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Formel Eins: Vorschau GP von Großbritannien 2025

von DonDahlmann
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Das Heimrennen für fast alle Teams steht vor der Tür. Und damit auch die Frage, wer die McLaren in diesem Jahr noch stoppen kann.

Man muss Zak Brown nicht mögen, aber was der Amerikaner in den letzten sieben Jahren bei McLaren geleistet hat, ist schon mehr als bemerkenswert. Das Team war nach Jahren des Missmanagements und internen Reibereien kurz davor, komplett auseinanderzufallen. Noch vor vier Jahren, im Winter 20/21 stand das Team kurz vor der Insolvenz und konnte nur durch weitere Investitionen aus Bahrain und Abu Dhabi gerettet werden. Und seitdem ging es für McLaren nur noch bergauf.

Vor vier Jahren schaffte man es kaum aus Q1 heraus, in diesem Jahr hat man Red Bull und Mercedes hinter sich gelassen. Norris oder Piastri haben die Chance, in diesem Jahr der erste Weltmeister seit 2009 zu werden, der nicht in einem Red Bull oder Mercedes sitzt. Allein das verdeutlicht die Leistung, die McLaren in den letzten erbracht hat.

Das ist natürlich nicht nur die Leistung von Zak Brown, sondern des gesamten Teams. Aber Brown war es, der die Bausteine dafür zusammengebracht hat. Dass er bei seiner Ankunft schon Andrea Stella vorfand, war ebenfalls ein Glücksfall. Der Italiener, von Ferrari rausgeworfen, startete als „Head of Race Operator“ beim Team und überlebte die diversen Reorganisationen im Team. Seit 2022 führt er das Team komplett an. Es ist auch Stella zu verdanken, dass das Team nun so erfolgreich ist.

Die WM in diesem Jahr ist bisher nicht gewonnen, aber McLaren dürfte vor allem in der Team-WM nur noch schwer zu schlagen sein. Kurz vor der Halbzeit der Saison hat man 207 Punkte Vorsprung auf das zweitplatzierte Team (überraschenderweise Ferrari). In der Fahrer-WM ist die Sache bisher nicht so klar, aber Piastri hat 61 Punkte mehr als Max Verstappen auf dem Konto und der Red Bull ist in diesem weit entfernt von der Form, die man in den vergangenen Jahren noch hatte.

Silverstone sollte eine Strecke sein, die dem McLaren liegen wird. Schaut man sich die Zeiten aus dem dritten Sektor des Red-Bull-Rings an, die Silverstone mit der Abfolge von schnellen Kurven sehr ähnlich ist, dann ist die Sache ziemlich klar. Der McLaren war allein dort im Rennen drei Zehntel schneller als die Konkurrenz.

Allerdings gibt es ein paar Variablen, die man beachten sollte. Das letzte Update der Ferrari hat dem Team viel gebracht, weil es die Instabilität des Chassis beseitigt hat. Sowohl Leclerc als auch Hamilton zeigten sich in Österreich sehr zufrieden, und die Tatsache, dass der Brite zum ersten Mal in der Saison wirklich auf Augenhöhe mit Leclerc war, beweist das auch. Ich würde Ferrari in Silverstone nicht abschreiben, sehe deren Chancen im Rennen auf den Sieg aber eher skeptisch.

Das gilt auch für Mercedes, die „Wundertüte“ des Jahres. In Kanada unschlagbar, in Österreich verlor man rund eine Sekunde pro Runde. Schuld daran war, laut Mercedes-Boss Wolff, die Entscheidung für ein experimentelles Setup. Zudem leidet der Mercedes weiterhin darunter, primär die Hinterreifen zu überhitzen, wenn die Asphalttemperaturen steigen. Das fiel in Kanada nur deswegen nicht so ins Gewicht, weil dort der Asphalt relativ sanft mit den Reifen umgeht und es wenig laterale Belastungen auf die Pirelli gibt. In Österreich ist genau das Gegenteil der Fall, was sich dann in der Performance zeigte.

Eine andere interessante Frage ist, warum Red Bull weiterhin so in einem Loch steckt. Sicherlich haben die personellen Verluste der letzten Jahre dem Team sehr zugesetzt. Es ist ja nicht nur der Verlust von Adrian Newey – auch Rob Marshall und Jonathan Weatley, Ecksteine des Erfolgs von Red Bull, sind seit Jahren nicht mehr im Team. Und das waren nur die prominenten Abgänge des Teams.

Doch die Chassis-Probleme sind nur ein Teil der Sorgen, die man hat. Ein größeres Problem scheint die völlige Konzentration auf Max Verstappen zu sein. Seit der Einführung der Ground-Effect Autos hat nur Sergio Perez einigermaßen mithalten können. In den letzten acht Monaten hat Red Bull drei Fahrer ausprobiert (Perez, Lawson, Tsunoda) die alle in anderen Autos bemerkenswert schnell waren, im Red Bull aber komplett untergehen.

Chassis und Setup sind voll auf die Fahrweise von Verstappen zugeschnitten und man kommt bis zur Einführung der neuen Aero-Regeln im nächsten Jahr aus der Falle auch nicht raus. Es ist schwer verständlich, dass Tsunoda in den ersten Rennen des Jahres den Sprung nach Q3 schafft und in die Punkte kommt, aber im eigentlich schnelleren Red Bull in Österreich nur auf dem letzten Platz landet.

Die Probleme bei Red Bull liegen deutlich tiefer und haben auch etwas mit dem Management zu tun. Die Entscheidung, sich in die totale Abhängigkeit von Verstappen zu begeben, war solch eine Entscheidung. Andere Teams waren da in der Vergangenheit vorsichtiger. McLaren setzte Alain Prost plötzlich Senna vor die Nase, Ferrari schaute, dass man Schumacher mit Barrichello und Massa zumindest auf den Zehenspitzen hielt.

Und so liegt die Schwäche von Red Bull nicht allein beim Chassis, sondern bei der Reihe von Entscheidungen, die zur jetzigen Situation geführt haben. Und egal wie gut Verstappen auch sein mag – gegen ein Team, das zwei gleichwertige Fahrer hat, verliert man den Konstrukteur-Titel immer.

Im kompakten Mittelfeld gab in den letzten Rennen etwas Bewegung. Williams halte ich weiter für das beste Team, aber die Briten haben gerade eine Phase, die Pech, Unvermögen und Fehler vereint. Das letzte Rennen war das beste Beispiel. Die Pace war eigentlich da, aber Sainz versemmelte die Quali. Albon lieferte zwar eine gute Leistung und lag in den ersten Runden sogar auf P6, musste aber wie Sainz das Auto dann abstellen.

James Vowles, der gerade einen neuen Vertrag bei Williams unterschrieben hat, sieht es so, dass die Fehler im Team (kein Team hat mehr technische Probleme) der Neuorganisation und den vielen neuen Mitarbeitern zuzuschreiben sind. Es fehlt noch an Abstimmung, es fehlt an Perfektion. Aber die Fehler, die man jetzt macht, kommen dann in der Zukunft nicht mehr vor. So zumindest die Hoffnung.

Aston Martin hat etwas geschafft, was man in den vergangenen Jahren nicht hinbekommen hat – das erste große Update des Jahres hat endlich mal gepasst. Seitdem hat Alonso sein Lächeln wiedergefunden und Aston den Weg zurück in die Punkte. Das ist schon mal ein Erfolg und zeigt, dass das Team endlich in die richtige Richtung arbeitet. Ich halte sie weiter etwas schwächer als Williams, zumal Lance Stroll in diesem Jahr weiter ein Komplettausfall ist. Ob das mit seiner Handverletzung zusammenhängt, ist dann wieder eine andere Frage.

Das dritte Team, das man an dieser Stelle erwähnen muss, ist Sauber. Ob die guten Ergebnisse der letzten beiden Rennen eine Ausnahme waren, muss man allerdings erst unter Beweis stellen. Immerhin – auch Sauber hat endlich mal wieder ein nennenswertes Update hinbekommen, was die Kritik an James Key etwas abmildern sollte. Drei Reorganisationen in zwei Jahren durch Audi werden auch nicht geholfen haben, aber seitdem Binotto da ist, geht es zumindest ein wenig aufwärts. Auch die Boxenstopps haben sich deutlich verbessert, was man dem neuen Teamchef zuschreiben muss.

Wenig los ist hingegen bei Alpine und Haas. Die Franzosen suchen immer noch einen neuen Teamchef und behandeln den zweiten Piloten im Team auch eher als Handelsware. Nach Doohan hat Colapinto auch nicht wirklich bessere Leistungen gezeigt. Nun sollen eventuell nach der Sommerpause Valterri Bottas oder Sergio Perez die Sache übernehmen. Beide sind auch bei Cadillac im Gespräch (neben Mick Schumacher) und die US-Amerikaner wären nicht undankbar, wenn einer ihrer Piloten noch ein paar aktuelle Erfahrungen ins Team bringen würde. Die Chancen für einen zweiten Wechsel im Team halte ich für relativ hoch.

Haas enttäuscht mich in diesem Jahr etwas. Von der Zusammenarbeit mit Toyota hatte ich mir etwas mehr versprochen. Aber vermutlich ist das Konstrukt aus Dallara (baut das Chassis), Ferrari (liefert Antrieb und Getriebe), Toyota (Aerodynamik) und der eigenen Entwicklung nicht gerade einfach. Das notorisch unterfinanzierte Team von Gene Haas bringt auch weniger Updates, als die Konkurrenz und man merkt, dass die anderen, allesamt gut finanzierten Teams, mehr Möglichkeiten haben. Ein Abfall der Leistung ist daher nur logisch.

Strategie

Pirelli ist erneut mutig und hat bei der Reifenwahl in diesem Jahr eine Stufe weicher gewählt. C2, C3 und C4 ist eine Kombination, die man in Silverstone bisher noch nicht gesehen hat. Was den Teams am Freitag einige Testarbeit abverlangen wird. Die Frage ist aber, ob das Wochenende nicht doch verregnet sein wird. Der Wetterbericht am Donnerstagmorgen zeigte sich noch unentschlossen. Die BBC vermeldet vor allem für Quali Regen und mögliche Schauer am Sonntagmittag. Das Met-Office der Regierung sieht dagegen gar keinen Regen. Es könnte also spannend werden.

Eine wilde Wettermischung in Silverstone ist nicht ungewöhnlich, und auch im letzten Jahr waren die Boxencrews ziemlich gut beschäftigt, weil man auch die Intermediates aufziehen musste. Sollte es trocken bleiben, werden wir vermutlich eine Kombination aus allen drei Mischungen sehen. So wie im letzten Jahr, als Hamilton für Mercedes auf den Soft gewann, Verstappen die schnellste Runde auf Hard drehte und Piastri die Spitze auf den Medium unter Druck setzte.

Da man dieses Jahr eine Stufe weicher unterwegs wird, sehe ich die Soft nur dann im Rennen, wenn die Streckentemperaturen um die 20 Grad liegen werden. Was das Rennen vermutlich zu einem Zwei-Stopp-Rennen machen wird. Start auf den Medium um sich die Option auf eine Ein-Stopp-Strategie offenzuhalten, danach dann Medium-Hard oder nur die Hard. Da der Undercut in Silverstone relativ stark ist, eröffnet das einige Möglichkeiten für die Strategen.

 

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