Das große Jahreshighlight im GT3-Sport sorgte für ein sehr unterhaltsames Rennen und bot einen mehr als würdigen Abschluss einer überaus intensiven Phase an Langstreckenrennen. Es hat gezeigt, dass man ein großes Langstreckenrennen auch ohne Störgeräusche wie BOP-Diskussionen oder fragwürdige Entscheidungen der Sporthoheit durchführen kann.
Qualifikation
Zu Beginn des langen Wochenendes wurde die stabile Wetterlage kurzzeitig unterbrochen, was zu einem sehr zerfahrenen Qualifying führte, insbesondere mit drei Unterbrechungen in Q1 für die Besatzungen mit vier Piloten. Im Mercedes-Lager gab es bereits in der Pre-Quali einen Abflug eines Winward Mercedes, dem abends ein Abflug des AMG von Nordiqe Racing folgte. Durch den einsetzenden Regen fürchtete man ein ähnliches Szenario wie 2023, als viele Pro-Besatzungen nicht in die Top20 kamen, als der Regen im Verlauf intensiver wurde. Das Gegenteil war jedoch der Fall, wodurch auf abtrocknender Strecke sogar die 3er Teams einen Vorteil hatten. Dies führte dazu, dass von den 21 Autos im Pro Cup nur drei nicht in die Superpole kamen, nämlich der Pure Rxcing Porsche, der HRT Mustang #64 und der Japanische Mercedes von Goodsmile Racing.
In der Superpole gab es die erste Abmeldung des Wochenendes, als der Aston Martin von Walkenhorst durch einen Unfall von Henrique Chaves nicht am Rennen teilnehmen konnte, was die Chancen für Aston Martin mit nur noch einem Auto im Pro Cup deutlich minimierte. Überraschend deutlich sicherte sich Marvin Kirchhöfer im Garage59 McLaren über die zwei schnellen Runden der Superpole, mit über vier Zehnteln Vorsprung die Pole Position. Dahinter waren mit Getspeed, Boutsen VDS und Winward drei Mercedes in den ersten drei Startreihen, getrennt von einem WRT BMW und einem AF Corse Ferrari. Der spätere Rennsieger sollte übrigens die Top10 nicht erreichen! Wie erwartet gab es eine kleine BOP-Anpassungen mit Mehrgewicht für den sehr deutlich führenden McLaren, während die Mercedes trotz des starken Qualifikationsresultats fünf Kilo ausladen durften.
Rennen (Erste Hälfte)
Das Rennen wurde bei ungewöhnlich heißen Bedingungen äußerst royal von der Prinzenfamilie eröffnet. Später wurde mit über 120.000 Besuchern ein neuer Zuschauerrekord für die Veranstaltung vermeldet, was sich im Verlauf der Renndistanz ebenso auf die Streamingreichweiten bezog. Es fiel wohl den meisten gar nicht auf, dass die Rennzeit bereits in der zweiten Einführungsrunde begann, was zu einer etwas krummen Uhrzeit des Zieleinlaufs führen sollte.
Nachdem die beiden Startrunden sehr zivil ohne verfrühte Dramen in Angriff genommen wurden, sorgte eine Kollision zwischen dem VSR Lamborghini #60 und dem Rutronik Porsche #97 in der Bus Stop Schikane für eine erste Full-Course-Yellow. Aufgrund der Kürze, ohne anschließendes Safety Car. Marvin Kirchhöfer
führte in der Startphase über den kompletten ersten Stint das Rennen vor Jules Gounon (Getspeed Mercedes), Vincent Abril (AF Corse Ferrari), Maximilian Götz (Boutsen VDS Mercedes) und Maro Engel (Winward Mercedes) an und machte deutlich, dass mit dem Garage59 McLaren zu rechnen sein sollte. Kurz nach den ersten Stopps sollten die ersten Dramen losgehen. Der AF Corse Ferrari #51 musste zu einer kurzen Reparatur an die Box, wodurch er aus der so wichtigen Führungsrunde fiel. Zwar wurde immer wieder ein Pass-Around bei einem Safety-Car durchgeführt, der jedoch nur für den Gold-, Silber-, Bronze- und Pro-Am Cup galt. Fahrzeuge aus dem Pro Cup mussten sich damit selbstständig zurückrunden. Vorab: In den Abend- oder Nachtstunden sollte dies dem besagten Ferrari gelingen, wahrscheinlich durch eine gut gelegene Neutralisation.
Kurze Zeit danach der erste große Schock, der zum Glück der einzige schwere Unfall bleiben sollte: Als der McLaren von CSA Racing #112 mit einem Reifenschaden langsam auf der Ideallinie zurückfuhr, knallte ihm Laurin Heinrich im Schumacher CLRT Porsche bei etwa 250 nach der Blanchimont aufs Heck. Der Porsche wurde bis zum Sicherheitskäfig eingedrückt, das Dach nach oben gebogen. Hier hatten alle Beteiligten großes Glück. Es ist schleierhaft, wieso der Pilot im McLaren nicht auf das große Asphaltband neben der Strecke gefahren ist. Im späteren Rennverlauf hat man in ähnlichen Situationen gesehen, dass alle Piloten viel Wert darauflegten, dem fahrenden Verkehr aus dem Weg zu gehen. Dieser Zwischenfall sorgte durch die Trümmerteile dazu, dass auch der Herberth Porsche #92 aus dem Gold Cup, der die Superpole erreichte, sowie der Boutsen VDS Mercedes #9 mit Mikael Grenier, Maximilian Götz, Maxime Martin mit Beschädigungen zurückfielen. Später, etwa nach sechs Rennstunden, musste der Mercedes damit aus dem Rennen genommen werden.
Im Verlauf des ganzen Samstags hatte das Rennen einen erwartet zerfahrenen Charakter. Verglichen mit dem letzten Jahr, als Wetterkapriolen übel mitspielten, war es jedoch erträglich und es wurde zwischen den Neutralisationen guter, fairer Motorsport geboten. Nach dem Restart, im Anschluss an den heftigen Unfall, musste der WRT BMW #31 zu einem Notstopp und fiel damit zunächst aus den Top60, ohne jedoch die Lead Lap zu verlieren. Später wurde bekannt, dass das Schwesterauto #46 mit Rossi/Rast/Magnussen mit Problemen am Gaspedal zu kämpfen hatte, was für WRT ein eher verkorkstes Rennen bedeuten sollte. Schnellste Mann der Startphase war Sandy Mitchell, der den VSR Lamborghini #163 auf die zweite Position hinter den sehr schellen McLaren stellen konnte. Eine weitere Überraschung wurde der Mustang mit u.a. Jann Mardenborough, der zwischendurch in die Top10 kommen sollte.
Im Verlauf des Samstags folgten bis in die Nachtstunden insgesamt sieben Neutralisationen, davon sechs Mal die Verbindung einer recht langen FCY, dem eine Safety-Car-Prozedur folgte. Nur in einem Fall war der Zwischenfall so schnell zu bereinigen, dass eine singuläre Full-Course-Yellow ausreichte. Die gesamte erste Hälfte war so geprägt, dass die Abstände zwar immer genullt wurden, jedoch nur sehr marginal zu Platzveränderungen führten, denn: Die langen FCY-Phasen wurden praktisch immer vom gesamten Feld des Pro Cups zu Boxenstopps genutzt. Da somit auch strategische Komponenten zunächst nicht ins Spiel kamen, mussten die Plätze auf der Strecke gewonnen werden, was aufgrund einer sehr ausgeglichenen BOP und sehr identischen Topspeed-Werten kaum möglich war. Mit dem alten Endurance-Motto „We let the race come to us“ konnte man damit nicht weit kommen. Gutes Beispiel waren die BMW, die durch ihre meist schwächeren Startplätze nicht nach vorne kamen. Nur mit größter Mühe, kamen sie überhaupt in die Top10. Track Position wurde zu einem immensen Faktor in diesem Rennen.
Der Garage59 McLaren verlor nach etwa vier Stunden die Führung an den Getspeed Mercedes von Fabian Schiller, nachdem Silberpilot Joseph Loake übernahm. Allerdings war auch er gut genug, um den Wagen hinter Fabian Schiller, Frank Perera (VSR Lamborghini) und Arthur Leclerc (AF Corse Ferrari) zu halten. Praktisch alle Marken waren bis in die Nachtstunden in den Top10 vertreten, was einmal mehr die sehr gute BOP zum Vorschein brachte. Jeder hatte seine Siegchance gehabt, außer Audi und Corvette, die eben kein Pro-Trio zusammengebracht haben. Erst nach sieben Stunden wurde an der Spitze erstmals mit Boxenstopps taktiert, als sich die „Mamba“ von Winward in einer erneuten FCY für einen „short refuel“ entschied, sozusagen einem Joker-Stopp, um die Reichweite zu erhöhen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Mercedes mit Winward #48 und Getspeed #17 eine Doppelführung. Insgesamt wurde der Samstag bzgl. der Rundenzeiten tendenziell von Mercedes, Lamborghini und McLaren bestimmt, was sich wegen dem zerfahrenen Rennverlauf jedoch kaum bemerkbar machte. Der sehr gut fahrende VSR Lamborghini verlor einige Plätze nach einer kleinen Panne nach dem Stopp, als er sehr langsam durch die Box rollen musste.
Für die Vorjahressieger von Comtoyou Racing war mit der #007 das Rennen nach einem Getriebeschaden nach etwa zehn Stunden vorbei. Nach Schumacher CLRT, Pure Rxcing und Boutsen VDS war es damit die vierte Besatzung aus dem Pro Cup mit einem DNF. Kurze Zeit später war die AMG-Doppelführung auch Geschichte, nachdem Fabian Schiller im Getspeed #17 eine Drive Through für das Verursachen einer Kollision antreten musste. Kurze Zeit später kam es erneut zu einem Kontakt mit dem Attempto Audi #99, einem Favorit aus dem Silver Cup, der zu einem Ausfall führte. Diese Full-Course-Yellow führte zu einem veränderten Bild an der Spitze, da der Rowe BMW #998 mit Max Hesse seinen Stopp unter neutralisierten Bedingungen absolvieren konnte. Nach etwa elf Stunden war die Zeit der vielen Unterbrechungen erstmals vorbei und man bekam endlich Eindrücke von mehreren Stints ohne Zwischenfälle!
Rennen (Zweite Hälfte)
Kurz nach Sonnenaufgang kam nun eine weitere Komponente ins Spiel: Die in Spa traditionellen fünf Minuten Boxenstopps, eine Art Inspektion, um vor allem die Bremsen zu wechseln. Ein kapitaler Motorschaden des RJN McLaren mit u.a. Ben Dörr, führte dazu, dass gegen 6 Uhr Früh ein Großteil des Gesamtfeldes zum großen Service an die Box kam. Das Feld wurde durch eine längere Phase unter grün mittlerweile auf ca. 15 Autos in der Führungsrunde reduziert. Der Stand nach der großen Inspektion sah erstmals den Grasser Lamborghini #63 mit Mirko Bortolotti, Luca Engstler und Jordan Pepper vor dem Rowe BMW #998 vorne. Dahinter waren beide AF Corse Ferrari, also auch jene #51 mit Alessio Rovera, Vincent Abril, Alessandro Pier Guidi, die nach der ersten Stunde nach einer kurzen Reparatur weit zurückfielen.
Der übriggebliebene Mercedes mit Maro Engel fiel nach einer Drive Through Strafe aus der Entscheidung, nachdem er mit dem HRT Mustang #64 in der Bus Stop Schikane aneinandergeraten ist. Der Mustang musste damit abgestellt werden, was eine weitere FCY-SC-Prozedur mit sich brachte, womit auch WRT bei der #31 und #46 die verbleibenden „Service-Stopps“ durchführten konnte. In der Folge konnte der Grasser Lamborghini von Luca Engstler die Führung ausbauen. Nach dem guten Speed vom VSR Team, die nachts wegen einem Schaden an der Servolenkung ausfielen, war es die einzige verbliebene Hoffnung für Lamborghini. Während die Track Position im letzten Renndrittel wichtiger wurde, wurde immer deutlicher: Grasser Racing hat das schnellste Auto unter den wärmeren Bedingungen am Sonntag. Kaum zu glauben, aber wahr: Mehr als sieben Stunden vor Schluss sollte es die letzte Safety-Car-Phase gewesen sein, was zu diesem Zeitpunkt völlig unrealistisch schien.
Die interessanteste Komponente sollte der Rutronik Porsche #96 mit Sven Müller, Patric Niederhauser und Alessio Picariello spielen. Dieser lies den regulären Stopp unter dem letzten Safety-Car aus, um auf Track Position zu setzen, wodurch Patric Niederhauser das Feld anführte. Ein ähnliches Experiment wagten der von 2Seas Motorsport eingesetzte Verstappen.com Aston Martin und der Garage59 McLaren #58 aus dem Gold Cup, die sich am gesamten Sonntag einen Kampf der Extraklasse um den Klassensieg lieferten.
Die Schlussphase wurde maßgeblich durch zwei kurze Full-Course-Yellow Phasen bestimmt, die strategisch einen großen Wert auf das Endergebnis hatten – ausgerechnet zwei vermeintlich unscheinbare Neutralisationen! Exakt 5 und 36 Minuten vor Schluss stand der Ziggo Sport Tempesta Ferrari aus dem
Bronze Cup am Streckenrand, als der Grasser Lamborghini #63 und Rowe BMW #98 gerade ihren Stopp absolvierten, um damit aus Zufall einige Zeit ihres Stopps unter neutralisierten Bedingungen absolvierten. Dadurch fiel der Rutronik Porsche wieder auf die bereinigt dritte Position zurück. Vor allem entstanden bis dahin ungeahnte Abstände. Der Lamborghini mit Mirko Bortolotti hatte nun rund 20 Sekunden Vorsprung vor Rowe, der ebenfalls einige Sekunden auf den Rutronik Porsche hatte. Die Lücken zwischen den einzelnen Plätzen wurden anschließend zu groß, um sie aus eigener Kraft ohne äußere Einflüsse zufahren zu können. Ein wenig erinnerte der Sonntag an die Schlussphase aus 2024, als es nach einer sehr zerfahrenen ersten Hälfte, in der Schlussphase umso flüssiger durchlief.
Nach Grasser und Rowe hatte Rutronik umso mehr Glück bei der nächsten und damit vorletzten FCY des Rennens! Der Rutronik Porsche war just in dem Moment zu seinem nächsten Routinestopp, als der Ceccato BMW am Streckenrand stand, was eine sehr kurze Neutralisation bedeutete. Damit bekam der Porsche über 40 Sekunden „geschenkt“, da alle anderen ihren anschließenden Routinestopp aufgrund der anderen Taktung unter grün erledigen musste – die Folge: Picariello führte das Rennen damit über zehn Sekunden vor Jordan Pepper und Augusto Farfus an. Vom Speed wurde immer deutlich, dass Grasser und Rutronik das Rennen unter sich ausfahren. Dem BMW und den beiden Ferrari fehlte am Sonntag etwas der Speed. Etwa zwei Stunden vor Schluss kam es zu einem Duell auf der Strecke zwischen Sven Müller und Mirko Bortolotti, nachdem der Lamborghini den Rückstand auf der Strecke zufahren konnte. Kurz vor dem Stopp
und den Fahrerwechsel auf Patric Niederhauser beschädigte sich Müller den Reifen, was zu einem schleichenden Plattfuß, jedoch ohne Zeitverlust führte – einmal mehr Glück für Rutronik! Nach dem Lamborghini-Stopp konnte dann Bortolotti die Führung übernehmen. Anschließend waren beide direkt hintereinander im Überrundungsverkehr, aus dem der Austro-Italiener deutlich besser kam. Am Ende waren übrigens nur noch sechs Autos in der Führungsrunde, was die hohe Gangart an der Spitze unterstreicht. Das Duell um den dritten Platz wurde durch eine 30 Sekunden Strafe für den Rowe BMW #98 entschieden, was den AF Corse Ferrari #51 auf den dritten Platz vor dem Teamkollegen brachte. Rowe wurde auf dem dritten Rang liegend auf den fünften Platz nach dem Zieleinlauf zurückgesetzt. Marciello versuchte alles, um irgendwie einen notwendigen Vorsprung herauszufahren und überholte Pier Guidi sogar über die Wiese der Kemmel-Geraden. Der zweite Rowe BMW #998 fiel kurz vor Schluss aus und wurde an die Box geschoben.
Die letzte sehr kurze FCY konnte die letzten Stopps nicht mehr beeinflussen, was mit acht Sekunden Vorsprung für den ersten großen Gesamtsieg eines 24 Stunden Rennens für Lamborghini in der Neuzeit sorgte! Irgendwie macht es die vielen Jahre von Grasser Racing im GT-Sport rund, nachdem die österreichische Mannschaft teilweise gegen Teams wie Iron Lynx den Kürzeren zog und sich mit Einsätzen im Silver- und Bronze Cup der GTWC gehalten hat. Nun ist man wieder klar führend im Lamborghini-Gefüge, was sich auch im Sprintbereich der DTM gegen Abt Sportsline bemerkbar macht. Bortolotti war nach seinem letzten Doppelstint körperlich vollkommen fertig, was die bekannt hohen Cockpittemperaturen im Lamborghini deutlich machte. Rutronik Racing ist am ersten 24 Stunden Sieg knapp gescheitert, hat aber gezeigt, dass man den früheren Ausfall des Schumacher CLRT für Porsche bestens kompensieren konnte – vor allem mit sehr viel taktischem Geschick am Sonntag. Das nötige Quäntchen Glück darf in einem solchen Rennen natürlich auch nicht fehlen.
Die weiteren Klassen
Wie schon mal erwähnt, wurde der Gold Cup maßgeblich vom Aston Martin von Verstappen.com Racing und dem McLaren von Garage59 bestimmt. Beide lieferten sich ein beinhartes Duell um den Sieg – alles in den Top10 des Gesamtfeldes. Erst acht Minuten vor Schluss wurde das Rennen entschieden, nachdem der McLaren von Adam Smalley, Frederik Schandorff, Dean Macdonald und Louis Prette einen Reifenschaden hatte, was den Sieg für Thierry Vermeulen, Chris Lulham und Harry King auf dem neunten Gesamtrang bedeutete.
Wie schon im ganzen Saisonverlauf ging es in allen Klassen sehr spannend zur Sache. Im Silver Cup konnte Walkenhorst Motorsport mit Romain Leroux, Oliver Söderström und Mateo Villagomez eine harte
Rennwoche abschließen, nachdem dieses Auto noch am Nürburgring acht Tage zuvor schwer beschädigt wurde. Die Abstände zu den Gegnern von Sainteloc und Century Motorsport sehen am Ende deutlicher aus, als sie über weite Strecken der Distanz waren. Der HRT Mustang fiel ähnlich wie der zweite Rowe BMW erst in den Schlussminuten auf dem dritten Klassenrang aus.
Im sehr umkämpften Bronze Cup konnte am Ende Kessel Racing mit Dustin Blattner, Zacharie Robichon, Conrad Laursen und Dennis Marschall im Ferrari gewinnen, nachdem sie lange gegen den Winward Mercedes von Daan Arrow, Rinat Salikhov, Gabriele Piana und Marvin Dienst gekämpft haben. Vor allem in diesem Jahr merkt man in der GTWC die Homogenität in den einzelnen Klassen, was zeigt, dass die seit 2023
geltenden Fahrereinstufungen einen sehr positiven Effekt auf das Multiclass-Racing in der Rennserie haben, was durch die Gleichheit des GT3-Feldes streng genommen gar keins ist.
Wenig mitbekommen hat man im Pro-Am Cup, der nur noch in Spa angewandt wird. Hier gewann am Ende der Porsche von Car Collection Motorsport mit Noam Abramczyk, Mathieu Detry, Fabian Duffieux und Bo Yuan. Das Mercedes-Sponsorenfahrzeug mit dem Hauptsponsor Crowdstrike rund im George Kurtz erreichte hier einen dritten Klassenrang.
Fazit
Neutral gesehen waren die 24 Stunden von Spa das Beste der drei großen Langstreckenrennen aus den letzten Wochen! Ein Rennen ohne BOP-Ärger im Vorfeld und Nachgang, ein Rennen ohne mehrstündige Entscheidungsfindungen der Rennleitung und ohne schwächelnde Organisationsverhältnisse war ein sehr willkommener Abschluss der zweiten Juni-Hälfte, der bei den anderen Endurance Rennen irgendwie einen faden Beigeschmack hinterlassen hat. Natürlich könnte man die Abläufe während der Neutralisationen etwas beschleunigen oder auch in Spa auf der immerhin sieben Kilometer Anlage mit Slow Zones agieren, aber besser wird dies in Le Mans oder der IMSA auch nicht gehandhabt. Was die letzten drei Wochenenden die Zuschauerrekorde alle gezeigt haben: Der Motorsport lebt wie eh und je, auch außerhalb der hochgejazzten Formel 1 – auch wenn dies in den deutschen Medien oft schlecht kommuniziert wird. Der Motorsport ist
beileibe nicht so tot, wie er im deutschen Mainstream oft geredet wird. Die aktuellen Langstreckenrennen sind dies- und jenseits des Atlantiks zu absoluten Motorsportfestivals für die ganze Familie geworden! Rein sportlich hätte das Rennen in Spa eine ähnliche Aufmerksamkeit wie die beiden anderen Events verdient. Hier spielt es natürlich eine Rolle, dass mit der SRO „nur“ eine private Orga dahintersteckt und dass das Rennen linear in den meisten Ländern nicht im Free TV läuft.
Vor allem möchte ich nochmal die BOP der 24 Stunden von Spa hervorheben. Die Tatsache, dass sich jeder Platzwechsel hart erkämpft werden musste, hat gezeigt, wie ausgeglichen die Autos waren. Alle Hersteller hatten ihre guten Phasen im Rennen, auch wenn der Lamborghini am Sonntag einen sehr guten, vielleicht sogar leicht überlegenen Speed hatte. Fünf Hersteller in der Führungsrunde sprechen eine deutliche Sprache. Der Polesetter konnte am Ende Sechster werden,
was den guten Speed und die überraschende Zuverlässigkeit des McLaren unterstreicht. Was bei BMW auffällig war: Rowe Racing hatte WRT überraschend klar im Griff und konnte mit beiden Autos ums Podium kämpfen, wovon WRT mit dem siebten und achten Gesamtrang weit entfernt war. Die große Enttäuschung der letzten Wochen ist vor allem Mercedes. Bei allem Langstreckenrennen spielte man in den letzten Renndritteln keine Rolle um den Gesamtsieg. Für die Mamba reichte es am Ende nur für den zehnten Gesamtrang, während man sechs AMG auf der Ausfallliste findet, obgleich unverschuldete Zwischenfälle wie bei Boutsen VDS immer passieren können. Einen Klassensieg konnte man dieses Jahr auch nicht holen. Es zeigt jedoch: Die Entwicklung des neuen GT3-Modells sollte nicht zu lange auf sich warten lassen. Im Gegensatz zu Audi konnte man über die Jahre ein bestehendes Modell nicht zuverlässiger und robuster
entwickeln, was bei Langstreckenrennen nicht unwichtig ist, wo Berührungen nicht ausbleiben.
In der Endurance-Meisterschaft sind nun Winward Racing mit Auer/Engel/Cairoli (dank der Teilpunkte nach sechs und zwölf Stunden), WRT mit De Wilde/K. van der Linde/Weerts und Rutronik mit Müller/Picariello/Niederhauser nur zwei Punkte getrennt. Die Rennserie macht in drei Wochen in Misano mit einem Sprint Wochenende weiter.
So, jetzt haben wir uns alle eine Sommerpause verdient, die durch einige Sprintchampionate wie dem GTWC Sprint Cup, der DTM oder dem GT Masters kompensiert wird!
Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=234&filter_race_id=&filter_text=)
