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GT World Challenge Europe Endurance Cup: Analyse Barcelona

von Nils Otterbein
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Nach 39 Rennstunden hat der Endurance Cup mal wieder für ein äußerst spannendes Saisonfinale gesorgt. Am Ende sollte nur eine Position um den Titel entscheiden, während die Gesamtreihenfolge in einem turbulenten Rennen unerwartet ausfiel.

Mit der „Mamba“ von Winward, dem Porsche von Rutronik Racing und dem BMW von WRT gingen realistisch drei Autos mit Titelchancen in das Endurance Finale, was nach einem Abstecher nach Jeddah 2024, nun wieder nach Barcelona zurückkehrte. Mit einem Rekordfeld für Barcelona mit 60 Autos war bereits ein turbulenter Rennverlauf zu erwarten. Nach der Qualifikation am Sonntagmorgen war schon klar, dass sich die Meisterschaftskandidaten der Gefahr des Mittelfelds aussetzen mussten, nachdem Winward mit Engel/Auer/Cairoli auf der sechsten und Rutronik mit Müller/Picariello/Niederhauser auf der zehnten Position landeten. WRT verabschiedete sich nach einem Ergebnis außerhalb der Top20 bereits realistisch aus dem Titelrennen. Damit konnten Van der Linde und Weerts zusammen mit Ugo der Wilde nur noch auf den Titel der Gesamtwertung beider Teilmeisterschaften aus Sprint und Endurance hoffen.

Es sollte ein formidabler Auftritt von einigen aus dem Gold Cup werden, was die Pole für den McLaren von Garage59 unterstrich, eben nicht mit der #59 aus dem Gold Cup, sondern mit Smalley/Macdonald/Prette in der #58, die als erstes Auto aus dem Gold Cup überhaupt die Gesamtpole einfuhren. Das Schwesterauto war in der ersten Reihe, was zehn Kilo Zusatzgewicht für das Rennen bedeutete. Bei Mercedes, Porsche und BMW gab es keine Anpassungen – und damit auch nicht bei jenen Modellen, die ein sehr spannendes Finale im Pro Cup ausfahren sollten.

Rennen (Stint 1)

Alessio Picariello konnte von einer guten Reaktion auf dem langen Weg in die erste Schikane profitieren und kam mit seinem Rutronik Porsche bis auf die vierte Position nach vorne (ein Platzgewinn von sieben Plätzen!), während Maro Engel abkürzte und die Positionen nicht unmittelbar zurückgab, was im weiteren Verlauf des Rennens eine Zeitstrafe von zehn Sekunden nach sich zog. Zwar stand es erst nach dem ersten Stint fest, aber: Ein weit hinten startender WRT BMW und die Strafe für den gelben Mercedes ließ die Tür zum Titel für Rutronik sehr weit offenstehen! Nach einem Crash im Mittelfeld, in den mindestens vier Autos, darunter der Herberth Porsche beteiligt waren, kam es nach der Startrunde unmittelbar ohne Full-Course-Yellow zur ersten Safety-Car-Phase. Mit Dean Macdonald und Benjamin Goethe konnten sich die beiden McLaren vor Jules Gounon im Getspeed Mercedes an der Spitze halten.

Nach dem Restart folgte eine übliche Rennphase in Barcelona ohne nennenswerte Platzwechsel und besondere Vorkommnisse. Nach rund 30 Minuten Rennzeit wurde das Rennen für einen sehr langen Abschnitt neutralisiert, da der Ferrari #81 von Kessel Racing und der Winward Mercedes #8 in einem Zweikampf kollidierten. Der Ferrari war nach einem Aufprall in die Betonmauer heftig beschädigt, weshalb sicherheitshalber auch die Medical Crew zum Einsatz kam. Nicoló Rosi konnte offenbar unbeschadet das Wrack verlassen.

Damit wurde das Rennen so lange von FCY und einer anschließenden Safety-Car-Phase neutralisiert, dass fast das gesamte Feld den ersten Stopp in dieser Phase absolvieren konnte. Wie üblich gilt es das Prozedere zu bedenken, dass ein früher Stopp in dieser Phase bzgl. Track Position massiv belohnt wird, da man logischerweise nach dem Stopp auf das Feld aufschließen kann. Durch die vorgeschriebene Stintlänge von 64 Minuten, bzw. 69 Minuten im Falle einer Neutralisation, wurden die Stopps von einigen so lange hinausgezögert, um lediglich einen weiteren Stopp machen zu müssen. Die beiden führenden McLaren und der WRT BMW #32 gingen bei 2:16h Restzeit des Rennens zu ihrem Stopp, Rutronik und Winward exakt eine Runde später. Durch den späteren Stopp verloren sie so viel Track Position, dass somit der WRT BMW der beste unter den Meisterschaftsaspiranten war. Zum Zeitpunkt des Restarts befanden sie sich auf den Plätzen 12 (De Wilde/WRT), 18 (Sven Müller/Rutronik) und 19 (Cairoli/Winward). Aufgrund des Punkterückstands war WRT damit dennoch weit weg von Titelchancen. Der Restart erfolgte exakt zur Stundenmarke.

Rennen (Stint 2)

Der UNX Porsche, der seit Spa im Endurance Cup startet, versuchte eine Risikostrategie ohne Stopp und war zwischendurch sogar vorne. Durch einen sehr frühen Stopp in der langen Safety-Car-Phase ging jedoch unmittelbar nach dem Restart der Walkenhorst Aston Martin aus dem Silver Cup an die Spitze vor zwei McLaren aus dem Gold Cup. Einerseits von Optimum Motorsport, die eine ähnliche Taktik wie Walkenhorst mit noch zwei ausstehenden Stopps fuhren, sowie der #58 als Polesetter.  In der Folge wurden diverse Strafen für die Startaktionen bzgl. Abkürzens der Strecke bekanntgegeben, darunter die Strafe für den Winward Mercedes, der es damit nicht mehr in der eigenen Hand hatte. Allerdings stand fest: Rutronik musste mindestens Siebter in der Gesamtwertung werden, was auch nach dem Restart ein hartes Stück Arbeit werden sollte.

Die besten Fünf innerhalb des Stints kamen aufgrund der unterschiedlichen Strategien nicht aus dem Pro Cup, was es für die Meisterschaftsanwärter zunehmend unübersichtlich werden ließ. Zu allem Überfluss fuhr sich Sven Müller auch noch leicht die Frontlippe am Ferrari von Yifei Ye ab, was sich jedoch im weiteren Rennverlauf nicht als Problem herausstellte. Nachdem sich das Feld mit einigen „3-Stoppern“ weiter lichtete, kam es kurz vor Ende des Stints zur nächsten FCY- und anschließenden SC-Phase, nachdem der Attempto Audi durch einen selbstverschuldeten Dreher Ausgangs der Schikane im Mittelteil der Strecke hart in die Mauer knallte. Dieser Crash „rettete“ diejenigen, die ihren ersten Stopp bei etwa 2:17 oder 2:16h Restzeit erledigten, sofern es am Ende zu einem Stint über 64 Minuten ohne die fünfminütige Verlängerung gekommen wäre.

Alle kamen somit fast zeitgleich zu ihrem zweiten turnusgemäßen Stopp. Damit lagen Louis Prette im McLaren von Garage59 und Jens Klingmann im AlManar WRT BMW vorne, beide aus dem Gold Cup. Als bestes Silber-Fahrzeug lag Alex Aka hinter Arthur Leclerc und vor Raffaele Marciello auf dem vierten Gesamtrang. Da Matteo Cairoli seine Strafe unter FCY nicht absitzen durfte, wurden die zehn Sekunden am Rennende draufaddiert. Lucas Auer dürfte sich im Winward Mercedes damit ähnlich wie eine Woche zuvor in seinem Landgraf Mercedes in Hockenheim beim DTM-Finale gefühlt haben. Er war machtlos und musste hoffen, dass Patrick Niederhauser nicht genug Plätze aufholt, denn: Es musste eine Aufholjagd vom elften auf den siebten Gesamtrang her!

Rennen (Stint 3)

Bei 53 Minuten Restzeit erfolgte der Restart und Patrick Niederhauser machte deutlich, was sein Auftrag sein sollte: Nach Alessio Rovera ging er in der anschließenden Runde an Larry Ten Voorde im Schumacher CLRT Porsche vorbei, der zusammen mit Alessandro Ghiretti die beim Petit Le Mans fahrenden Laurin Heinrich und Klaus Bachler ersetzte. Nach einem weiteren Manöver an Marco Sörensen im Aston Martin und dem achten Platz hat nur noch eine Position gefehlt – und die sollte lange den Titel am seidenen Faden hängen lassen!

Rundenlang biss sich Niederhauser die Zähne an Harry King im Red Bull folierten Aston Martin von Verstappen.com aus. Klar war: King/Lulham/Vermeulen war bereits der Titel im Gold Cup nicht mehr zu nehmen, unabhängig von einem Platzverlust gegen den Porsche. Der Porsche hätte ihnen keine Punkte weggenommen, umgekehrt in der Gesamtwertung sehr wohl. Die Lücke nach vorne wurde in dieser langen Phase immer größer, weshalb er auf einen weiteren Platzgewinn nicht mehr hoffen konnte. Es stand fest: Wenn Rutronik den Titel holt, müssen sie vorbei! Erst zehn Minuten vor Rennende war es dann soweit und King lies die Tür weit auf, ob auf Empfehlung vom Team, nicht als Gold-Teilnehmer in den Meisterschaftskampf einzugreifen, oder einer Unachtsamkeit, werden wir vielleicht nie erfahren.

In diesem Moment ist Winward, bzw. Mercedes AMG schon zum dritten Mal binnen weniger Wochen das Gleiche passiert, einen Titel im letzten Rennen zu verlieren. Beim Finale vom Sprint Cup in Valencia war es eine schwache Qualifikation und beim DTM-Finale in Hockenheim waren es mit Engel und Auer ebenfalls wenige Punkte zum Titel. Auch mit dem Titel in der kumulierten Gesamtwertung können sie sich nicht trösten, da dieser mit einem starken sechsten Platz an Van der Linde/Weerts nach deren Titelgewinn im Sprint Cup geht.

Louis Prette machte den Sieg für Garage59 als Teilnehmer im Gold Cup perfekt. Der von WRT eingesetzte AlManar BMW mit Jens Klingmann kam ebenfalls aus dem Gold Cup als Zweiter vor dem Rowe BMW über die Ziellinie. Auch noch zu erwähnen ist der Audi von Attempto auf dem fünften Gesamtrang aus dem Silver Cup, vielleicht im letzten Rennen für einen R8 in der europäischen World Challenge. Rutronik gewann auf dem 15. Platz neben der Gesamtwertung auch den Bronze Cup. Mit einem Punkt konnten sie damit den Titel gewinnen, obwohl sie keines der fünf Endurance Rennen gewinnen konnten. Hilfreich waren die Teilpunkte durch den starken Rennverlauf mit dem zweiten Platz bei den 24 Stunden von Spa.

Meister der Kategorien

Im Gold Cup war dem Verstappen.com Aston Martin mit Vermeulen/Lulham/King unter Leitung von 2Seas Motorsport der Titel nicht mehr zu nehmen, auch wenn Garage59 und AlManar in der Gesamtwertung kräftig aufzeigen konnten. Dies war nach den guten Leistungen im Sprint Cup von Lulham/Vermeulen auch gleichbedeutend mit dem Gesamttitel beider Teilchampionate.

Im Silver Cup gab es als einzige Klasse unterschiedliche Meisterautos im Endurance Cup und der Gesamtwertung. Der Endurance-Titel ging an den BMW von Century Motorsport mit Jansen/Waberski/Moore, während die Gesamtwertung an den Mercedes von Boutsen VDS mit Panis/Gezeau ging.

Der Bronze Cup war dieses Jahr mit über 30 Punkten Vorsprung der deutlichste Cup aller Fahrerkategorien. Mit Dustin Blattner und Dennis Marschall kamen beide Meister mit dem Umstieg vom Rutronik Porsche auf den Kessel Ferrari ideal zurecht. Conrad Laursen komplettierte das Team im Endurance Cup. Ähnlich wie bei Ziggo Sport Tempesta im letzten Jahr ist dieser Titel auch wieder gleichbedeutend mit dem Startplatz bei den 24 Stunden von Le Mans. Mit Kessel Racing ist also erneut ein weiterer Ferrari in der LMGT3-Klasse am Start, dieses Mal wieder mit einem gewohnten Team, was bereits einige Auftritte in Le Mans hatte.

Für den internationalen GT3-Sport geht es damit in die finalen Wochen, die z.B. aus dem Saisonfinale der Intercontinental GT Challenge in Indianapolis, dem letzten Wochenende der GT Open in Monza, dem WEC-Saisonfinale in Bahrain und dem GT3 Weltfinale in Macau bestehen.

Die GT World Challenge Europe startet 2026 wieder im April mit dem Lauf in Le Castellet.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=238)

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