Das Carl Edwards gestern das Rennen in Michigan relativ ungefährdet gewinnen konnte, ist die eine Sache. Die andere, dass Kyle Busch in Edwards offenbar einen ernstzunehmenden Gegner in der Meisterschaft hat. Edwards und das Roush Team sind eine echte Größe im Kampf um den Cup, denn im Herbst folgen einige Strecken, die dem Team liegen sollten.

Carl Edwards und sein Crewchief Bob Osborne streiten gerne. Und das oft. Über die richtige Strategie, über die Veränderungen am Wagen während des Rennens und vermutlich auch darüber, was Edwards morgens anziehen soll. Edwards bezeichnete sein Verhältnis zu Osborne als “…eine langjährige Ehe”. Am Ende rauft man sich halt zusammen. Osborne und das Roush Team haben in diesem Jahr offenbar das abgekupfert, was letztes Jahr Jimmie Johnson zur Meisterschaft getrieben hat: abwartend fahren, keinen Stress im langen Mittelteil des Rennens, um dann in den letzten 10 Runden möglichst vorne zu sein. Das Rezept ist nicht so spektakulär wie die Fahrweise von Kyle Busch, aber erfolgreich ist es trotzdem. Und so baut Edwards langsam Druck auf Busch auf, von dem viele immer noch sagen, dass er sich nur selber schlagen kann. Ich bin mir da nicht so sicher, auch wenn natürlich viel davon abhängt, wie beide in den Chase starten.

Während das Rennen nicht allzuviel Spannung bot, ging es im Mittelfeld ordentlich zur Sache. Der Grund dafür ist der Stand in der Chasewertung. Die ersten Fünf wohl sicher drin sind, sieht es zwischen Platz sechs und 14 mächtig eng aus:

06. Tony Stewart 2871
07. Greg Biffle 2854 -17
08. Kevin Harvick 2812 -59
09. Jeff Gordon 2791 -80
10. Matt Kenseth 2783 -88
11. Kasey Kahne 2756 -115
12. Denny Hamlin 2735 -136

13. Clint Bowyer 2709 -162
14. David Ragan 2709 -162

Da ist also noch alles drin. Und in alle folgenden Rennen gilt es jeden nur erdenkbaren Punkt zu ergattern. Jeder Platz, jede Führungsrunde – alles zählt und am Ende kann es entscheidend sein ob man einmal 23 oder 24 geworden ist. Wie blank die Nerven jetzt schon liegen, sieht man an Danny Hamlin, der gestern fünf Runden vor Schluss mit einem kapitalen Motorschaden ausfiel. Nach dem Rennen rotzte er folgendes in die Mikros:

We came here with a new engine package, and we’re a bubble driver. We just make stupid choices. We can’t keep our cars together. We have dash malfunctions, motors breaking. At this point, we don’t even deserve to be in the Chase.”

Und daraus wird sich in den nächsten Rennen auch die Spannung bilden. Sicher – wer gewinnt ist immer interessant, aber was da hinten im Chase passiert, dürfte sich vermutlich erst beim Rennen in Richmond entscheiden. Die fünf anderen Fahrer, die jetzt schon qualifiziert sind, haben ja schon mehr oder weniger auf die Entwicklung für den Chase umgestellt. Selbst für der gestrige Sieger verkündete nach dem Rennen, dass das ein sehr guter Test für den Chase war.

Wo ich gerade bei Wertungen bin: In der Top 35 Wertung sieht es im Moment so aus:

32. #22 Dave Blaney 1807
33. #55 Michael Waltrip 1788
34. #77 Sam Hornish 1771
35. #66 Scott Riggs 1761

36. #83 AJ Allmendinger 1748
37. #00 Michael McDowell/Mike Skinner 1719

Auch da ist jede Menge Pfeffer drin. Bemerkenswert ist das Comeback von AJ Allmendinger, der ja auch um einen Vertrag kämpft. Im Hintergrund lauert Scott Speed, der drauf und dran ist, die ARCA Meisterschaft zu gewinnen.

F1 – Mercedes mit 25 PS mehr?
Die Motorenentwicklung ist eingefroren. So heißt es. Man darf aber durchaus an der Peripherie rumfummeln, aber am Motor selber nicht. Die Regelung ist offenbar auslegenesfähig. Das hat auch Fernando Alonso bemerkt, der seinem Team vorwarf die Regeln etwas zu genau zu nehmen. Andere Teams, so der Spanier, hätten da weniger Probleme. Es fällt in der Tat auf, dass die Renault vor allem beim Start im Moment chancenlos sind. Das kann damit zu tun haben, wie der Renault V8 seine Kraft entwicklet, aber auch damit, wieviel Power man insgesamt hat. Das Ferrari einen der stärksten Motoren im Heck hat, ist kaum eine Überraschung. Die Höchstgeschwindigkeitsmessungen haben die Italiener immer wieder gewonnen, doch in letzter Zeit taucht auch häufig McLaren vorne auf. Die “auto, motor und sport” berichtet nun (nicht online), dass man bei Mercedes 25 PS gewonnen hätte, und man somit das stärkste Triebwerk im Feld hätte.
Die AMS ist in Mercedes Dingen eigentlich immer gut informiert, aber 25 PS im Laufe einer Saison? Das erscheint mir etwas sehr viel, wenn BMW davon berichtet, dass man allenfalls PS-Fortschritt zwischen 2 und 4 PS erreichen könnte. Ich kenne mich in der Technologie, die dahinter steckt, nicht aus und ich kann auch nur schwer einschätzen, welche Grauzonen das Regelwerk bietet. Kann also sein, dass Mercedes recht hat. Kann aber auch sein, dass das alles zur üblichen Desinformationspolitik gehört. Mit solchen Meldungen kann man den Gegner zumindest nervös machen und vielleich dazu treiben, Komponenten einzusetzen, die vielleicht noch nicht ganz ausgetestet sind.

Wie dem auch sei – wie man sieht ist der Kampf um die WM im vollen Gange.

Und sonst?
– Casey Mears soll angeblich den vierten Wagen bei RCR bekommen. Hm.

– Das ist so ein wenig an mir vorbei gegangen. Patrick Friesacher hat einen heftigen Unfall bei den A1 GP Testfahrten gehabt. Erst sah es nicht weiter schlimm aus, aber ein paar Tage später fand drei angebrochene Brustwirbel. Damit fällt er mindestens drei Monate aus womit seine Saison für dieses Jahr wohl beendet ist. Gute Bessserung!

– Vorschau auf das kommende Wochenende – Besser nichts vornehmen: F1/GP2 Valencia, ALMS Mosport, IRL Infinion, FIA GT Bukarest und natürlich die NASCAR auf dem wundervollen Bristol Oval.