Nach dem aufregenden Auftakt am Lausitzring mit zwei 80 Minuten Rennen ging es in den Niederlanden ins zweite Wochenende mit dem gewohnter Stundenformat. Erneut zeigte die Rennserie, dass ein überschaubar großes Starterfeld kein Hindernis für sehr unterhaltsame Rennen sein muss.
Die interessanteste Meldung der letzten Tage gleich zu Beginn. Der ADAC setzt seine maximale Reichweitenstrategie fort und konnte einen neuen TV-Partner gewinnen. Ab dem Zandvoort-Wochenende überträgt Sky alle Rennen live oder in voller Länge zeitversetzt. Der Deal gilt auch für die GT4 Germany, die in Zandvoort nicht dabei war. Damit sind weiterhin alle Läufe im linearen Fernsehen zu sehen, obwohl Sport1 im Free-TV offenbar nur noch mit den Sonntagsrennen plant. Alle anderen Streamingmöglichkeiten sind davon unberührt. Auch beim Übertragungspersonal gibt es keine Unterschiede. Alle TV-Stationen übernehmen die ADAC-Übertragung mit den Interviews von Tobi Schimon und dem Kommentar von Patrick Simon und meist Frank Hufstadt als Co-Kommentator.
Samstag
Die erste Qualifikation zeigte die Begleitumstände, die das gesamte Wochenende herrschen sollte, nämlich viel Regen. Nachdem sich die Zeiten stetig verbesserten, beendete eine vorzeitige rote Flagge durch einen Abflug von Jonathan Cecotto im Mustang die Qualifikationssession. Hinter Jannis Fittje im einzigen Mercedes konnte sich überraschend im Engstler Lamborghini Emil Gjerdrum als Pro-Am-Fahrzeug qualifizieren. Mit Simon Connor Primm für Paul Motorsport und dem belgischen Neuling Baptiste Moulin als Ersatz für Dante Rappange waren sogar drei Huracan in den besten Fünf.
Rennen 1
Das Rennen startete bei trockenen Bedingungen, was unmittelbar nach einem wilden DTM-Lauf nicht zu vermuten war. Dennis Bulatov im Audi verlor in der Startrunde seinen dritten Platz an Moulin und dem Tabellenführer Simon Birch im Porsche von Razoon more than racing. In der ersten Rennphase fiel neben dem Scherer Audi auch der Land Audi mit Alain Valente zurück, während im Verlauf des Stints der BMW von Schubert mit den Holzem-Zwillingen und der FK BMW mit Tim Zimmermann auf die vierten und fünften Positionen fuhren.
Fittje und Primm setzten sich scheinbar ungefährdet vom Feld ab. Doch dem Schnitzelalm-Team ging es ähnlich wie ausgerechnet der Mannschaft von Paul Motorsport am Lausitzring, dass die souveräne Führung
schnell dahin war. Wie schon nach der Qualifikation befürchtet wurde, kam es zu einem mehrsekündigen Motoraussetzer wegen Problemen an einem Relais der Benzinpumpe, weshalb Fittje vor der Arie Luyendyk Bocht das ganze Feld vorbeilassen musste. Damit war es erstmal leichtes Spiel für die Paul-Truppe, die beim vorherigen DTM-Lauf mit dem erfolgreichen Strategiepoker von Maximilian Paul eines der besten Rennen ihrer bisherigen Teamgeschichte hatten. Dahinter wurden die BMW jedoch immer stärker, wodurch Holzem und Zimmermann noch vor dem Stoppfenster den Razoon Porsche von der zweiten auf die vierte Positionen verdrängten. Für die Holzem-Zwillinge war es das sicherlich beste Rennen ihrer GT3-Laufbahn. In Bezug auf den Rennspeed waren die BMW an diesem Wochenende nicht zu schlagen, wohl auch aufgrund einer sehr „vorteilhaften“ Einstufung am Ladedruck.
Die Stopps brachten an der Spitze keine Veränderungen. Nun sollte auch der dritte M4 Evo im Bunde noch stark aufkommen, nämlich Eduardo Costeng im zweiten BMW von FK Performance. Dieser reihte sich hinter seinen beiden Markenkollegen ein und ging an Simon Birch ebenfalls vorbei. Allgemein hatten die Porsche im Rennspeed ein hartes Wochenende an der Küste.
Im Kampf ums Podium ging Leyton Fourie nach der Übernahme von Tim Zimmermann am Schubert BMW der Holzem-Brüder vorbei. Danach sollte nochmal zusätzliche Würze in ein ohnehin sehr unterhaltsames Rennen kommen: Der Schnitzelalm-Mercedes stand erneut mit dem vorherigen Problem am Streckenrand, dieses Mal zwischen Tarzan- und Gerlachbocht. Nun kam es zu einigen Kuriositäten. Zunächst entschied die
Rennleitung auf Full-Course-Yellow. Der auf der fünften Position liegende Leo Pichler hatte gravierende technische Probleme und hielt das Feld logischerweise massiv auf, da er kaum die notwendige Maximalgeschwindigkeit halten konnte. Als sich das Problem gelöst hatte, schickte die Rennleitung – ganz im GTWC-Style – das Safety-Car raus, möglicherweise zum Schließen der aufgerissenen Lücke zwischen der fünften und sechsten Position.
Das Rennen wurde nochmal für zwei Runden „scharfgeschaltet“, was noch zu einem engen Kampf zwischen Finn Zulauf und Leyton Fourie führte, den der Deutsche für sich entschied. Für Paul Motorsport ein irrer Tag nach dem DTM-Podest zuvor! Hinter ihnen waren mit Fourie, Holzem und Coseteng wie erwartet drei
weitere BMW, hinter denen sich die drei HRT Mustangs einsortierten. Die Pro-Am-Wertung ging nach dem starken Qualifying an das Engstler Auto mit Gjerdrum/Karklys, da der Fach Porsche in der vorletzten Runde in der Hans Ernst Bocht zu weit über den Kerb fuhr, was eine Beschädigung nach sich zog.
Ganz objektiv gesehen, war es eines der besten Rennen der letzten Jahre, vor allem in den ADAC-DTM-Jahren. Bleibt doch zu hoffen, dass der neue TV-Deal vielleicht manch neuen Fan zur Rennserie brachte.
Sonntag
Kurz nach Beginn der Session führte einsetzender Regen zu sich minütlich veränderten Bedingungen. Nach dem Sieg von gestern, dafür noch ohne die 20 Kilo Erfolgsbalast fuhr Finn Zulauf die Pole. Hinter ihm waren alle gut gemischt mit Porsche (Fach), Audi (Hantke), Ford (Wiebelhaus), BMW (Fourie) und Mercedes (Wiskirchen). Der BMW der Holzem-Zwillinge wurde disqualifiziert, da die Reifen zu früh aufgezogen waren. Man kann jede Saison die Uhr danach stellen, wann es mal jemand mit diesem Problem erwischt.
Rennen 2
Dieses Mal fuhr man wegen der anderen DTM-Startzeit vor dem Hauptprogramm, während es zunächst trocken ins Rennen ging. Der Mustang von Finn Wiebelhaus kam wegen einem Defekt an der Antriebswelle nicht weg und verursachte auf seiner in Fahrtrichtung linken Startreihe ordentlich Chaos. Unter anderen fuhren der Schnitzelalm Mercedes, der Schubert BMW und der Engstler Lamborghini von Szymon Ladniak auf. Wie durch ein Wunder wurde jedoch ein größeres Chaos verhindert und selbst ein Safety-Car musste nicht rausgeschickt werden.
Schon in den ersten Rennminuten wurde deutlich, dass ein Rennen ohne BMW-Sieg überraschend geworden wäre. Wie schon am Samstag angesprochen, schien die Rennpace im Sinne einer guten BOP zu überlegen gewesen zu sein, was die Vermutung zulässt, dass die M4 Evo eine zu gute Einstufung beim Ladedruck hatten, so ausgeglichen das Bild in der Qualifikation auch
gewesen sein mag. Das Feld blieb bei einsetzendem Regen zunächst eng zusammen, was jedoch keine Reifenwechsel zur Rennmitte bringen sollte. Finn Zulauf im Paul Lamborghini hatte mit den 20 Kilo Platzierungsgewicht massiv zu kämpfen und verlor die Führung bereits nach zehn Minuten gegen die beiden BMW von FK Performance mit Leyton Fourie und Eduardo Coseteng. Danach dominierten sie das Rennen, vergleichbar mit der Schubert-Dominanz, die Rast und Wittmann beim anschließenden DTM-Rennen zeigten. Auch die Holzem-Zwillinge schafften es zwischenzeitlich ins Mittelfeld.
Vor dem Stoppfenster kamen auch Alexander Fach und Niklas Kalus an Zulauf vorbei. Der Fach-Porsche befand sich ein Schlagdistanz, um die Gesamtführung durch seinen zehn Sekunden kürzeren Stopp zu übernehmen. Durch das eng zusammengebliebene Feld kam sogar der zweite Pro-Am-Wagen von Karklys/Gjerdrum bis auf den vierten Platz hinter nun
Schwarzer/Zimmermann und Hanses. Wie erwartet gingen die beiden BMW recht schnell an Schwarzer vorbei, der als Trophy-Pilot immer noch im Verlauf seiner Stints zurückfällt. Kurz darauf ging auch Gjerdrum vorbei, was den Pro-Am-Sieg für Engstler Motorsport auch im zweiten Rennen bedeutete. Ein typisches Bild für Rennen in Zandvoort: Manche Autos sind je nach Einstufung kaum zu überholen, was ab der fünften Position mit Max Reis im Mustang zu sehen war, der mindestens fünf bis sechs Piloten dicht hinter sich hatte.
Vorne lieferten sich die beiden FK-Teamkollegen Tim Zimmermann und Julian Hanses ein engeres Duell als erwartet, was auf freies Fahren innerhalb der Mannschaft schließen ließ. Am Ende gab es jedoch keine Veränderungen mehr und sie kamen zwölf Sekunden vorm drittplatzierten Engstler-Lamborghini ins Ziel, der gleichzeitig die Pro-Am-Wertung gewann.
Die Pace von Gjerdrum/Karklys muss man nochmal herausstellen. Selbst ohne die zehn Sekunden Vorteilnahme beim Stopp wären sie in der Theorie Dritte geworden mit mehr als 14 Sekunden Abstand auf den nächsten Lamborghini von Zulauf/Primm, die nach dem schwierigen Startstint noch Schadensbegrenzung betrieben. Auch Schwarzer schlug sich wacker mit dem sechsten Gesamtrang und konnte einige Gegner wie Jannes Fittje oder Dennis Bulatov hinter sich lassen.
Fazit
Der Porsche von Razoon more than racing konnte trotz eines schwierigen Wochenendes die Gesamtführung
behalten, während die beiden BMW von FK Performance nun direkt dahinter sind. Damit ist in der sehr kompakten Saison auch schon ein Saisondrittel gefahren. Als nächstes geht es zu jenem Rennen, was in den letzten Jahren zweifelsohne als Saisonhighlight bezeichnet werden kann. Zum einen aufgrund der hohen Besucherzahlen, zum anderen aufgrund von Gaststartern, die sich in den letzten beiden Jahren die Ehre gaben. Beim Truck Grand Prix am Nürburgring Mitte Juli.
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,3215,3357)
