Immer wenn man bei Williams denkt, dass es nicht schlimmer werden kann, passiert genau das. Es wird schlimmer.
Erinnert sich jemand an die Saison 2014? Da holte Williams den dritten Platz in der Team-WM und sammelte 320 Punkte. 2015 waren es immerhin noch 257 Punkte und abermals P3 in der WM. Seit 2016 hat das Team zusammengenommen 229 Punkte gesammelt. In vier Jahren also nicht mal so viel, wie allein 2016. Und während es im letzten Jahr noch magerer sieben Punkte waren, reichte es in diesem Jahr nur zu einem Punkt. Erlangt, weil die Haas beim Rennen in Hockenheim disqualifiziert wurde. Viel tiefer kann man nicht sinken, schon gar nicht als Traditionsteam.
Dabei sah es im Winter auf dem Papier gar nicht so schlecht aus. Paddy Lowe hatte seine erste volle Saison hinter sich und brachte sein Erstes von ihm verantwortetes Auto auf die Straße. Der FW42 sah auf den ersten Blick auch gar nicht schlecht aus, dazu kam, dass es Claire Williams gelungen war, zwei weitere Sponsoren an Bord zu holen. Dieses Jahr, dachte man, würde alles anders werden. Mindestens um Punkte würde man kämpfen können.
Aber dann ging alles schief. Erst wurde das Auto nicht fertig, weil man während der Entwicklung schon feststellte, dass die Daten nicht zusammenpassten. Als das Auto dann endlich in Barcelona ankam, war es eine Krücke. Noch langsamer, als der Vorgänger, was eigentlich kaum vorstellbar war. Noch vor dem ersten Rennen brach im Management Chaos aus, da sich Paddy Lowe verabschiedete. Patrick Head, seit 2011 im Ruhestand und mit 73 Jahren auch nicht mehr all zu jung, eilte in die Williams Fabrik und versuchte Ordnung zu schaffen. Allein die Tatsache, dass Head, der laut eigener Aussage wirklich keine Lust mehr auf die Formel Eins hatte, zur Rettung gerufen wurde, zeigt, wie dramatisch die Situation war.
Leider änderte sich auch durch seine Arbeit nur wenig. Immerhin konnte man den Abstand konstant halten und auf den langsamen Strecken lief es etwas besser. Aber der von Lowe verantwortete Wagen war unbrauchbar. Zu wenig Abtrieb, zu instabil auf der Hinterachse und das alles war offenbar nicht zu verändern, ohne ein teures B-Chassis zu entwerfen. Was aus finanziellen Gründen nicht möglich war.
Man kann jetzt alles Paddy Lowe in die Schuhe schieben. Aber das erklärt den Abstieg von Williams auch nicht. Wenn man innerhalb weniger Jahre von einem regelmäßigen Podiumskandidat an das Ende des Feldes rutscht, hat das interne Gründe. Es stimmt etwas nicht mit der Struktur des Teams und des Managements.
Liegt es an Claire Williams? Liegt es daran, dass sie eben kein Ingenieur ist? Liegt es daran, dass die Entwicklungsabteilung dysfunktional ist? Angeblich hat Patrick Head in den ersten drei Monaten den gesamten Laden neu geordnet, inklusive einiger Entlassungen.
Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Williams 2020 viel besser da stehen wird. Zwar weiß man wohl, wo die Probleme beim Auto liegen, aber der Abstand zu den Punkten ist immens. Und die anderen bleiben auch nicht stehen. Renault und McLaren sind enteilt und haben mehr Geld. Racing Point baut gerade eine neue Fabrik. Und Toro Rosso (ab 2020 Alpha Tauri) hat dieses Jahr mal wieder gezeigt, wie man mit wenig Geld viel erreichen kann. Nur bei Alfa Romeo gibt es Sorgenfalten (Geld, Design). Ich vermute mal, dass Williams auch 2020 daran arbeiten wird, die Misere zu beenden. Man erinnere sich nur daran, wie lange McLaren benötigt hat, um wieder einigermaßen erfolgreich zu sein (Drei Jahre).
Die Fahrer trifft keine Schuld. George Russel war makellos unterwegs, aber wie sollte er sein Talent sonst zeigen. Es tat mir ein bisschen leid um Robert Kubica. Acht Jahre nach seinem Unfall wieder in der F1 zu sein ist mehr als bemerkenswert. Wie viel Willen, wie viel Kampf steckt hinter so einem Comeback? Man kann sich kaum vorstellen, was der Pole in den letzten Jahren durchgemacht hat. Wie viel Arbeit in seinem Comeback steckte und viel Überzeugungsarbeit, auch was die Sponsoren angeht.
Am Ende war er allerdings deutlich langsamer als sein Teamkollege. In der Deutlichkeit hatte ich das nicht erwartet. Aber da er den Wagen zu 80 Prozent einhändig gefahren ist und Williams ihm den Wagen nicht zu 100 Prozent so umbauen konnte, wie er es gebracht hätte, sind die Zeiten kein Wunder. Auch dass HaasF1 ihn nun als Simulatorfahrer nimmt, spricht für Kubica. Das Geld, was er mitbringt, hat sicher auch geholfen, aber ohne Leistung hätte Haas ihn vermutlich nicht genommen.
Wertungen
Team:
3 von 10
George Russel: 8 von 10
Robert Kubica; 6 von 10

