Alles neu bei McLaren. In diesem Jahr setzt man auf das traditionelle Orange als Lackierung und der Name des Wagens ist auch neu.

Wenn man böse wäre, könnte man sagen “Spyker is back”. Tatsächlich ist aber das gewählte Orange nicht neu. Bekanntermaßen waren früher die ersten McLaren Prototypen alle samt in dieser Farbe lackiert. Der Rennstall besinnt sich auf seine alten Traditionen. Und gibt dem ehemaligen Chef von McLaren, Ron Dennis, gleich noch zwei Ohrfeigen mit dem auf dem Weg. Zum einen mochte Dennis das Orange nie, zum anderen bricht man mit einer langjährigen Tradition, die Dennis eingeführt hatte. Statt MP4-32 heißt der neue Wagen nun MCL32. Das MP4 stammte aus der Zeit, als Dennis sein als F1 Team gedachtes “Project 4” mit McLaren verschmolz. Vorher hießen die Fahrzeuge einfach “M” samt Nummer. Interessanterweise behält man aber die Nummerierung, die Dennis eingeführt hatte, dann doch bei. Auf jeden Fall wird man sich an das Orange gewöhnen müssen.

Interessant ist auch durchaus das Fahrzeug. Der MCL32 bietet vor allem rund um die Barge Boards und die Lufteinlässe einiges sehr auffällig kompliziertes in Sachen Aerodynamik. Die Ingenieure haben da ein kleines modernes Kunstwerk hingebastelt. So etwas kompliziertes, hat man in dem Bereich noch nicht gesehen. Auf (von uns aufgehellten) Fotos kann man ganz gut erahnen, was die Briten da gemacht haben. An der Front setzt McLaren auf eine etwas breitere Nase, nebst einer sehr ausgefallenen Konstruktion an den Seiten. Wie bei Mercedes will man offenbar die Luft möglichst auch breit um das Auto herumführen. S-Duct und eine sehr kurze Nase sind offenbar in diesem Jahr das Maß der Dinge. Anders als Force India kam McLaren aber knapp an einer Stufe im vorderen Bereich herum.

Die verwirrend angeordneten Barge Boards sollen die stark durch die Reifen verwirbelte Luft wieder beruhigen und vor allem sauber in die Lufteinlässe der kleinen Seitenkästen führen. Die sind wirklich extrem klein, wie man auf dem Foto sehen kann. Sie sind so klein, dass kaum die “Coca-Cola” Form des Hecks hinbekommt. Was am komplett neuen Honda-Motor liegt, den die Japaner im Verlauf des letzten Jahres gebaut haben. Man hat tatsächlich fast alles neu gebaut, was natürlich auch ein erhebliches Risiko darstellt. Während Ferrari, Mercedes und Renault ihre Konzepte kennen, fängt Honda mehr oder weniger wieder bei Null an. Da darf man gespannt sein.

Der MCL32 ist ein aerodynamisch sehr komplexes Auto. Während Mercedes eher auf Evolution setzt, setzt McLaren voll auf Angriff. Derartig komplexe Ideen wie bei McLaren haben allerdings den Nachteil, dass man sie auf der Strecke auch erst einmal verstehen muss. Ob das alles (und bei allen Temperaturen, Dichte usw.) so funktioniert, wie im CFD und Windtunnel, muss man erst einmal sehen. An der Stelle sei an Audi erinnert, die mit dem letztjährigen Fahrzeug auch erst mal klar kommen mussten. Man geht viel Risiko ein bei McLaren, auf der anderen Seite kann es ja kaum schlechter laufen, als die letzten Jahre. Sollte der Honda-Motor im Bereich des Renault liegen (und halten) und sollte die Aerodynamik so funktionieren, hat man zumindest die Chance auf einen großen Sprung nach vorne. Aber das sind alles Konjunktive.


Bilder: McLaren