Auch Ferrari hat heute den neuen Einsatzwagen vorgestellt. Der Ferrari SF70H soll die sieglose Serien der Italiener endlich beenden.

Bei Ferrari ist Feuer unter dem Dach. CEO Sergio Marchionne ist unzufrieden, der Stuhl von Teamchef Arrivabene soll schon wackeln und Sebastian Vettel äußert sich nur sehr zurückhaltend über die Saison 2017. Nach dem Desaster aus dem letzten Jahr, dem Rauswurf von James Allison (Mercedes bedankt sich) und der Beförderung von Mattia Binotto vom Motoren-Chef zum Chefentwickler kann man aber auch durchaus etwas skeptisch sein. Ferrari versucht, die Probleme mit hauseigenen Mitteln und Personal in den Griff zu bekommen. Das kann klappen, wie man bei Force India sieht. Das muss aber nicht klappen, wie Ferrari immer mal wieder über Jahrzehnte gerne gezeigt hat. Allein dass Arrivabene weiterhin für alles zuständig ist, zeigt, dass Ferrari immer noch keine neuen Management-Strukturen aufgesetzt hat. Ob das bei einem solchen Team noch zeitgemäß ist? Selbst Force India hat im Grunde zwei Teamchefs. Einen fürs Team, einen für die Politik und die Sponsoren. De facto ist bei Ferrari Marchionne der Boss, aber nie an der Strecke, das darf dann Arrivabene erledigen.

Das, was Ferrari dann heute mit dem SF70H gezeigt hat, ist dann auch bei weitem nicht so auffallend neu wie bei Mercedes oder McLaren. Die Front: konservativ, allerdings mit einer sehr breiten Nase ausgestattet. Damit also ganz anders als das, was Mercedes und zu einem gewissen Grad McLaren gezeigt haben. Die Nase ist kurz, der S-Duct – kaum zu sehen – kommt vor einer kleinen Stufe am Ansatz der Nase raus.

Auffällig sind erst mal zwei Dinge. Die merkwürdig geformten Lufteinlässe der Seitenkästen, die aus einem Barge Board und einer weiteren Öffnung oben bestehen, und der im Bild erst auf den zweiten Blick zu erkennende Mini-Flügel auf der Heckfinne. Das hat man gestern auch beim Mercedes gesehen. Offenbar soll das dünne Flügelchen die Anströmung zum Heckflügel verbessern. Interessant, dass Mercedes und Ferrari da offenbar unabhängig voneinander auf die gleiche Idee gekommen sind.

Ansonsten ist der gezeigte SF70H eine kleine Mogelpackung. Es fehlen die Turning Vanes unter der Nase und hinter den Reifen. Es fehlen Barge Boards an der Seite. Es fehlen die Turning Vanes hinten im Heck und neben dem Heckflügel. Daher lässt sich über die endgültige Aero des Wagens einfach nichts sagen. Generell wirkt die Konstruktion auf den ersten Blick eher konservativ und vorsichtig. Aber vielleicht kommen die innovativen Elemente ja noch zum Start der Saison.


Bilder: Ferrari