Am kommenden Wochenende startet unser aller Lieblings-Tourenwagenserie in die neue Saison. Höchste Zeit also für eine Saisonvorschau.
Auch wenn das diesjährige BTCC-Feld mit 21 Autos auf den ersten Blick eher klein wirkt, verspricht die Saison 2026 alles andere als Spannungslosigkeit. Im Gegenteil: Die Leistungsdichte scheint noch einmal enger geworden zu sein. Tom Ingram und Ash Sutton gehen naturgemäß als Titelkandidaten in das Jahr, doch dahinter ist der Kreis potenzieller Herausforderer groß. Dazu kommt ein Independent-Feld, das fast genauso viel Spannung verspricht wie das Gesamtklassement.
Auch abseits der Fahrerduelle hat die neue Saison einiges zu bieten. Jason Plato kehrt mit eigenem Team in die BTCC zurück und bringt zwei neu entwickelte Mercedes-AMG A35 Saloon an den Start. Power Maxed Racing geht nach dem Brand, der im Vorjahr die Werkstatt zerstört hat, mit drei neuen Audi S3 Saloon all in. Und NAPA Racing UK verabschiedet sich vom bisherigen Focus-Hatchback und setzt nun auf eine Saloon-Version des Ford Focus Titanium.
Hinzu kommt: 2026 ist das letzte Jahr des derzeitigen NGTC-Reglement-Zyklus. Auch künftig bleibt das NGTC-Grundgerüst zwar erhalten, ab 2027 werden die Regeln aber in zentralen Punkten geöffnet, damit Teams bei Karosserie- und Motorenwahl noch mehr Freiheit bekommen. Gleichzeitig läuft 2026 das zweite und letzte Jahr des bestehenden Engine Freeze. Das macht diese Saison zu einem Übergangsjahr – aber zu einem äußerst spannenden, das schon jetzt wie ein Vorspiel auf 2027 und darüber hinaus wirkt.
Am technischen Grundprinzip ändert sich 2026 ansonsten wenig. Das Hybrid-System war bereits 2025 Geschichte, die Fahrzeuge fahren also weiterhin ohne die frühere Hybrid-Leistungsabgabe und auch ohne das zusätzliche Hybridgewicht. Der Zusatzboost wird stattdessen wie im Vorjahr über den Turbolader geregelt. Fahrer auf den vorderen Meisterschaftspositionen beziehungsweise die besser klassierten Fahrer des vorherigen Laufs erhalten dabei weniger Turbo-Boost als weiter hinten platzierte Konkurrenten.
Die größte Neuerung ist stattdessen sportlicher Natur: In dieser Saison wird es ein zusätzliches samstägliches Qualifying-Rennen geben, von der BTCC „Race to Pole“ genannt. Dieses neue Format verändert den Ablauf am Samstag grundlegend. Statt zweier freier Trainings über jeweils 40 Minuten gibt es nun am Vormittag nur noch ein einziges Freies Training über 40 Minuten. Am Nachmittag folgt zunächst eine kurze Qualifying-Session, aufgeteilt in zwei Gruppen mit jeweils 15 Minuten Fahrzeit. Die Gruppe mit der schnellsten Zeit bestimmt dabei die Pole Position für das Qualifying-Rennen und besetzt anschließend alle ungeraden Startplätze; die andere Gruppe stellt analog die geraden Startplätze.
Direkt danach steigt das eigentliche Qualifying-Rennen über eine Dauer von rund 15 Minuten; die exakte Rundenzahl wird streckenspezifisch festgelegt. Optionsreifen sind dabei nicht zugelassen, und der verfügbare Turbo-Boost richtet sich – wie auch in der vorangegangenen Qualifying-Session – nach dem Meisterschaftsstand. Das Ergebnis des Rennens bestimmt anschließend die Startaufstellung für Lauf 1 am Sonntag.
Zudem wird es auch für das Qualifying-Rennen Punkte für die Gesamtmeisterschaft geben, und zwar halb so viele wie für einen normalen Lauf von Platz eins bis 15. Es werden jedoch keine Punkte für die Teamwertung, Herstellerwertung, Independent-Wertung oder die Jack Sears Trophy vergeben.
Das Qualifying-Rennen eröffnet logischerweise direkt neue taktische Ansätze: Geht man mehr Risiko, um Punkte zu holen und eine eventuell schlechte Quali-Zeit in eine verbesserte Startposition für Sonntag zu verwandeln? Oder geht man auf Nummer sicher und setzt mehr auf eine solide Basis für den Sonntag, ohne dabei eventuell das Auto zu beschädigen oder durch einen Unfall, Dreher etc. ans Ende des Feldes zu rutschen? Oder macht man im Qualifying-Rennen gar noch zusätzliche Setup-Arbeit für den Sonntag und pfeift mehr oder weniger auf eine gute Startposition?
So oder so ist das Hinzufügen des Qualifying-Rennens und das Streichen einer vollen Trainingssession mindestens mal ein interessantes Experiment. Die BTCC hat bekanntermaßen ihre größte Stärke im direkten Racing, und zehn zusätzliche Rennen, bei denen es um etwas geht, klingen verlockend.
Am Sonntag bleibt das vertraute Grundgerüst erhalten. Gefahren werden weiterhin drei volle BTCC-Läufe. Die Startaufstellung für Rennen 1 ergibt sich nun aus dem Ergebnis des Qualifying-Rennens, die für Rennen 2 aus dem Ergebnis von Rennen 1 und die für Rennen 3 wie gewohnt über das Reverse-Grid-Verfahren auf Basis des Ergebnisses von Rennen 2. Auf die Pole für Lauf 3 wird dabei ein Fahrer aus den Positionen acht bis zwölf gelost; bis zu dieser Position wird das Feld an der Spitze umgedreht.
In einem der drei Läufe am Sonntag muss – wie bisher – die als Optionsreifen deklarierte Reifenmischung von Goodyear gefahren werden. Dabei kann es sich je nach Strecke um eine gegenüber dem Standardreifen weichere oder härtere Mischung handeln, was den Option Tyre entweder zu einem Vorteil oder zu einem Nachteil machen kann. Ausnahme ist Thruxton, wo in allen drei Rennen ausschließlich der harte Reifen verwendet wird. Unverändert bleibt zudem die Regel, dass die drei Gesamt-Podestplatzierten von Rennen 1 den zweiten Lauf zwingend auf der härtesten ihnen zur Verfügung stehenden Reifenmischung bestreiten müssen.
Schauen wir uns das Feld 2026 genauer an:
Constructor Entries
Team VERTU (Excelr8 Motorsport) – Hyundai i30 Fastback N Performance
Der amtierende Champion Tom Ingram geht 2026 in seine sechste Saison am Steuer eines Hyundai i30 von Excelr8. Nach seinem Titelgewinn 2025 gehört er selbstverständlich erneut zum engsten Favoritenkreis. Der Hyundai i30 Fastback hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der komplettesten Autos im Feld entwickelt, dabei vor allem im vergangenen Jahr noch einmal einen entscheidenden Schritt gemacht, und auch in diesem Jahr dürfte das Paket wieder zu den stärksten gehören.
Teamkollege von Ingram ist erneut Tom Chilton. Der Routinier zeigte 2025 mit zwei Siegen und mehreren Podestplätzen eine klare Formsteigerung und wirkte über die Saison deutlich konkurrenzfähiger als in manchen Vorjahren. Für Ingram ist Chilton sportlich eine wertvolle Unterstützung, ohne dass sich an der Rollenverteilung im Team viel ändern dürfte: Ingram bleibt der klare Maßstab.
Neu im Team ist Ricky Collard, der nach Erfolgen im GT-Sport und dem British-GT-Titel zusammen mit Papa Rob am Steuer eines Lamborghini seine Rückkehr in die BTCC gibt. Collard ist zweifelsohne schnell und hat gezeigt, dass er das Zeug zum Rennsieger hat, gilt aber auch ein wenig als enfant terrible, das Auseinandersetzungen sowohl mit Kontrahenten als auch mit der Rennleitung gelinde gesagt „offen“ gegenübersteht. In jedem Fall ist Collard eine spannende Ergänzung für das erfolgreiche Hyundai-Team von Excelr8.
Das vierte Auto übernimmt Nicolas Hamilton. Der Wechsel in ein starkes Umfeld ist für den Bruder von Lews Hamilton ohne Frage eine große Chance. Zu erwarten, dass er damit plötzlich regelmäßig ganz vorne auftaucht, wäre überzogen. Aber erstmals seit längerer Zeit hat er nun ein Paket, das ihm eine realistischere Standortbestimmung und Weiterentwicklung erlaubt.
NAPA Racing UK (Alliance Racing) – Ford Focus Titanium Saloon
NAPA Racing UK sorgt 2026 mit einem der auffälligsten technischen Themen des Winters für Gesprächsstoff. Der bisherige Focus-Hatchback weicht einer neuen Saloon-Version des Ford Focus Titanium. Das „neue“ Auto weckt unweigerlich Super-Touring-Car-Vibes und lässt einen an alte Mondeos und Co. zurückdenken.
Der Hintergrund für den Modellwechsel ist simpel: Das bisherige Auto ist mehr oder weniger ausentwickelt, und um den leichten Vorsprung, den Excelr8 mit dem Hyundai im letzten Jahr hatte, aufzuholen, musste man sich etwas einfallen lassen. Der größte Teil des diesjährigen Autos, inklusive des Radstands, ist gegenüber dem Vorjahr unverändert und steht auf der von Alliance Racing entwickelten bewährten Technik-Plattform. Von dem neuen, nach hinten länger überhängenden und sanfter abfallenden Saloon-Heck verspricht man sich aber deutliche aerodynamische Vorteile mit weniger Luftwiderstand – schon immer der größte Pain Point beim bisher eingesetzten Hatchback.
Möglich wird der Einsatz des in Westeuropa, einschließlich des Vereinigten Königreichs, gar nicht erhältlichen Saloon-Modells durch eine vorgezogene Regellockerung, die eigentlich erst für die nächster Iteration des NGTC-Reglements geplant war. Künftig muss ein eingesetztes BTCC-Modell nicht mehr exakt in derselben Karosserievariante im Vereinigten Königreich angeboten werden; entscheidend ist vielmehr, dass die Marke grundsätzlich im UK-Markt vertreten ist. Das genaue Modell kann dann auch aus dem globalen Angebot des Herstellers gewählt werden.
Sportlich bleibt Ash Sutton die Speerspitze. Der vierfache Champion hat den Titel 2025 nur knapp verpasst und geht mit einem neuen Auto und einer offenen Rechnung in die Saison, die er mit Rekord-Titel Nummer fünf krönen möchte. Sutton ist neben Ingram erneut einer der zwei naheliegendsten Titelkandidaten im Feld. Dan Cammish bildet daneben einmal mehr eine starke zweite Spitze. Für den Vizechampion des Jahres 2019 steht eine erneute Saison auf dem Programm, in der es für ihn darum gehen wird, den Anschluss an Sutton zu halten und – wenn irgendwie möglich – ebenfalls ein Wort im Kampf um den Titel mitzureden.
Auch Sam Osborne, der im vergangenen Jahr seinen ersten Sieg in der BTCC feiern konnte, bleibt im Team, während der zu Plato Racing abgewanderte Dan Rowbottom (s. u.) durch BTCC-Debütant und Mini-Challenge-Routinier Lewis Selby ersetzt wird. Selby ist der typische Late Bloomer im Motorsport, der sich sukzessive im Amateurbereich gesteigert hat und nun den Sprung in die BTCC geschafft hat. Für 2026 ist er ein heißer Kandidat auf den Titel in der Jack Sears Trophy für den besten Rookie.
Speedworks Corolla Racing – Toyota Corolla GR Sport
Speedworks Motorsport tritt auch 2026 mit den üblichen Corolla GR Sport-Modellen an. Und damit sind wir auch gleich beim größten Schwachpunkt: Der Corolla, der ohnehin nie so wirklich den Durchbruch zum Top-Auto geschafft hat, ist längst kein neues Auto mehr, und im direkten Vergleich mit Hyundai, Ford oder dem ausentwickelten BMW von WSR wirkt das Paket eher wie eines, das für gute Wochenenden und Einzelergebnisse taugt als für eine komplette Titelkampagne.
Das Hatchback-Modell ist als kürzestes Auto im BTCC-Feld zudem aerodynamisch (siehe der Wechsel vom Hatchback auf Saloon bei NAPA Racing UK) und fahrdynamisch benachteiligt und der Versuch, die Performance in den letzten beiden Jahren mit einem eigenen Motorenprogramm nach vorne zu bringen, sind obendrein gescheitert. Nach viel Ratlosigkeit ist man auf den TOCA-Motor von M-Sport zurückgewechselt.
Das offizielle Speedworks-Aufgebot schrumpft in diesem Jahr von vier auf zwei Fahrzeuge. Zwei weitere Corolla werden aber parallel unter MB Motorsport in der Independent-Wertung eingesetzt, operativ jedoch ebenfalls von Speedworks betreut.
Die beiden Speedworks-Autos werden in diesem Jahr von Routinier Josh Cook und Youngster Max Buxton pilotiert. Cook ist zweifelsohne für Überraschungserfolge gut und kann aus schwächerem Material mehr rausholen, als drinsteckt. Buxton gab Mitte des letzten Jahres sein BTCC-Debüt, als er das Auto des gechasten Ronan Pearson übernahm. Für ihn ist 2026 seine erste volle Saison und damit ein Lernjahr, in dem er ein Auge auf die Jack Sears Trophy haben wird.
Mein Eindruck: 2026 wirkt bei Speedworks wie ein Jahr, in dem man sich sportlich solide halten, strukturell sortieren und mit Blick auf die kommenden offeneren NGTC-Regeln neu orientieren will.
Cataclean Plato Racing – Mercedes-AMG A35 Saloon
Die Ankündigung sorgte Mitte der vergangenen Saison für eine kleine Sensation: BTCC-Haudegen Jason Plato kehrt als Teamchef in die BTCC zurück. Und nicht nur das: Auch ein neues Auto sollte Teil des Plans sein. Und was soll man sagen: eindeutig abgeliefert. Zusammen mit RML (man kennt sich ja schließlich bestens aus gemeinsamen erfolgreichen BTCC-Zeiten) hat Plato Racing zwei nagelneue Mercedes A35 für die BTCC entwickelt und gibt damit sein BTCC-Debüt. Motorenseitig macht man keine wilden Experimente und setzt erst einmal auf den TOCA-Motor von M-Sport.
Als Fahrer nehmen Dan Rowbottom und Adam Morgan in den beiden A-Klassen Platz, die beide lustigerweise 2019 schon einmal Teamkollegen am Steuer einer A-Klasse waren – damals noch bei Morgans Team Cicely Racing. Für Rowbottom kommt der Wechsel und die Gelegenheit genau zur rechten Zeit: Bei NAPA Racing UK konnte er sich nie so richtig aus dem Schatten von Sutton und Cammish lösen. Zudem wurde die Stimmung hinter den Kulissen gerüchteweise zunehmend hitzig – insbesondere zwischen Rowbottom und Cammish nach der unglücklichen Kollision beim Saisonfinale 2025. Für Morgan gilt mehr oder weniger dasselbe: Bei Excelr8 hatte er zwar erstklassiges Material, spielte aber trotz guter Ergebnisse hinter Ingram und Chilton oftmals nur die dritte Geige. Bei Plato Racing stehen die erprobten Rennsieger Rowbottom und Morgan nun gleichberechtigt in der ersten Reihe.
Realistisch betrachtet ist 2026 für Plato Racing natürlich zunächst ein Lernjahr. Ein komplett neues Team mit neuem Auto gewinnt nicht automatisch auf Knopfdruck. Aber wenn irgendwo im Feld ein Debütant das Potenzial hat, schneller als üblich wettbewerbsfähig zu werden, dann hier. Zu viel BTCC-Erfahrung, zu viele gute Leute und zu viel klares Konzept stecken in diesem Projekt, um es als bloßen Mittelfeldversuch abzutun.
Independents
Laser Tools Racing with MB Motorsport – Toyota Corolla GR Sport
MB Motorsport rund um Ex-F1-Pilot Mark Blundell ist bekanntermaßen kein komplettes Team mit eigenem Shop und eigener Entwicklung, sondern eine Art „Team-Entität“, die sich mit Sponsorenpaket und einer Handvoll eigenem Personal an ein bestehendes Team andockt, das dann den Großteil des operativen Einsatzes übernimmt. In den letzten Jahren war man mit einem von WSR eingesetzten BMW sehr erfolgreich unterwegs und konnte 2024 mit Stammpilot Jake Hill sogar die Meisterschaft holen. 2026 ist jedoch nun ein Neustart: Hill ist Richtung GTs abgewandert, und die Partnerschaft mit West Surrey hat ebenfalls ihr Ende gefunden.
Stattdessen werden in dieser Saison zwei Toyota Corolla in der Independent-Wertung eingesetzt, die von Gordon Shedden und Árón Taylor-Smith pilotiert werden. Hinter dem operativen Einsatz steckt natürlich Speedworks Motorsport, und im Prinzip sind das die beiden aus der offiziellen Speedworks-Meldung weggefallenen Autos, die auch bereits im Vorjahr von Shedden und Taylor-Smith gefahren wurden.
Die Fahrerpaarung ist über jeden Zweifel erhaben, auch wenn Shedden mittlerweile zu den Senioren im Feld gehört; er ist aber immer noch zu clever und zu schnell, um ihn abzuschreiben. Taylor-Smith bringt ohnehin seit Jahren zuverlässig mehr aus seinem Material heraus, als man rein vom Papier erwarten würde.
Die eigentliche Unbekannte bleibt das Auto. Der Corolla ist kein schlechtes BTCC-Fahrzeug, aber eben auch keines, das zuletzt regelmäßig als Maßstab galt (s. o. bei Speedworks). Möglich ist deshalb vieles: von einzelnen starken Wochenenden bis hin zu einer insgesamt respektablen, aber nicht titelreifen Saison. Ein kleiner Pluspunkt könnte MB-Motorsport-Technikchef und Renningenieur Craig Porley sein, der bereits bei WSR dafür gesorgt hat, dass der Laser-Tools-330er von Jake Hill irgendwie immer ein wenig besser lief als die WSR-Stamm-Autos. Dass MB Motorsport innerhalb des Toyota-Lagers am Ende erfolgreicher sein könnte als das offizielle Speedworks-Aufgebot, würde mich insgesamt nicht überraschen.
West Surrey Racing – BMW 330i M Sport LCI
Bei West Surrey Racing backt man in diesem Jahr etwas kleinere Brötchen – zumindest was die BTCC angeht. Als neues Betätigungsfeld hat man die British GT für sich entdeckt, wo man in der GT4 einen BMW M4 einsetzen wird, der u. a. von WSR-Urgestein Colin Turkington pilotiert wird. Obendrein hat die Partnerschaft mit Laser Tools/MB Motorsport ein Ende gefunden und LKQ ist zusammen mit Aiden Moffat zu Power Maxed Racing abgewandert.
Für die BTCC bedeutet das einen Wechsel von der Constructor- in die Independent-Wertung und eine Reduzierung des Fahrzeugaufgebots von vier auf zwei. Die beiden Autos werden von den verbliebenen Vorjahrespiloten Daryl DeLeon und Charles Rainford pilotiert. Beide Fahrer konnten im vergangenen Jahr durchaus überzeugen und lieferten sich unter anderem einen spannenden Kampf um den Titel in der Jack Sears Trophy, die DeLeon letzten Endes knapp gewann.
Der BMW 330i bleibt trotz der Schwierigkeiten des vergangenen Jahres eines der ausgereiftesten Autos im Feld. Dass WSR 2025 nicht auf dem gewohnten Niveau operierte, ändert nichts an der grundsätzlichen Qualität von Team, Ingenieursseite und Organisation, was das Team trotz der Reduzierung des Fahrzeugaufgebots und etwas klammerer Kasse weiterhin zu einem der Top-Teams zählen lässt. Ob es zu einem echten Angriff auf die Gesamtmeisterschaft reicht, hängt davon ab, wie gut WSR die Balance- und Gewichtsprobleme des Vorjahres wirklich gelöst hat und ob DeLeon und/oder Rainford in der Lage sind, konstant zu fahren. Aber mindestens im Independent-Klassement gehört das Team für mich klar zu den heißesten Kandidaten.
Restart Racing – Hyundai i30 Fastback N Performance
Das vor gerade einmal drei Jahren in die BTCC eingestiegene Team Restart Racing schaffte im vergangenen Jahr endgültig den Durchbruch, als man mit Dan Lloyd nicht nur den ersten Gesamtsieg einfahren konnte, sondern sich zum Ende der Saison auch den Titel in der Independent-Wertung holte. Gut, dabei hat man auch ein wenig davon profitiert, dass Hauptkonkurrent Power Maxed Racing zur Saisonmitte die gesamte Werkstatt samt Autos abgefackelt ist, aber dennoch zeigt die Formkurve des Teams durchgehend nach oben, und man hat sich als feste Größe in der BTCC etabliert.
Für 2026 setzt man erneut zwei von Excelr8 aufgebaute Hyundai i30 ein. Das erste Fahrzeug wird von Restart-Stammpilot Chris Smiley pilotiert, während James Dorlin im zweiten Auto Independent-Champion Dan Lloyd ersetzt, der angekündigt hat, ein Jahr Pause einzulegen, um seine neu gegründete Management- und Sponsor-Agentur auszubauen. Während es für Dorlin, der in seine zweite BTCC-Saison geht, darum gehen wird, weiter zu lernen, wird Smiley ganz klar auf den Independent-Titel schauen, für den er als klarer Mitfavorit gilt. Die Konkurrenz ist mit WSR und Laser Tools sowie den neuen Audis von PMR jedoch ungleich stärker geworden als im vergangenen Jahr.
LKQ Euro Car Parts with Power Maxed Racing / Steel Seal with Power Maxed Racing – Audi S3 Saloon
Kaum eine Teamgeschichte des Winters ist eindrucksvoller als die von Power Maxed Racing. Nach dem verheerenden Brand des Vorjahres stand die Mannschaft praktisch vor dem Nichts, setzte die Saison mit geliehenen Cupra Leon aber trotzdem fort und fuhr bis zuletzt um den Independent-Titel mit. Dass PMR nur wenige Monate später mit drei neu aufgebauten Audi S3 Saloon zurückkehrt, ist eine enorme Leistung.
Für 2026 geht das Team damit gleich mehrere Schritte auf einmal. Das Fahrzeug ist neu, die Struktur wächst, und mit der Unterstützung von LKQ als Sponsor ist auch die wirtschaftliche Basis breiter als zuvor. Die Fahrerbesetzung mit Aiden Moffat (der LKQ mitgebracht hat), Mikey Doble und Dexter Patterson ist vielversprechend. Moffat sucht nach einer schwierigeren BMW-Phase einen Neuanfang, Doble hat 2025 mit seinem ersten Gesamtsieg endgültig bewiesen, dass er mehr kann als nur gute Independent-Ergebnisse, und Patterson bekommt nun die Chance, sich in einem mutmaßlich konkurrenzfähigeren Paket zu steigern.
Gerade PMR ist für mich eines der großen Dark Horses dieser Saison. Ein neues Auto eröffnet immer Potenzial, birgt aber ebenso zwangsläufig Risiken. Niemand weiß vor dem ersten echten Rennwochenende exakt, ob der Audi sofort sitzt oder zunächst Anlauf braucht. Dass PMR jahrelang mit dem Vauxhall-Astra-Oldtimer und damit eher mit bewährtem Material gearbeitet hat, macht den Schritt zusätzlich spannend. Ziel von PMR wird aber so oder so ganz klar der Kampf um den Independent-Titel sein, für den für mich teamintern Mikey Doble ganz klar der Favorit ist.
Wer fehlt?
Letztlich nicht im finalen 2026er Feld vertreten sind Un-Limited Motorsport und One Motorsport, obwohl beide im Dezember 2025 noch zu den TBL-Inhabern zählten. In der finalen Startliste tauchen sie jedoch nicht auf. Bei Un-Limited, vor zwei Jahren aus der Konkursmasse des ehemaligen Team HARD entstanden und seither mit Cupra Leon unterwegs, ist der wichtigste Sponsor zu Jahresbeginn abgesprungen. Von One Motorsport (ehemals BTC Racing) hat man nie wieder etwas gehört, seit das Team, das seit jeher Honda Civics aus alten Team-Dynamics-Beständen eingesetzt hat, im vergangenen Jahr zur Mitte der Saison recht abrupt ausgestiegen ist, nachdem der Teamchef gesundheitliche Probleme bekommen hatte. Damals hieß es noch, dass man sich vollkommen auf 2026 konzentrieren wolle, was sich so offenbar nicht hat umsetzen lassen.
Kalender
Wie eigentlich schon üblich gibt es beim Rennkalender 2026 keine wesentlichen Neuerungen. Dieselben Strecken wie in den Vorjahren stehen auch 2026 auf dem Programm, lediglich einige Saisonstationen haben ihren Platz im Kalender gewechselt. Der Saisonauftakt findet wie üblich auf dem National Circuit von Donington Park statt, das Saisonfinale im Oktober auf dem altehrwürdigen GP Circuit von Brands Hatch.
18./19. April: Donington Park National Circuit
09./10. Mai: Brands Hatch Indy Circuit
23./24. Mai: Snetterton 300 Circuit
06./07. Juni: Oulton Park Island Circuit
25./26. Juli: Thruxton Circuit
08./09. August: Knockhill Racing Circuit
22./23. August: Donington Park GP Circuit
05./06. September: Croft Circuit
26./27. September: Silverstone National Circuit
10./11. Oktober: Brands Hatch GP Circuit
Los geht es am kommenden Wochenende in Donington. Das Qualifying startet um 14:00 Uhr Ortszeit (15:00 Uhr MEZ), das Qualifying Race um 15:05 Uhr (16:05 Uhr MEZ). Die Startzeiten der drei Rennen am Sonntag sind: 11:30 Uhr (12:30 Uhr MEZ), 14:40 Uhr (15:40 Uhr MEZ) und 17:30 Uhr (18:30 Uhr MEZ).
Die komplette Qualifying-Session inklusive Race to Pole wird via ITV-YouTube gestreamt; der Rennsonntag läuft in Großbritannien auf ITV4 und außerhalb von UK auf dem offiziellen BTCC-YouTube-Kanal.
Bilder btcc.net
