Es war heiß, aber leider auch langweilig, sieht man vom Kampf an der Spitze im ersten Stint ab.
McLaren ließ der Konkurrenz am Red Bull Ring keine Chance. Die Autos waren der Konkurrenz derartig überlegen, dass sie ab P6 alle anderen Autos überrundeten. Der Vorsprung im Mittel für die McLaren betrug rund eine halbe Sekunde im Renntrim. Aber auch in der Quali demontierte Norris die Konkurrenz und auch seinen Teamkollegen um fast eine halbe Sekunde. Niemand außer beiden McLaren-Fahrern hatte im Rennen eine echte Chance auf den Sieg.
Dass Norris nach seinem folgenschweren Fehler in Kanada so stark zurückschlagen konnte, dürfte die Fans des Briten beruhigen. Die mentale Schwäche, die man Norris zuschreibt, war jedenfalls in Österreich nicht zu sehen. Norris konnte, obwohl er das erste Training zugunsten eines Tests für Alex Dunn aussetzen musste, das gesamte Wochenende dominieren. Norris war immer genau dann schnell, wenn er musste. Und er erlaubte sich auch keinen Fehler.
Das Rennen war aber vor allem im ersten Stint nicht so einfach, wie Norris sich das erhofft hatte. Piastri hatte einen guten Start und schnappte sich den von P2 gestarteten Leclerc. Das war wichtig, denn der Ferrari hatte dank der neuen Updates einen guten Topspeed. Ohne zu zögern, setzte Piastri einen Angriff nach dem nächsten auf Lando Norris und ging sogar dank DRS kurz in Führung. Aber Norris schlug auf der folgenden Gerade wieder zurück und holte sich in einem sauberen Manöver die Spitzenposition zurück.
Das schöne Duell wurde dann durch die Boxenstopps beendet. Norris kam in Runde 21 an die Box. Das Team von Piastri entschloss sich dagegen, direkt in der Folgerunde zu kommen. Piastri blieb auch auf eigenen Wunsch vier Runden länger draußen, verlor aber genau in der Phase rund 5 Sekunden auf Norris. Piastri hoffte durch die etwas jüngeren Reifen diesen Abstand am Ende wieder zufahren zu können.
Im Mittelstint gelang das nicht, aber gegen Ende des Rennens schien der Offset von vier Runden doch etwas zu bewirken. Der Australier reduzierte einen Rückstand von etwas mehr als 5 Sekunden langsam aber sich und lag in den letzten Runden nur 2 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Doch der Überrundungsverkehr war dann Piastri im Weg, und Norris konnte den Sieg nach Hause fahren.
Im Ziel musste man dann lange warten, bis das nächste Auto auftauchte. Charles Leclerc kam 20 Sekunden später ins Ziel. Was einem Verlust von circa 0,4 Sekunden pro Runde entspricht. Dabei sah der Ferrari auf einer Strecke, die dem Auto normalerweise nicht so liegt, gar nicht so schlecht aus. Man hatte ein großes Update mitgebracht, das vor allem den Unterboden und die hintere Aufhängung betraf. Das scheint dem Ferrari etwas mehr Pace gebracht zu haben.
Dass die Ferrari besser unterwegs waren, konnte man auch an Lewis Hamilton sehen. Der lag in der Quali nur 0,09 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Das war der knappste Abstand zwischen beiden Ferrari, den man in diesem Jahr gesehen hat. Hamilton zeigte sich auch überaus zufrieden, da das Auto sich offenbar in seine Richtung geändert hat. Man wird die Rennen Silverstone und Spa abwarten müssen, ob der Trend auch Bestand haben wird.
Im Rennen lag Hamilton zwar zunächst knapp hinter Leclerc, konnte dessen Tempo aber nicht ganz halten. Den erste Stopp legten beide in Runde 26 beziehungsweise 27 ein. Der Zweite folgte in den Runden 49 und 50. Wobei Hamilton gerne noch länger draußen geblieben wäre. Der lag zu diesem Zeitpunkt rund 6 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Der längere letzte Stint hätte ihm am Ende frischere Reifen gegeben, aber die Box lehnte das Ansinnen des Briten vehement ab. Was nachvollziehbar, denn auch mit Reifen, die drei Runden jünger gewesen wären, hätte Hamilton den Rückstand kaum reduzieren können. Es blieb bei P4.
Russell sicherte sich mit satten 61 Sekunden Rückstand den fünften Platz. Er war chancenlos und vor allem der einzige Mercedes im Rennen. Denn Teamkollege Antonelli hatte sich in der ersten Runde verschätzt und war zu schnell in Turn 3 . Der Verbremser sorgte dafür, dass Antonelli zum Passagier im Cockpit wurde und in der Kurve dann Max Verstappen aus dem Rennen bugsierte. Auch das Rennen von Antonelli war damit vorbei. Ein miserables Wochenende für Mercedes, die aber auf dem heißen Asphalt eh kaum eine Chance hatten.
Hinter dem verbliebenen Mercedes hätte man eigentlich mindestens einen Williams erwartet. Doch der Traditionsrennstall hatte ein katastrophales Wochenende. Sainz hatte sich in der Quali den Unterboden beschädigt, was ihn aus der Quali warf. Im Rennen lief es noch schlechter: wegen eines technischen Defekts musste Sainz sein Rennen in der ersten Runde beenden. Bei Albon sah es fünf Runden besser, aber auch dann beorderte die Box ihn nach Hause, um das Auto abzustellen.
Gewinner der Kalamitäten der Williams war dann Liam Lawson, der sein bestes Wochenende des Jahres hatte. P5 war einerseits bemerkenswert, andererseits zeigte Lawson am Samstag und Sonntag eine bemerkenswerte Leistung. Er setzte den RB relativ problemlos in Q3. Im Rennen hatte RB eine interessante Strategie für Lawson.
Auf den Medium gestartet, schaffte er es, die Reifen bis Runde 33 auf dem Auto zu halten. Beim Stopp entschied man sich, die harten Reifen zu nehmen. Und bis zum Ende kam er mit seinem Auto auch nicht mehr an die Box. Die etwas unorthodoxe Ein-Stopp-Strategie sicherte Lawson aber einen hervorragenden sechsten Platz, den er allerdings in der gesamten zweiten Rennhälfte gegen Fernando Alonso verteidigen musste.
Der Aston tat sich schwer am Red Bull Ring, zeigte sich aber, wie schon in Kanada, dank des Updates deutlich verbessert. Zumindest, was das Auto von Alonso anging, der sich in den Punkten halten konnte. Stroll hatte dagegen mal wieder ein Wochenende zum Vergessen.
Der Spanier hatte ein gewohnt gutes Rennen und zeigte sich vor allem zu Beginn geduldig. Was daran lag, dass auch er auf einer Einstopp-Strategie war. Er lag knapp hinter Lawson als dieser in Runde 33 an die Box kam. Was dann allerdings die Chance auf einen Undercut verwehrte. Hatte aber auch nicht mehr genug gute Reifen, um die eine Runde ungestört ein paar Zehntel auf Lawson herauszuholen. Das gelang nicht und am Ende des Rennens hatte er auch noch mit Bortoleto zu kämpfen.
Sauber hatte erneut ein ungewohnt gutes Wochenende. Der Brasilianer schaffte es zum ersten Mal in der Saison nach Q3 und qualifizierte sich auf achten Platz. Da hätte man auch Nico Hülkenberg erwartet, aber der hatte im extrem engen Q1 einen Fehler gemacht und war mit der ersten Gruppe der Fahrer ausgeschieden.
Das Rennen lief aber deutlich besser, weil Sauber auf eine kluge Offset-Strategie gesetzt hatte. Hülkenberg war auf den Soft gestartet, was ihm auch ein paar Überholmanöver brachte. Aber auf der heißen Strecke gingen die Soft schnell ein. Sauber holte den Deutschen schon in Runde 13 rein und setze ihn auf Medium, die Hülkenberg bis Runde 44 auf dem Auto ließ.
Der Vorteil der Strategie – Hülkenberg fiel nach dem ersten Stopp in eine große Lücke ohne Gegner auf der Strecke und konnte so gute Zeiten fahren. Die Konkurrenz steckte meist in einem DRS-Train. Entweder hinter Gasly oder später dann Colapinto. Die Zeit, die der Sauber hier sparte, katapultierte ihn dann, nachdem die Konkurrenz an der Box war, auf P10, direkt hinter seinen Teamkollegen.
Durch den frühen ersten Stopp war er zwar gezwungen, schon in Runde 44 zu kommen, aber dies sicherte ihm den Platz in den Punkten. Sein Teamkollege hatte die frischeren Reifen und konnte sich absetzen, aber am Ende landeten beide Sauber in den Punkten. Sowohl die Fahrt von Bortoleto als auch die Hülkenberg waren auf ihre Art bemerkenswert. Bortoleto zeigte, dass der Sauber schnell genug war, um sich in den Punkten zu halten, Hülkenberg demonstrierte, dass der Sauber zumindest in Österreich schneller war als das restliche Mittelfeld.
Den letzten Punkt sicherte sich Esteban Ocon. Man hatte die Haas in Österreich etwas besser erwartet, aber dem Auto fehlte es an Topspeed, weil man für die schnellen Passagen im letzten Sektor etwas mehr Flügel fahren musste. Das machte das Rennen, vor allem im DRS-Train für die Haas-Piloten mehr als schwierig.
Ocon kam recht früh in Runde 19, was ihm aber einen ähnlichen Vorteil brachte, wie ihn Hülkenberg hatte. Er hatte freie Bahn und konnte ein paar Runden lang ungestört seine Pace fahren. Haas hielt Ocon dann bis in Runde 50 draußen und setzte ihn nach dem Stopp erneut auf die harte Mischung. Diese Strategie war gut gewählt, da Konkurrenten wie Hadjar weitaus früher an der Box waren. Die frischen Reifen halfen Ocon den zehnten Platz zu halten.
Die Alpine hatten ebenso wenig Chancen auf Punkte wie der verbliebene Red Bull mit Tsunoda am Steuer. Der Japaner hatte erneut ein schlechtes Wochenende. Sein Abstand in der Quali auf Verstappen betrug allerdings nur 0,2 Sekunden, was ein kleines Highlight war, aber auch nicht reichte, um ihn aus Q1 zu bringen. Im Rennen sah man den Japaner überhaupt nicht mehr. Sicher ist der Red Bull dieses Jahr nicht das beste Auto, aber Tsunoda am Ende auf dem letzten Platz zu sehen, kann auch nicht der Performance des Wagens entsprechen.
Nächste Woche geht es dann in Silverstone weiter. Da soll es dann deutlich kühler sein, was primär die Mercedes freuen wird.
































