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Formel Eins: Vasseur, Seidl, Capito – Stühlerücken im Management

von DonDahlmann
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Selten hat man so viele Manager ihre Positionen wechseln sehen. Die Auswirkungen werden interessant.

Die Wege von Ferrari und Matteo Binotto haben sich bekanntermaßen getrennt. Sein Nachfolger, wenig überraschend, Frederic Vasseur. Aber auch in anderen Teams gibt es Wechsel an der Spitze. Bei Williams haben Jost Capito und sein Technik-Chef FX Demaison ihren Hut genommen und heute gab es die Meldung, dass Andreas Seidl McLaren verlässt und neuer CEO bei Sauber wird. Das wird dann wohl auch die neue Heimat von Capito und Demaison sein, was aber nicht bestätigt ist. Seidl wird bei McLaren durch Andrea Stella ersetzt. Vermutlich hätte man gerne auch Binotto gehabt, aber a) weiß man nicht, ob Binotto nicht für mindestens ein Jahr gesperrt ist und b) ob der überhaupt nach England ziehen wollen würde.

Bei Ferrari übernimmt also jetzt der ehemalige Sauber und Renault-Chef sowie ART-Gründer Frederic Vasseur. Ich habe nichts gegen Vasseur, ich mag ihn und ich finde, er hat bei Sauber sehr gute Arbeit geleistet. Immerhin hat mit einem schmalen Budget das Team aus dem Hinterfeld ins Mittelfeld geführt, Bottas in Team geholt und die Zukunft von Sauber/Alfa gesichert.

Bei Ferrari ist man wohl der Meinung, dass es besser ist, einen Außenstehenden ins Team zu holen. Jemand, der eben nicht seit über 20 Jahren bei Ferrari arbeitet und dementsprechend keine eventuell falschen Loyalitäten aufgebaut hat. Da Ferrari Motorenlieferant von Sauber ist und Charles Leclerc von Vasseur gefördert wurde, ist man wohl der Überzeugung, die richtige Wahl getroffen zu haben. Vasseur wird wissen, auf sich da einlässt und er ist erfahren genug, dass er sich von John Elkann volle Rückendeckung hat zusichern lassen. So wie man Vasseur kennt, wird er ein paar schnelle Veränderungen vornehmen, die eigentlichen Umstrukturierungen dann aber erst sukzessiv unternehmen.

Nicht weniger interessant ist der Wechsel von Andreas Seidl als CEO zu Sauber. Der ehemalige Chef der Porsche Le Mans Projekts hat bei McLaren in den letzten drei Jahren für eine Menge Bewegung gesorgt. Die lagen vor allem hinter den Kulissen, zum Beispiel bei der Entscheidung einen neuen Windtunnel zu bauen, einen neuen Simulator und weitere Verbesserungen in der Organisation. Die Ergebnisse, hauptsächlich in diesem Jahr, waren nicht so gut wie erhofft, aber der positive Trend ist nicht zu übersehen.

Seidl wird bei Sauber ab sofort die CEO Position einnehmen und damit ist dann auch klar, wer bei Sauber jetzt schon sagen hat: Audi. Ohne deren Einfluss wäre es nicht zu dieser Entscheidung gekommen. Ebenfalls klar ist, dass Audi nichts dem Zufall überlassen wird. Der offizielle Eintritt 2026 ist noch Jahre weg, aber die Ingolstädter wissen auch, dass es drei bis Jahre dauert, die Strukturen in einem Team so aufzubauen, wie man es braucht. Das soll Seidl erledigen, der vermutlich dann demnächst von Jost Capito unterstützt werden wird. Capito war mal VW Motorsport Chef, man kennt sich.

Bei McLaren wird Andrea Stella die Rolle des Team Chefs übernehmen. Der Italiener war bis 2015 bei Ferrari, wo er Renningenieur unter anderem von Fernando Alonso war. Der Spanier nahm ihn dann bei seinem Wechsel zu McLaren einfach mit. Dort ist er seit 2019 Racing Director. Im Grunde war es bisher ein Triumvirat aus Seidl, Designer James Key und Andrea Stella, die unter Zak Brown das Team geleitet haben. Stella trat öffentlich aber auch als eine Art Stellvertreter von Seidl auf. Von daher ist seine Beförderung keine Überraschung und bei McLaren wird die Stelle des Racing Directors vermutlich auch intern neu besetzen.

Ein Verlust ist Andreas Seidl für McLaren aber natürlich schon. Es ist schwer, Ingenieure zu finden, die auch im politischen und medienwirksamen Ränkespiel der Formel Eins erfolgreich sein können. Seidl hat zudem in verschiedenen, hochkompetitiven Klassen bewiesen, dass er zu Besten im Motorsport gehört. Aber die teaminterne Lösung dürfte McLaren nicht sonderlich schwächen.

Ganz anders ist die Situation bei Williams. Der Verlust des Team- und des Technik-Chefs gleichzeitig, die beide gerade einmal knapp zwei Jahre da waren, dürfte Williams hart treffen. Auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass das Jahr 2022, das erste Jahr in dem vor allem Demaison verantwortlich für das Auto war, nicht gerade gut gelaufen ist. Bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten und das vermutlich geringere Budget bei Williams – das Team war schlechter als in der Saison 2021. Nachdem man einsehen musste, dass auch das massive Update zur Mitte der Saison nicht allzu viel brachte, hat man das Jahr 2022 komplett abgeschrieben und sich auf das Jahr 2023 konzentriert.

Für Dorilton Partner, die Besitzer des Teams, stellt sich aber jetzt mitten im Winter die Frage, wie man beide ersetzen will. Mattia Binotto wird wohl kaum zu Williams wechseln. Das Team steckt damit in einem Dilemma und vor allem Dorilton wird sich fragen müssen, wie es weitergehen soll. Die Ära Capito, die man für lange Jahren haben wollte, ist gescheitert, erfahrene Teammanager wachsen nicht gerade auf Bäumen und sind leicht zu finden. Ein „weiter so“ geht nicht, aber wer soll das Team in seinem Aufbauprozess begleiten?

Bilder: Sauber, Ferrari, Williams

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