Auch am zweiten Testtag gab es wenig Überraschungen. Aber einige Teams hatten doch mehr Probleme als erwartet.

Dass Honda leichte Probleme hat, konnte man angesicht der Umstände erwarten. Der komplett neue Motor bereitet noch jede Menge Sorgen. Was eigentlich nicht sein sollte, denn auf den Testständen müsste der Motor mittlerweile mehrere Saison hinter sich haben. Aber die Probleme sind größer als gedacht. Autosport berichtete im Liveticker, dass man Informationen darüber habe, dass der Öltank falsch konstruiert sei. Offenbar sorgen die Fliehkräfte dafür, dass der Motor nicht genug Öl bekommt. Das wäre fatal und kaum nachvollziehbar für einen erfahrenen Hersteller wie Honda. Aber – ein Motorschaden am Vormittag unterstreicht die Gerüchte dann doch deutlich.

Ob sich das Problem so einfach lösen lässt, kann man von außen, ohne die genaue Konstruktion des Motors zu kennen, nur schwer beantworten. Normalerweise eher nicht, denn die Form des Öltanks lässt sich nicht so einfach verändern. Vielleicht findet Honda aber auch eine andere Lösung. Dass das Problem überhaupt entstanden ist, liegt vermutlich auch an der Trennung der beiden Entwicklungsabteilungen. Der Motor wird in Japan entwickelt und gebaut, das Chassis in Woking. Offenbar stimmt da etwas in der Kommunikation nicht so richtig.

Vandoorne kam auch nur auf 40 Runden und bildete damit fast das Schlusslicht in Sachen Stints. Nur Williams lag schlechter. Auch die Rundenzeiten blieben wie gestern eher mau bei McLaren. Der Verdacht liegt hier aber nahe, dass Honda nicht volle Leistung freigibt. McLaren verliert auf jeden Fall wertvolle Zeit bei den Tests.

Auch andere Teams hatten heute Probleme. Sauber hatte ebenfalls einen Motorschaden des 2016er Ferrari zu beklagen, was überraschend ist. Hier weiß man aber nicht, wie alt der Motor schon war. Renault kam am Vormittag nicht raus, weil man neue Teile an das Auto bauen wollte, was länger dauerte als gedacht. Und Williams konnte den Tag schon nach ein paar Runden abhaken, weil Rookie Lance Stroll den FW40 in die Botanik feuerte. Dabei entstand wohl ein Schaden am Unterboden und man musste einen neuen aus England einfliegen lassen. Ein zweites Chassis hat man offenbar nicht fertig und dabei.

Die Zeitentabelle wurde mal wieder von Mercedes angeführt, deren Auto wie ein Uhrwerk läuft. Dahinter etabliert sich der Ferrari. Red Bull blieb auch am zweiten Tag unterhalb des Radars, was jetzt aber nicht ungewöhnlich für das Team ist. Die meisten Beobachter vor Ort vermuten eh, dass Red Bull mit einem Auto testet, dem noch etliche Aero-Teile fehlen. Da wird die zweite Testwoche vielleicht interessanter.

Ein Auge muss man schon jetzt auf den Force India haben. Zwar wurde das Team auch von kleineren Problemen geplagt (gebrochener Auspuff), aber wenn der Wagen unterwegs war, war er wie gestern sofort schnell. Offenbar funktioniert der Force India aus dem Stand sehr gut.

Auch der Haas zeigte eine gute Performance, aber da wird man abwarten müssen, ob sich das über die Testwochen bestätigt. Grundsätzlich scheint der Wagen aber ein Schritt nach vorne zu sein. Probleme hatte man kaum.

Ansonsten zeigte sich vorne das übliche Bild. Mercedes und Ferrari lagen in Front, wobei Mercedes wohl mehr Sprit im Tank hat als die Italiener oder Red Bull. Auffallend war, dass der Wagen in T8 und T9 nur zögerlich einlenkte und sowohl Bottas als auch Hamilton etwas warten mussten, bis sie wieder aufs Gas gehen konnten. Ein leichtes Untersteuern, das vermutlich auf den vollen Tank zurückzuführen ist. Sollten die Zeiten von Mercedes wirklich mit vollem Tank gefahren sein, dann kann sich die Konkurrenz warm anziehen.

Der Ferrari macht grundsätzlich einen sehr soliden Eindruck, aber wie gesagt, hier sollte man vorsichtig sein wegen der Spritmenge. Aber langsam sind die Italiener nicht. Red Bull bleibt auch am zweiten Tag ein Mysterium. Die immerhin drittschnellste Zeit spricht für sich, aber wirklich schnelle Runden hat man nicht gesehen.

Mal sehen, was der dritte Tag der Tests heute bringt.

PositionFahrerTeamZeitAbstandReifen
1Kimi RäikkönenFerrari1.20.960Soft
2Lewis HamiltonMercedes1.20.9830.023Supersoft
3Max Verstappen Red Bull1.22.2001.240Soft
4Kevin MagnussenHaasF11.22.2041.244Supersoft
5Esteban OconForce India1.22.5091.549Supersoft
6Daniil KvyatToro Rosso1.22.9561.996Soft
7Valtteri BottasMercerdes1.22.9862.026Soft
8Joylon PalmerRenault1.24.1393.179Soft
9Antonio GiovinazziSauber1.24.6173.657Soft
10Stoffel VandoorneMcLaren1.25.6004.640Soft
11Lance StrollWilliams1.26.0405.080Medium

Gefühlte Reihenfolge im Moment:
Mercedes
Ferrari
Red Bull
Force India
Haas
Renault
McLaren
Sauber
(Williams ohne richtige Zeit)

Bilder: Daimler AG, Ferrari, Red Bull Mediahouse/Getty Images, Force India, McLaren F1, Sauber F1, Renault Sport, HaasF1, Williams F1