Im BOP-gesteuerten GT3 Sport sind Doppelsiege eines Teams nicht oft an der Tagesordnung. Im ADAC GT Masters ist dies jedoch nach dem Doppelsieg von Schubert am Red Bull Ring nun zum zweiten Mal in Folge passiert, wenn auch dieses Mal mit verschiedenen Fahrerpaarungen.
Wie üblich gab es in der mehrwöchigen Pause, in der u.a. zwei GT World Challenge Wochenenden und Veranstaltungen wie die 24 Stunden am Nürburgring und Le Mans stattfanden, ein wenig Bewegung am Fahrerkarussell. Raffaele Marciello hatte im Landgraaf Mercedes einen neuen Teamkollegen bekommen mit Lorenzo Ferrari statt Jonathan Aberdein, dem der Switch vom LMP2 auf den GT3 AMG recht schwer gefallen ist. Außerdem ist der altbekannte Maxi Götz im GT Masters zurück. Nach einer bislang sehr harzigen DTM Saison als Titelverteidiger ist er in Zandvoort für Madpanda Racing neben dem
Teambesitzer Ezequiel Perez Companc gefahren. Laut ihm war es bislang nur ein einzelner Auftritt. Ob noch Weitere folgen, wird sich zeigen. Zudem ging bei ID Racing das fleißige Fahrerwechseln weiter. Nachdem Leon Köhler in Spielberg fahren durfte, wurde nun Jannes Fittje am Donnerstag Mittag angerufen mit der Frage, ob er mal schnell nach Zandvoort kommen könnte. Zur Erinnerung: Fittje fuhr bis Spielberg den Madpanda Mercedes, den nun Maxi Götz fahren durfte. Jaxon Evans ist der Teamkollege bei ID Racing geblieben.
Samstag
Die erste Qualifikation am Samstag Morgen bot die ersten faustdicken Überraschungen. Die Session war nach ca. zehn Minuten geprägt von einem heftigen Wetterumschwung mit einsetzendem Regen, was aus der 20 Minuten eine zehn Minuten Session machte. Auf dem falschen Fuß erwischte es die Schubert und Landgraaf Mannschaft, die je mit beiden Autos zu spät rausgingen und sich auf den Wetterbericht verlassen haben. Schon peinlich, dass zwei solchen Topteams sowas passiert, zumal man auch im Stream klar die dunklen Wolken über dem Meer sehen konnte. Die Doppelsieger aus Spielberg waren somit in den letzten beiden Startreihen vertreten, was dem Wochenende für BMW auch entsprach! Somit
gab es eine ziemlich verrückte Startreihenfolge mit der Pole von Mick Wishofer im Emil-Frey Racing Lamborghini, der momentan nur die sieben GT Masters Wochenenden in diesem Jahr bestreitet vor Jan Marschalkowski im Drago Team ZVO Mercedes und dem Neuling Jannes Fittje im ID Racing Porsche. Wenn das nicht eine Empfehlung für kommende Einsätze war, dann weiß ich auch nicht! Hinter einem guten Ergebnis für Ezequiel Perez Companc auf Patz 4 im Madpanda Mercedes gab es dahinter ein Audi Paket mit Jusuf Owega, Simon Reicher, Tim Zimmermann und Kim-Luis Schramm. Audi gilt in Zandvoort eigentlich als Favorit, wenn man an den Doppelsieg von Land-Motorsport aus 2021 denkt und auch bei der GT World Challenge eine Woche zuvor konnte am Samstag ein WRT Audi gewinnen.
Rennen 1
Die verrückte Startaufstellung versprach also ein sehr munteres Rennen. Kurz vorm Start setzte Regen ein, was die Reifenwahl zu einem Poker machte. Zunächst etwas überraschend, dass nur drei Wagen auf Regenreifen setzten, davon nur mit Perez Companc einer innerhalb der Spitzenpositionen. Die Rennleitung entschied zwei Einführungsrunden zu fahren, die Jan Marschalkowski auf Platz zwei liegend leider nicht schaffte. Er ließ im Mercedes kurz die Räder durchdrehen und flog vor der Hugenholz-Bocht ab. Eine Situation, bei der man am liebsten im Erdboden versinkt, die aber schon den Besten passiert ist. Ich erinnere da an Max Verstappen 2020 bei der F1 in Ungarn in der Installation-Lap und anderen Beispielen. Aufgrund einer kurzen Leitplanken-Reparatur und Aufräumphase ging es dann ca. 15 Minuten später los. Die Verschiebung half den Slick-bereiften umso mehr, da die Strecke schnell abtrocknete. Nur zwei Wagen, in diesem Fall Perez-Companc und hinten im Feld in der zweiten Mamba Frank Bird blieben auf Regenreifen.
Die Wahl der Regenreifen half nur am Start. Perez Companc ging zwar in Führung, wurde aber ab der zweiten Runde schnell nach hinten gereicht und musste schon weit vor dem Stoppfenster die Reifen wechseln, was das Rennen nach gutem Startplatz zu Nichte machte. Eine furiose Startphase hatte Mick Wishofer im Lamborghini, der dem Feld davonfuhr. Dahinter reihten sich bis zum Stoppfenster Jannes Fittje im ID Racing Porsche und Simon Reicher im Eastalent Audi ein. Alles Namen, die man sonst nicht da vorne erwarten würde! Hinten im Feld fiel der Lokalmatador Thierry Vermeulen zweimal negativ auf, u.a. durch einen Rempler gegen Fabian Schiller, was eine Durchfahrtsstrafe für den Car Collection Audi zur Folge hatte. Einer der Gewinner der Startphase war Jesse Krohn, der zwischendurch in die Top10 aus der letzten Reihe fahren konnte.
Der Gewinner des Stoppfensters war klar der Rutronik Audi von Kim-Luis Schramm und Dennis Marschall, die durch den guten Zeitpunkt zwei Positionen gewannen und u.a. an Reicher/Siedler im Eastalent Audi vorbeigingen. Das wohl schlechteste Timing der Spitzengruppe hatte ID Racing, die zwei Plätze verloren und nun Jaxon Evans das Steuer übernahm. Nach dem Stoppfenster waren es nun Konsta Lappalainen im Emil Frey Lambo an der Spitze, der den großen Vorsprung von Mick Wishofer nur noch verwalten musste, vor Dennis Marschall auf Platz zwei im Rutronik Audi, der jedoch Druck von Norbert Siedler in einem weiteren Audi bekam. Dahinter reihten sich Ricardo Feller im Land Audi, Jaxon Evans im ID Racing Porsche und Ayhancan Güven im Joos Porsche ein.
Im Mittelfeld ereigneten sich ein paar Kollisionen, in denen beide Male das Schubert Team involviert war. Nick Catsburg und Patrick Niederhauser kollidierten, wonach es erneut eine BMW-Audi Kollision zwischen Niklas Krütten und Christopher Haase gab, was einen Doppelausfall für Schubert zur Folge hatte. Ein Sinnbild für das Wochenende des Teams aus Oschersleben.
Die Schlussphase war an der Spitze recht ruhig. Bester Porsche konnte am Ende auf Platz fünf noch Sven Müller für Allied-Racing werden, die sich bislang als fleißige Punktesammler zeigen. Güven konnte den Speed im Joos Porsche nicht ganz mitgehen, die am Sonntag ihren großen Auftritt haben sollten. Vorne fuhr Konsta Lappalainen das Rennen nach Hause, jedoch mit deutlich knapperem Vorsprung als beim Fahrerwechsel vor dem Audi Paket mit Marschall, Siedler und Feller.
Für Emil Frey Racing war es der erste Sieg im GT Masters. Die
Überraschung des Tages war sicher das neue Eastalent Racing Team mit Reicher/Siedler auf Platz drei. Für Dennis Marschall auf Platz zwei war es das zweite Podest innerhalb einer Woche auf der Strecke nach den GTWC Läufen. Ein Debakel erlebte Mercedes, deren bester AMG am Ende mit Marciello/Ferrari auf P14 ins Ziel kam. Nach der Qualifikation mit den guten Plätzen von Perez Companc und Marschalkowski war sowas nicht absehbar.
Sonntag
Der Sonntag zeigte stabileres Wetter, jedoch waren am Morgen noch feuchte Stellen vom Samstag Abend zu sehen. Jedoch handelte es sich dieses Mal um klare Slick Bedingungen. Aufgrund des hohen Reifenverschleißes in Zandvoort gingen einige erst in der Quali gegen Ende raus, um möglichst nur auf eine oder zwei Runden zu setzen. Die ersten Zeiten wurden erst
nach neun Minuten gesetzt. Und erneut stand ein Emil Frey Racing Lambo auf Pole, jedoch dieses Mal die #63 mit Jack Aitken vor Ayhancan Güven im Joos Porsche und dem Emil Frey Teamkollegen Frank Perera. Dahinter gab es ein großes Audi Paket mit den beiden Car Collection Audi von Mattia Drudi und Markus Winkelhock, sowie Mies und Niederhauser. Enttäuschend verlief die Qualifikation hingegen für Ricardo Feller, der es in die Top10 nicht schaffte. So gut insgesamt die Audi liefen, so enttäuschend war das Wochenende für Land, die nach diesem Wochenende sicher mit einer Tabellenführung gerechnet haben. Und das Drama nahm vor dem Rennen am Sonntag seinen Lauf! Übrigens: Der beste Mercedes war auch dieses Mal nur auf Platz zehn. Hier hatte man komischerweise gar nicht den Speed gefunden, den man mit gleicher BOP bei der GTWC eine Woche zuvor hatte. Auch bei BMW ging genauso wenig wie am Vortag, auch ohne wetterbedingtes Verpokern.;)
Rennen 2
Bei sonnigen Bedingungen ging es nun in den Rennsonntag. Große Aufregung gab es vor dem Start rund um das Land Auto mit Feller/Owega, bei dem laut Christian Land ein Sensor im Getriebe kaputt ging. Christian Land selbst und einige Mechaniker hatten mit Verbrennungen an den Händen noch versucht den Sensor zu tauschen, aber es funktionierte nicht und man konnte das Rennen nicht aufnehmen. Hätte mich nicht gewundert, wenn genau dieses Duo nach dem Wochenende mit einem gewissen Abstand geführt hätte, nun hat man einen herben Dämpfer erfahren müssen!
Insgesamt hatten viele Teams großes Rätselraten um die richtigen Druck- und Sturzwerte, was sich im Rennen bemerkbar machen sollte.
Jack Aitken konnte sich in der Startphase ähnlich wie am Samstag Mick Wishofer absetzen. Dahinter tobte ein hartes Duell
zwischen Mattia Drudi im Max Verstappen.com Audi und Ayhancan Güven, da der Porsche offenbar mit sehr wenig Luftdruck losfuhr und die Pace zunächst nicht gehen konnte, was Aitken zur klaren Führung verhalf. Drudi setzte sich vorbei, was Güven den Außenspiegel kostete. Insgesamt bildeten sich im Feld einige kleinere und größere Grüppchen, jedoch ohne die pralle Überholaction. Die Qualifikation war in diesem Fall extrem wichtig. Auffällig, dass Mercedes und BMW auch im Rennen nicht weiter nach vorne kamen und beide Hersteller ein verkorkstes Wochenende hatten. Während dem Fahrerwechsel konnte man Raffaele Marciello an der Box sehen, der sich mit dickem Hals über das Fahrverhalten des Benz beschwerte.
Große Veränderungen brachten an der Spitze die Stopps nicht. Erneut war zu sehen, dass die frühen Stopps eher dem hinteren Feld galten. Etwas überraschend, dass Mattia Drudi recht früh reinkam, um auf Platz zwei liegend an den doch vermeintlich langsameren Thierry Vermeulen zu übergeben, was sich jedoch als klug erwies. Eine Penaly-Lap kassierten
Markus Winkelhock/Florian Spengler durch Unterschreitung der Mindestzeit. Sehr ärgerlich, da man auf Platz fünf liegend war, was für einen Trophy-Piloten wie Spengler ein hervorragendes Ergebnis war. Kuriosum: Zwei Teams gingen zu spät zum Fahrerwechsel, in diesem Fall Salman Owega im Land Audi und Daniel Juncadella im ZVO Mercedes. Erstaunlich, dass solche Dinge im GT Sport immer wieder passieren, u.a. einem ADAC GT4 Team in Spielberg. Nicht das erste Mal an dem Wochenende, dass man als Zuseher die Hände über dem Kopf zusammenschlug.
Nach dem Fahrerwechsel begann bei allen Teams großes Bangen über die Haltbarkeit der Reifen. Zunächst fiel die Nummer 20 von Schubert mit Reifenschaden aus. Des Weiteren ereignete sich eine Kollision zwischen Lorenzo Ferrari und Florian Spengler in Turn eins, was ein top Ergebnis für Car Collection zu Nichte machte. Die Quintessenz an der Spitze war nun die Frage, ob Thierry Vermeulen die Klasse besitzt, um den Audi auf Platz zwei bei seinem Heimrennen zu halten. Der Lambo von Costa Balboa konnte den Vorsprung klar halten und fuhr ungefährdet dem Sieg entgegen. Christian Engelhart auf Platz drei liegend im Joos Porsche holte auf Vermeulen immer mehr auf.
Und dann begannen kurz vor Schluss die vielen Reifenschäden: Zunächst erwischte es Maximilian Paul im T3 Motorsport Lamborghini, die den Speed von Emil Frey nicht gehen konnten. Jedoch ging hier eine Berührung mit dem Allied Porsche von Joel Sturm hervor. Einen Reifenschaden ohne Fremdeinwirkung hatte der Samstags Sieger Mick Wishofer. Luca Engstler und Lorenzo Ferrari hatten dann kurz vor Schluss noch weitere Reifenschäden, was einen Warnschuss für alle sein sollte.
Das Drama schlecht hin erlebte auf Platz drei liegend wenige Meter vor Schluss die Joos Mannschaft mit Christian Engelhart, der offenbar nicht mehr schalten konnte und das Auto auf Platz acht liegend ins Ziel schleppte. Diese verlorenen Punkte könnten noch teuer werden!
Somit schafften Aitken/Costa Balboa den zweiten Emil Frey Sieg in Folge vor dem Lokalmatador Thierry Vermeulen, der einen sehr guten Job machte. Den dritten Platz erbte am Ende das Duo Arthur Rougier/Frank Perera. Damit waren alle drei Emil Frey Huracan je einmal am Podium in den beiden Zandvoort Rennen vertreten. Hinter dem Podium fanden sich eine Reihe Audis wieder. U.a. das beste Saisonergebnis mit Platz vier für Mies/Zimmermann mit der #1.
In der Meisterschaft bleibt es extrem eng. Durch die eher schwachen Ergebnisse von Jusuf Owega und dem Drama bei Engelhart/Güven konnte die Schubert Mannschaft dieses verkorkste Wochenende recht gut kompensieren. Owega und die Joos Mannschaft sind nun punktgleich. Nochmal der Hinweis: Owega hat mit Dries Vanthoor und Ricardo Feller aufgrund DTM Kollisionen zwei verschiedene Teamkollegen. Die Top sechs Fahrzeuge in der Meisterschaft sind lediglich 13 Punkte getrennt. Das verspricht wie immer im GT Masters eine extrem spannende zweite Saisonhälfte zu werden, die genau genommen ab dem zweiten Nürburgring Rennen mit dem achten Saisonlauf starten wird. Hier geht es vom 05.-07. August in die nächste Runde. Dazwischen finden u.a. Ende Juli die 24H von Spa statt, wo natürlich alle namenhaften Hersteller und Teams vertreten sind!
Bildquelle: media.adac-motorsport (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,2393,2486)
