Das Symmons-Plains-Wochenende der Supercars stand ganz im Zeichen des Samstagsrennens, oder besser gesagt des “Nicht”-Rennens. Denn ein Unfall auf der Gegengeraden, bei dem insgesamt 12 Autos verwickelt waren, sorgte dafür, dass bereits nach nicht einmal zwei Runden der Tag beendet war. Zudem wirken die Folgen dieser Massenkarambolage bei einigen Teams und Fahrern bis heute nach.

© Prodrive Racing Australia

Doch zu erst sollte man wohl einen genaueren Blick darauf werfen, wie es dazu kam: Vor dem Rennen hatte es ausgiebig geregnet, beim Start schien aber bereits wieder die Sonne. Verbunden mit der Gischt sorgte das Sonnenlicht dafür, dass die Sicht besonders auf der Gegengeraden relativ schlecht war. In der zweiten Runde hatte sich das Feld noch nicht verteilt und so fuhren Rick Kelly und Fabian Coulthard nebeneinander aus Turn 3 heraus. Coulthard, der auf der Innenseite fuhr, kam dabei ins Schlingern, touchierte Kelly und drängte ihn so in die Leitplanke auf der linken Seite und die beiden verloren an Fahrt. Hinter ihnen fuhr unter anderem Cameron Waters, der den beiden ausweichen wollte, dabei aber Garth Tander am Heck berührte. Der rutschte daraufhin quer über die Strecke und traf dabei Kellys Nissan und das Unheil nahm seinen Lauf. Neben den bereits genannten waren noch James Courtney, Scott Pye, Nick Percat, Tim Slade, Tim Blanchard, Simona de Silvestro, Alex Rullo, Taz Douglas, James Moffat und Will Davison beteiligt. Letzterer bremste erst zu spät, und zudem teilweise auf dem nassen Gras, was dazu führte, dass er mit über 120 km/h in den Wagen von Rick Kelly krachte.

Während Kelly glücklicherweise mit leichten Muskelverletzungen im linken Bein davon kam, wurde Davison mit Rückenschmerzen in das Krankenhaus von Launceston gebracht, wo ein kleiner Bruch in einem Rückenwirbel festgestellt wurde. Die Verletzung soll nach Ansicht der Ärzte aber schnell verheilen, sodass er sich bereits wieder zu Hause an der Gold Coast befindet und in Phillip Island wieder dabei sein könnte. Sein Einsatz dort hängt aber auch davon ab, ob Tekno den Wagen rechtzeitig reparieren kann, oder im Fall der Fälle sogar ein neues Chassis besorgen muss. Davison fehlte logischerweise im zweiten Rennen des Wochenendes, genau wie Rick Kelly, James Courtney und Taz Douglas, deren Wagen zumindest an der Strecke nicht zu reparieren waren. Fabian Coulthard wurden für den Kontakt mit Kelly 35 Meisterschaftspunkte abgezogen, auch wenn die Rennleitung ihn nicht für die anschließende Karambolage verantwortlich macht. Da die Untersuchung immer noch läuft, könnten Strafen für weitere Fahrer folgen.

Die Rennleitung gab im Anschluss übrigens mal wieder keine gute Figur ab (siehe auch Adelaide 2016). Die reguläre Rennzeit war schon längst abgelaufen, als man sich nach fast 50-minütiger Unterbrechung aus irgendwelchen Gründen dazu entschloss das Rennen hinter dem Safety Car neu zu starten, eine Runde unter gelb zu fahren, um dann das Rennen abzuwinken. Und nicht nur das. Denn als man die Autos wieder auf die Strecke schickte, waren die Bergungsarbeiten an der Unfallstelle noch nicht einmal beendet, denn dort wurden immer noch zwei Wagen auf Transporter verladen. Zudem war es bereits relativ dunkel und in der Boxengasse waren immer noch Trucks unterwegs. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, wollte man anschließend sogar volle Punkte vergeben, was unter anderem Garry Rogers, den man live im TV lauthals fluchen hören konnte, richtig auf die Palme brachte. Am Samstagabend Ortszeit siegte jedoch (heutzutage muss man wohl erstaunlicherweise sagen) die Vernunft, und die CAMS entschloss sich zusammen mit den Supercars doch keine Punkte zu vergeben, auch wenn Shane van Gisbergen für seine Statistik einen weiteren Laufsieg gutgeschrieben bekommt. Immerhin soll das Regelwerk im Bezug auf längere Unterbrechungen nun überarbeitet werden. So soll zum Beispiel geprüft werden, ob die maximale Rennzeit für solche Fälle verlängert werden könnte oder ob Rennen an einem anderen Tag nachgeholt werden können.

Rennen 2

Kommen wir jetzt aber zum zweiten Rennen des Wochenendes. Jamie Whincup startete von der Pole gefolgt von Scott McLaughlin, Chaz

Mostert und Tim Slade. Von den Startplätzen sechs und sieben gingen Shane van Gisbergen und Fabian Coulthard ins Rennen. Die Bedingungen waren auch im zweiten Lauf nicht ganz einfach, denn die Strecke war zu Beginn noch feucht. Dennoch versuchten Cam Waters, Jason Bright und Alex Rullo auf Slicks zu starten.

Beim Start hatten diejenigen, die auf den ungeraden Startpositionen, also auf der linken Seite des Grids losfuhren, einen entscheidenden Vorteil, da die Strecke dort trockener war. So gewann Whincup den Start gegen McLaughlin, und auch van Gisbergen konnte relativ einfach an seinem Vordermann Slade vorbeiziehen.

Nachdem man die ersten Runden ohne größere Probleme hinter sich gebracht hatte, rutschte Bright von der Strecke und sorgte für die erste Caution des Rennens. Diese wurde vom Rest des Feldes auch dankend angenommen, und alle wechselten bereits früh auf Slicks. Kurz vor der Gelbphase hatte van Gisbergen Todd Kelly in der Hairpin umgedreht und sich dabei eine Zeitstrafe von 15 Sekunden eingehandelt, die er bei seinem nächsten Stop absitzen musste, was ihn bereits früh aus der Entscheidung nahm.

Mostert und Waters nahmen bei ihren Stops weniger Sprit mit, und sorgten somit beim Restart für eine Doppelführung für Prodrive. Doch während Mostert sich zügig absetzen konnte geriet Waters schnell unter Druck seiner Verfolger. Ein Verbremser in der Hairpin sorgte schließlich dafür, dass in Runde 37 zu erst McLaughlin an ihm vorbeizog, eine Runde später gelang dies auch Whincup.

Nach einer weiteren Caution (Crash Blanchard auf Start-Ziel) in Runde 42, und den zweiten Pitstops kam es noch schlimmer für Waters. Bei einem hart geführten Duell mit Craig Lowndes, bei dem er Lowndes zunächst auf eine nasse Stelle der Strecke gedrängt hatte, revanchierte sich dieser mit einem klassischen Bump-and-run-Manöver in Turn 6 und übernahm somit Platz fünf vom Prodrive-Fahrer. Waters fiel nach einem kurzen Ausflug in die Wiese auf den siebten Rang zurück. Für mich persönlich ein harter Zweikampf, wie er bei Tourenwagen nun mal vorkommen kann, für die Rennleitung aber Anlass zur Untersuchung, dessen Ergebnis in Phillip Island bekanntgegeben werden soll.

Zur gleichen Zeit machte auch Coulthard das erste Mal in diesem Rennen auf sich aufmerksam. Denn dank einer guten Strategie seines Teams, lag er auf nun auf dem zweiten Platz hinter Mostert. Der von Platz sechs gestartete Kiwi hatte bis dahin ein unauffälliges Rennen, doch je trockener die Strecke wurde, umso mehr Speed hatte sein DJR-Penske-Falcon.

© Prodrive Racing Australia

Um die Führung zu übernehmen benötigte er diesen allerdings nicht, denn Mostert entsorgte sich nur wenige Runden nach dem zweiten Restart mit einem Fahrfehler in Turn 6 selber. Statt dem ersten Sieg für ihn seit Eastern Creek 2015, landete er am Ende nur auf Rang sieben. Da war definitiv mehr drin, für den zur Zeit eigentlich stärksten Prodrive-Piloten.

Fast gleichzeitig mit Mostert kam auch Lee Holdsworth, nach einem Duell mit Todd Kelly um den zehnten Platz, an gleicher Stelle von der Strecke ab, was abermals für eine Gelbphase sorgte. Holdsworth ging so ein Top-10-Ergebnis durch die Lappen, und er musste sich mit Rang 17 zufrieden geben. Und weil das alles noch nicht genug war, löste Todd Kelly (vermutlich Defekt an der Bremse) kurz vor Schluss eine weitere Caution aus, was allerdings keine Auswirkungen auf das Renngeschehen mehr haben sollte.

Das Rennen wurde aufgrund der vielen Unterbrechungen schließlich nach 76 statt der ursprünglich angesetzten 84 Runden abgewunken. Fabian Coulthard siegte vor seinem Teamkollegen Scott McLaughlin und Jamie Whincup, und feierte damit seinem ersten Laufsieg seit Adelaide 2015. Die Top fünf komplettierten Craig Lowndes und David Reynolds. Shane van Gisbergen kämpfte sich nach seiner Strafe immerhin noch auf Rang neun nach vorne.

Ergebnis Rennen 2
Highlights Rennen 2

In der Gesamtwertung führt weiterhin van Gisbergen mit insgesamt 384 Punkten, vor Coulthard (364 Punkte) und Whincup (333). Auf den Plätzen vier und fünf liegen McLaughlin (330) und Waters (312). Bei den Supercars steht als nächstes das Phillip Island 500 auf dem Programm, welches am Wochenende vom 21. bis 23. April stattfinden wird. Zum Abschluss gibt es wieder die Links zur Fahrer- und Teamgesamtwertung, sowie zur Stewards Summary der Supercars.