Es war eine Saison zum Vergessen für Haas. Schuld war das Chassis, das man nie in den Griff bekam.
In der Formel Eins gibt es eine hübsche Bezeichnung für ein Chassis, das sich erratisch verhält. Das Team weiß nie so recht, wie das Chassis auf den Strecken reagieren wird und wie man die Probleme in den Griff bekommt. „Wundertüte“ lautet der Begriff und genau so ein Chassis hatte Haas für dieses Jahr entwickelt. Die Verzweiflung im Team war groß. Denn das Chassis produzierte sehr gute Zeiten – aber nur in den Short Runs. Sobald es ins Rennen ging, brach die Performance massiv ein. Dabei war es nicht mal der Reifenverschleiß alleine, der das Team beschäftigte. Die gesamte Leistung des Wagens brach im Rennen einfach weg.
Auf eine Runde, besonders in der Quali, war der Haas stark. Meist erreichte einer der beiden Piloten die letzte Runde in der Qualifikation und damit eine sehr gute Ausgangsposition für das Rennen. Aber nach zehn Runden war der Spaß dann schlagartig vorbei. Die Zeiten brachen ein, die Konkurrenz flog vorbei. Am Ende blieben dann meist nur die Plätze außerhalb der Punkte. Allerdings auch nicht immer und nicht auf jeder Strecke. Immerhin sammelte man 28 Punkte zusammen. Das klingt nicht schlecht, aber am Ende konnte Haas nur in fünf von 21 Rennen diese Punkte erreichen. Das ist logischerweise zu wenig.
Wenig Punkte und der Verlust von wichtigen Plätzen in der Team-WM waren die eine Sache. Die andere Sache war, dass Haas das Problem während der Saison nie lösen konnte. Dabei entwickelte das Team permanent und griff sogar zu Verzweiflungstaten. Wenn man in der Mitte der Saison auf einen Unterboden zurückgreift, der noch aus den Wintertests stammt, offenbar das, wie weit man von einer Lösung entfernt war.
Das ist in so fern erstaunlich, als dass Haas im Vorjahr nur wenig Probleme hatte und das Auto in diesem Jahr nur eine Evolution des letztjährigen Autos darstellte. Ebenso erstaunlich ist es, dass Haas das Problem während der Saison nie in den Griff bekommen hat. Offenbar war das Problem so grundlegend, dass man es nur mit einem neuen Chassis hätte lösen können. Was Geld kostet.
Und genau dieses Geld fehlte auch, weil man zur Mitte der Saison den Hauptsponsor verlor. Die Posse um „Rich Energy“ war für das Publikum unterhaltsam, aber vermutlich sehr stressig für das Team. Derartige Unsicherheiten lenken ab und logischerweise will man so was nicht in einer Saison. Einen Nachfolger hat man bei Haas bisher auch nicht gefunden, was angesichts der Verluste bei den TV-Einnahmen für das nächste Jahr doppelt schmerzt.
Den Fahrern kann man wenig vorwerfen, ihre Leistungen sind auch angesichts des Chassis schwer zu bewerten. Es spricht allerdings für sie, dass Haas keinen der beiden Stammpiloten auswechseln wird. Nicht nur gefühlt war Magnussen in diesem besser unterwegs. Er holte mehr Punkte (20 vs. 8) und er schlug Grosjean in der Quali auch deutlich (12:9). Dass sich Haas dazu entschlossen hat den Franzosen noch ein Jahr zu behalten, war daher etwas verwunderlich. Aber intern gilt Grosjean als sehr guter Entwickler dessen Feedback dem Team enorm hilft.
2020 wird man schauen müssen, dass man wieder den Anschluss ans Mittelfeld findet. Sonst könnte es gut sein, das Gene Haas die Lust verliert.
Team:
4 von 10
Kevin Magnussen: 7 von 10
Romain Grosjean: 5 von 10

