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Formel Eins: Das Fahrer-Ranking 2025 – P1 bis P10

von DonDahlmann
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Am Ende der Saison gibt es einen Fahrerweltmeister. Aber war Lando Norris auch der beste Pilot der Saison?

Rankings sind ja immer ganz lustig, aber auch nicht so einfach zu erstellen. Die WM-Position sagt dabei oft nur wenig darüber aus, was ein Fahrer in einer Saison geleistet hat. Gerade Fahrer aus dem Hinterfeld übersieht man gerne, da sie in den TV-Bildern nicht so oft auftauchen und Zweikämpfe im Hinterfeld selten verfolgt werden. Ein weiteres Problem für gute Fahrer, die weiter hinten starten müssen, ist, bzw. war der DRS-Train, der sich in jedem Rennen gebildet hat. Selbst Piloten mit deutlich besseren Autos hatten so ihre Probleme durchs Hinterfeld zu kommen. Was auch bedeutet, dass man noch weniger Chancen hatte, sich in Szene zu setzen.

Daher entspricht die Liste nicht den WM-Platzierungen. Sie stammt aus den Notizen, die ich mir den Fahrern über die gesamte Saison gemacht habe. Dafür habe ich noch mal die die pdfs der Zeitnahme der Rennen angeschaut, bin Sektoren durchgegangen und habe das dann mit einem eigenen Texten hier im Blog abgeglichen.

Hier aber die Liste mit ein paar Anmerkungen zu den Fahrern

1. Max Verstappen

Nico Rosberg sagte in diesem Jahr bei Sky F1 UK den bemerkenswerten Satz: “Das Unheimliche an Verstappen ist, dass er auch noch immer besser wird.” Verstappen hatte eine bemerkenswerte Saison und dabei in den ersten Rennen kein Auto zur Verfügung, das besonders gute Ergebnisse zugelassen hätte. Der Red Bull kämpfte mit einem sehr engen Abstimmungsfenster und bockigem Fahrverhalten. Das klärte sich erst nach der Sommerpause, aber da lag Verstappen schon 104 Punkte hinter dem damals in der WM führenden Oscar Piastri.

Seine Aufholjagd im Herbst gehört wohl zu den imposantesten Dingen, die man in der Formel Eins jemals gesehen hat. Dabei half ihm allerdings auch die Tatsache, dass McLaren die Entwicklung des Autos mit dem Update in Österreich praktisch eingestellt hatte, während Red Bull bis in den September weiter am Chassis gearbeitet hat.

Es ist unbestritten, dass Verstappen im Moment der beste Fahrer im Feld ist. Allerdings hat seine negativen Seiten auch nicht abgelehnt. Sein Rammtstoß gegen Russell im spanischen Grand Prix, plus weitere, kleinere Vorfälle haben gezeigt, dass er sein Gemüt immer noch nicht unter Kontrolle hat. Seine Laune ist immer dann gut, wenn er gewinnt, wenn das Auto nicht passt, ist er schnell frustriert und lässt seine schlechte Laune dann an anderen aus. Nicht sehr weltmeisterlich.

2. Lando Norris

In einer Sache hat Norris den Weltmeister aus dem letzten Jahr klar geschlagen: Psyche. Norris ist nicht unanfällig für, sagen wir mal, melancholische Stimmungsschwankungen. Er nimmt eigene Fehler sehr ernst und neigt zum “Überdenken”. Ein bemerkenswerter Satz in seinem ersten Interview, nachdem er den WM-Titel gewonnen hatte, war: “Ich bin vor allem stolz darauf, Weltmeister geworden zu sein, weil ich mir treu geblieben bin.” Seine Leistungsschwankungen, primär im ersten Halbjahr, waren klar ersichtlich, ebenso sein Schock darüber, dass Piastri auf fast allen Strecken überlegen war.

Zwei Dinge haben sich dann geändert: Er hat eigene Fehler nicht mehr so schwer gewichtet und es ist ihm gelungen, jedes Rennen isoliert zu betrachten. Ein wenig erinnerte seine Herangehensweise an jene von Rosberg im Jahr 2016. Während Rosberg allerdings klar über seine Grenzen hinausgehen musste (und folgerichtig erkannte, dass er das nur einmal machen konnte), hat Norris eine mehr oder weniger versteckte Stärke in ihm dadurch erst gefunden. Ob er das wiederholen kann, wird man sehen.

Generell waren seine Leistungen aber bemerkenswert. Sie schwankten zu Beginn der Saison, aber nach der Sommerpause zeigte er die besten Rennen seiner Karriere. Seine Qualitäten, ultraschnell auf eine Runde und variabel in Racepace und Strategie, gehörten zu den besten im Feld.

3. Charles Leclerc

Das mag ein wenig überraschen, hat Leclerc in diesem Jahr nicht ein Rennen gewinnen können. Aber was der Monegasse aus dem Ferrari, der ab dem Rennen in China in seiner Leistung beschnitten war, über die Saison herausholen konnte, war schon bemerkenswert. Das Auto war vor allem nach dem Sommer klar schlechter als der Mercedes. Dennoch gelang es Leclerc, das Auto in die Nähe des Podiums zu bringen, und er leistete sich kaum Schnitzer in der Quali. Nach jedem Rennen hatte man das Gefühl, dass er im Auto wirklich alles gegeben hatte.

Sein Frust über das Auto und dessen beschränkte Fähigkeiten war ihm anzusehen. Aber anders als Teamkollege Hamilton, gelang es ihm um diese Beschränkungen herumzufahren. Das mag daran gelegen haben, dass das Auto stärker auf ihn zugeschnitten ist, aber das wird nicht der einzige Grund sein. Es ist vor allem sein Talent, das ihn in der Spitzengruppe hält.

Mir ist kein Rennen aufgefallen, in dem er besonders schlecht gewesen wäre. Manche Dinge sind nicht gut gelaufen, aber nie hatte man das Gefühl, dass er schwerwiegende Fehler gemacht hätte. Weder in den Zweikämpfen, noch in seiner Einschätzung der Strategie.

In einem anderen Auto oder einem besseren Ferrari hätte Leclerc um den WM-Titel fahren können.

4. Oscar Piastri

Es mag nicht ganz fair erscheinen, Piastri hinter Leclerc zu stellen. Immerhin dominierte der Australier die erste Hälfte der Saison und stellte seinen Teamkollegen deutlich in den Schatten. Er war so gut, dass man ihn auch besser als Verstappen bewerten musste. Seine Dominanz zeigte sich dann auch in der WM. Ende August lag er 36 Punkte vor Norris und 104 Punkte vor Verstappen.

Warum seine Leistung dann im Herbst so einbrach, ist von außen schwer einzuschätzen. McLaren hatte über den Sommer eine Anpassung an der Front vorgenommen, die Norris besser lag. Piastri gelang es dann lange nicht, sich auf die Veränderungen einzustellen. Hinzu kamen ungewohnte Fehler an den Rennwochenenden. In Baku landete er gleich zweimal in den Reifenstapeln. Das kann man sich in so einer engen Saison nicht wirklich erlauben.

Der Formeinbruch hatte dann auch zum ersten Mal Auswirkungen auf seine mentale Gelassenheit. Der sonst so ruhige Piastri wirkte am Funk oft nervös und manchmal geradezu wütend. Erst beim Rennen in Katar fand er zu alter Stärke zurück, was dann beim Finale in Abu Dhabi allerdings wieder etwas verflog.

Ich schätze Piastri und Norris ungefähr gleich schnell ein. Was dem Australier fehlt, ist allerdings Erfahrung, und das hat man dieses Jahr bemerkt.

5. George Russell

Die Frage, wie gut der Brite tatsächlich ist, bleibt trotz einer guten Saison weiterhin unbeantwortet. Was er allerdings aus dem eher schwachen Mercedes in diesem Jahr herausholen konnte, war schon sehr bemerkenswert. Das Auto war sicher nicht schlecht, hatte aber enge Limitierungen, vor allem bei hohen Streckentemperaturen, wenn diese mit hohen Abriebwerten gepaart waren. Russell leistete sich in diesem Jahr so gut wie keinen Fehler und war aggressiv genug, um einige Positionen besser ins Ziel zu kommen, als das Auto oft war.

Für Russell sprach in diesem Jahr eine große Ausgeglichenheit und Ruhe. Trotz des offensichtlichen Flirts von Mercedes mit Verstappen und der Tatsache, dass man eher an Antonelli denn an ihm festhalten würde, zeigte er fantastische Rennen und Ergebnisse. Antonelli hatte er zudem locker im Griff.

Zwei Siege unterstreichen, dass er den Mercedes über seine Möglichkeiten hinaus fahren konnte. Das Problem von Russell ist allerdings, dass er das unspektakulär macht. Es fehlen die großen Momente, die spektakulären Überholmanöver. Und daher ist es durchaus nachvollziehbar, dass nicht wenige in ihm keinen zukünftigen Weltmeister sehen. Ich kann die Kritik nachvollziehen, sehe das aber etwas anders. Die Limitierungen des Chassis ließen nicht mehr zu, und Russell kam damit sowohl im letzten Jahr als auch 2025 besser damit zurecht, als die Teamkollegen. Dass Mercedes die Saison auf dem zweiten Platz der Team-WM beenden konnte, war Russell zu verdanken.

6. Fernando Alonso

Es gab kaum ein Rennen, nach dessen Ende nicht ein völlig abgekämpfter Alonso aus dem Auto stieg und sich darüber freute, dass er P9 oder P8 belegt hatte. Es ist mehr als eine Anerkennung wert, dass ein zweifacher Weltmeister, der seit knapp zehn Jahren in Autos unterwegs ist, die weit unter den Möglichkeiten der Konkurrenz liegen, sich überhaupt noch motivieren kann. Aber den Spanier scheint das nur selten zu stören.

Dass er mit dem diesjährigen Aston überhaupt so oft in die Punkte kommen konnte, überraschte immer wieder. Auch wenn ein Vergleich mit seinem Teamkollegen nicht besonders gut ist, der Spanier schlug ihn mit 56 zu 33 Punkten. Das klingt nicht nach viel, aber wenn man bedenkt, dass Aston pro Rennen vielleicht drei oder fünf Punkte einfahren konnte, dann wird die Sache klarer.

Seit Jahren fragt man sich aber auch, wie gut Alonso tatsächlich noch ist. Das Alter dürfte auch bei ihm eine Rolle spielen. Ist Alonso also besser, als es das Auto eigentlich zulässt, oder würde ein Hadjar, Bearman oder Albon ihm seine Grenzen zeigen?

Da Vater Stroll keinerlei Anstalten macht, seinen Sohn im Team zu ersetzen, werden wir das so schnell nicht herausfinden. Aber Alonso hat auch 2025 gezeigt, dass er immer zu den absolut besten in der Serie gehört.

7. Isaac Hadjar

Der Franzose rutschte spät und etwas überraschend in die Serie, nachdem seine F2-Saison jetzt nicht so beeindruckend war. Die Erwartungen lagen zwar durchaus hoch, und wie hoch der interne Druck auf ihn war, sah man schon im ersten Rennen. Sein Ausrutscher und seine emotionale Reaktion kamen bei Helmut Marko nicht gut an. Gut, dass sich Hadjar davon nicht beeindrucken ließ und danach eine wirklich gute Saison hinbekam.

Er profitierte allerdings auch etwas durch das Fahrer-Chaos bei Red Bull. Lawson wurde nach nur drei Rennen demontiert und benötigte bis fast zur Sommerpause, um sich davon zu erholen. Hadjar konnte sich in dieser Zeit allerdings auch gut in Szene setzen und überraschte mehrfach mit guten Rennergebnissen.

Und das ist etwas, das besonders auffiel. Hadjar war gut in der Quali, aber im Rennen war er noch besser. Oft genug konnte er den RB in Positionen halten, in die er nicht wirklich hinein gehörte. Hinzu kommt seine für einen Rookie schon fast erschreckend gute Fähigkeit, die Rennpace einzuteilen und mit den Reifen hauszuhalten.

Er hat sich seine Beförderung ins Hauptteam zurecht verdient. Die Frage wird sein, ob er dann genauso untergehen wird wie Ricciardo, Gasly, Perez und Lawson zuvor.

8. Pierre Gasly

Ich halte Gasly ja schon seit Jahren für einen Fahrer, der notorisch unterschätzt wird. Ich halte in für besser als Ocon oder Albon und ungefähr in einer Liga mit Sainz oder Russell. Im richtigen Auto, da bin ich mir sicher, würde Gasly locker in den Top 5 der WM liegen. Dass er in diesem Jahr nur 22 Punkte einfahren konnte, spricht nicht einmal dagegen. Denn der Alpine war ein fürchterliches Auto. Die Überraschung ist eher, dass Gasly überhaupt so viele Punkte holen konnte.

Was vor allem daran lag, dass der Franzose den Alpine oft genug irgendwie in Q3 quetschte und so dann vor dem DRS-Zug im Mittelfeld lag. Was seinem Team dann oft mehr Möglichkeiten bei der Strategie eröffnete. Was sich dann wieder positiv auf die Ergebnisse auswirkte. In einem Jahr, in dem die Abstände so gering waren, war jede Position in der Quali Gold wert.

Ohne Gasly wäre Alpine in diesem Jahr völlig untergegangen. Was man an den Ergebnissen von Doohan und Colapinto sieht, die beide keinen Punkt einfahren konnten. Ich würde Gasly ein besseres Team wünschen, aber vielleicht wird es bei Alpine 2026 besser, wenn man Mercedes-Motoren einsetzt. (hahaha)

9. Carlos Sainz

Der Spanier hatte eine zweigeteilte Saison. Er tat sich schwer mit dem neuen Team und dem kaum verbesserten Williams aus dem letzten Jahr. Seine ersten Rennen waren daher schwach und Albon stellte ihn klar in den Schatten. Zudem machte Sainz den Fehler, den viele Fahrer machen, wenn die Leistungen nicht stimmen: Er forderte mehr vom Auto, als es leisten konnte. Was dann in vielen Fehlern endete. Lange sah es so aus, als würde Sainz nicht in der Lage dazu sein, Williams den Aufschwung zu geben, den man sich von ihm erhofft hatte.

Die Situation änderte sich aber langsam, aber je länger die Saison dauerte, desto besser wurde Sainz. Das zeigte sich zunächst vor allem in der Quali in der Sainz zunehmend besser wurde. Aber auch im Rennen zeigte Sainz dann bessere Ergebnisse. Im Herbst war es dann so weit, dass er klar besser als Alex Albon war und auch die besseren Ergebnisse hatte. Zweimal P3 mit dem Williams ist schon eine durchaus bemerkenswerte Leistung.

Es zeigte aber auch, wie lange es dauert, bis ein Fahrer den “sweet spot” für sich und das neue Team findet. In der enorm komplexen Formel Eins steigt niemand mehr einfach in ein neues Team und ein neues Auto und fährt schneller als der Teamkollege. Das Sainz das nach nur sechs Monaten gelungen ist, spricht auch für seine Arbeit neben der Strecke.

10. Alex Albon

Ich würde nicht so weit gehen, dass Albon im Schatten von Carlos Sainz gestanden hat, aber vor allem in den letzten sechs Monaten hat Albon gemerkt, wie es ist, wenn er einen ultraschnellen Teamkollegen hat. Seine bisherigen Co-Piloten waren dann doch von der schwächeren Sorte. Albon ist weiter ein überaus talentierter und sehr schneller Fahrer im Feld. Aber mit Sainz hat er nun einen gleichwertigen Partner.

Dass Sainz schneller sein würde, hatten manche erwartet. Aber so viel schneller war der Spanier dann auch nicht. Das Quali-Duell ging zwar mit 14:9 an Sainz, bei den Rennergebnissen war es aber genau umgekehrt (14:9 für Albon). Wenn man nur die Rennen ab Zandvoort nimmt, kommt man auf 5:4 für Albon (Ausfälle nicht mitgezählt). So schlecht war seine Saison also nicht.

Sicher ist, dass er sich wird anstrengen müssen. Sainz ist eine Benchmark und für Albon und seine weitere Karriere ist es enorm wichtig, dass er auf absoluter Augenhöhe mit seinem Teamkollegen ist. Sonst droht ihm irgendwann auch, dass er ersetzt werden könnte, sollte sich der Aufwärtstrend von Williams fortsetzen.

Bilder: Pirelli

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