Das dritte Rennen der Saison könnte ein interessantes werden. Denn Bahrain hat einige Besonderheiten, die vor allem die Schwäche von Fahrzeugen offenlegt. 

Nach den ersten zwei Rennen der Saison ist klar: Mercedes und Ferrari sind vorne, Red Bull hängt im Renntrimm ungefähr 0,.7 Sekunden dahinter. Danach kommt dann lange nichts mehr, aber es folgt ein sehr dichtes Mittelfeld, in dem Toro Rosso bisher die besten Ergebnisse erzielen konnte. Bahrain dürfte weitere Klarheit über den Stand der Dinge bringen, vor allem was den Kampf an der Spitze angeht. Hier sieht es im Moment so aus, dass Mercedes immer noch einen dünnen Vorsprung in der Qualifikation hat. Dass der Hamilton-Faktor dabei eine große Rolle, ist klar. Aber die gute Zeit von Bottas in China (nur 0,187 Sek. zurück) zeigt, dass auch der Finne durchaus in der Lage ist, in die erste Reihe zu fahren. Der Vorteil des Mercedes liegt wohl weiter bei den extremen Mappings, die man fahren kann. Offensichtlich kann man aus dem Motor für eine Runde mehr rausholen, als das Ferrari kann. Im Renntrimm sieht die Sache aber anders aus. Hier sind beide Marken auf Augenhöhe.

Ein Vergleich der Rundenzeiten aus China zeigt, dass Mercedes keinen wirklichen Vorteil mehr hat. Allerdings ist auch der Ferrari nicht schneller. Das bedeutet, dass das gegenseitige Überholen auf der Strecke eher schwierig wird. Es geht nur über die Strategie oder wenn sich ein Pilot einen Fehler erlaubt. Eine faszinierende Ausgangslage für das Rennen am Osterwochenende. Bahrain ist keine Strecke, auf der es sich leicht überholen lässt. Das DRS erwies sich in China als fast wirkungslos, die Gerade in Bahrain ist ein Stück zu kurz, um den Schwung des DRS auszunutzen. Aber die letzte Kurve kann einiges entscheiden, da man hier auch mal eine weitere Linie fahren kann. Das gilt auch für die erste Kurvenkombination in Bahrain, die zwei Linien erlaubt. Wie in den letzten Jahren schon häufiger gesehen, lässt sich die folgende Rechtskurve sehr gut für Ausbremsmanöver nutzen. Und genau dort werden wir vermutlich auch die meisten Manöver sehen.

Die Strecke ist abwechslungsreich und hat einige schnellen Kurven zu bieten. Dazu kommt, dass der Wind permanent Sand auf die Strecke weht. Vor allem abseits der Ideallinie wird es staubig, die Reifen verdrecken dort sehr schnell. Dazu kommen die hohen Temperaturen in Bahrain, am Wochenende sind wieder 30 Grad angesagt. Auch wenn es am frühen Abend dann kühler wird – gerade die Temperaturen dürften interessant werden.

Eine vermutete Schwachstelle des Mercedes ist der Reifenverschleiß, der mit hohen Temperaturen natürlich ansteigt. Der Ferrari kommt, nach den bisherigen Beobachtungen, besser damit klar. Scheinbar scheint er sogar zulegen zu können, wenn es wärmer wird. Ein Phänomen, dass man schon bei einigen Fahrzeugen beobachten konnte. Die wärmere und damit geringere Luftdichte führt zu minimalen Veränderungen in der Aerodynamik, die sich auf den Ferrari wohl positiv auswirken. Dazu kommt, dass der SF70-H besser mit den weicheren Reifen klarkommt. Also sollte, nach den bisherigen Erkenntnissen, Ferrari in Bahrain richtig gut und vielleicht sogar besser als die Mercedes aufgestellt sein. Zumindest, was den Renntrimm angeht.

Red Bull wird weiter mit Abstand unterwegs sein, schwierig ist aber zu sagen, wer dahinter liegen wird. Nach allem, was wir bisher wissen, müsste das der Williams sein. Aber das schlechte Rennen in China hat dann doch wieder für Skepsis gesorgt. Dass Massa mit dem eigentlich deutlich schnelleren Williams nicht in der Lage war, das Mittelfeld hinter sich zu lassen, hatte zwar auch was mit der Strategie zu tun, spricht aber auch nicht für den Renntrimm des Williams. Da sah der HaasF1 doch etwas besser aus. Dazu kommt, dass Toro Rosso ebenfalls schnell und stabil unterwegs ist. Im letzten Jahr konnte der Haas in Bahrain überzeugen.

Dahinter sortieren sich dann Force India, McLaren, Renault und Sauber ein. Dass Alonso den McLaren durchaus in Q3 prügeln kann, ist immer noch eine kleine Überraschung. Auf eine Runde hat der McLaren Leistung, das Problem ist dann das Rennen, wo Honda den Motor drosseln muss. Aber wenn Alonso in den Top 10 liegt, ist es sehr schwer, an ihm vorbeizukommen. Zumindest so lange, wie sein Motor hält.

Strategie:

Wie in China gibt es Supersoft, Soft und Medium. Die Strategie ist einfach: Start auf Supersoft, dann bis Runde 20 oder später durchhalten, dann wechselt man auf die Soft, um sicher durchs Rennen zu kommen. Die Versuche, in China zwei Mal zu stoppen, wurden bestraft. Zwar ist man auf dem Papier mit den Supersoft am Ende schneller, aber es ergeben sich zwei Probleme. Zum einen fällt man beim ersten Stopp ins Mittelfeld zurück und überholen ist mit den neuen Autos nicht mehr so leicht. Zum anderen verbrennt man mehr Sprit und muss aufpassen, dass man nicht an die erlaubten Grenzen stößt.

Für die Spitzengruppe gibt es wenig strategische Möglichkeiten. Als ein Ärgernis haben sich die Red Bull erwiesen. Die sind zwar langsamer, aber auch nicht so langsam, dass man in 20 Runden einen “freien” Boxenstopp auf sie herausfährt. Mercedes hat das in Australien lernen müssen, Ferrari mit Räikkönen in China. Zudem tendieren die Red Bull dazu, etwas länger zu fahren. Es gilt also, den ersten Stopp so zu legen, dass man vor den Red Bull wieder rauskommt. Das erschwert den Undercut, zumal das Delta zwischen gebrauchten Supersoft und neuen Soft nicht so groß ist, wie man sich das erhoffen würde.

Man könnte theoretisch beim ersten Stopp erneut auf die Supersoft wechseln, wenn man denn noch einen frischen Satz hat. Das aber würde bedeuten, dass man diese bis zum Ende fahren muss. Die bisherigen Ergebnisse haben gezeigt, dass die Pirelli aber am Ende ihrer Lebenszeit dramatisch einbrechen, also läuft man Gefahr, überrumpelt zu werden. Zudem ist der Asphalt in Bahrain fordernd, der Sand kommt noch dazu. Der Soft ist also die sicherste Variante für eine Ein-Stopp-Strategie.

Der Overcut ist eine andere Variante und in Bahrain durchaus machbar. Zum einen kann man mit einer längeren (möglichst ungestörten) Fahrt Zeit gutmachen, zum anderen kann man hoffen, dass die Konkurrenz entweder hinter den Red Bull hängt oder sich gegenseitig beschäftigt. Hier kommen dann die Teamkollegen ins Spiel. Wäre ich Ferrari oder Mercedes, würde ich Räikkönen oder Bottas länger draußen lassen, um die eigene strategische Möglichkeit eines Overcut in der Hinterhand zu haben.