ferrari #51, Matteo Cairoli im Winward Mercedes #48 und Ugo De Wilde im WRT BMW #32 ein.

Rennen (Stint 2)

Im zweiten Stint veränderte sich die Pace aufgrund der unterschiedlichen Stopprhythmen teils erheblich. Vorne konnte der Aston Martin zunächst wegziehen, was an den ersten Stint vom Rowe M4 erinnerte. Dahinter wurde deutlich häufiger auf der Strecke überholt. Der Schumacher CLRT Porsche von Klaus Bachler litt offenbar unter Balanceproblem, weshalb er zunächst Plätze gegen Alessio Rovera und danach gegen Matteo Cairoli verlor. Einer der Schnellsten des Stints wurde Jann Mardenborough im HRT Mustang, der sich einem Zug erst Sven Müller im Rutronik Porsche und dann Ugo De Wilde im WRT BMW schnappte. Später ging er an Luca Engstler im Grasser Lamborghini vorbei, nachdem dieser vom Schumacher CLRT Porsche aufgehalten wurde. Damit war das bislang beste Mustang-Ergebnis der GTWC-Saison zum Greifen nahe. Was nach den umfangreichen Erfahrungen am Nürburgring durch die NLS und dem Laufsieg im ADAC GT Masters vor einigen Wochen jedoch keine Überraschung war.

Just nach Beginn der zweiten Stopps wurde das Rennergebnis vorentschieden – mit Vorteilen für jene Autos mit einem späteren Zeitpunkt, denn: Während Comtoyou, AF Corse, Schumacher CLRT, Grasser und WRT an der Box waren, gab es eine Kollision im Michael Schumacher S, die vom langsam fahrenden Nordique Mercedes ausgelöst wurde, woraufhin der Kessel Ferrari im Kies stand. Im Sprint-Format hätte man wohl noch versucht, den Zwischenfall mit einer lokalen Gelbzone zu lösen oder das Stoppfenster verschoben. Dieses Mal hatten durch die ausgerufene FCY-Phase jene Fahrzeuge einen riesen Vorteil, die ihren Stopp später geplant hatten, unter anderem der Rowe BMW, Winward Mercedes und HRT Ford. Die letzte Stunde führten damit Raffaele Marciello, Lucas Auer, Thomas Drouet und Patric Niederhauser an. Der einst führende Comtoyou Aston Martin fiel mit Marcio Sörensen auf die sechste Position zurück. So genial der Undercut beim ersten Stopp war, so unglücklich lief es dieses Mal.

Rennen (Stint 3)

Die Führung des Rowe BMW wurde zudem durch einige Überrundungen abgesichert, was mit der Erfahrung aus dem überzeugenden ersten Stint nach einem klaren BMW-Sieg aussah. Mit dem Boutsen VDS Mercedes befand sich sogar noch ein Auto aus dem Silver Cup in der Spitzengruppe, bevor Caesar Gazeau in den letzten 45 Minuten nach hinten durchgereicht wurde. Der HRT Mustang konnte sich in der Folge auf dem dritten Platz halten, auch wenn er gegen Marciello und Engel kein Land sah. Jedoch wurden ihm wegen eines FCY-Vergehens zehn Sekunden nach dem Rennende aufaddiert, weshalb Rutronik mit Sven Müller und AF Corse Alessio Rovera um den letzten Podestplatz kämpften.

Wenn jemand seit letztem Jahr in der GT World Challenge Drama kann, dann AF Corse! Zwei Runden vor Schluss musste Rovera nach Leistungsproblemen seinen Ferrari an der Box abstellen, was damit den dritten Platz nach der HRT-Strafe zugunsten des Rutronik Porsches entschieden lies. Hinter Marciello, Auer und Niederhauser konnte Laurin Heinrich nach einer Verstellung der Bremsbalance den zuvor schwächelnden Schumacher CLRT Porsche überraschend noch auf die vierte Position vor Pepper, Drouet und Sörensen platzieren. Für Rowe ist es damit der erste Laufsieg in einer SRO-Serie auf deutschem Boden. Rowe und Nürburgring – das passt dieses Jahr!

Im Gold Cup sah es nach einem Laufsieg und der damit verbundenen Klassenmeisterschaft für Max Verstappen Racing (eingesetzt von 2Seas Motorsport) im Aston Martin aus. Doch Harry King, Chris Lulham und Thierry Vermeulen bekamen wie der Mustang eine anschließende Zeitstrafe – gleichbedeutend mit einer Vertagung der Titelentscheidung und dem Klassensieg für Klingmann/Tuck/Al Zubair im AlManar WRT BMW. Der Silver Cup wurde durch den letzten Stopp für den Boutsen VDS Mercedes mit Cabirou, Gazeau und Aurelien Panis entschieden. Teilweise bewegten sie sich gar im Bereich der vorderen Pro-Fahrzeuge. Im Bronze Cup siegte 2Seas Motorsport als Gaststarter, jenem Einsatzteam des Max Verstappen Red Bull Aston Martin – in diesem Fall mit Tom Lebbon, Charles Dawson und Ben Barnicoat in einem Mercedes.

In der Meisterschaft sieht es für das Endurance Finale in Barcelona nun nach einem Zweikampf zwischen Winward und Rutronik aus. Engel/Auer/Cairoli sind fünf Punkte vor Picariello/Müller/Niederhauser. WRT mit Kelvin van der Linde/De Wilde und Weerts haben noch theoretische Chancen. Rutronik und Winward haben damit also Chancen, beide Teilmeisterschaften der GTWC zu gewinnen, so auch beim Sprint-Finale in Valencia im September.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=237)

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