Das gestrige Rennen des Sprint Cups gehörte durchaus zu den besseren Rennen des Jahres. Überholschwierigkeiten mit dem CoT? Keine Spur. Langeweile vorne bei 400 Runden? Kaum. Einzig die Entscheidung um den letzte Platz im Chase war etwas mau, was daran lag, dass David Ragan sich leider früh aus dem Rennen schoss. Kasey Kahne hatte zu keiner Zeit auch nur den Hauch einer Chance Clint Bowyer zu schlagen, der auch ein sehr taktisch kluges Rennen fuhr und sich den letzten Platz im Chase sichern konnte. Etwas unverdient vielleicht, denn Kahne hat ja immerhin zwei Siege anzubieten. Ansonsten ging es vorne munter zur Sache und kaum ein Fahrer konnte sich nachhaltig absetzten. Was auch an den 14 Cautions lag.


Denn dauernd hing irgendeiner in der Mauer oder verteilte die Reste seines Wagens auf der Strecke. So kam wenig Fluss ins Rennen und die Segmente zwischen den Pausen hatten eher Sprint Charakter. Und da es in Richmond vor allem darum geht, eine möglichst gute Postition im den Top Ten zu haben, wurde ziemlich gebolzt. Höhepunkt war wohl der Kampf zwischen Earnhardt jr. und Kyle Busch. An gleicher Stelle hatte Busch Anfang Mai Junior zwei Runden vor Schluss in die Mauer geschubst, als er diesen überholen wollte. Seit dem hat Busch sein “Bad Boy” Image und ca. 99% der Rennbesucher hatten auch gestern noch einen dicken Hals. Der allerdings schnell abschwoll und sich in Jubel verwandelte, als Junior versehentlich (*hüstel*) Kyle Busch in einen schönen, langen Dreher schickte, der in der Mauer endete. Die Leute schrieen sich ihre Freude derartig von der Seele, dass den Moderatoren außer laut zu lachen auch nichts mehr einfiel. Fair war das nicht, aber ein klassischer Payback. In der NASCAR lacht man über sowas, in der Formel Eins würde man Gerichte bemühen. Am Ende gewann Jimmie Johnson vor einem wild kämpfenden Tony Stewart. Der Chase steht also – und er findet ohne Dodge statt. Das könnte Konsequenzen haben.

Dodge gehört bekanntlich zu Chrysler, die wiederum zu der privaten Investmentgruppe Cerberus Capital Management gehören. Denen hat die Krise auf dem US-Immobilienmarkt nicht großartig geschadet, aber Chrysler steckt, wie alle US-Hersteller, gerade in einer tiefen Absatzkrise, die vor allem auch Dodge betrifft. Die Marke hat mit dem Pick-Up Modell “Dodge Ram” in den letzten Jahren Geld gemacht, aber Pickups laufen halt wegen der Spritpreise nicht mehr und daher hat die Cerberus Gruppe ein wachsames Auge auf die Ausgaben. Schon Ende 2007 hat man sich größtenteils aus der NASCAR CTS Serie zurück gezogen, Ende dieses Jahres streicht man auch dem letzten Werksteam, Bobby Hamilton Racing, die Unterstüzung und zieht den “Ram” faktisch aus der Serie zurück. Bisher heißt es noch, dass diese Entscheidung nichts mit dem Engagement in der NW Serie oder um Cup zu tun hat, aber es wurde in diesem Jahr wieder deutlich, dass man von Dodge nicht mehr beste Material bekommt. Es gibt etliche Gerüchte, dass Ganassi und auch Penske überlegen, zu Toyota zu wechseln. Das man den Chase nicht geschafft hat, wird Sorgenfalten bei den Teams nur noch vergrössern.

Nächste Woche geht es aber los. 12 Fahrer, 10 Rennen, 1 Meisterschaft. Zur Erklärung für die, die zum ersten Mal einen Chase mitmachen, bzw. zur Auffrischung:

1. Die Punkte der 12 ersten Fahrer nach dem Rennen in Richmond werden jeweils auf 5000 festgesetzt. Jedes gewonnene Rennen in der bisher laufenden Saison gibt aber 10 Bonuspunkte für den Chase. Daraus ergibt sich folgender Meisterschaftsstand:

1) #18-Kyle Busch 5080 [8 Siege]
2) #99-Carl Edwards 5050 [6 Siege, ihm wurden 10 Punkte für den Sieg in Fontana aberkannt]
3) #48-Jimmie Johnson 5040 [4 Siege]
4) #88-Dale Earnhardt Jr. 5010 [1 Sieg]
5) #07-Clint Bowyer 5010 [1 Sieg]
6) #11-Denny Hamlin 5010 [1 Sieg]
7) #31-Jeff Burton 5010 [1 Sieg]
8) #20-Tony Stewart 5000
9) #16-Greg Biffle 5000
10) #24-Jeff Gordon 5000
11) #29-Kevin Harvick 5000
12) #17-Matt Kenseth 5000

Kyle Busch geht also aufgrund seiner Siege mit 80 Punkten Vorsprung vor Kenseth & Co in den Chase. Die Punkteverteilung in den folgenden Rennen bleibt wie gehabt.

Wer hat die besten Chancen im Chase?
Schaut man sich die Saison und die letzten vier Wochen an, muss man wohl drei Namen nennen: Kyle Busch, Carl Edwards und Jimmie Johnson. Dass sich Edwards und Busch um die Krone streiten würden, war relativ früh klar. Dass Johnson noch dazu stossen würde eher nicht. Aber rechtzeitig zum Chase scheint Hendrick Motorsport wieder voll da zu sein. Johnson konnte gestern noch einen Sieg einfahren, Junior war ebenfalls permanent in der Spitzengruppe. Nur Jeff Gordon hat dieses Jahr massive Probleme.

Aussenseiterschancen haben sicher Tony Stewart, der gestern nah einem Sieg dran war und zweiter wurde, und vielleicht noch Junior. Der Rest wird wohl nicht eingreifen können. Aber der Chase hat seine eigenen Gesetze. Im letzten Jahr rutschte Clint Bowyer auch nur gerade so in den Chase rein, gewann das erste Rennen und war dann lange der einzige Konkurrent für Johnson, der am Ende aber sicher den Titel holte. Aber RCR ist in diesem Jahr nicht gut aufgestellt. Es reicht für gute Top Ten Ergebnisse, aber mehr auch nicht. Ernsthaft habe ich Kenseth, Harvick, Biffle, Bowyer, Hamlin und Burton nicht auf der Rechnung.

Die Streckenverteilung sieht so aus:

1. New Hamsphire – 1 Meile Shorttrack mit 12 Grad Banking (Sieger im 1. Rennen: Kurt Busch)
2. Dover – 1 Meile Shorttrack mit 24 Grad Banking (Sieger im 1. Rennen: Kyle Busch)
3. Kansas – 1.5 Meilen Oval mit 15 Grad Banking (Nur ein Rennen pro Saison)
4. Talladega – 2,5 Meilen Oval mit 33 Grand Banking (Restictor Plate) (Sieger im 1. Rennen: Kyle Busch)
5. Lowe’s Speedway – 1,5 Meilen Oval mit 24 Grad Banking (Sieger im 1. Rennen: Kasey Kahne)
6. Martinsville – 0,5 Meilen Shorttrack mit 12 Grad Banking (Sieger im 1. Rennen: Denny Hamlin)
7. Atlanta – 1,5 Meilen Oval mit 24 Grad Banking (Sieger im 1. Rennen: Kyle Busch)
8. Texas – 1,5 Meilen Oval mit 24 Grad Banking (Sieger im 1. Rennen: Carl Edwards)
9. Phoenix – 1 Meile Shorttrack mit 9 bis 11 Grad Banking (Sieger im 1. Rennen: Jimmie Johnson)
10. Miami – 1.5 Meilen Oval mit 18 bis 20 Grad Banking (Nur ein Rennen pro Saison)

Die Strecken sprechen den Zahlen nach für Kyle Busch. Aber da sollte man vorsichtig sein. Dover wird Carl Edwards zugerechnet, dem “King of concrete”, der gerne und gut auf Betonstrecken unterwegs ist. Um in Talladega zu gewinnen braucht man auch viel Glück und den passenden Draft-Partner und da sich Busch in diesem Jahr nicht gerade viele Freunde gemacht hat, könnte sich das in den letzten Runden rächen. In Atlanta und Texas sehe ich Edwards und Busch gleich auf. Johnson wiederum hat nach der gestrigen Performance gute Chancen in Martinsville, New Hampshire und Phoenix. Da ist also für alle alles drin.

Ich weiß auch noch nicht, auf wen ich mein Geld setzen würde. Busch und Edwards waren noch nie in der Position im die Cup Meisterschaft zu fahren, Johnson hat mit Chad Knaus den wohl zur Zeit ausgebufftesten Crew Chief an seiner Seite, was man Ende gerade bei Sprit-Rennen ein massiver Vorteil sein könnte. Während sich die drei beharken könnten aber auch Tony Stewart und vor allem Dale Earnhardt jr. lange im Rennen um die Meisterschaft bleiben. Wenn Junior, so wie die ganze Saison, regelmäßig in die Top 5 fährt, könnte er am Ende der lachende Sieger sein. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Chase so ausgeglichen wie die letzten Rennen zeigt, und es keine Kyle Busch Festspiele geben werden. Ein Chase, in dem beim letzten Rennen noch fünf Fahrer Chancen auf den Titel haben, täte der NASCAR und dem immer noch umstrittenden Format sehr gut.

[Sorry, keine Bilder heute, NASCAR hat bisher nichts hochgeladen an dass ich dran komme]