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24h Le Mans 2025: Vorschau Prototypen – Ferrari gegen alle

von DonDahlmann
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Es ist Juni, es ist Le Mans. Und in diesem Jahr wird das 24-Stunden-Rennen vermutlich noch enger werden, als in den Jahren zuvor.

Bevor es zur Vorschau geht, eine Ankündigung: Wir sind auch in diesem Jahr wieder 24-Stunden live mit einem Ticker dabei. Los geht es am Samstag um kurz nach 15.00 Uhr (Rennstart um 16.00 Uhr).

21 Prototypen von acht Herstellern werden in diesem Jahr wieder an den Start gehen, und das Feld der Favoriten ist wie immer groß. Aber bekanntermaßen entscheidet am Ende die BoP darüber, wer in Le Mans eine Chance hat. Die sieht in diesem Jahr etwas verwirrend aus, weil der ACO sich dazu entschlossen, dem in diesem Jahr in der WEC schon zweimal siegreichen Ferrari einen leichten Schub in der BoP zu geben. Weniger Gewicht und mehr Leistung bekommen die 499P, was in Anbetracht der Dominanz der Marke in diesem Jahr schon etwas merkwürdig erscheint. Aber zum einen ist die vor dem Test und der Quali veröffentlichte BoP nicht das letzte Wort (der ACO passt die BoP oft noch am Freitag vor dem Rennen an) zum anderen hat man die Konkurrenz auch befördert.

Grundsätzlich sollte die Situation am Wochenende einigermaßen ausgeglichen sein. So stark waren die Ferrari im letzten Jahr auch nicht. 14 Sekunden lag der siegreiche Ferrari mit Fuoco, Nielsen und Molina vor dem zweitplatzierten Toyota, der vor allem in der Schlussphase das schnellere Auto war. Insgesamt lagen am Ende neun Autos in der Führungsrunde (auch dank diverser Wave Arounds) und es steht zu vermuten, dass der ACO auch in diesem Jahr wieder gerne so ein knappes Rennen sehen würde. Es schadet den Einschaltquoten sicher nicht, wenn sich zu Ferrari und Toyota in diesem Jahr noch andere Marken gesellen.

Bevor wir auf die Teams schauen, hier die BoP (Stand vor dem Test) für dieses Jahr. Wie man sehen kann, gibt es im Vergleich zu letztem Jahr einige signifikante Änderungen. „Belohnt“ wurden vor allem: Toyota, Cadillac, Alpine und, etwas überraschend, Ferrari.

Aston Martin
007 – Harry Ticknell, Tom Gamble, Ross Gunn
009 – Alex Riberas, Marco Sorenson, Roman de Angelis

Aber fangen wir mal mit den Prototypen an, die man eher nicht vorn sehen wird. Da muss man (leider) als Erstes die Aston Martin nennen. Das neue Auto ist noch bei weitem nicht in der Lage die Pace an der Spitze mitzugehen, und das Team freut sich schon, wenn beide Valkyrie ohne Probleme ins Ziel kommen. Dementsprechend hält Aston den Ball auch schön flach. Man wird in der Startaufstellung hinten stehen und im Rennen die ersten sein, die eine Runde verlieren. Für Aston wäre es schon ein Erfolg, wenn sie beide Autos in die Wertung bekommen.

Es ist aber auch nicht so, dass die Aston langsam wären. Ja, es fehlt die Pace nach vorne, aber die Autos haben in den paar Rennen, in denen sie bisher unterwegs waren, deutlich an Tempo zugelegt. Ein gutes Beispiel war das letzte Rennen in Spa. Es fehlten zwar zwei Sekunden auf die Pole, aber im schnellen ersten Sektor, der Le Mans stark ähnelt, lag man nur zwei Zehntel zurück. Die meiste Zeit verlor man im zweiten Sektor, der in etwa vergleichbar mit den Porsche-Kuven in Le Mans ist. Das Auto verlor satte 1,5 Sekunden allein in diesem Sektor.

Ähnliches wird man in Le Mans beobachten können. Bis Indianapolis dürfte der Wagen bei der Musik dabei sein, danach ist dann Schluss. Der gute Topspeed des Aston dürfte also zwei Dritteln der Strecke sichtbar. Aber wenn der Aston in Le Mans rund zwei Sekunden pro Runde verliert, hat er angesichts der Konkurrenz natürlich auch keine Chance auf eine Überraschung.


Peugeot
93 – Paul di Resta, Mikkel Jenson, Jean-Eric Vergne
94 – Loic Duval, Malthe Jackobsen, Stoffel Vandoorne

Das gilt auch für die Peugeots, die im zweiten Anlauf in Le Mans starten. Der mittlerweile stark überarbeitete 9×8 wird aber in diesem Jahr nicht vorn zu sehen sein. Zum einen, weil Peugeot nicht viel über in den Winter in den Wagen investiert hat, zum anderen, weil der ACO, warum auch immer, die Franzosen bei der BoP abgestraft haben. Entweder man hat weiter Angst davor, dass die Peugeots auf den langen Geraden zu dominant sein könnten, oder es ist wieder so eine ACO vs. Hersteller Sache. Grundsätzlich war die harte Einstufung in der BoP für die Chancengleichheit auf der Strecke nicht hilfreich, aber die Autos wären auch mit einer besseren BoP nicht um den Sieg gefahren.

Dabei hat sich der Peugeot durchaus verbessert. Das Auto zeigt zumindest zeitweise einen relativ guten Speed und die technischen Probleme hat man in den Griff bekommen. Doch das überarbeitete Konzept des Autos passt immer noch nicht. Das Chassis war ausgelegt, ohne Heckflügel unterwegs zu sein, was man dann im vergangenen Jahr angepasst hat. Herausgekommen ist dadurch eine Hybrid-Variante. Man hat weiterhin Schwächen beim Abtrieb, wie man auch in Spa sehen konnte. Hier verlor der Peugeot über eine Sekunde im zweiten Sektor und war auch noch langsamer als die Aston Martin.


Alpine
35 – Paul-Loup Chatin, Ferdi Habsburg, Charles Milesi
36 – Mick Schumacher, Fred Makowiecki, Jules Gunon

Damit sind die Verlierer der Kategorie auch durch. Der Rest sollte eine Chance auf den Sieg und das Podium haben. Dazu zählen auch die Alpine, die auf jeden Fall das Podium im Auge haben. Das ist den Franzosen schon in Spa gelungen und auch wenn das Rennen dort arg von Safety Cars zerrissen war und ein bisschen Glück dazu gehörte – das Tempo der Alpine stimmt. Und auch die Fahrer sind gut genug für ein Podium.

Das Team macht aus seinem schmalen Budget mehr, als man erwarten dürfte, und erfreut den Mutterkonzern mit erfreulichen Ergebnissen. Der Schwachpunkt des ansonsten guten Autos ist sicher der auch in der F2 eingesetzte Mecachrome V634 der nicht immer so zuverlässig scheint. Zwar hat Alpine den Motor überarbeitet und Ausfälle sind nur selten zu beklagen, aber Kleinigkeiten passieren dann doch immer wieder. Und die kann man sich in Le Mans selbstverständlich nicht leisten. Jede Sekunde, die man ungeplant an der Box verbringt, ist nur schwer auf der Strecke wieder aufzuholen.

Aber Alpine sind für mich in diesem Jahr durchaus ein „dark horse“, was sie im Übrigen auch schon im letzten Jahr mal andeuteten. Wenn das Rennen passt, die Technik hält und es Probleme bei den insgesamt 5 Autos von Ferrari (3) und Toyota (2) gibt, dann kann sich Alpine tatsächlich nach vorn schieben. Schon ein Ergebnis in den Top 5 wäre eine kleine Überraschung.


Cadillac
Jota
12 – Will Stevens, Norman Nato, Alex Lynn
38 – Earl Bamber, Sebastian Bourdais, Jenson Button

WTR
101 – Ricky Taylor, Jordan Taylor, Felipe Albuquerque

Action Express (Whelen)
311 – Jack Aitken, Felipe Durgovich, Frederik Vesti

Gleich vier Autos bringt GM in diesem Jahr nach Le Mans, nachdem Jota die Porsche 963 zugunsten der Cadillac eingetauscht hat. Das erhöht die Chancen aber natürlich nur, wenn die Cadillacs auch in Le Mans in Gang kommen. Die Saison verlief in diesem Jahr aber eher enttäuschend, und viel sollte man sich von Autos nicht erwarten. Platz 5 und 6 gab es in Spa, was immerhin ein kleines Highlight war. Aber die Cadillacs haben nicht die besten Voraussetzungen für ein Top-Ergebnis in Frankreich.

Für Jota sind die Autos neu und man muss sich erst noch auf die einstellen. Im vergangenen Jahr hat man gesehen, dass das Team zwar in der Lage war die Porsche auf Tempo zu bekommen, und Erfahrung in Le Mans hat man auch. Für Jota spricht zudem, dass das hervorragende Ergebnis in Spa mit deren Autos erreicht wurde. Aber Le Mans ist für Autos ohne Hybrid nicht das beste Pflaster. Top 5 wäre schon etwas über den Möglichkeiten des Autos.

WTR und Whelen sind fahrerisch stark aufgestellt und bringen viel Erfahrung aus den USA mit. Aber es fehlt an Praxis in Le Mans. Man reist sicher nicht nur an, um eine nette Zeit in Frankreich zu haben, aber vorn erwarte ich beide Teams nicht. Auch wenn der Whelen im letzten Jahr bis zu seinem Unfall ein gutes Tempo zeigte.

Ein weiteres Fragezeichen muss man hinter die Technik stellen. Die sollte eigentlich ausgereift sein, macht aber dennoch immer wieder mal Probleme. Auch wenn Cadillac dieses Jahr vier Autos hat, mehr als Top 10 sehe für sie nicht.


BMW
15 – Dries Vanthoor, Raffaele Marciello, Kevin Magnussen
20 – René Rast, Robin Frijns, Sheldon van der Linde

Die BMW sind etwas schwer einzuschätzen. Sie haben einen guten Speed über einen halben Stint, fallen dann aber meist ab. Das größte Problem war in der Vergangenheit, dass die Rundenzeiten primär in der letzten Hälfte eines Doppelstints einbrachen. Der Reifenverschleiß war seit dem ersten Rennen des Autos die Achillesferse des Chassis. Und genau das ist in Le Mans natürlich ein Problem. Man muss entweder eine härtere Mischung als die Gegner fahren, oder die Rundenzeiten insgesamt etwas höher ansetzen.

Wie zuvor erwähnt, langsam ist das Auto nicht und gewinnen kann man damit auch, wie in der IMSA gezeigt hat. Das beste Ergebnis in diesem Jahr war ein zweiter Platz in Imola, wo man nur haarscharf an einem Sieg vorbeischrammte. Auch der vierte Platz in Katar zum Saisonauftakt war in Ordnung. Doch beim wichtigen Testrennen in Spa lief es alles andere als gut. Mehr als P10 war für die BMW nicht drin. Was meine Bedenken für Le Mans weiter unterstreicht. BMW wird darauf hoffen, dass das Rennen möglichst viele Unterbrechungen hat. Das würde dem Team dabei helfen, die Reifen über die Distanz zu bringen.

Ich würde BMW wünschen, dass sie so lange wie möglich in der Spitzengruppe unterwegs sind und sich die Chancen auf einen Sieg wahren. Das Team hat in den vergangenen 12 Monaten aus einem nur schwer fahrbaren Auto einen echten Konkurrenten für Ferrari, Porsche und Toyota gemacht. Aber gleichzeitig habe ich Zweifel, dass die BMW über die 24-Stunden die Pace vorn mitgehen können. Und die dürfte in diesem Jahr noch höher, als im letzten Jahr sein.


Porsche
Penske
4 – Felipe Nasr, Nick Tandy, Pascal Wehrlein
5 – Julien Andlauer, Michael Christensen, Mathieu Jaminet
6 – Kevin Estre, Laurens Vanthoor, Matt Campbell

Proton
99 – Neel Jani, Nicolaus Pino, Nicolas Varrone

Porsche kommt wieder mit vier Autos nach Le Mans, doch echte Siegchancen haben nur die Penske. Der Proton ist nicht so besetzt, dass man beim Rennen eine Chance haben würde. Bleiben die Penske Porsche, doch die haben in diesem Jahr bisher nicht sonderlich überzeugt. Bestes Ergebnis war in diesem Jahr ein achter Platz in Imola. Was für Porsche weit unterhalb der eigenen Erwartungen liegt. Die in diesem Jahr leicht überarbeitete Variante des 963 scheint nicht zu funktionieren. Oder liegt es an der BoP?

Tatsächlich war die BoP in der WEC für die Porsche nicht gerade gut. In Le Mans sieht das aber wieder anders aus (siehe oben). Vor allem beim Topspeed sollten die 963 dieses Jahr konkurrenzfähiger sein. Man muss nun auch nicht mit der Energie haushalten, da der ACO hier großzügig nachgelegt hat. Auf dem Papier sollten die Porsche also etwas besser unterwegs sein, als das im letzten Jahr der Fall war. Da konnte man das Tempo an der Spitze nicht mitgehen.

Wobei es so schlecht im letzten Jahr nicht lief. Zwar kam am Ende nur P4 raus, aber alle vier Porsche erreichten die Top 10. Die Porsche sind also technisch stabil und sollten mit der BoP auch etwas besser aufgestellt sein. Reicht das aber, um das Podium zu erreichen?

Wie immer entscheidend in Le Mans darüber auch ein wenig das Glück. Aber, zudem bin ich mir nicht sicher, ob die Porsche das Tempo der Ferrari und der Toyota über die gesamte Distanz halten können. Aber nach dem eher schwierigen Jahr für Porsche wäre es Penske zu wünschen, dass man die Auto um den Sieg kämpfen sieht. Zudem fehlt Roger Penske der Sieg in Le Mans noch in seiner Trophäensammlung, und mit 88 Jahren ist er nun auch nicht mehr der Jüngste.


Toyota
7 – Mike Conway, Kamui Kobayashi, Nyck de Vries
8 – Sébastian Buemi, Brendon Hartley, Ryo Hirakawa

Nach zwei Niederlagen in Folge will Toyota nun endlich wieder einen Sieg in Le Mans. Auch, um vom kleinen Makel der Siege aus den Vorjahren wettzumachen. Da hieß es immer „Toyota gewinnt, weil sie keine echten Gegner haben“. Dass man gleich zweimal gegen Ferrari eine Niederlage einstecken musste, dürfte schwer zu verschmerzen sein. Allerdings tritt man erneut mit dem seit Jahren bekannten GR010 Chassis an.

Warum baut Toyota nicht mal ein neues Auto, nachdem der GR010 seit 2021 im Einsatz ist und sich auf den ersten Blick nicht sonderlich verändert hat. Wenn man bedenkt, wie stark die Evolutionsschritte früher waren, sieht man den unterschiedlichen Varianten, die Audi fast jedes Jahr an die Strecke gebracht hat. Aber Toyota hält am GR010 fest, weil das Chassis einfach funktioniert. Zudem hat man in verschiedenen kleinen Schritten das Chassis verändert und angepasst.

Der GR010 verbindet alle Vorteile, die man in Le Mans haben will. Guter Topspeed, genug Abtrieb, wenig Reifenverschleiß und er ist leicht zu warten, auch wenn größere Reparaturen anstehen. Es gibt also wenig Gründe für Toyota, das grundsätzliche Konzept des Autos zu verändern. Unter der Haube sieht die Sache natürlich anders aus.

Aber man merkt schon, dass der GR010 in die Jahre gekommen ist. Vor allem der Ferrari wirkt ausgereifter und auch der Aston Martin hat Vorteile bei der Aerodynamik. Toyota wird nicht mehr ewig mit dem Auto fahren können und eine stark veränderte Evo-Variante würde sicher gut tun. Aber in diesem Jahr soll der GR010 noch mal eine Chance auf den Sieg bekommen.

Und die Chancen sind durchaus groß. Im vergangenen Jahr verpasste man den Sieg um 14 Sekunden, und wenn man nach Le Mans kommt, gilt weiterhin die Aussage, dass man erst mal Toyota schlagen muss. Das Team hat mittlerweile mehr als 13 Jahre Erfahrung in Le Mans und das ist etwas, was man nicht unterschätzen sollte.

Es ist klar, dass alles andere als ein Sieg für Toyota eine Enttäuschung wäre. Die bisherige Saison verlief allerdings nicht sonderlich erfolgreich für die Japaner, die keinen Sieg einfuhren. Das beste Ergebnis auf P4 in Spa. Für die erfolgsverwöhnte Mannschaft ist das sehr enttäuschend. Aber auch deswegen geht Toyota nicht als Hauptfavorit ins Rennen.


Ferrari
50 – Antonio Fuocco, Nicklas Nielsen, Miguel Molina
51 – Alessandro Per Guidi, James Calado, Antonio Giovinazzi

AF Corse
83 – Robert Kubica, Yifei Ye, Philipp Hanson

Nach zwei Siegen in Folge, die beide Werksautos holen können, strebt Ferrari den dritten Sieg in Folge an. Ginge es nach der Reihenfolge, wäre dann der AF Corse Ferrari an der Reihe. Klar ist, dass alle drei Ferrari mittlerweile in der Lage sind, Siege zu holen. Alle drei WEC-Rennen in diesem Jahr gingen an die Italiener und AF Corse konnte das Rennen in Imola gewinnen. Zwar gibt es noch kleine Unterschiede zwischen der Werksmannschaft und dem quasi Werksteam von AF Corse, aber die sind verschwindend gering.

Ferrari ist der klare Favorit in Le Mans und nachdem der ACO bei der BoP Ferrari auf dem Papier noch etwas besser als im letzten Jahr aufgestellt hat, stellt sich die Frage, ob die einzigen, die Ferrari schlagen können, nicht Ferrari selbst ist. Der für dieses Jahr überarbeitete 499P zeigte bei den bisherigen Rennen nur wenig Schwächen oder technische Probleme. Was aber nicht bedeutet, dass es in Le Mans auch dabei bleibt.

Bei den bisherigen Rennen in Le Mans wurde Ferrari von typischen Dramen verschont, die gerne mal ein Team befallen. Stattdessen liegen vor allem die Werkswagen wie ein Uhrwerk. Weder versagte das übliche 50-Cent-Bauteil, noch wurde man unverschuldet in Kollisionen verwickelt. Das ist schon eher ungewöhnlich, aber wenn es Ärger gab, dann betraf das meist das Auto von AF Corse.

Das Chassis, das Ferrari gebaut hat, gehört in jedem Fall zu den Besten, die man im Feld finden kann. Man ist in fast allen Bereichen besser als die Konkurrenz, was diese auch anerkennen. Was Ferrari in der F1 nicht gelingt, hat in der WEC auf Anhieb geklappt. Topspeed, Abtrieb, Reifenverschleiß, Wartung – alles passt beim 499P. Auch Motor und Hybridsystem zeigten sich, abgesehen von kleinen Pannen zur Premiere, standfest.


Was ich erwarte:

Die BoP spricht sehr stark für ein enges Rennen zwischen den Ferrari und den Toyota. Die starken Verbesserungen (in der BoP) für die BMW machen die Münchner allerdings zu einem Team, das durchaus überraschen könnte und das die Spitze übernehmen könnte. Allerdings habe ich noch Bedenken, was den Reifenverschleiß des BMW betrifft. Ich erwarte sie mit starken Stints in der Nacht, aber da es am Wochenende tagsüber mit 25 Grad recht warm werden soll, habe ich die Befürchtung, dass BMW dann im Verlauf der letzten acht Stunden des Rennens an Boden verliert.

Wie immer wird das Rennen auch vom Glück entschieden. Wenig Unterbrechungen sprechen eher für Ferrari und Toyota, viele Unterbrechungen könnten Cadillac, BMW und auch den Porsche entgegenkommen. Wobei ich auch ehrlich sagen muss, dass sich die Porsche nur schwer einschätzen kann. Die bisherigen Ergebnisse waren zu schlecht, als dass ich sie in den engeren Favoritenkreis wählen würde, aber dann ist halt auch Porsche, die immer wieder überraschen.

Was gibt es Neues in Le Mans?

In diesem Jahr gibt kleine Tweaks in der Qualifikation. Die Hyperpole in allen Klassen wird jetzt in zwei Runs unterteilt. In der klassischen Quali werden bei den Prototypen 10 Autos gesucht, die die erste Runde der Hyperpole ausfahren. Da sollen dann sechs Autos übrig bleiben, die dann in einer 15 Minuten kurzen Session den Polesitter suchen.

Die SC-Regeln aus dem letzten Jahr haben sich nicht verändert. Sollte die Rennleitung eine SC-Phase beordern, fahren drei SC auf die Strecke (Turn 10, 22 und 30) und sammeln die Gruppen ein. In der zweiten Phase werden die Autos dann hinter einem SC versammelt. Nachdem das erledigt ist, gibt es den „Wave Around“ für alle Autos, die in der SC-Schlange VOR dem Führenden in der Klasse liegen. Das bedeutet: hat ein Auto eine Runde Rückstand, liegt aber vor dem Führenden aus der Klasse, kann sich das Auto die Runde zurückholen. Liegt es hinter dem Führenden, hat man Pech gehabt.

Strategie:

Doppel- und eventuell Triple-Stints auf einem Satz Reifen werden die Strategie bestimmen. Wobei der Triple-Stint nicht zwingend nötig ist, um mit den zur Verfügung stehenden Reifen auszukommen, aber über die Distanz spart man halt pro Stopp rund 10 bis 15 Sekunden, wenn die Reifen nicht wechselt. Wie in allen Serien muss man aber schauen, ob man im dritten Stint auf den alten Reifen dann nicht zu viel Zeit verliert. Aber im letzten Jahr fehlten Toyota wie erwähnt nur 14 Sekunden auf den Sieg. Ein Triple-Stint kann also entscheidend sein.

Ich gehe davon aus, dass es vorne sehr zügig zugehen wird. Die klassische Strategie, dass man ein Auto als „Hasen“ einsetzt und das andere auf eine etwas ruhigere Pace setzt, dürfte man auch dieses Jahr wieder sehen. Da das Feld vor allem in den ersten Stunden eng zusammenliegen dürfte, wäre ich nicht überrascht, wenn vor allem die Cadillacs alles auf eine Karte setzen. Sie könnten versuchen, aus den 24 Stunden ein Sprintrennen zu machen. Was hat man auch groß zu verlieren?

Ansonsten wird es von SC-Phasen und deren Länge abhängen, wie vor allem das Endspiel in Le Mans laufen wird. Das sieht man dann erfahrungsgemäß in den letzten drei bis vier Stunden. Das mittlerweile sehr gute Livetiming des ACO bietet da eine gute Übersicht über die Stopps und die Zeit, die man an der Box verbracht hat.

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