Home Formel EinsF1Formel Eins: Saison 2022 Haas F1 – Stark angefangen, stark nachgelassen

Formel Eins: Saison 2022 Haas F1 – Stark angefangen, stark nachgelassen

von DonDahlmann
1 Kommentare 4 minutes read

Haas gehörte zum Start der Saison zu den Überraschungen im Feld. Doch der Schwung war schnell raus aus dem Team.

Das Haas zu den sympathischen Teams im Feld und die Pole Position in Brasilien war mehr als verdient. Einen großen Teil der Popularität des Teams kommt durch den Teamchef Günter Steiner. Der Südtiroler ist bekannt für seine deutliche Sprache und die „Drive to survive“ Serie auf Netflix hat Steiner zu einem Star gemacht. Das tut der Formel Eins gut, aber natürlich auch dem Team. Denn dessen Leistungen waren in diesem Jahr meist nicht so, dass Haas im Zentrum der Aufmerksamkeit hätte stehen sollen.

Das Team startete mit einem Problem in die neue Saison. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen sorgten für das Aus von Nikita Mazepin beim Team. Haas reaktivierte Kevin Magnussen, der nach nur einem Testwochenende im Haas sofort gute Ergebnisse ablieferte. Der Weggang von Mazepin war fahrerisch kein Verlust, allerdings dürfte das fehlende Geld vom Vater des Russen dem Team in diesem Jahr gefehlt haben. Was eventuell auch die abfallenden Leistungen im Jahr erklärt.

Es dauerte lange, bis Haas das erste Update am Auto hatte. Sehr lange. Erst im Sommer kam ein größerer Umbau des Chassis, aber da hatte Haas schon so viel Entwicklungszeit verloren, dass das Mittelfeld sich abgesetzt hatte. Dazu kam, dass das Update auch nicht wirklich den Schritt nach vorn brachte, den man sich erhoffte. Es brachte, nach einigen Rennen, zwar eine Verbesserung, aber keinen Durchbruch. Die Ergebnisse zum Start der Saison ließen sich nicht mehr wiederholen. Ob es nun allein am mangelnden Geld lag oder ob die technische Entwicklung bei Haas nicht so gut, wie sie sein sollte, ist schwer zu sagen. Sicher ist, dass das Team Potenzial hat, es aber nicht ausschöpfen kann.

An Kevin Magnussen lag es zumeist nicht. Der Däne stellte erneut unter Beweis, dass er zu den besseren Fahrern im vorderen Mittelfeld gehört. Wenn ein vernünftiges Auto hat, kann er vorn mithalten und seine Pole zeigte, dass er in der Lage ist, die seltenen Momente zu nutzen, die ihm gegeben werden. Nicht jeder schafft es solche Chancen zu nutzen, aber Magnussen gelingt genau das. Was ihn wertvoll für Teams aus dem Mittelfeld macht, wo jeder Punkt das Budget erhöht.

Mick Schumacher gelang das nur selten. Ja, er hatte die guten Rennen in Silverstone und Österreich, ein paar gute Ergebnisse in der Quali gab es auch. Aber das war zu wenig für einen Fahrer, für den sich andere Teams interessieren sollen. Man kann es drehen und wenden, wie man will – in diesem Jahr war Schumacher nicht gut genug, um einen Verbleib in der F1 zu rechtfertigen.

Schumacher hatte schon immer zwei Schwachpunkte. Erstens: er lernt methodisch, aber langsamer als andere Fahrer. Zweitens: er hat eine Schwäche in der Quali. Mit beiden Punkten hatte er in diesem Jahr erheblich zu kämpfen. Dass Magnussen ihn vor allem in der ersten Saisonhälfte schlug, Schumacher aber meist besser gegen Ende der Saison war, macht das deutlich.

Im Rennen sah die Sache oft anders aus, hier gelang Schumacher das Tempo zu halten und oft besser zu sein. Wären da nicht seine komplett eigen verschuldeten Unfälle gewesen. Drei völlig zerstörte Chassis und der Crash mit Vettel in Miami waren im Zusammenspiel mit den Leistungen einfach zu viel. Dass er offenbar mit Günter Steiner nicht zu Recht kam, wird nicht geholfen haben.

Ist er gut genug für die F1? Schwer zu sagen. Ich hätte ihn gerne im Williams gegen Albon gesehen. Aber die Briten haben sich für einen Rookie entschieden, was vielleicht auch schon etwas aussagt. Seine Chancen in die F1 zurückzukehren halte ich im Moment für gering. Vielleicht heuert ihn Mercedes als Testfahrer an, vielleicht bugsiert ihn Audi 2024 ins Sauber Team. Das dürften seine realistischen Chancen sein.

Dass sich Haas für Nico Hülkenberg entschieden hat, ist, angesichts der Historie des Teams, wenig überraschend. Hülkenberg überzeugte bei all seinen sporadischen Einsätzen in den letzten Jahren und das Team erwartet vom Deutschen vermutlich zwei Dinge. Seinen bekanntermaßen guten Input bei der technischen Entwicklung und seine robusten und bisweilen grandiosen Rennen. Haas braucht zwei Fahrer, die fahrerisch nahe beieinander liegen und Punkte holen können. Und da haben sie offenbar mehr Vertrauen in Hülkenberg als in Schumacher.

Bilder: Haas F1

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1 Kommentare

nona 13 Dezember, 2022 - 16:23

Das mit dem „lernt langsamer als andere Fahrer“ ist natürlich richtig, und das war bei ihm in der Tat schon immer der Fall. Andererseits ist das allerdings auch nur ein netter Euphemismus für „ist jetzt nicht so wirklich mit Talent gesegnet“ auch wenn speziell die deutsche Medienlandschaft das gerne anders sieht. Durch alle Nachwuchsserien hindurch sass er quasi immer in absoluten Top-Cockpits der Frontrunner Teams, und hat trotzdem im jeweils ersten Jahr seeehr sehr viel Zeit mittelprächtig im Mittelfeld gebraucht, um im zweiten Jahr so gaaanz ganz langsam etwas mehr in Fahrt zu kommen. Mehr als gelegentliche Leistungsausrutscher nach oben waren und sind da nie gegeben. Und dennoch – niemand weiss warum (hüstel) – ist er immer verlässlich in die nächst höhere Klasse in die nächsten Top-Teams gerutscht, obwohl er nie das Bild eines natürlichen Durchstarters oder offensichtlichen F1-Kandidats abgab. (Könnte das möööglicherweise, so ganz eventuell, nahezu ausschliesslich mit dem familiären und monetären Background zu tun haben? Hüstel hüstel.) Und ja, das IST zu wenig für einen Fahrer, für den sich andere Teams interessieren sollen. Da gibt es offentsichtlichere Fahrerkandidaten, die weit mehr drauf haben und schon immer hatten, nur halt nicht zufällig diesen Nachnamen aufweisen können. Selbst Toto Wolff – der alte PR-Profi – hat es hinbekommen, ihm absichtlich oder versehentlich ein eigentlich beschämendes backhanded compliment auszustellen, quasi aufgrund der engen Verbindung des Hauses Mercedes zur Familie Schumacher hätte man sicher irgendeinen Platz als Reservefahrer für ihn falls niemand sonst ihn will. Lies: nicht weil er so ein toller Fahrer wäre… Man kann nur für ihn hoffen, dass er genug Rückgrat besitzt, so ein Angebot dankend abzulehnen.

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