Das Daytona 500 und damit das erste Rennen unter neuem Namen und „optimierten“ Regeln ist Geschichte. Wie vermutet verlief es zwar turbulent, aber von der Dynamik her dann doch nicht ganz so wie erwartet. Am Ende gewann Kurt Busch, der sich erst in der letzten Runde eines Benzinkrimis die Führung sicherte.

Analyse Daytona 500 2017

Zunächst muss ich sagen, dass ich nach den Rennen der Trucks und der XFINITY Series mehr oder weniger Albträume beim Gedanken an das Cup-Rennen hatte. Den Altstars müssen in den unteren Klassen die Haare zu Berge gestanden haben, nachdem die Trucks bereits in der zweiten Runde ihren Big-One hatten. Die Rookies, die immerhin fast die Hälfte des Feldes ausmachten, wollten das Rennen unbedingt in Umlauf zwei gewinnen. Auch in der zweiten Liga kam man nicht so richtig in Schwung und benötigte gut zwei Stunden für die ersten beiden Stages, weil es ständig knallte. Vor allem zum Ende der Segmente waren die Top-10-Platzierungen enorm umkämpft – eigentlich genau das Szenario, das man auf einem Superspeedway nur maximal einmal braucht und nicht in dreifacher Ausführung.

Das Daytona 500 überraschte dann jedoch mit einer sauberen und unterhaltsamen ersten Hälfte ohne Single-File-Racing. Es blieb erstaunlich ruhig, vermutlich weil die Veteranen die beiden Rennen der Vortage gesehen hatten. Der einzige nennenswerte Zwischenfall ereignete sich kurz vor Ende der zweiten Stage, als Kyle Busch ein Hinterreifen um die Ohren flog. Er räumte leider nicht nur Dale Earnhardt Jr. ab, sondern riss mit Erik Jones und Matt Kenseth auch zwei weitere Toyotas ins Verderben. Anschließend konnte Busch keine lobenden Worte für Goodyear aufbringen, was jetzt eher noch geschönt umschrieben ist. Im Nachhinein sollte dies aber glücklicherweise der einzige Vorfall dieser Art im Great American Race bleiben.

Nachdem Kyle Busch zuvor das erste Segment gewinnen konnte, holte sich Kevin Harvick anschließend in Stage 2 seine zehn Bonuszähler und einen möglichen Playoff-Punkt ab. Dann müssen jedoch irgendwo mehrere Sicherungen durchgebrannt sein, denn die Go-Time wurde extrem verfrüht zum Beginn des dritten und letzten Segments in Runde 120 eingeläutet. Zwei ausgewachsene Big-Ones und zwei kleinere Zwischenfälle nahmen innerhalb von nur 30 Umläufen folglich fast die Hälfte des Feldes aus dem Rennen. Warum es da so extrem gekracht hat, kann man hinterher nur vermuten. Jeder Pilot wollte sich vermutlich einfach früh die beste Ausgangslage für das Finale sichern und der ruhige Rennbeginn hat dann einige Fahrer wohl zusätzlich ermutigt.

Nach dem Motto „Ging ja bisher alles gut!“ wurden dann komplett irre Four-Wide-Manöver ausprobiert, an denen Jamie McMurray und Chase Elliott nicht gerade unschuldig waren. Schlussendlich erkannte man dann aber die Zeichen und riss sich in den letzten 50 Runden zusammen. In der Vorbereitung auf das echte Finish wurde zeitweise sogar Single-File gefahren. Vorne setzten sich zehn bis zwölf Fahrzeuge von den Verfolgern ab, deren Namen man zu 80 bis 90 % wohl eher nicht da vorne erwartet hätte. Aber gut, es ist schließlich die übliche Restrictor-Plate-Lotterie und man gönnt es den kleinen Teams natürlich auch irgendwie.

Die letzten Runden, aus denen Kurt Busch siegreich hervorging, präsentierten sich sehr unübersichtlich. Theoretisch gesehen hätte jeder Fahrer aus der genannten Spitzengruppe das Daytona 500 gewinnen können. Der Grund dafür war vor allem die Benzinstrategie, denn die letzten 50 Runden liefen ausnahmslos unter grüner Flagge ab. Das Spritfenster war mit gut 45 Runden dann nicht komplett außer Sicht und natürlich versuchten alle Piloten, in diesem prestigeträchtigen Rennen irgendwie zu gewinnen. Nach Martin Truex Jr. und Chase Elliott bekam in der letzten Runde auch der bis dahin Führende Kyle Larson ein Problem. Busch konnte das frühzeitig erkennen und sich mit einem schwungvollen Manöver auf der Außenbahn die Spitzenposition sichern.

Hinter Kurt Busch liefen Ryan Blaney und AJ Allmendinger ein, die leider nicht mehr schnell genug zusammenfinden konnten, um der #41 Druck zu machen. Die Top-5 komplettierten Aric Almirola und Paul Menard. Dahinter gelang es Joey Logano, Kasey Kahne, Michael Waltrip, Matt DiBenedetto und Trevor Bayne, in diesem Teilzeit-Crashfest noch eine Top-10-Platzierung abzustauben. Das neue Punktesystem sorgt sicher noch für einige Verwirrung, denn wer erwartet schon Kevin Harvick auf Rang 4, der im Rennen nur Platz 22 retten konnte – die neuen Segment-Punkte machten hier den Unterschied. Bei den Stages waren wir uns ja schon vorher einig, dass diese auf einem Superspeedway irgendwie plemplem sind. Eigentlich hatte wir nur Glück, dass die Cup-Fahrer es in der Anfangsphase so besonnen haben angehen lassen.

Race-Results
Driver-Standings
Owner-Standings

Vorschau Atlanta 2017

Das neue Rennkonzept kann sich dann am nächsten Wochenende auf dem Atlanta Motor Speedway hoffentlich erstmals richtig bewähren und gebührend präsentieren. Ich gehe schon davon aus, dass die zusätzlichen Punkte ein Event in Fontana, Pocono oder eben Atlanta deutlich spannender machen können. Die Fahrer und Teams werden größere Risiken eingehen, nicht nur auf, sondern auch neben der Strecke – nämlich bei der Strategie. Hole ich mir wenigen Runden vor dem Segmentende noch frische Reifen oder versuche ich lieber, Track-Position zu gewinnen oder zu halten?

Kritische Stimmen werden natürlich den Einwand bringen, dass das Feld so noch mehr durcheinandergewürfelt wird und das Racing weiter in Richtung Lotterie läuft. Da mögen die Kritiker zwar mit einem oberflächlichen Blick richtig liegen, doch tiefer betrachtet bekommt die Strategie an dieser Stelle eine wesentlich größere Bedeutung. Das gefällt mir persönlich sehr gut, denn so muss ein Team das beste Gesamtpaket aus Technik UND Gehirnschmalz mit an die Strecke bringen. Auf dem Oval versucht halt niemand z. B. einen Undercut, dafür sind die Cautions zu unberechenbar. Es wird in Zukunft nicht mehr reichen, das beste Auto aus dem Truck zu holen und vorne wegzufahren. Jetzt kommt es umso mehr darauf an, in wichtigen Momenten die richtige Entscheidung zu treffen.

Auf dem 1,5 Meilen langen Intermediate Oval werden am Sonntag übrigens nur 39 Fahrzeuge antreten, alle drei gemeldeten Open-Teams sind damit startberechtigt. Dies betrifft #51 – Cody Ware (Rick Ware Racing), #55 – Derrike Cope (Premium Motorsports) und #83 – Corey LaJoie (BK Racing). Ansonsten sitzt nun Reed Sorenson in der #15 von Premium Motorsports und Gray Gaulding übernimmt das Steuer der #23 bei BK Racing. Sich auf einen Sieger festzulegen, grenzt an Wahnsinn. Atlanta ist der erste richtige Stimmungstest unter normalen Bedingungen. Die Teams haben über den Winter hart gearbeitet und auch Stewart-Haas Racing ist nach dem Wechsel zu Ford und dem Bau von eigenen Chassis eine größere Unbekannte in dieser Rechnung. Ich lasse mich überraschen…

Entry-List

Zeitplan & TV-Programm:

Freitag, 03.03.
16:00 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
17:00 Uhr, Truck Series Practice, FS1
18:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS1
19:30 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
20:30 Uhr, Truck Series Practice, FS1
21:30 Uhr, XFINITY Series Final Practice, FS1
22:30 Uhr, Truck Series Final Practice, FS1
23:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Qualifying, FS1

Samstag, 04.03.
15:00 Uhr, XFINITY Series Qualifying, FS1
16:30 Uhr, Truck Series Qualifying, FS1
18:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Final Practice, FS1
20:00 Uhr, XFINITY Series Rennen (Rinnai 250), FS1
22:30 Uhr, Truck Series Rennen (Active Pest Control 200), FS1

Sonntag, 05.03.
20:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Rennen (Folds of Honor QuikTrip 500), FOX