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Formel E-Report zwischen Jakarta und Marrakesch

Die FE startet in die Schlussphase ihrer 2022er-Saison – an der Spitze bleibt es eng.

von StefanTegethoff
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Drei Events mit fünf Rennen stehen im Juli an, danach folgt im August, wenn andere Serien in der Sommerpause sind, der finale Doubleheader in London. Los geht dieser Endspurt an diesem Samstag in Marrakesch. Es ist das Ersatzrennen für den Vancouver ePrix, dessen Debüt verschoben werden musste. Man hätte die nötige Logistik zur erstmaligen Umsetzung des Events im Lichte der Pandemie nicht zeitgerecht hinbekommen. Der Kurs in Marrakesch ist semi-permanent und war schon mehrfach ePrix-Austragungsort, daher konnte er gut als Ersatz aktiviert werden.

Eine Nachricht vorweg: McLaren, die nächsten Jahr in die FE einsteigen werden, tun dies mit Nissan-Antriebsstrang. Nissan selbst bleibt als Werksteam auch am Start, wird McLaren also als Kunden beliefern. Die Ergebnisse des Nissan-Teams waren in der letzten sowie in der aktuellen Saison nicht gut, das frühere Top-Team fährt kaum noch regelmäßig Punkte ein. Es wird interessant sein, zu sehen, wie McLaren damit zurecht kommt. Sie kaufen mit Mercedes ein Top-Team auf, sodass sich dann offenbaren sollte, ob es bei Nissan an der technischen Seite – am Antriebsstrang – liegt, oder ob in der Betreuung der Autos oder im Management etwas nicht passt.

Rückblick: Jakarta ePrix

Den aus meiner Sicht unsinnigen Bau eines speziellen Kurses für ein einzelnes Rennen an der Küste einer tropischen Insel hatte ich im Vorfeld ja kritisiert – aber sie hat gutes Racing abgeliefert (auch das hatte ich vorher gemutmaßt). Der erste Jakarta ePrix war ein erfolgreiches Event und bot ein sehenswertes Rennen.

Schon das Qualifying hat das gezeigt, was das neue Format mit den Ausscheidungs-Duellen interessant macht. War der Meisterschaftsführende Stoffel Vandoorne in seiner Gruppe zunächst noch schnellster, schied er dann gegen einen seiner härtesten Konkurrenten, Mitch Evans, im Viertelfinale (der ersten Duell-Runde) aus, drei Zehntel fehlten ihm auf dieser Runde. Alle seine Widersacher kamen weiter und würden vor ihm starten. Am Ende war es Jean-Eric Vergne, der sich im DS Techeetah-internen Finalduell die Pole sicherte, nachdem Antonio Felix da Costa, der nicht im Titelkampf ist, früh in der Runde mit einem Rutscher Zeit verloren hatte.

Am Start des Rennens konnten die beiden DS Techeetahs ihre Doppelführung zunächst behaupten. Dank unterschiedlicher Attack Mode-Strategien entwickelte sich dann aber ein munteres Rennen mit vielen Positionswechseln in den Top Five. Vergne verbrachte dabei die meiste Zeit an der Spitze, hatte aber einen leicht höheren Energieverbrauch als sein erster Verfolger, Mitch Evans. Einige Minuten vor Schluss bremste dieser sich schließlich auf der kurzen Gegengeraden mit einem starken Manöver an Vergne vorbei.

Dabei war laut dem Franzosen entscheidend, dass er vom Team angewiesen wurde, in einen anderen Modus zum Management der Batterie-Temperatur zu wechseln, und dadurch früher Bremsen musste. Vergne versuchte in der vorletzten Runde noch mehrere Konter, wodurch Edoardo Mortara mit etwas mehr Energie auch noch zu diesem Duo aufschließen konnte, doch letztlich kamen sie – in dichter Folge – in genau dieser Reihenfolge auf den Podiumsplätzen ins Ziel.

Dahinter konnte auch Stoffel Vandoorne Antonio Felix da Costa über mehrere Runden nicht knacken und wurde Fünfter. Auch ein Fehlversuch beim Durchfahren der Attack Mode-Aktivierungszone trug dazu bei, dass es nicht weiter nach vorn ging. Sein Mercedes-Teamkollege Nyck de Vries, der einen indonesischen Großvater hatte, hatte leider kein gutes Rennen: im Mittelfeld gestartet, geriet er in der ersten Runde mehrfach mit Andre Lotterer aneinander und trug dabei einen Plattfuß davon, der zum Ausscheiden führte. Lotterer wurde mit einer 5 Sekunden-Strafe belegt, die ihn ein Punkte-Resultat kostete; die Schuld sah aber nicht einmal das „Opfer“ de Vries klar bei Lotterer.

Der Stand der WM

Da die Top 4 der Meisterschaft in Jakarta in durcheinandergewürfelter Reihenfolge ins Ziel gekommen sind, haben sie sich noch enger zusammengeschoben. Zwischen Vandoorne an der Spitze und Evans auf dem vierten Platz liegen nur noch 12 Punkte. Danach klafft eine etwas deutlichere Lücke zu Robin Frijns. Auch Weltmeister Nyck de Vries blieb in Jakarta punktelos, sodass seine in Berlin mit einem Sieg gestartete Aufholjagd wiederum im Keim erstickt wurde. Die Top 6 sehen aktuell wie folgt aus:

  1. Stoffel Vandoorne (Mercedes EQ) – 121 Punkte
  2. Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) – 116 Punkte
  3. Edoardo Mortara (Venturi-Mercedes) – 114 Punkte
  4. Mitch Evans (Jaguar) – 109 Punkte
  5. Robin Frijns (Envision-Audi) – 81 Punkte
  6. Nyck de Vries (Mercedes EQ) – 65 Punkte

Vorschau: Marrakesh ePrix

Der Circuit International Automobile Moulay El Hassan ist ein alter Bekannter, die Formel E fuhr dort bis 2020 bereits vier ePrix. Der letzte Sieger fährt auch noch in der Serie, er heißt Antonio Felix da Costa. Allerdings ist seine aktuelle Saison weit weg von seinem starken Titel-Jahr 2020, als er in Marrakesh seinen ersten Saisonsieg holte. Aber vielleicht kann der Portugiese ja an das gute Resultat in Jakarta anknüpfen und immerhin ein erstes Podium in dieser Saison holen. DS Techeetah muss man neben Jaguar, Mercedes und Venturi-Mercedes wohl auch zu den Top-Teams des laufenden Jahres zählen, auch wenn ihnen bisher noch ein Sieg auf dem Konto fehlt.

Der Kurs in Marrakesch besteht auf einem permanenter ersten Teil mit ein paar lang gezogenen, mittelschnellen Kurven, gefolgt von einem Stadtkurs-Teil mit engen Ecken und nahe stehenden Mauern. Das hat die Rennen dort immer recht interessant gemacht, der Kurs funktioniert gut für die Formula E. Er wurde nicht für die FE gebaut, hat mit knapp 3km aber eine gute Länge für diese Serie und bietet auch mehrere Überholmöglichkeiten, sodass wir uns auf ein munteres Rennen freuen dürfen. Die Attack Mode Activation Zone wird vermutlich wieder auf der Außenseite der langen Kehre Turn 3 sein, wo sie gut liegt.

Im Vergleich zum tropischen Klima Indonesiens ist in Nordafrika „angenehmes“ Wetter zu erwarten: gut 30°C bei geringer Luftfeuchtigkeit sind vorhergesagt, ein nennenswertes Regenrisiko besteht nicht. In Marrakesch wird – wie in Jakarta – nur ein Rennen gefahren. Start ist am Samstagabend um 18 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Pro 7 (ab 17:30 Uhr) und Eurosport 2 (ab 17:50 Uhr nach vorheriger Quali-Aufzeichnung ab 17:05 Uhr) übertragen live.

(Bilder: Formula E Media)

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