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Best of 2025 (Phil) – Neue Realitäten, alte Träume

Über Dreikämpfe, staubige Akten und Bathurst-Bier

von Philipp Körner
1 Kommentare 10 minutes read

Puh, wieder ein Jahr überstanden. Und was für eines! Die Saison 2025 erfüllte zahlreiche unserer Best-of-Wünsche der vergangenen Ausgaben mit Bravour. Formel-1-Showdown? Check! Neue Stars? Check! Und eine sich erholende deutsche Szene? Sowas von Check! Was sonst noch überzeugte, wer hingegen neue Sorgen aufkommen ließ und weshalb ich „WTF?!“ dachte.

Lange nicht voneinander gehört, Racingblog-Community! Keine Sorge, es lag nicht an Euch. Aber irgendwie auch nicht am mir? Da der moderne Rennsport von Januar bis Dezember mittlerweile einer Dauerbeschallung gleichkommt, gab es immer (zu) viel zu tun. Wie jüngst nach jedem Jahr stellt sich hier die Frage, ob das jetzt gut, schlecht oder irgendwo dazwischen ist. Ganz ehrlich? Keine Ahnung.

Immer häufiger bin ich allerdings heilfroh, dass allerspätestens um Weihnachten herum endlich echte Ruhe einkehrt. Trotzdem erwische ich mich wieder schnell beim völlig ausgehungerten Starren in die TV/Stream-Zeiten. Ähnlich zum Kühlschrank auf der Suche nach einem Mitternachtssnack.

Die geschätzten Zeiten-Kollegen konnten im ausgelaufenen Jahr häufig groß aufkochen. Zahlreiche Serien boten spannende Saisons. Und die, die es nicht taten, hatten immerhin Highlight-Rennen als Entschädigung. Natürlich muss das Grand Finale der Formel 1 die Story 2025 sein. Obwohl die letzte Folge von Abu Dhabi echt enttäuschte, war die Staffel bis dahin extrem spannend.

ABU DHABI, UNITED ARAB EMIRATES – DECEMBER 07: Mechanics celebrate as 2025 F1 World Drivers Champion and Third placed Lando Norris of Great Britain driving the (4) McLaren MCL39 Mercedes takes the chequered flag during the F1 Grand Prix of Abu Dhabi at Yas Marina Circuit on December 07, 2025 in Abu Dhabi, United Arab Emirates. (Photo by Andrew Ferraro/LAT Images)

 

Aliens, Techno und Moderne

Auf der einen Seite stand der „Außerirdische“ Max Verstappen, frei nach meinem in die (Teilzeit-)Rente verabschiedeten Kollegen Michael Schmidt. Auf der anderen Seite die Papaya-Boys Lando Norris und Oscar Piastri. Hier das radikal auf einen Piloten zugeschnittene, dauerkontroverse Red Bull. Und da die dogmatischen, nach Ruhe gierenden Teamplayer von McLaren. Umso ironischer war es, dass sich die Rollen am Ende fast vertauschten. In Krisenzeiten kommen Charaktere ans Licht.

Ich bin ehrlich: Verstappens Titel wäre für mich das bessere Ende gewesen. Nicht weil mir eine Palette Dosen geschickt worden wäre. Oder weil mir Leute, die den ganzen Tag Techno hören und Orange tragen, gefährlich erscheinen (vielleicht etwas?). Nein, selbst mit dem Barcelona-Wutausbruch bleibt der NLS-Sieger für mich der Fahrer der Formel 1. Niemand vereint die Anforderungen der Renn-Moderne so perfekt wie der Jungvater.

Trotzdem haben sich der neue Weltmeister Lando Norris und sein Teamrivale Oscar Piastri massiven Respekt verdient. Auch Norris symbolisiert den Typus „Moderner Racer“. Jedoch etwas anders als Verstappen, denn er und sein PR-Team wissen das Aus-der-Norm-fallende smart zu beleuchten bzw. zu vermarkten. Während Verstappen Emotionen eher in nächtlichen Gaming-Sessions vergräbt, lässt sie Lando Norris authentisch heraus.

SAO PAULO, BRAZIL – NOVEMBER 09: Max Verstappen of the Netherlands driving the (1) Oracle Red Bull Racing RB21 on track during the F1 Grand Prix of Brazil at Autodromo Jose Carlos Pace on November 09, 2025 in Sao Paulo, Brazil. (Photo by Sam Bagnall/Sutton Images)

Zwischen den F1-Jahren

Das kann man mögen, hinterfragen oder geflissentlich ignorieren. An dem Fakt eines durch Können erarbeiteten WM-Pokals kommt keiner vorbei. Auch nicht Oscar Piastri. Der Schweiger aus Melbourne sollte 2025 bittere Lektionen lernen. In fast jeder anderen Saison wäre er die Sensation gewesen. Stattdessen musste er sich die Frage gefallen lassen, warum plötzlich seine Perfektion flöten gegangen war.

McLarens Stütze auf dem Weg zum souverän verteidigten Konstrukteurstitel wird es verkraften, und gute Vorsätze für 2026 haben. Die gibt es ebenso abseits der WM-Spitze. Ich freue mich auf die nächsten Schritte der Jugend-Revolution. Was machen Antonelli, Hadjar und Co. im zweiten Jahr? Kann auch Rookie Arvid Lindblad die Unkenrufe im Keim ersticken? Wird Cadillac doch bereuen, dem Alter Vorrang gegenzuhaben? Wer gewinnt bei Audi das Generationenduell?

Ergänzt um die radikalen Regeln hat 2026 gute Vorzeichen, mich nach zuletzt eher begleitenden, weil überdrüssigen, Jahren wieder mehr in den direkten F1-Bann zu ziehen. Schon jetzt schwingt beim Reglement zwar der Ruf einer verrutschten Verzweiflungstat mit – man denke nur an das Laden über Verbrenner. Aber genau so eine machte 2009 zu meiner absoluten Lieblingssaison der jüngeren Formel-1-Historie. Natürlich kann es kein zweites Brawn-Märchen gehen. Oder…

NORTHAMPTON, ENGLAND – JULY 06: Third placed Nico Hulkenberg of Germany and Stake F1 Team Kick Sauber on the podium with his trophy during the F1 Grand Prix of Great Britain at Silverstone Circuit on July 06, 2025 in Northampton, England. (Photo by Clive Rose/Getty Images)

The Times They Are a-Changin’

Bevor wir weiter auf die Höhepunkte des Jahres schauen, machen wir einen Abstecher in die Renn-Region, welche bei mir die Doppelrolle aus Herzensangelegenheit und Sorgenkind besetzt: Nordamerika. Während die IMSA sich noch ordentlich aus der Affäre zog und einige gute Entscheidungen traf (Enduro auf der Road America, baby!), stehen die NASCAR und die IndyCar vor komplizierten Zeiten.

Speziell die NASCAR wirkt kopflos. Playoffs? Fragt mal Connor Zilisch. Charter-Rechtsstreit? Lange vorab angedrohte Katastrophe. Aktuelle Auto-Generation? Nie so richtig den Erwartungen gefolgt. Dass jetzt ausgerechnet Jim France der reine Buhmann wird, erscheint mir unfair. Trotzdem bleibt die Forderung nach einem echten Umbruch sehr gerechtfertigt. Die aktuellen Umstände könnten jedoch kaum komplizierter sein. Und in Sachen Fortschritt war die NASCAR selten im Windschatten.

Ähnlich kompliziert wirkt die Akte IndyCar. Für 2028 wurde nun endlich offiziell das neue Auto angekündigt. Darüber hinaus bringt der ergänzte Investor Fox verhältnismäßig frischen Wind in einen Laden, der dringend mal durchgelüftet werden muss. Aber knallharte Fragen wie auslaufende Motorenpartner-Verträge und die mittlerweile erdrückende Álex-Palou-Dominanz schmerzen. Mit etwas Glück kann vielleicht Mick Schumacher gegen Letzteres Linderung liefern.

Erster WM-Titel seit 53 Jahren

Zurück auf die Weltbühne, genauer gesagt die der Langstrecke. Dort schrieb Ferrari die Schlagzeilen, welche man den Fans der Königsklasse wiederholt verwehrte. Damit es nicht zu obszön rot wurde, feierte Robert Kubica in Le Mans ein vorzeitiges Happy End für seine eigentlich als Drama abgestempelte Karriere. Er und die Teamkollegen im gelben 499P brauchten natürlich Glück. Über die 24 Stunden machten sie zusätzlich jedoch einen grandiosen Job.

Wie sehr die WEC dann doch am Tropf der Sarthe hängt, zeigt eine schnelle Abfrage der sonstigen Rennen. An was erinnert man sich direkt? Wahrscheinlich fällt den meisten eher das Porsche-Ausstiegsdrama ein. Viele denken sicher an Spa, der nächstgelegene WM-Lauf des deutschsprachigen Raums. Danach wird es wohl lückenhaft. Die wichtigste Hausaufgabe der WEC muss es sein, den Rest des Kalenders mehr zu beleben.

Beim WM-Feld gibt es selbst ohne Porsche keine Kopfschmerzen. Denn die harsche Realität ist, dass die Zuffenhausener – teils selbst verschuldet – nicht mehr ihr früheres Standing besitzen. Auch wegen des F1-Hypes werden Marken wie McLaren und Ford nun stufenweise mehr Strahlkraft mitbringen, als zum Saisonende 2025 wegen Porsche verschwand. Sogar Hyundais kürzlich umgeformte Sporttochter Genesis kann durch ihre ehrlichen Rennabsichten früh Fans finden.

83 KUBICA Robert (pol), YE Yifei (chn), HANSON Philip (gbr), AF Corse, Ferrari 499P, #83, Hypercar, ambiance during the 24 Hours of Le Mans 2025, 4th round of the 2025 FIA World Endurance Championship, on June 15, 2025 on the Circuit des 24 Heures du Mans in Le Mans, France – Photo Julien Delfosse / DPPI

Das Gute im Schlechten?

Darf man hier eigentlich noch die schlimmsten drei Buchstaben des Rennsports nennen? Komm, ich traue mich: B-O-P! 2025 waren sie altbekannt nervig, besonders in der WEC und IMSA. Erst erklärten beide Ausrichter, den Dreh der Balance of Performance endlich rauszuhaben. Nur um dann die Systeme wieder völlig über den algorithmischen Haufen zu werfen. Und siehe da: Der Sport zeigt sich verbessert. Bis die nächste Änderung nötig wird.

Machen wir es kurz. Der Geist ist aus der Flasche. Ich würde konsequent lieber BOPs in ihren mittelmäßigsten Formen sehen als Felder mit deutlich zu wenig Autos. Außerdem sind technologische Hochphasen der Kategorie LMP1-H aktuell so weit entfernt wie Audi vom Le-Mans-Comeback. Trotzdem bleibt es schade, dass die Versprechungen einer neutralen, quasi durchdigitalisierten Systematik nur genau das in den Topklassen waren: Versprechungen.

Deutlich näher an der Wunschvorstellung präsentierte sich dafür die LMGT3, und oft die GT3-Kategorie in ihrer Gesamtheit. Überall, wo die GT-Weltformel aufschlägt, ist der Sport fantastisch. Eine Mischung aus Nachfolgemodellen und komplett neuen Autos zementiert hier ebenfalls eine solide Basis. Wenn selbst Toyota seinen GT3-Renner endlich hinbekommt, kann ja nichts mehr schiefgehen.

Manthey-Mania mit Mini-Makel

Beim deutschen GT3-Powerhouse Manthey Racing ging 2025 genau eine Sache schief: Die Eifel-Truppe verpasste den 24-Stunden-Heimsieg auf kontroverse Weise gegen BMW und Rowe. Sonst lief es in der DTM und der WEC samt Highlight Le Mans fantastisch. Kleinere Probleme auf dem Weg? Künstlerpech! Die neue IMSA-Konkurrenz ab 2026 darf sich also warm anziehen.

Für die DTM sei an dieser Stelle eine Lanze gebrochen. Zurecht findet sich in diesem Blog noch ein tiefes Class-1-Trauma. Und ich erinnere mich regelmäßig daran, dass wir schon vor dem Mercedes-Ausstieg warnende Worte gebetsmühlenartig parat hatten. Gerade in die wieder aufkommende Früher-war-mehr-Carbon-Melancholie sei also eingeworfen: Die ADAC-DTM ist nicht perfekt, hat auch Pech – z.B. durch die Abgänge von René Rast und Ayhancan Güven.

Insgesamt macht sie dennoch das meiste richtig. Und würde auch sie wegbrechen, wäre es ganz schnell ruhig in der vermeintlichen Renn-Bundesrepublik. Ähnliches gilt für Verstappens Lieblings-Sportwagenserie NLS. Dort hat man 2025 wieder einen Weg gefunden, der nicht auf Deutschlands peinlichere Version des Splits hinausläuft. Es bleibt genug zu tun, aber vielleicht kann ein gewisser Holländer bei ausbleibendem F1-Erfolg helfen.

DTM, 15. + 16. Rennen Hockenheimring 2025 – Foto: Gruppe C Photography

Sünden und Belohnungen

Als sportlicher Rauswerfer sei mir noch ein fixer Husarenritt durch andere Serien erlaubt! Zuerst möchte ich Abbitte leisten. Trotz der YouTube-isierung der BTCC habe ich sehr viel verpasst. Vergib mir, Sebastian, denn ich habe gesündigt. Die Briten nahmen es mir zumindest nicht übel und belohnten mich in den wenigen Rennen mit grandiosem Sport. Die Chancen für ein starkes 2026 stehen gut. Und wieder pro Tom Ingram?

Yankees perfekt kuratierten Japan-Sport ließ ich ebenso oft auf den Traditionsstrecken. Hier bleibt der Wunsch einer komfortableren Streaming-Verfügbarkeit, natürlich außerhalb der Grauzone. Sowohl die Super Formula als auch die Super GT hätten es verdient. Ähnlich wie bei anderen nationalen Formaten wächst der Druck durch den Boom der Formel 1. Man hat nur so viel Gehalt…

Immerhin Thomasʼ Supercars konnte ich intensiver verfolgen. Speziell Bathurst belohnte dafür ausgiebig. Mit dem Einstieg von Toyota kommt 2026 eine langersehnte Dynamik hinzu. Eine andere hätten hingegen mit dem Neujahrsfeuerwerk von Sydney explodieren dürfen: Playoffs. Wie in der NASCAR gilt, dass keiner das System wirklich in der Gänze mag. Selbst Profiteur Chaz Mostert sollte es tief im Herzen, neben der Stelle für kaltes Bathurst-Bier, so sehen.

Macau - Porsche 911 GT3

Macau schloss den Kreis

Und damit rast mein auch in diesem Jahr wieder einziger Racingblog-Artikel der Zielflagge entgegen. Es gäbe noch viel mehr zu all den Serien, Rennen und Szenen zu sagen. Wir haben sogar Dirt-Racing als festen Content nun! Auch hätten es alle Kollegen hier verdient, erwähnt zu werden. Was mir die Community immer noch bedeutet, kann ich jedoch viel besser mit einer Anekdote zusammenfassen.

Der Entschluss, über den Motorsport zu schreiben, begann damals durch Macau. Dieser immer junge Mix aus Hardcore-Strecke, rennkulturellem Schmelztiegel und, nunja, auch Shitshow hatte mich ab der ersten Runde gepackt. Zwar sollten die 12 Stunden von Bathurst 2016 mein Debüt hier werden. Zehn Jahre später schloss sich mit der Reise trotzdem der Kreis. Mein erster Gedanke, als ich endlich auf dem Guia-Hügel stand,… war ehrlicherweise: WHAT THE FUCK. Aber dann direkt: Danke, Racingblog!

Ich wünsche Euch einen perfekt gezirkelten Drift ins Jahr 2026, beste Gesundheit, Freude und Tatendrang! Mein Vorsatz bleibt klar: mehr voneinander hören! Ob Ihr es wollt, oder nicht.

In memoriam: Verstorbene Racer aller Kategorien!

Bilderquelle / Copyright: ADAC Motorsport, DPPI, Felix Töllich, IMSA, IndyCar (Penske Entertainment), Pirelli

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1 Kommentare

Estika 14 Januar, 2026 - 09:54

Der Text wirkt sehr authentisch und bleibt lange im Kopf. Gerade die leisen Töne und die ehrliche Art machen diesen Rückblick besonders lesenswert. Es ist kein typisches „Best of“, sondern eher ein persönlicher Moment zum Nachdenken.

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